Lesben auf Reisen

Als (lesbische) Frau in den Emiraten

Manche Homosexuelle reisen aus Prinzip nicht in ein Land, in dem Homosexualität unter der Todesstrafe steht und Frauen sich hinter Schleiern verstecken. Da allerdings meine Neugier und Erfahrungssucht kaum Grenzen kennt, scheute ich mich nicht vor einer Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate, um eine Woche das Land und die Kultur dort kennenzulernen. Mein Blickpunkt befand sich wie immer auf Frauen. Ich versuchte, einen Eindruck zu bekommen, wie ihr Leben ist und was sie für Kleidung tragen. Ich war gespannt auf dieses Land mit seinen strengen Vorschriften, der andersartigen Kultur und dem wahnsinnig verschwenderischen Lebensstil.

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Flora Robin l S. Albrecht

Haltet euch bedeckt
Vor der Reise habe ich mir natürlich Gedanken über die Regeln und vor allem die Kleiderordnung der Vereinigten Arabischen Emirate gemacht. In der Regel sollten sich Frauen von den Schultern bis über die Knie bedeckt halten, und die Kleidung sollte den Körper nicht betonen. Ist eine Frau zu aufreizend bekleidet, so gilt sie als käuflich. Auch wenn ich diese Vorschriften für dezent überzogen halte, befolge ich aus Respekt vor der fremden Kultur die genannten Kleidervorschriften (und auch zum Selbstschutz, denn ich möchte eher ungern gekauft werden).
Das dies wohl nicht ganz einfach zu sein scheint, beweist schon meine Ankunft am Flughafen. Als ich am Schalter anstehe, sehe ich eine große, afrikanische Frau, welche ein sehr eng anliegendes Kleid trägt, das ihren üppigen Hintern und ihre Brüste betont. Entweder hat sie nichts von den Vorschriften in den Emiraten gelesen, oder sie kümmert sich nicht darum. Diese Einstellung kann Frauen zum Verhängnis werden. Misshandlungen und Vergewaltigungen von Ausländerinnen sind vor allem in den östlichen Ländern nicht selten. Letztes Jahr wurde eine vierundzwanzigjährige Norwegerin Opfer einer Vergewaltigung. Und als wäre das nicht schlimm genug, folgte eine Verurteilung der jungen Frau zu einer Gefängnisstrafe von zwölf Monaten. Die Begründung des Gerichts lautete, dass Sex vor der Ehe nach islamischen Recht verboten sei. Zum Glück wurde durch die scharfe Kritik der Regierung in Oslo die Norwegerin nach vier Monaten begnadigt und durfte das Land verlassen. Trotz dieses Vorfalls, der dank der Presse um die Welt ging, fallen mir während meines gesamten Aufenthalts in Dubai immer wieder junge Touristinnen auf, welche nicht auf ihre kurzen Kleider verzichten können. Dementsprechend oft folgten ihnen die Blicke der Männer.

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Flora Robin l S. Albrecht

Frauen in den Emiraten
Im Westen kennen wir nur das Bild von der unterdrückten Frau, welche sich hinter ihrem Schleier verstecken muss. Wir nehmen an, dass diese Frauen wie in einer Art Käfig gehalten werden und bei den ganzen Regeln der Emirate unglücklich sein müssen. Durch meinen Besuch und die Recherchen ist mir allerdings aufgefallen, dass die Frauen in Dubai zufrieden und selbstbewusst durch das Leben gehen können.
In den Städten wie Dubai und Abu Dhabi dürfen Frauen sich frei entscheiden, ob sie in der Öffentlichkeit die Abaya, ein zweiteiliges Übergewand, welches vollständig den Körper bedeckt, tragen wollen. In der arabischen Kultur wird Tradition großgeschrieben. Daher tragen Frauen die Abaya meistens aus Stolz auf ihre Kultur und Wurzeln.
Auch wenn die meisten Frauen ihre Körper hinter den langen, schwarzen Gewändern verstecken, bedeutet dies nicht, dass sie keine andere Kleidung tragen. Zuhause tragen sie reich dekorierte Kleider, wenn sie in der Öffentlichkeit tretten, die Abaya. Auch westliche Kleidung fehlt nicht. In den riesigen Shoppingmalls fallen mir die großen Einkaufstüten der einheimischen Frauen auf. Auf diesen Tüten stehen die bekannten Schriftzüge von Designern wie Gucci und Prada. Unwillkürlich frage ich mich, wo und wann die Frauen diese Kleidungsstücke tragen. Spätestens seit Sex and the City 2, weiss frau, dass sich unter den langen Gewändern arabischer Frauen oft westliche Kleidung versteckt. Außerdem gibt es sogenannte Ladypartys auf denen arabische Frauen sich die gekauften Kollektionen vorführen und sich über die neusten Trends der Modebranche austauschen. Zu gerne würde ich so eine Ladyparty besuchen.

