Kommentar / Rezension / Kolumne

Riss in der Zeit von Ahima Beerlage – Rezension

Ganz anders als erwartet. Besser. Bewegender. Bedeutender.

Darum geht es in Riss in der Zeit:

Zehn quälende Jahre lang ist Jana vor ihrer Vergangenheit geflohen. Erst bei Frauke fühlt sie sich, als sei sie endlich in einem sicheren Hafen angekommen. Aber ihre Geliebte darf niemals herausfinden, wer Jana wirklich ist – weil ihr Geheimnis nicht nur ihre Beziehung, sondern ihre ganze Existenz zerstören könnte.

Plötzlich aber steht die Wahrheit unangemeldet vor der Tür. Und Jana muss sich ihren lang gefürchteten Dämonen stellen, um Frauke, ihre Liebe und sich selbst zu retten.

Riss in der Zeit: Viel mehr als ein lesbischer Liebesroman

Riss in der Zeit hat mich in vielerlei Hinsicht überrascht. Die Buchbeschreibung hat mich auf eine Liebesgeschichte neugierig gemacht. Vielleicht auf ein spannendes Beziehungsdrama. Letztlich kommt Ahima Beerlage allerdings mit dem gefühlvollen Psychogramm einer Ausgestoßenen ums Eck.

Und mit Fragen, die ich mir bis heute nie gestellt habe, die totgeschwiegen und vernachlässigt werden, obwohl sie überaus wichtig und gesellschaftsrelevant sind: Was geschieht mit den Angehörigen und Freunden eines von der Öffentlichkeit gehassten Straftäters? Wohin mit der Schuld, wenn niemand da ist, der sie tragen kann? Und wie gehen wir als Gesellschaft mit Schuldigen um?

Weiter gehe ich hier nicht ins Detail, weil ich nichts von der wichtigen Botschaft des Romans vorwegnehmen möchte. Mich hat das das Buch sehr nachdenklich zurückgelassen. Ahima Beerlage schafft es, die LeserIn für dieses heikle Thema zu sensibilisieren, indem sie tiefe Einblicke in die Gefühle, Ängste und Gedanken ihrer Charaktere zulässt.

Gleichzeitig hinterfragt Riss in der Zeit die grundlegenden Werte einer Beziehung: Vertrauen, Verstehen, Vergeben… Wie viel kann ich von meiner Partnerin verlangen und was bin ich ihr schuldig, zu geben?

Fakt ist: Es lohnt sich definitiv, Riss in der Zeit zu lesen!

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Der Schreibstil ist pragmatisch und unverblümt. Passt also zur Protagonistin, der Butch Jana. Ihr Charakter wurde authentisch ausgearbeitet, weckt Mitgefühl und Verständnis.

Ein wenig mehr Raffinesse hätte ich mir an manchen Stellen dennoch gewünscht. Ahima Beerlage präsentiert uns jede Gefühlsregung und deren unmittelbare Konsequenz auf einem Silbertablett, was die Geschichte einerseits gut nachvollziehbar und ihre Botschaft unmissverständlich macht. Andererseits nimmt dieser Umstand auch jegliche subtile Spannung. Die LeserInnen sind durchaus in der Lage, mitzudenken und zu -fühlen, auch ohne Erklär-Bärin!

Trotz des kleinen Wermuttropfens gebe ich dem Roman 5 Sterne für ein schlüssiges, emotional ansprechendes Gesamtkonzept.

Hier geht’s zur Leseprobe, zudem könnt ihr euch auf lovelybooks mit anderen LeserInnen über das Buch austauschen.

Riss in der Zeit von Ahima Beerlage ist als ebook und Taschenbuch im Krug & Schadenberg Verlag für lesbische Literatur erschienen. Unter der ISBN: 978-3-95917-017-8 findet ihr das Buch in allen Onlineshops oder könnt es in der Buchhandlung eures Vertrauens bestellen.

Wir danken Ahima Beerlage und dem Verlag Krug&Schadenberg herzlich für das Rezensionsexemplar. Daran war nicht die Bedingung einer positiven Bewertung geknüpft.



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3 Comments

  1. […] AVIVA Berlin* • lesbianchic* […]

  2. 27. April 2020 at 16:08

    Danke, liebe Madeleine. Das freut mich sehr! (:

  3. 22. April 2020 at 11:12

    eine schöne Besprechung, deren Aussagen ich voll teile!

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