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Mein erster Kuss

Intro

Mein erster Kuss
Kürzlich hat mich Chantal-Allerliebst angerufen und gesagt: „Hey, Fini, ich will was über den ersten
Kuss posten. Fini, erinnere dich mal zurück, als du zum ersten Mal eine Frau geküsst hast. So richtig, weisst du. So
mit Emotionen und so. Fini, geh in dich, und lass uns wissen, was du gefühlt hast. Da hattest du noch Gefühle, oder?
Eben. Also, ich will lesen, wie der Blitz durch dich hindurch ging, als du ihre Lippen auf den deinen gespürt hast,
ihre Zunge. Ich will das Kribbeln durch deine Worte spüren, deine Wallungen, Fini, bist du noch da? Fini? Ich will den
Text bis morgen!“
Ja, so geht das immer, wenn ich einen Artikel schreiben soll. Aber zurück zum Eigentlichen: meinem
ersten Kuss mit einer Frau. Hier habe ich nun das „read more…“-Zeichen gesetzt, weil Chantal dann nicht mehr
weiterliest und ich darüber schreiben kann, was ich wirklich teilen möchte: meinen, so glaube ich, dritten Kuss mit
einer Frau. Die ersten Beiden waren nämlich nicht wirklich prickelnd. Denn da war ich weder verknallt, noch verliebt,
noch liebte ich. Aber, hey, nicht bei Chantal petzen!


Meine Geschichte

Bei IHR war alles anders. Ich kannte sie von der Schule, wir
sahen uns jeden Tag, verbrachten viele Pausen gemeinsam, um zehn, um drei, sahen uns immer wieder beim Wechseln der
Klassenzimmer. Ich kannte ihren gesamten Schulplan auswendig. Denn: Ich war unendlich verliebt. Jede Begegnung mit ihr,
jedes Lächeln, jedes Wort brachten mich um den Verstand. Aber, cool wie ich war und bin, hatte ich mir das natürlich
niemals anmerken lassen. Vielmehr glaubte sie an diesem verhängnisvollen Abend, als sie mit mir nach Basel kam, dass
sie mir dabei helfen müsste, meinen Ex-Freund auf Abstand zu halten (Trick 1). Ja, Ihr habt richtig gelesen: ich habe
meinen Ex-Freund, der noch immer auf mich stand, benutzt, um einen Abend mit ihr zu verbringen. Nicht nett ihm
gegenüber, ich weiss. Und auch nicht sonderlich clever, wie sich herausstellen sollte. Denn auch Männer können zickende
Diven sein.

Der sinnliche Kuss – Ein magischer Moment

Als wir uns trafen, und er SIE an meiner Seite erblickte, war er komischerweise ziemlich mieser Laune.
Keine Ahnung, warum. Das drückte etwas auf die allgemeine Stimmung. Also zog ich ihn in ein Pub und bestellte ihm
munter ein Bier ums Andere (Trick 2). Seine Stimmung steigerte sich rasant, und meine ebenso, konnte ich mich doch nun
voll und ganz auf SIE konzentrieren – wobei es MIR zugegebenermassen mit jedem Drink schwerer fiel, mich zu
beherrschen, und sie nicht einfach zu packen und endlich zu küssen. Ich schlug vor, dass wir doch ein wenig tanzen
gehen könnten (Trick 3) und so begaben wir uns ins Atlantis, auch Tis genannt. Das ist ein Hetero-Schuppen mit damals
noch ziemlich lahmer Musik. Während mein Ex irgendwo herumstand, setzte SIE sich auf die Bühne und ich begann, für sie
zu tanzen (Trick 4). Ich näherte mich ihr langsam zum Beat der Musik, suchte ihren Blick. Sie starrte mich zunächst nur
ziemlich ungläubig an. Ich lächelte, streichelte dann mit meinen Fingern ihre Wangen – worauf sie ihren Kopf in meine
Hände sinken liess (Trick 5). Meine Lippen suchten ihren Hals, küssten sie sanft, worauf sie leise stöhnte. In meinem
Bauch spielte sich ein wahres Feuerwerk ab. Ich war wie hypnotisiert, hochgradig erotisiert. In diesem Gefühlszustand
wagte ich es. Endlich. Ich küsste sie. Ich konnte einfach nicht anders. Ich explodierte innerlich. So fühlt sich Liebe
an, so glaubte ich. So fühlt sich Liebe an, weiss ich heute. Alle (und das waren so einige) und alles um mich herum war
mir egal, war inexistent. Ich wagte mich noch weiter vor, zu ihrer Zunge, um genau zu sein. Sie liess es nicht nur
geschehen, sie spielte mit der meinen. Nie zuvor hatte ich etwas ähnlich Schönes in meinem Leben erlebt. Ich hätte sie
stundenlang küssen können. Ich hätte sie stundenlang küssen wollen. Nein, ehrlicherweise hätte ich sie am liebsten
sanft auf die Bühne gedrückt und sie von ihren Kleidern befreit, meinen Mund und meine Hände über ihren filigranen und
wunderschönen Körper wandern lassen …


Im Nachhinein

Ich muss gestehen: während ich diese Zeilen verfasse, kommen die ganzen Gefühle
wieder hoch, das ganze Verlangen nach ihr. Es ist nie mehr so viel zwischen uns passiert wie an diesem Abend. Unsere
Küsse wurden abrupt durch meinen Ex-Freund beendet, der mich von ihr losriss und sagte, dass wir nun gehen müssten. Ich
wurde jäh aus einem Traum gerissen, der zu schön war, um wahr zu sein, das spürte ich. Und ich sollte recht behalten:
Danach hatte ich nicht nur Drama pur mit ihm (monatelang), sondern auch mit ihr (jahrelang). Homosexualität hatte
keinen Platz im Leben ihrer religiösen Familie. Und somit auch nicht in ihrem. Ich konnte sie sehr lange nicht
vergessen. Jede weitere Begegnung mit ihr warf mich wieder komplett aus der Bahn. Und bis heute sind diese Küsse mit
ihr mit etwas vom Wundervollsten, das ich je erlebt habe.



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2 Comments

  1. 15. Januar 2012 at 15:29

    make them come true!

  2. Katrin
    8. Dezember 2011 at 12:20

    wunderschön……. *schmacht*……
    Solche Szenen spielen sich bisher leider nur in meinen Gedanken ab.

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