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Who wants to fuck my (lesbian) girlfriend?

Who wants to fuck my lesbian girlfriend?
Wo der Spaß (nicht) aufhört

Was nach einer viralen Werbeanzeige auf halbillegalen Internetseiten klingt, ist eigentlich der Titel der ersten Episode von Christian Ulmens neuer Satire-Serie „Who wants to fuck my girlfriend?“.

Bereits kurz nachdem der Sender Tele 5 die neue Sendung angekündigt hatte, begann ein regelrechter Shitstorm. Worum geht es?

Wenn Schauspieler Christian Ulmen mit Baseballcap, Retro-Brille und Hemd in das Studio stampft ist er wieder da: Publikumsliebling Uwe. „Uwe Wöllner“ heißt die leicht dümmliche, aber liebenswerte Kunstfigur, die Ulmen.tv geschaffen hat (einige kennen ihn vielleicht noch aus der Pro7 Serie „Mein neuer Freund“). Einmal eine eigene Spielshow haben wollte Ulmens Alter Ego schon immer. Tele 5 gibt den Donnerstagabend gerne für ein bisschen Satire her. Mutig so mitten in der großen Sexismus-Debatte; aber gut.

Der Inhalt der Sendung klingt anstößig, entpuppt sich aber bei näherer Betrachtung als etwas völlig anderes. Zwei Kandidaten treten gegeneinander an und setzen alles auf eine Karte: Ihre Freundin. Welche ist „goiler“ (Zitat Wöllner), attraktiver? In Spielen müssen die Freundinnen Punkte sammeln, indem sie beispielsweise im Café oder Bordell möglichst viele Interessenten anlocken oder Blicke auf Po und Dekolletee sammeln. Die Frauen sind eingeweiht, die Männer auf der Straße natürlich nicht. Das Gewinnerteam erhält einen Kranz mit der Aufschrift: „Everybody wants to fuck my girlfriend“.

Hier geht’s zur ersten Folge!

Satire darf das
„Die Debatte um die Sendung gehört zum Projekt“, sagt Ulmen.
Für die Produzenten rühren die Proteste jedenfalls ordentlich die Werbetrommel. In einem Youtube-Video bedanken sie sich nun sogar scherzhaft bei ihren, überwiegend weiblichen, Gegnern. Als ironischen Konter wird gleich die erste Episode zum „Special“ : „Who wants to fuck my lesbian girlfriend?“. 1,9 Prozent des Marktanteils in der beliebtesten Zielgruppe sicherte die Skandal-Sendung dem Sender. Kein schlechter Start. Die vier „Lesbierinnen“ zeigen deutlich: Männlein und Weiblein, oder Männlein und Lesbe haben zweifelsohne ihre Gemeinsamkeiten.

Zwischen Fremdscham und Daumendrücken habe ich vor allem herzlich gelacht. Unter dem Deckmantel der Dummheit spricht Ulmen im Fernsehen aus, was für so viele Alltag ist.

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Ist doch nur Spaß

Zugegeben, würde es sich bei „Who wants to fuck my girlfriend“ um eine ernst gemeintes neues Format handeln, würde ich sofort auf den Shitstorm-Zug mit aufspringen, Hassparaden twittern oder Anti-Sticker drucken lassen, aber das alles ist doch Spaß. Ulmen.tv will nur spielen.

Feministischen Gegnerinnen rate ich: Bitte beschäftigt euch erst mit etwas, bevor ihr die Krallen ausfahrt. Der das umstrittene Format ist in Wirklichkeit selbst eine harsche Kritik an der modernen TV-Kultur und Sexismus.

Warum nehmen die Leute das Comedy-Format überhaupt so ernst?

Kommentar Christian Ulmen:
„Wir sind mit der Show mitten in eine emotionalisierte Sexismus-Debatte gerasselt, die Gemüter waren bereits erhitzt. Es steht aber auch im Zusammenhang mit dem Humorverständnis in Deutschland. Ich hasse es normalerweise sehr, wenn sich Deutsche Künstler damit rausreden, wie blöd die Deutschen sind und wie viel toller alles in England sei, denn das stimmt so natürlich nicht. Aber genau so kann man wertfrei feststellen, dass Ironie in anderen Ländern zum Umgangston gehört. Sachen, die Russell Brand [britischer Komiker, Anm. d. Red.] in Amerika macht, würden hier jeden Tag einen Shitstorm auslösen. Ricky Gervais karikiert mitten in einer Spenden-Show für Afrika aufs Böseste die Scheinheiligkeit von Charity-Galas. Das wäre bei uns undenkbar. Es stünde sofort der Vorwurf im Raum, ernste Themen wie Hungersnot würden bagatellisiert oder verächtlich gemacht. Das Gegenteil aber will Satire.


„Who wants to fuck my girlfriend?“, Tele5, 23: 10 Uhr


Ist der Shitstorm berechtigt, oder nicht? Ich bin gespannt auf eure Meinung.



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