Kommentar / Rezension / Kolumne

Mehr lesbische Kultur dank Anika Hoffmann

Wer eine Frau nach dem lesbischen Veranstaltungsprogramm in München fragt, der wird zunächst ein lang gezogenes „Hmmm, ich muss erstmal überlegen“ hören. Der Grund dafür ist, dass das Angebot für die lesbische Szene nicht unbedingt reichhaltig ist. Es gibt hier und da eine Party, auch ein paar Gruppen sind aktiv, dennoch bevorzugen viele junge Lesben sich lieber von dem spärlichen Programm fernzuhalten.
Das kann die Münchnerin ziemlich frustrieren, denn wo soll sie die ganzen schönen lesbischen Frauen kennenlernen? Deshalb freute ich mich umso mehr, als ich hörte, dass in diesem Herbst die ersten lesbischen Kulturtage in München stattfinden sollen.

©Lesbenkulturtage, München 2014

Hinter jeder guten Veranstaltung steht ein Team
Ganz am Anfang gibt es eine Idee, und es braucht immer Menschen, welche diese Idee verwirklichen. In diesem Fall wurde die Idee zu den lesbischen Kulturtagen von sieben engagierten Frauen aus unterschiedlichen Altersgruppen umgesetzt, welche derselben Meinung sind wie ich: Das lesbische Leben in München besitzt Ausbaupotenzial. Das sei für sie einer der ausschlaggebenden Gründe gewesen, etwas endlich zu ändern und bewegen zu wollen. Durch die unterschiedlichen beruflichen Backgrounds brachte jede Dame im Team ihre Interessen und Fähigkeiten mit ein, um den Gästen ein buntes und facettenreiches Veranstaltungsprogramm zu bieten. Aus der Motivation heraus, das lesbische München zu vervielfältigen und neue Impulse im Szeneleben zu setzen, entstanden die ersten lesbischen Kulturtage in München.

Und dann kam die Otze. Nee, die Uschi!
Für die Eröffnung der Kulturtage hatten sich die Ladys des Veranstaltungsteams ein ganz besonderes – wie die Bayerin so schön sagt – Schmankerl einfallen lassen. Sie luden die lesbische Komödiantin Anika Hoffmann mit ihrem Programm Eine Lesbe singelt um die Welt in das Münchner Amerikahaus ein.

Während ich an der Garderobe stand, fragte ich mich, ob sich junge Lesben grundsätzlich nicht für Kultur interessieren, denn das Durchschnittsalter der Anwesenden lag zwischen 30 und 45. Aber bevor die junge Leserin jetzt schreit: „Buh, sind die alt!“ – haltet euch zurück, denn die Frauen sahen richtig gut aus.
Zufrieden gab ich meinen Mantel ab und steuerte Richtung Theatersaal. Nach knapp einer halben Stunde war der Saal, welcher Platz für etwa fünfhundert Personen bietet, fast voll. Das spricht für das anstehende Programm, dachte ich mir, und freute mich umso mehr, die Komödiantin endlich live zu erleben.
Nach einer kurzen Begrüßung des Veranstaltungsteams wackelte die selbst erklärte Vorlesbe Uschi, gespielt von Frau Hoffmann, auf die Bühne, um das Puplikum auf eine brandheiße Show vorzubereiten.

©Lesbenkulturtage, München 2014

Mit frisch toupierter Achtzigerjahre-Perücke, einem Cowboyhemd aus Jeansstoff und dazu passenden enger, hochsitzender Jeanshose und Cowboystiefeln machte uns die Ostlesbe klar, dass sie wisse, was Frauen wollen. Das Publikum tobte, und das Toben verwandelte sich in Pfeifen, als mit einem Striptease aus Uschi die ‚echte‘ Anika Hoffmann wurde. Dazu passte der leicht verschluckte Kommentar meiner Sitznachbarin: „Boah, sieht die scharf aus.“

In der Pause wurde der Getränkestand von Frauen mit Lachmuskelbrand regelrecht belagert. Ein Beweis, dass Lachen durstig macht. Auch ich überlegte, mir ein Wässerchen zu gönnen, wollte aber meinen guten Platz in den vorderen Reihen nicht aufgeben. Als sogar Anika Hoffmann selbst kurz in das Foyer linste, überlegte ich stärker, ob es der Platz doch wert sei …

©Lesbenkulturtage, München 2014

Doch ich entschied, Anika lieber während der Show näher zu sein, die kurze Zeit später weiterging.
Während Anika Hoffmann stilsicher und lebensnah das Chaos in der Beziehung mit einer Frau beschrieb, gewährte sie Einblicke in fremde Schlafzimmer, ohne dass wir das Gefühl hatten, fremde Geschichten zu hören. Fast jede Frau im Saal konnte über die typischen Klischees der Lesbenwelt lachen oder zumindest schmunzeln, selbst wenn die Zunge etwas spitzer wurde. Des Öfteren wurde das Thema Lesben und Katzen in die Mangel genommen, und mir drängte sich mehr und mehr die Frage auf, ob die Komödiantin etwas gegen Katzen habe. Als stolze Katzenbesitzerin nahm ich mir fest vor, sie nach der Show danach zu fragen.
Sehr interessant war ihre Definition des oder der Lipster-Lesbe. Um zu erfahren, ob ihr ein oder eine Lipster-Lesbe seid, müsst ihr euch das Programm jedoch selbst anschauen. Ich verspreche, es lohnt sich!

©Lesbenkulturtage, München 2014

Nach einer mehr als gelungenen Veranstaltung applaudierte das Publikum und belohnte Frau Hoffmann mit Standing Ovations. Diese strahlte und lief nochmals zur Höchstform auf, um ihre Fans mit einer langen und humorvollen Zugabe zu belohnen.
Auch das Team der lesbischen Kulturtage wurde ausreichend beklatscht, denn keine hätte es je für möglich gehalten, im ach so strengen München so zum lesbischen Lachen gebracht zu werden. Vielen Dank, Ladys, für diesen wunderschönen Abend.
Am Schluss habe ich es sogar wirklich noch geschafft Annika Hoffmann nach ihrer Meinung zu Katzen zu fragen. Zu meiner Überraschung antwortete sie, dass sie selbst zwei Katzen habe. Glück gehabt.



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