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Smart und sexy: Mut zur Brille

Ohne Brille können viele Menschen nicht besonders gut sehen. Doch allein der Besitz ist kein Garant dafür,
das frau durch sie sieht, denn das Styling hat oft das letzte Wort und somit wird die Brille nur getragen,
wenn sie zum Outfit passt. Das führt dazu, dass die Brille gar nicht oder nur in Situationen getragen
wird, in denen sie unabdinglich ist, wie zum Beispiel beim Autofahren. Das, meine Damen, nenne ich
die pure Eitelkeit der Frau! Und diese führt beim Gesichtsschmuck Brille zu seltsamen Situationen.

Hallo, schöne Frau
Ihr seid mit Freunden auf einer Party. Als erstes holt ihr euch einen Drink an der Bar und checkt dabei
die Mädels ab. Die Disco ist genau richtig gefüllt, um jedes Mädchen mustern zu können und trotzdem einen
freien Blick durch den gesamten Raum zu haben. Ihr schaut also in die tanzende Menge, und wieder erlebt ihr
eine positive Überraschung, denn jedes Mädchen gefällt euch! Links an der Tanzfläche steht eine kleine
Blonde, welche die ganze Zeit verstohlen zu dir herüberschaut. Gleich daneben flirtet dich ihre Freundin
mit dem wahnsinnig coolen Kurzhaarschnitt an. Auch die ist nicht schlecht, denkst du. Nichtsdestotrotz
kommt keine gegen die rassige Braunhaarige in dem trendigen Printshirt an, welche sich auf der Tanzfläche
zu den Beats bewegt und dich dabei die ganze Zeit anlächelt. Die Nacht ist noch jung, vielleicht kann ich
ja bei ihr landen, kommt es dir in den Kopf. Nach mehreren Blickaustauschen schlenderst du unheimlich
lässig zu der „Meistbietenden“, der Braunhaarigen, um sie anzutanzen. Genau in dem Moment, in dem du vor
ihr stehst und sie sich umdreht, erkennst du, dass dieses Mädchen so gar nicht dein Typ ist! Auf dem
coolen Printshirt steht „Dosenöffnerin“, und ihr leicht obszönes Lächeln zeigt genau diese Absicht. O Gott.
Entsetzt drehst du dich um, wirfst ihr noch schnell ein verzerrtes Lächeln zu und rauschst davon.
Zähneknirschend denkst du: Mist, ich hab schon wieder meine Brille vergessen!

Die Eitelkeit der Frau
Meine Freundin ist Brillenträgerin. Auf der einen Seite hat sie eine Sehstärke von -2 Dioptrien, auf der
anderen -1,5 Dioptrien. Trotzdem trägt sie ihre Brille recht selten. Durch das Nichttragen der Brille
kommt es des Öfteren zu kleinen Missverständnissen in unserer Beziehung.
Wenn wir in der Stadt verabredet sind, und ich als Erste da bin, ist folgende Szene typisch:
Ich stehe am Treffpunkt, möglichst günstig platziert und streiche meine Jacke glatt. Genau in diesem
Moment sehe ich meine Verabredung aus den Augenwinkeln auch schon die U-Bahn-Treppen
hinaufkommen. Freudig drehe ich mich in ihre Richtung. Gleich ist sie da, der Abstand beträgt maximal
dreißig Meter. Allerdings bemerke ich, dass ihr Gesichtsausdruck immer grimmiger wirkt, je näher
sie mir kommt. Ich werde etwas unsicher, mir kommen viele Gedanken in den Sinn, warum sie so ein
Gesicht ziehen könnte, winke ihr aber trotzdem zu. Vielleicht hatte sie einen harten Tag, oder sie
fühlt sich nicht gut? Oder vielleicht habe ich etwas falsch gemacht und weiß noch gar nichts von
meinem Glück? Langsam und zögerlich nähert sie sich und ich beschließe, auf sie zuzugehen. Als wir
uns gegenüberstehen, traue ich mich gar nicht, sie zu umarmen und frage sie gleich, was los sei.
Was soll los sein?, antwortet sie mir. Misstrauisch hake ich bestimmt noch zweimal nach, bis wir
uns zur Begrüßung umarmen. So „herzlich“ beginnt fast jedes unserer Treffen.

