Kommentar / Rezension / Kolumne

Have Sex – Hate Sexism – oder wie?

Experiment: Wie blöd darf Frau sich verhalten, wenn Frau aus Zürich kommt?

Ausgangslage.

Drei Damen, die erste hatte Stil: Fabienne Fini.

Die Zweite war zwar etwas betrunken,  nennen wir sie Checkerin Nummer 1.

Die Dritte hatte null Stil und war auch betrunken, und sogar bekifft, nennen wir sie Checkerin Nummer 2. Ach ja, das war ich.

Das waren schon gute Voraussetzungen ein Experiment zu wagen. Die Frage des Abends war ob frau auch sexistisch sein kann und gut ankommen.

Es war ein irrkomischer Abend, doch lest selbst!


Wir wollten in den Ausgang. Schlussendlich waren wir alle drei völlig betrunken auf einer Party, wo alle nett sind. Die Leserin merkt nun, dass diese Stadt wohl kaum Zürich war. War es auch nicht. Gaststadt war Bern. Das Experiment lautete, so viele Damen wie möglich blöde anzugrabschen und dabei noch Erfolg zu haben. Ob dies den drei Damen gelang, erfahrt ihr in diesem Erfahrungsbericht, der nicht allzu ernst genommen werden sollte.


Personen involviert.

  • Fabienne Fini, die Stilvolle mit dem gesunden Menschenverstand
  • Checkerin Nummer 1, die betrunkene Autofahrerin
  • Checkerin Nummer 2 aka Baby Ninja aka die mit dem Blog (Autorinnen und Ich-Erzählerin)
  • Crystal Meth Dealer
  • Kassendame, etwas älter
  • Chicas / Babes
  • Cowgirl, Girl Nummer 2, Steinbock und Krebs
  • Girl Nummer 2, die nette Adrette
  • Türsteherin / Securitas Lady

AKT 1: Vorsaufen, aber bitte mit Stil!

Involvierte Personen

  • Fabienne Fini
  • Checkerin Nummer 1
  • Ich-Erzählerin (Checkerin Nummer 2)

Gut, ich lud also meine redaktionelle Chefin, Miss A. aka Fabienne Fini aka entzückende Elfe zum Dinner ein. Allerdings musste sie ihr Dinner selber kochen und auch bezahlen. Meine Kollegin – nennen wir sie Checkerin Nr. 1 – sowie ich – nennen wir uns Baby Ninja Lucky Luke Verschnitt aka Gründerin eines Blogs aka Vollidiotin, die nur so tut als wäre sie blöde aka Checkerin Nr. 2 – investierten lieber in einen vorzüglichen Chateau Laffitude und schenkten uns grosszügig ein, während meine entzückende Elfe in einer chaotischen Küche das Essen zubereitete. Das Gericht war köstlich, der Wein noch köstlicher und die Stimmung stieg, als wir Checkerin Nr. 2 zu einer Gigola par Excellence stylten. Eigentlich wollte ich als blauer Babyschlumpf gehen, doch Editorial-Chief aka Fini bevorzugte einen einheitlichen Look, so dass ich mich gezwungen sah, auch in etwas Burschikoseres zu steigen. (siehe Foto 1)

Einmal mit stylen begonnen, konnte ich nicht mehr aufhören, und so überliess ich den Abwasch meinen Genossinnen. Weinflasche Nummer zwei, ein eher charakterloser sizilianischer Verschnitt, wurde ebenfalls Opfer des Nichtaufhören-Könnens. Fini, die wir später mit lustigen Trinkspielen verhöhnten, während sie auf der Raststätte mal für kleine Elfen musste,  tadelte Checkerin Nr. 1, mit “Wer fährt trinkt nicht!“-Sprüchen. Und während der Fahrt musste die Elfe dann auch noch den Papi machen und Checkerin Nr. 1 die Mami, und ich, der Babyschlumpf, wurde dazu verbannt, die ganze Zeit hinten zu sitzen und zu schweigen. Dabei wurde die die Flasche alsbald leer.

