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Mein erster „Gay-Urlaub“

Im letzten Herbst habe ich meinen ersten richtigen „Gay-Urlaub“ verbracht. Warum ich euch erst jetzt davon berichte? Nun, bei den aktuellen Wetterverhältnissen wünscht sich wohl die eine oder andere, in die Wärme zu flüchten. Und vielleicht geht es euch ja auch gleich wie mir, und ihr solltet bereits jetzt euren Arbeitgeber darüber informieren, wann ihr dieses Jahr gedenkt, Ferien zu beziehen. Lasst euch also inspirieren!

Die Ansprüche

Letzten Herbst wollte ich mal wieder richtigen Entspannungsurlaub geniessen. Will heissen: Irgendwo hin, wo’s warm ist, wo meine Freundin und ich uns wohl fühlen, wo Frau, je nach Lust und Laune, aber auch Ausflüge unternehmen, und sich amüsieren kann. Nur: wir hatten keine Lust auf Strandferien in einem Hetero-Hotel-Komplex inklusive Familien mit schreienden Kindern, wo wir allenfalls auch noch von lüsternen Männern tagein tagaus angestarrt und angebaggert werden, sobald wir uns berühren oder küssen. Oder gar ein Theater veranstaltet wird, wenn wir zu erkennen geben, dass wir ein Paar sind. Entgegen der gängigen Art und Weise, Urlaub zu buchen (stundelanges und nervtötendes Rumsurfen im Internet auf der Suche nach den günstigsten Schnäppchen), wandten wir uns deshalb an ein Reisebüro. Ja, ihr habt richtig gelesen. Total old-school, ich weiss. Aber mit vielen Vorteilen.

Pink Cloud

Im Reisebüro „Pink Cloud“, einer Marke von KUONI, das sich auf lesbischwules Reisen spezialisiert hat, trafen wir auf Ray und sein Team. Was sofort positiv auffiel: die Mitarbeitenden sind mit Herzblut und viel Freude bei der Sache. Unsere Bedürfnisse wurden detailliert erfragt und ernst genommen, die vorgeschlagenen Destinationen und Hotels sind sorgsam ausgewählt, und auf die Bedürfnisse von Lesben und Schwulen ausgerichtet. Frauen liebende Frau kann sich also absolut darauf verlassen, dass die Angebote wirklich halten, was sie versprechen, und sie sich während ihrer Ferien rundum wohl fühlen wird. Innerhalb von wenigen Tagen hatten wir uns für Urlaub in der gay Bungalow-Anlage „Los Almendros“ an der Playa del Ingles auf Gran Canaria entschieden, und konnten uns daraufhin beruhigt zurücklehnen. Bucht ihr nämlich über Pink Cloud, wird alles Weitere unkompliziert und zur vollsten Zufriedenheit der Kundinnen und Kunden organisiert. Und sollte etwas schief gehen (Krankheit, Umbuchung, Probleme am Flughafen oder an der Feriendestination, etc.), könnt ihr euch stets darauf verlassen, dass Ray und seine Leute sich der Angelegenheit annehmen, und alles in die Wege leiten werden, um das Problem zu  lösen. Anmerkung am Rande: Wer glaubt, wir hätten mehr bezahlt, als wenn wir online gebucht hätten, liegt übrigens komplett falsch.

The only lesbians in the gay resort

Als wir im „Los Almendros“ ankamen (natürlich fuhr uns ein vom Reisebüro organisierter Shuttle-Bus dortin – Luxus!), wurden meine Freundin und ich von den Angestellten sofort überschwänglich begrüsst. Wir fühlten uns auf Anhieb überaus willkommen. Ein erster Blick auf die anderen anwesenden Gäste, die es sich auf Liegen rund um den Pool gemütlich gemacht hatten, verriet: Wir waren die einzigen Frauen vor Ort. Da wir uns aber generell sehr gut mit schwulen Männern verstehen, erschien uns das alles andere als problematisch – im Gegenteil: Urlaub mit sympathischen und offenen Gays ist mir um ein vielfaches lieber als Zickenkrieg unter Lesben (letzteres kriegen wir ja hierzulande zu genüge mit). Und die einzigen „lesbians in the gay resort“ zu sein bot einen weiteren Vorteil: Die Inhaber vom „Los Almendros“ waren von uns so angetan, dass wir während des ganzen Aufenthalts wie Prinzessinnen behandelt wurden. Dagegen hatten wir natürlich absolut nichts einzuwenden.

