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Bist Du SCHÖN? Was die Gesellschaft über Schönheit denkt

Glänzende Rehaugen, gerade geföhnte Haare, roter, voller Mund, perfekt geschminkt, dünne Taille, lange Beine, schlanker Schwanenhals. Das Model Luzia lächelt mich an. Sie ist schön. Ich will so sein wie sie. Bin ich aber nicht. Sie scheint glücklich zu sein. Ich bin es nicht…

Schönheit – ein Wahn

Wie kann es sein, dass unsere Gesellschaft ein derart krankmachendes Bild von Schönheit erschaffen hat? Wie kann es sein, dass unser heutiges Schönheitsideal zu einem Wahn wurde, dem sich fast alle Menschen unterworfen haben? Wie können gesellschaftliche Werte, die sonst überall Individualität fördern, in dem Bereich “Schönheit“ so abgegrenzt und normiert sein?

Der Mensch, wie es ihn schon vor tausenden Jahren gab, strebte immer nach Schönheit. Denn der schöne Mensch darf nicht krank sein. Kranke Menschen sind schlechte Genträger, sie sind nicht die optimalen Partner für die Familiengründung.

Schöne Menschen sind gesund, haben ebenmäßige Haut, eine positive Ausstrahlung und straffe Muskulatur. Alles Attribute, die der Schönheit zugeschrieben werden.

Durchschnittlich = Schön

In einer Studie hat man Bilder von vielen Gesichtern übereinander gelegt, bis ihre Eigenschaften verschmolzen und einen optischen „Durchschnitt“ ergaben. Die Summe tausender Gesichter. Dieser Mittelwert, dieses Durchschnittsgesicht wurde von den Probanden als schöner eingestuft als die einzelnen Gesichter.

Charakteristische Merkmale, zum Beispiel übermäßig grossen Ohren, lange Nasen, weit auseinanderstehende Augen etc. werden als Ausreißer und als weniger schön wahrgenommen. Warum? Weil wir als „gut“ empfinden woran wir gewöhnt sind, was uns bekannt und sicher erscheint.

Schönheit innerhalb der Konsumgesellschaft

Nun hat sich das Schönheitsideal im Laufe der Zeit geändert. In früheren Zeiten, als noch Hungersnot herrschte, war die wohlgenährte Frau das Ideal der weiblichen Schönheit.

Wer wohlgenährt war, hatte genug Reserven, eine Geburt zu überstehen. Auch stand eine gewisse Leibesfülle für Status, da sich nur Reiche den Luxus erlauben konnten, so viel zu essen, wie sie wollten.

Heute finden wir das andere Extrem: Je dünner, umso besser! Essen, so viel sie will, kann heutzutage jede. Nur die Willensstarke kann verzichten. Fettleibigkeit gilt als Masslosigkeit. Wer fett ist, ist ein Opfer der heutigen konsumwütigen Welt. Wer hingegen schlank ist, hat sich diesem Sog entzogen. Sie ist schön.

Wir können also von einer Paradoxie der gesellschaftlichen Werte sprechen. Einerseits stellt sie den Konsum in den Mittelpunkt, definiert den Menschen als etwas, das konsumieren muss, anderseits entwürdigt sie die Menschen, die diesem Trend folgen; speziell jene Menschen, die diesem Trend im Bereich Nahrung folgen, und ehrt diejenigen, die verzichten, nicht konsumieren, also schlank bleiben.

Adipostitas, also Fettsucht ist ein Thema, dass unsere Gesellschaft arg belastet, und eine Problematik, die sich je länger, je mehr zuspitzt. Wir selber tragen die Schuld, da wir eine Gesellschaft begründet haben, deren oberstes Ziel das Konsumieren ist.

Wir selber können Adipostitas nur bekämpfen, wenn wir die gesellschaftlichen Werte verändern. Doch dazu ist die Lobbyarbeit der Gegner, die von unserer Konsumhaltung masslos profitieren, zu gross. Wir können den Menschen nicht sagen: „Kauft, soviel ihr wollt. Kauft Fernseher, Kleider, Elektrogeräte, aber bei der Nahrung, bitte, da sollt ihr massvoll sein.“ Das wäre unglaubwürdig.

Auch wenn wir durch die heutige Konsumhaltung viel gewonnen haben, wie Wohlstand, Produktdiversifikationen und eine hohe Lebensqualität, zeigt das Thema “Adipostitas“, dass diese Haltung auch Nachteile mit sich zieht.

Schönheit – ein Diktat der Medien?

Um zurück zum Thema Schönheit zu kommen: Es scheint regelrecht so, dass die Suche nach Schönheit, die Schönheitssuche zu einem Schönheitswahn ausgeartet ist. An Medien lassen sich die momentanen gesellschaftlichen Werte gut ablesen. Und was sehen wir in den Medien? Dürre, perfekt gestylte, verführerisch blinzelnde, meist kaukasische Mädchen, die Produkte präsentieren, die keiner braucht. Punkt. Mehr nicht.

Dies ist eigentlich die Zusammenfassung, die Reduktion auf das Wesentliche der heutigen gesellschaftlichen Werte. Und wir Menschen, wir lesen die Zeitschriften, wir schauen fern, wir begegnen in unserem alltäglichen Leben all den Werbeplakaten; wir sind also diesen degenerierenden gesellschaftlichen Misswerten ausgesetzt. Tag für Tag.

Schon lange haben Marketingfachleute herausgefunden, dass man den Leuten nicht einfach ein Produkt verkaufen kann. Unsere Grundbedürfnisse sind schon lange gedeckt. Der eigentliche Hauptnutzen eines Produktes ist sekundär geworden.

Vielmehr müssen Marketingfachleute, um ein Produkt erfolgreich auf den Markt zu bringen, an individuelle Selbstverwirklichungsbedürfnisse appellieren. Und die sind, neben Gesundheit (Functional Food) und Jugendlichkeit vor allem eines: Schönheit. Die Schönheitsbranche, mit all ihren Produkten wie Cremes, Make-up und plastischer Chirurgie ist ein Milliardengeschäft! Und wir alle sind auf der Suche nach Schönheit.

Studien belegen, dass schöne Menschen nicht nur als sympathischer und gesünder eingeschätzt werden, man hält sie auch für klüger und erfolgreicher. Schönheit ist also nicht nur ein Faktor, der die Partnersuche erleichtert, sondern eine Dimension, die unser ganzes Leben bestimmt. Schöne Menschen werden eher eingestellt und leichter befördert. Damit ist die folgende Frage auch schon beantwortet: Wie viel Schönheit braucht der Mensch, um glücklich zu sein?

In der heutigen Gesellschaft lautet die gefühlte Antwort: So viel wie nur möglich! Oder wie die Zigarettenmarke Winston einmal in einer Werbekampagne propagierte:

„No need to be perfect, if you look good.“



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