Auch wenn viele Quellen auf Unterdrückung und Diskriminierung der Frauen hinweisen, kann von einem Wandel der Frauenrolle in den Emiraten gesprochen werden. Im Großen und Ganzen gewinnen Frauen immer mehr an Stimmen und weiblichen Vorbildern. In den Emiraten gibt es laut einer Studie einen immensen Prozentsatz an höher ausgebildeten Frauen bzw. Frauen mit Universitätsabschluss. Sie sitzen in öffentlichen Ämtern und dienen jüngeren Frauen als Vorbild. Auch wenn viele Freiheiten noch von der Erlaubnis ihres Mannes abhängen, nutzen kluge Frauen die Gelegenheit, um mehr Unabhängigkeit jenseits der von Männern dominierten Welt zu bewirken.

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Flora Robin

Lesbisch in Dubai? No way!
Ich muss zugeben, dass für ein lesbisches Paar die Emirate kein geeigneter Urlaubsort sind. In diesem Teil der Welt ist Homosexualität gesetzlich illegal und wird mit der Todesstrafe belangt. Da meine Freundin und ich ein großes Interesse am Reisen und den Kulturen haben, hatten wir uns entschieden, eine Woche lang nur als Freunde aufzutreten.
Anfangs habe ich es mir einfacher vorgestellt, die Beziehung mit einer Frau zu verstecken. Aber schon nach kurzer Zeit fehlten mir die vielen kleinen Gesten, die wir in Deutschland so normal austauschen. Sie zu umarmen, sie zu necken, ihre Hand zu nehmen, wann es mir beliebt. Selbst ein tiefer Blick in die Augen könnte schon mehr als genug aussagen. Will frau nicht das Aufsehen der Einheimischen erwecken, so sollte sie darauf verzichten. Der Kuss eines gleichgeschlechtlichen Paares in der Öffentlichkeit kann zu einer Verurteilung führen.
2008 wurde erstmals die Bestrafung für lesbische Zärtlichkeiten bekannt: Zwei ausländische Touristinnen sollen sich an einem öffentlichen Strand geküsst und umarmt haben und wurden deshalb nach Sondergesetzen der Stadt Dubai zu je einer einjährigen Haftstrafe verurteilt.
Dieser Ausschnitt aus einem Artikel von queer.de war für mich Warnung genug. Dabei hatte das Paar Glück, denn in den großen Scheichtümern wie Abu Dhabi und Dubai werden Homosexuelle zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Im Rest der Emirate gilt die Todesstrafe.
Ob Homosexualität trotz der strengen Regeln in den Emiraten besteht, konnte ich leider nicht herausfinden. Aufgrund der Illegalität bestehen keine LGBT-Communitys in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Homosexuelle werden dadurch in den gesellschaftlichen Untergrund gedrängt und erhalten keine Chance zur freien Entfaltung.

Vor allem nach dieser Reise wird mir bewusst, dass ich mich sehr glücklich schätzen kann, in einem Land zu leben, in dem ich meine Sexualität ausleben kann und darf. Die Emirate waren auf jeden Fall einen Besuch wert und mit einigen Vorkenntnissen ist es auch für ein lesbisches Paar möglich dort “unentdeckt“ den Urlaub zu genießen.



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2 Comments

  1. 12. April 2014 at 11:47

    Thanks a lot. Flora Robin

  2. 12. April 2014 at 1:36

    nice post… well done :) xx LondonJames Zurich

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