Gran Canaria – mehr als nur Sonne und Strand

Im Vergleich zu unseren schwulen „Mitbewohnern“ gestalteten wir unseren Urlaub jedoch etwas anders: lagen sie von frühmorgens (also direkt nach der After-Hour) bis kurz vor Sonnenuntergang reglos am Pool, wollten wir auch etwas von der Insel sehen. Also setzten wir uns mit unseren KUONI-Kontaktmann in Verbindung, und erhielten ausführliche Informationen über mögliche Unternehmungen. Wir entschieden uns für eine Jeep-Fahrt in das Landesinnere, und lernten Gran Canaria von einer mir bis dahin unbekannten Seite kennen: statt Strand und Meer waren da plötzlich Landschaften, die an den Grand Canyon erinnerten, zu sehen, das Thermometer sank von 25 Grad Celsius auf gegen 0. Eine interessante Erfahrung, die ich absolut weiterempfehlen kann – warme Kleidung solltet ihr aber unbedingt einpacken. Ein weiterer Ausflug führte uns zum Puerto de Mogan, auch bekannt als das „Venedig“ der Insel. Das Dorf, das wegen seiner vielen Wasserkanäle an die bekannte italienische Stadt erinnert, verströmt einen wundervollen Charme mit einem Schuss Romantik, und ist auch bekannt für seinen grossen Markt.

Das Gay-Paradies

Nun gut, bis hierhin haben sich meine Ausführungen, abgesehen von unserer Unterkunft, nicht nach wirklichen Gay-Ferien angehört. Ich habe wohl etwas unterschlagen, was für Gran Canaria, speziell für die Playa del Ingles, einfach ganz normal ist: ÜBERALL UND ZU JEDER TAGES- UND NACHTZEIT SIND SCHWULE UND LESBEN ANZUTREFFEN. HÄNDCHENHALTEND, RUMKNUTSCHEND, KUSCHELND. Egal, ob wir in der Mittagssonne durch die Dünen und später dann am Strand entlang liefen, am Nachmittag in einem der vielen Restaurants ein spätes Mittagessen oder am Abend ein exquisites Dinner genossen: die Gay-Community ist nicht nur omnipräsent, die Einheimischen wie auch die Touristen begegnen uns auch mit überaus grossem Wohlwollen. Ganz besonders fällt das im Shopping-Center „Yumbo“ auf, wo es neben unzähligen Kleidergeschäften auch viele Gay-Bars, Spielhöllen, sowie einige Clubs und Travestieshows zu besuchen gibt, und die Schwulen und Lesben gemeinsam mit den Heterosexuellen die schönen Seiten des Lebens in vollen Zügen geniessen.

Ich habe mich während meines Urlaubs unglaublich wohl gefühlt. Schön, gibt es Orte, wo wir einfach sein können, wie wir sind. Schön gibt es Orte, wo vor allem das harmonische Zusammensein zählt – und viel weniger, wer welche sexuelle Orientierung hat. Ich für meinen Teil bin sicher bald wieder auf Gran Canaria anzutreffen. Bis dahin gibt es aber noch viele weitere Destinationen zu entdecken. Ich werde mich dabei sehr gerne wieder auf das Know-How von Pink Cloud verlassen, und empfehle allen Leserinnen wärmstens, es mir gleich zu tun.

