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Female Pleasure – Lust ist mächtig

Den Frauentag habe ich damit zugebracht, mich der weiblichen Sexualität zu widmen. Genauer gesagt, ihrem kulturellen Stellenwert. Und ich habe dabei viel geweint.

Sex ist kompliziert. Für eine Frau. Weil die Vorstellung, dass sie Lust empfindet und auslebt, eine religiöse Massenpanik verursacht. Der Dokumentarfilm #Female Pleasure bewegt, erschüttert, klagt an – und macht unglaublich Mut.

Fünf bemerkenswerte Frauen, fünf Kulturkreise, fünf Schicksale, viele Unterschiede und eine große Gemeinsamkeit: entschlossenes Engagement für Respekt, Aufklärung und Liebe. Gegen Gewalt und Unterdrückung. Für die Anerkennung der Frau als sexuell freies Wesen.

Die schweizerische Regisseurin Barbara Miller attestiert der Gesellschaft mit Female Pleasure eine klaffende Wunde in Sachen Gleichberechtigung. Dass Frauen als minderwertig gelten, ist tief im kollektiven Bewusstsein verankert.

Sämtliche Religionen haben sich Jahrhunderte lang bemüht, die weibliche Sexualität zu leugnen, herabzusetzen, auszurotten, und tun das bis heute. Ich übertreibe nicht. Genitalverstümmelung bei Mädchen ist nur eines der leider brandaktuellen Themen, die Female Pleasure aufgreift.

Lesben gibt es nicht

Das geht auch uns an. Gerade uns. Die Privilegierten, die weder zwangsverheiratet noch beschnitten werden. Die sexuellen Aussteiger, die nicht in die Verlegenheit kommen, sich einem Mann als Partner unterzuordnen.

Vithika Yadav – Liebesheirat und Homosexualität werden von radikalen Hindus als westliche Modeerscheinungen abgetan

In einem Weltbild, in dem jede Frau um den Mann wie die Erde um die Sonne kreist; bei einer Denkweise, die überhaupt nur zwei Geschlechter mit ihren umzäunten Identitäten zulässt; in einem solchen Dogma ist kein Platz für Homosexualität. Existiert nicht, kann nicht, darf nicht, muss bekämpft werden. Auch dieser Felsen wird in Female Pleasure nicht umschifft.

Freiheit statt Tradition

Die Dokumentation wird an keiner Stelle reißerisch kommentiert. Keine nachgestellten Szenen, keine dramatischen Schock-Momente. Die Fakten sind dramatisch genug.

Ich musste weinen. Auch wieder, als ich mir den Film ein zweites Mal ansah.

Statistisch gesehen wird in Deutschland jede 7. Frau Opfer einer sexuellen Straftat. Und obwohl wir davon ausgehen können, dass die wirkliche Anzahl der Betroffenen weit höher ist (erstens sind unter 16jährige sind dabei nicht berücksichtigt, zweitens werden nur ca. 5% der Übergriffe zur Anzeige gebracht), sind das paradiesische Verhältnisse im Vergleich zu Indien oder Burkina Faso.

Dabei verteufelt Female Pleasure niemanden. Das insbesondere macht die Doku so authentisch und konstruktiv. Dem weiblichen Begehren gegenüber steht nicht „der böse Mann“ als Feindbild, der aus purer Missgunst an seiner Machtposition festhält. Das Problem ist viel mehr, dass zu viele Traditionen nicht hinterfragt, sondern einfach weitergelebt werden, obwohl sie frauenfeindlich sind.

Die japanische Künstlerin Rokudenashiko wurde verhaftet, weil sie ein 3D-Abbild ihrer Vagina veröffentlichte. Vive la vagina!

Fazit

Female Pleasure zeigt nicht nur viele Missstände, sondern auch, wie viel sich gerade in die richtige Richtung verändert. Die Dokumentation lässt erahnen, wie kraftvoll freie, weibliche Lust in ihrer Ganzheit sein kann. Weltverändernd. Deborah Feldmann, Leyla Hussein, Rokudenashiko, Doris Wagner und Vithika Yadav – diese wundervollen, starken Frauen schenken Zuversicht und zeigen, dass es tatsächlich möglich ist, etwas zu bewegen.

Dieser Film ist wichtig. Und absolut sehenswert. Ende.

Female Pleasure ist ab Mai 2019 auf DVD erhältlich. Bis dahin läuft die Doku in ausgewählten Kinos – sicher auch in Deiner Nähe.



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