Und so verläuft die Situation aus der Perspektive meiner Freundin:
Ich bin mal wieder zu spät dran. Die Stadt ist voller Leute. Viele eilen an mir vorbei, und
manchmal muss ich mich umschauen, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Ich habe mal wieder meine
Brille nicht dabei, was mich allgemein nicht stört, nur dass ich eben alles verschwommen sehe.
Ich weiß, ich sollte sie öfters tragen, aber sie passt heute absolut nicht zu meinem Outfit,
und ich möchte nicht spießig aussehen. Die U-Bahn-Treppen liegen vor mir. Als ich oben
angekommen bin, fühle ich mich von der Menge an Schemen wie erschlagen. Wie soll ich darunter
meine Freundin erkennen? Ich kann gerade mal die ältere Frau neben mir erkennen.
Ich konzentriere mich und kneife meine Augen zusammen.
Das Mädchen mit den langen, roten Haaren an der Ecke könnte sie sein.
Oder trägt sie heute ihr Haare zusammen, wie die junge Frau vor dem Buchladen?
Vielleicht ist sie auch noch gar nicht da?
Ich seufze.
Plötzlich erkenne ich eine Bewegung, die einem Winken ähnelt.
Ich gehe langsam in die Richtung dieser Bewegung und erkenne, dass es sich um eine Frau handelt.
Das ist schon mal gut. Fünf Schritte näher, dann kann ich ihr Gesicht erkennen. Glück gehabt,
es ist meine Freundin. Aber irgendwie scheint sie sich nicht über mich zu freuen. Sie lächelt
kaum und kommt zögerlich auf mich zu. Vielleicht war ihr Tag nicht gut? Oder sie ist sauer,
dass ich zu spät bin? Oder gefällt ihr gar mein Outfit nicht?!

© Joychen Photography

Ansehnlich? Definitiv!
Alle Nicht-Brillen-Trägerinnen-Aus-Eitelkeit werden meine Freundin vielleicht verstehen können.
Alle Gut-Sehenden hingegen werden vor dem Computer sitzen, ihren Kopf schütteln und denken, dass
es doch nicht so schwer sein kann, seine Brille aufzusetzen. Aber so einfach ist das nicht.
Oft liegt das Problem in der Vergangenheit. Mädchen, die Brillen trugen, wurden früher in der
Schule gehänselt. Das unschöne Worte Brillenschlange war in der Jugend ein steter Begleiter,
und so wuchs die Abneigung gegen die eigentlich nützliche Sehhilfe. Mit dem Auszug aus dem
Elternhaus kam auch die Brille weg. Frau wollte lieber schlecht sehen, als mit den Fluch der
Brillenschlange in den neuen Lebensabschnitt zu starten.
Ein weiterer Grund, warum frau die Brille ablehnt, ist das Vorurteil, dass Brillenträgerinnen
hässliche Entlein seien. In vielen Filmen wird die Figur der Streberin oder der unbeliebten
Außenseiterin mit großer Hornbrille dargestellt. Zu dieser Kategorie möchte frau auf keinen
Fall zählen, also lieber weg mit dem guten Stück und her mit den Kontaktlinsen. Nur dass man
die eben auch nicht immer dabei hat oder nicht ewig tragen kann.

Ich möchte all diejenigen ermutigen, ihre Augengläser wieder zu entstauben, denn Brillen sind
längst ein Trend-Accessoire. Frauen, die keine Brille benötigen, kaufen sich trotzdem ein
modernes Modell mit Gläsern ohne Stärke, um smart und/oder sexy zu wirken. Das glaubt ihr nicht?
Ich bin mein eigenes bestes Beispiel. Ich habe mir schon zwei Fensterglas-Brillen gekauft: eine
typische Sekretärinnen-Brille und eine Retro-Brille auch bekannt als Nerd-Brille. Mit der
Sekretärinnen-Brille sieht mein Outfit viel smarter aus, hat aber gleichzeitig diesen kleinen
sexy Akzent, den wir aus Filmen wie Secretary kennen. Meine Nerd-Brille trage ich meistens,
wenn ich kreativen Tätigkeiten, wie der Fotografie, nachgehe. Die strenge Form der Brille
strahlt für mich eine gewisse Ernsthaftigkeit aus, diese Wirkung kommt dem professionellen
Auftreten bei der Arbeit zugute.

Hat eine Frau Ausstrahlung, so wird diese nicht durch das Tragen einer Brille gemindert.
Für mich ist es kein Manko, wenn frau eine Brille aufgrund von Sehschwäche trägt. Auch
schwächere Augen können wunderschön sein, und eine Brille gibt diesen einen angemessenen
Rahmen. Schluss mit täglichem Wimpern-ankleben und Augenbrauen-designen – es gibt kaum
eine kreativere Art, eine kleine Schwäche so gut aussehen zu lassen.

Wem es allerdings zu stressig ist, in ein Brillengeschäft zu gehen, weil er sie als transparente
Arztpraxen wahrnimmt, den kann ich jetzt auch noch überzeugen. Heutzutage muss sich frau nicht
mal mehr in die überfüllten Brillenläden trauen. Wie alles andere auch, lassen sich Brillen ganz
einfach online erwerben. Mister Spex ist ein gutes Beispiel für ein solches Händler-Portal. Erst sucht
ihr euch die Brille eures Herzens aus, probiert sie online über die 3D-Webcam an, gebt eure
Werte ein und lasst sie euch ganz bequem nach Hause liefern. Stressfreier zur Wunschbrille geht es
kaum. Und zum nächsten Treffen mit der Freundin geht ihr ganz ohne verkniffenen Gesichtsausdruck,
sondern offenen, betonten Auges.



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