 

Frage an die chicen lesbian chicks: Ist es euch eigentlich wichtig, im Urlaub unter euresgleichen zu sein? Bucht ihr die Unterkunft anhand des Kriteriums, ob es zumindest gay-friendly ist? Oder spielen andere Überlegungen und Ansprüche eine wichtigere Rolle? Könnt ihr den anderen Leserinnen bestimmte Destinationen oder Hotels empfehlen? Ich bin gespannt auf eure Rückmeldungen!



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10 Comments

  1. Monica Tschanz
    29. Juni 2013 at 18:48

    Da so direkt danach gefragt wird, gebe ich gerne ein paar Griechenland-Tipps:
    Mehrheitlich schwul, aber auch lesbisch gepraegt ist die Insel Mykonos, manche Straende sind fest in Gay-Haenden, und es gibt nette Gay-Lokale wie die Piano Bar oder Katharina’s Bar sowie verschiedene Night-Clubs. Mir ist da nur einmal passiert, dass ein Spanner mir und meiner Freundin hinterher gelaufen ist, da wir uns gekuesst hatten. Einige Hotels sind ebenfalls sehr gay oder sogar ausschliesslich, Pink Cloud ist da ebenfalls hilfreich.
    Die Insel Lesbos ist der Lesben-Treffpunkt, mit Frauen-Hotels und einem Lesben-Festival im Sommer. Die Bevoelkerung ist zum Teil nicht so sehr gluecklich damit, fuer einen grossen Teil ist es aber voellig ok und wir werden herzlich aufgenommen.
    Beide Insel, Mykonos und Lesbos sind bekannt fuer ihre tollen Parties.
    In Suedwest-Kreta, in der Naehe von Plakias, gibt es das Frauenferienhaus Cassiopeia – ausschliesslich fuer Frauen, und meine Ifigenia Apartments – naeher am Strand und fuer alle offen, wobei natuerlich viele Frauen hier bei mir Urlaub machen. Die Einheimischen sind sehr offen und freundlich, ich hab nie von negativen Erlebnissen gehoert, ich selbst wurde nur einmal belaestigt, allerdings von einem Touristen. Frauen, die ueber die Insel reisen, berichten mir immer wieder von nur positiven Erfahrungen, dass sie als Frauen nicht belaestigt werden und als Lesben willkommen sind.

  2. lea
    28. Juni 2013 at 22:53

    Hi!
    Obwohl ein bisschen spät, interessiert mich diese Frage brennend! Meine Freundin und ich kommen immer wieder enttäuscht von den Ferien zurück. Ferien bedeuten für uns, Zeit miteinander verbringen zu können und unsere Zweisamkeit zu geniessen. Allerdings konnten wir das nie. Natürlich ist es uns bewusst, dass wir uns den kulturellen/religiösen Gegebenheiten anzupassen haben, allerdings wäre es schön, wenn wir wenigstens im Hotel/B&B genügend Akzeptanz und Intimsphäre hätten. Ist euch das nicht wichtig? Gibt es noch mehr Tipps/Destinationen/Hotels, die eine schöne Atmosphäre, Sauberkeit und Intimsphäre bieten?

  3. Goldlöckchen
    16. Februar 2013 at 21:41

    @Jas: Da gebe ich dir volkommen recht, Gran Canaria kann definiv nichts dafür, dass wir krank waren. Wir haben aber auch nicht das Gefühl noch einmal gehen zu müssen, weil wir wahnsinnig tolle Dinge auf dieser Insel verpasst haben, die wir im fitten Zustand erlebt hätten.
    Gran Canaria an sich fand ich ganz ok, aber jetzt auch nicht das Mass aller Dinge. Aber das ist einfach meine persönliche Meinung.
    Wir sind wohl auch einfach nicht für Strandferien gemacht, vieleicht versuchen wir es das nächste Mal mit Wandern. ;-)

  4. born2be
    15. Februar 2013 at 12:26

    ich kann diesen bericht nur bestätigten! habe die gleichen, positiven erfahrungen gemacht auf gran canaria und war mehr als einmal dort.. allerdings nie in der hochsaison sondern meist um september rum.