AKT 2: Die Ankunft

Involvierte Personen

  • Fabienne Fini
  • Checkerin Nummer 1
  • Checkerin Nummer 2
  • Crystal Meth Dealer

Kaum angekommen, wurde mir Crystal Meth angeboten. Der Wein hat mich wohl etwas verjunkt aussehen lassen. Der Eintritt belief sich auf – für zürcher Verhältnisse adäquate – 18 Schweizer Franken. Mein: „Ich lebe von der IV!“-Trick klappte leider nicht, da die nette Kassendame eine Invaliditätsbescheinigung sehen wollte. Und der “ich habe einen Blog“-Trick scheiterte wohl an den Vokabularkenntnissen der Kassiererin. Letztlich funktionierte die „ich bin ’ne Studentin“-Masche und sie wollte noch nicht einmal meine Studiumsbescheinigung sehen. Sie liess mich gar zu ermässigtem Preis die Entrittszone passieren; wahrscheinlich weil sie es leid war, von mir zugelabert zu werden. „Sei ’s drum!“, dachte ich mir – wie immer anfällig für Selbstgespräche – „nun geh ich mir  ne neue Bitch suchen!“

AKT 3: „Fick mich, wenn ich mich irre, aber kennen wir uns nicht?“ Anpirschung ans Volk

Involvierte Personen

  • Checkerin Nr. 2.
  • Viele Drogen (sind das Personen?)
  • Chica Frau Cowgirl
  • Chica die nette Adrette

Etwas soziophob betrat ich den Club. Alles schien mir bizarr impressionistisch. Woher kommen all die Leute so plötzlich? Fini, wo bist du? Ängstlich, wie ich eben bin, hängte ich mich schnell ans erste bekannte Gesicht, und versuchte, meine aufkommende Menschenangst mit Cannabis zu therapieren – was auch recht gut klappte.

An die zweite Bekanntschaft kann ich mich nicht mehr erinnern, vielleicht war sie nicht schön, oder der Wein etwas zu stark. Die Dritte war ganz lustig, so eine Cowgirltussi. Als ich nach dem dreiminütigen höflichen Geplänkel, jedoch etwas forsch sagte: „Also, wänn höremer uf rede und mached endlich ume?“, fand sie das weniger lustig. Ich versuchte die Dramaturgie mit etwas belanglos-bekömmlichem zu retten, und fragte sie nach ihrem Sternzeichen. Sie war Steinbock, was echt doof war, da ich Steinböcke nicht ertragen kann. Irrsinnigerweise hörte ich mich sagen: „Da musst du sicher im Astendenz Krebs sein, denn diese Kombination finde ich schlicht unmöglich!“ Sie war es (Volltreffer!) und bald auch weg.

Wie auf der Toilette nach vorne drängeln? Ach ja, wir kennen uns ja!

Als ich dann für kleine Babyninjaluckylukes musste, wandte ich den Trick „Dränge dich vor und tue so, als ob du eine kennen würdest“ an. Eine Nette ging darauf ein und als sie sagte: „Weisst du noch in Australien? Oh, und die Haie beim Surfen?“ fand ich das so cool, dass sie sogar vor mir für kleine Nette durfte.

AKT 4: Anpirschung nette Adrette

Involvierte Personen

  • Checkerin Nummer 2
  • Checkerin Nummer 1
  • Feng Shui (Japanische Erasmus Studentin)
  • Chica die nette Adrette
  • Securitas Lady

Ich fand mich 15 Minuten später neben der Bekannten der Netten wieder – nennen wir sie Feng Shui  – die bei ihr schlafen sollte. Ich wollte Feng Shui ohne die Nette nach Hause schicken, wusste sogar dank Checkerin Nr. 1 die Adresse des Clubs und bestellte ein Taxi. Feng Shui fand das gar nicht witzig, während die Nette sich in einem Zielkonflikt befand. Erwähnenswert wäre noch, dass die Nette noch eine Adrette bei sich hatte, die mir die verfickte – ‚tschuldigung – verzwickte Situation erklären wollte: Die Nette wollte an der Party bleiben, aber Feng Shui wollte nach Hause. Und nun wisse die Nette nicht, was tun.

Wie jetzt? Wer macht mit wem rum? Ob die nette Adrette wohl anbeisst?

