Kommentar / Rezension / Kolumne

Selma Lagerlöf – Die Liebe und der Traum vom Fliegen: Buchkritik

Die schwedische Schriftstellerin Selma Lagerlöf (1858-1940) hat in vielerlei Hinsicht die Geschichte beeinflusst: Als erste Frau überhaupt erhielt sie den Nobelpreis für Literatur. Sie setzte sich vehement für das Frauenwahlrecht ein, war Pazifistin und unterstützte während des Zweiten Weltkriegs jüdische Flüchtlinge, die nach Schweden auszureisen versuchten.

Selma Lagerlöf im Alter von 23 Jahren

Etliche ihrer Bücher, darunter Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson, gehören zu den Klassikern der Literatur. Als Schriftstellerin und Visionärin, die ihrer Zeit weit voraus war, wird sie bis heute verehrt.

Woran sich kaum jemand erinnert: Selma Lagerlöf gehörte mit zu den ersten intellektuellen, in der Öffentlichkeit stehenden Frauen, die ihre Homosexualität auslebten. Ihre innige Freundschaft zu Vordenkerinnen ihrer Zeit ist nicht minder faszinierend als ihre Liebesbeziehungen…

Die Autorin Maria Regina Kaiser hat ihr eine kürzlich erschienene Romanbiografie gewidmet. Selma Lagerlöf – Die Liebe und der Traum vom Fliegen lässt uns an Semlas klugen Gedanken über Religion, Politik, an ihren Überzeugungen und der Entstehung ihrer bekanntesten Werke teilhaben. Zugleich zeichnet das Buch behutsam und liebevoll nach, wie Selma ihr lesbisches Begehren entdeckt, ohne dabei ins Erotische abzudriften.

Seid herzlich eingeladen, euch auf diese bemerkenswerte Frau einzulassen, die mit ihren Worten und Taten Schweden und ganz Europa nachhaltig beeinflusst hat.

Die Leidenschaften der Selma Lagerlöf

Für ein Mädchen ihrer Zeit genießt Selma überdurchschnittlich gute Bildung. Sie und ihre Schwestern werden daheim von der Gouvernante unterrichtet, während die Brüder das Gymnasium besuchen dürfen. Neben ihrer Muttersprache lernt sie Französisch, Englisch und Deutsch. Sprachen fallen ihr leicht, Handarbeiten wie Sticken und Nähen liegen ihr hingegen überhaupt nicht.

In jungen Jahren leidet Selma an einer Gehbehinderung, die sie weitgehend davon abhält, mit anderen Kindern herumzutoben. Stattdessen liest sie viel und beginnt früh, Gedichte und Theaterstücke zu schreiben.

Sie ist die erste Frau, die „auf Grund des edlen Idealismus, des Phantasiereichtums und der seelenvollen Darstellung, die ihre Dichtung prägen“ 1909 den Nobelpreis für Literatur entgegennehmen darf. Diese Auszeichnung macht sie zu einer wichtigen kulturellen und moralischen Stimme – und finanziell unabhängig.

Selma Lagerlöf im Alter von 70 Jahren

Selma umgibt sich mit gebildeten, vordenkerischen Frauen: Sie verliebt sich in ihre langjährige Freundin Sophie Elkan, die ihrerseits Autorin ist. Zusammen unternehmen sie ausgedehnte Reisen, das Schreibhandwerk verbindet sie, doch Selmas herausragender (auch kommerzieller) Erfolg stellt Sophie in den Schatten. Die Beziehung ist von großer Vertrautheit, aber auch von immer wiederkehrenden Eifersuchtsszenen geprägt. Das Miteinander der beiden gestaltet sich schwierig, doch ohneeinander zu sein, ist ihnen schlicht unmöglich.

Bedingungslose Unterstützung erhält Selma hingegen von ihrer Privatsektretärin und Geliebten Valborg Olander, die über vierzig Jahre lang loyal an Selmas Seite bleibt.

Mit Empathie & historischen Fakten wieder zum Leben erweckt

Maria Regina Kaiser hat sich tief in Selmas Briefwechsel eingelesen und die Dreiecksbeziehung mit Sophie und Valborg in ihrer Romanbiografie einfühlsam wiedergegeben.

Wie umfangreich die Recherche der Autorin war und wie tief sie sich in Selma hineingefühlt hat, belegen das faktenbasierte Nachwort, ein umfangreicher Anhang und sorgfältig ausgesuchtes Bildmaterial. Für jede Aussage, die Maria Regina Kaiser über Selma Lagerlöfs Charakter trifft, kann sie eine Quelle anführen.

Mit ihrem angenehm klaren Schreibstil, frei von überkandideltem Wortschmuck, macht sie Selma Lagerlöf für die Leser*innen greif- und nachfühlbar. Dabei driftet sie niemals allzu weit ins Fiktionale ab: Alles was Maria Regina Kaiser schreibt, basiert auf fundierter Recherche und wohl dokumentierten Zeitzeugenberichten von den Menschen, die Selma Lagerlöf am nächsten standen.

Leider bleiben andere wichtige Wegbegleiter*innen Selmas graue Randgestalten, die einmal erwähnt werden und dann erst im Nachwort wieder auftauchen. Da hätte es sicher Spielraum für mehr Zwischenmenschlichkeit gegeben.

Dennoch möchten wir allen, die sich für die schwedische Nobelpreisträgerin und Frauenrechtlerin interessieren, diese inspirierende Romanbiografie mit einer warmen Empfehlung ans Herz legen!

Pluspunkt: Die Covergestaltung, ebenso wie das Design des Innenlebens, machen das Buch zu einem ganz besonderen Augenschmauß.

Selma Lagerlöf – Die Liebe und der Traum vom Fliegen gibt es überall, wo es Bücher gibt. Mit der ISBN 978-3-87800-135-5 kannst Du es beim Buchhändler Deines Vertrauens bestellen. Die Printversion hat 256 Seiten, enthält 15 schwarz-weiße Fotos und kommt sehr stilvoll mit Schutzumschlag und Lesebändchen daher.

Wir danken der Autorin Maria Regina Kaiser herzlich für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Daran war nicht die Bedingung einer positiven Bewertung geknüpft! Schau hier auf lovelybooks, wie andere Leser*innen das Buch bewertet haben.



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