  5. 12. Februar 2013 at 10:09

    Hallo Tina

    Besten Dank für deine interessante Rückmeldung.

    Allenfalls hatten wir wirklich vom Timing her mehr Glück: wir waren Mitte Oktober dort, die „Massentouris“ waren zu dieser Zeit in der Unterzahl.

    Zum Yumbo: Natürlich gibt es dort viel Ramsch zu kaufen. Jedoch gibt es durchaus auch Läden, die meinen nicht gerade kleinen Shopping-Ansprüchen genügen konnten. Konkret haben wir uns bei 7 camicie unserem Kaufrausch hingegeben.

    Welche Destinationen haben dir denn besser gefallen? Hast du allenfalls Tipps, wo ich meine diesjährigen Herbstferien verbringen könnte?

    Viele Grüsse,
    Fabienne

  6. jas
    11. Februar 2013 at 22:12

    @goldglöckchen: Aber das hat doch nix mit dem Ort *Gran Canaria* zu tun,dass ihr armen krank wurdet – excuse me – und sollte auch nicht dem Ort in die Schuhe geschoben werden!aber Hallo!!
    sonder waren wohl eher die gegebenen Faktoren von euch beiden, ob jetzt dort eingeholt, von der Klimaanalge oder sogar schon zu Hause…..oder wohl eher auch das typische Ferien-Syndrom, kaum länger Ferien und weg vom Job = kann man loslassen und krank werden……..probierts doch nochmals….und erhascht eine positive Erinnerung an diesen pure amazing und lovely Ort…chao

  7. Goldlöckchen
    3. Februar 2013 at 13:48

    Naja, wir waren beide krank, zuerst meine Freundin und dann ich. Von Husten und Halsschmerzen über Schüttelfrost bis Kopfschmerzen und Übelkeit war wirklich alles dabei. Wir waren beide froh als wir wieder zu Hause waren..

  8. TinaJ
    3. Februar 2013 at 12:07

    „ÜBERALL UND ZU JEDER TAGES- UND NACHTZEIT SIND SCHWULE UND LESBEN ANZUTREFFEN. HÄNDCHENHALTEND, RUMKNUTSCHEND, KUSCHELND“ – *lach* Nee, sorry. Vielleicht waren wir in der „Heterosaison“ (Anfang September 12) in Playa del Ingles , aber bei uns gabs keine (erkennbaren) Lesben, nicht mal am GAY-Beach!
    Dafür jede Menge Massentouris (je älter desdo fetter, desdo nackter… *schauder*) und hässlichste Hotelbunker.
    „Ganz besonders fällt das im Shopping-Center „Yumbo“ auf“ – ja durchaus, allerdings eher als billige Touristenabzocke, kein einziger Markenladen, nur billigste Fälschungen und aufdringliche Verkäufer. Also gar kein Ort an dem „Einheimische“ jemals was kaufen würden, dafür ein eher fragwürdiges Cliente, dem ich nachts nicht nochmals begegnen wollte…
    Also es tut mir leid, aber ich kann deinen Bericht in keinster Weise bestätigen. Vielleicht hattest du einfach viel mehr Glück oder wars anspruchsloser als wir, aber ich war von dem „Lesbenparadies“ Gran Canaria übest enttäuscht. Wir haben daraufhin beschlossen „normale“ Ferien zu machen, da wir ja auch normale Menschen sind. ;-)

  9. 1. Februar 2013 at 8:41

    @Goldlöckchen: was war denn so schlimm?

  10. Goldlöckchen
    31. Januar 2013 at 18:51

    Hahaha, da werden Errinnerungen wach. Meine Freundin und ich haben unseren ersten gemeinsamen Urlaub in Playa del Ingles verbracht. Es waren die schlimmsten Ferien die wir je hatten. Wir werden wohl nich so schnell wieder nach Gran Canaria reisen. ;-)

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