Ich fand die Erklärung sehr nett von der Adretten, sah aber die Situation bereits etwas analytischer und lösungszentrierter und bestellte alsgleich ein Taxi für Feng Shui, was aber die Adrette nicht nett fand. Checkerin Nr. 1 half mir dann, der Adretten zu erklären, dass sie wirklich Chancen bei mir hätte, wenn sie sich weiterhin so zickig geben sollte. Fanden wir Checkerinnen ganz witzig, aber die Türsteherin – die Butch, übrigens bereits die 5. Person in dieser Performance-Komik – nicht. Sie sagte mir, ich sei ein chauvinistisches Arschloch, was ich aber bereits wusste. Wir ergriffen die Flucht. Auch die Nette und Feng Shui. Sie jedoch mit dem Taxi.

O-Ton: „Jeder verdient wohl, was er verdient.“

AKT 5: Nicht verzagen, Fini plagen

Es war etwa 2 Uhr in der Früh und mein Rausch endete langsam mit der Erkenntnis, dass ich alle potentiell heissen Frauen vertrieben hatte.

Nun dann, nicht verzagen, Fini plagen, die mir Geld für einen Liter des kostbarsten Gutes der Erde – Mineralwasser – gab, das ich ihr auf dankbare Art und Weise in ihren Ausschnitt fliessen liess. Wenn ich von Fini spreche, fällt mir ein, dass ich eigentlich die Party-Kritik verfassen müsste:

Sie war irgendwie… nett? kokett? frivol? adrett? pseudointellektuell? ausverkauft?

Die Drinks waren adäquat gemixt, die Stimmung war angeheitert, jedoch nicht heiss. Und ich frage mich noch immer, ob die Musik irgendwann anfing „bumm bumm“ zu machen. Es hörte sich – meiner schwachen Erinnerung zufolge – eher nach Swing an. Welcher Idiot hatte mir nochmal erzählt, dass es eine Electro-Party sein würde?

Mit den meisten Frauen musste ich Hochdeutsch sprechen, da ich laut ihnen „küschelä“. Was laut Fini bedeutet, dass ich etwas irrsinnig, undeutlich und schnell Züritütsch labere, gerne Maxime verwende, und diese Kombination für Personen, die in gewissen Kantonen beheimatet sind, etwas überfordernd sei.

___________

Fazit: Und zurück zur Frage des Abends: Wie blöde darf Frau sich verhalten?

Antwort: Frau darf sich ruhig fehlverhalten, solange eine gute Stakeholderanalyse (Anspruchsgruppen) betrieben wird, also keine Opinion Leaders belästigen, sondern nur Nebenschauspielerinnen (also Bekanntschaften und NICHT DJ Anouk Amok, die wenigstens wusste, wer Checkerin 1 und ich, also Checkerin 2 sind). Und mal ganz unter uns, Anouk: ich danke dir für das nette Geplänkel und hoffe, du hast deine Tasche wieder.

Noch was

Wir, also Checkerin Nr. 1 und 2 (ohne Elfe Fini) waren so richtig arschig drauf, und hoffen, wir wurden unserem Züri-Ruf gerecht. Ächt fies!



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1 Comment

  1. Monika
    27. Dezember 2011 at 12:21

    Ist das wirklich der gleiche Blog, in dem dieses Jahr noch über die Gleichstellung zwischen Mann und Frau geschrieben wurde?
    Bedeutet das in Zeiten von Strauss-Kahn und Kachelmann, dass auch Frauen sich „Nebenschauspielerinnen“/ Zimmermädchen suchen können, die sie mit chauvinistischem Verhalten belästigen und damit noch in einem Forum prahlen, das von Frauen für Frauen gemacht wird?
    Ist ja ganz süss, dass ihr eure B-Prominenz ein wenig geniessen wollt. Nur solltet ihr euch die Frage stellen, welche Verantwortung man mit einem solchen Medium wie diesem Blog trägt. Sind die Frauen, die eurem Beuteschema entsprechen
    die , die sich von dieser „Prominenz“ beeindrucken lassen und ein unbegründet narzisstisches Verhalten gut finden oder starke Frauen, die euch nach solchen Aktionen ins Gesicht lachen und gehen?

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