Love & Dating

Lehrstunden fürs Leben – Was ich aus vergangenen Liebschaften lernte

Ich habe einmal eine wunderbare Frau geliebt, das ist noch garnicht so lange her. Wir waren einige Zeit ein Paar. Eines von jener Sorte, das von Freunden und Bekannten zu hören bekam, wie süß es doch zusammen sei und dass seine Liebe und Innigkeit ein Traum wäre. Man könnte sagen, wir waren ziemlich glücklich miteinander. Doch dann war es vorbei. Sie trennte sich von mir. Der Traum war ausgeträumt, aus gemeinsam wurde einsam. Auf die Gründe möchte ich hier nicht näher eingehen und auch der Liebeskummer in den Monaten danach, der sich wie ein Bummerang aus Stacheldraht immer und immer wieder in mein Herz bohrte, wurde hier schon eingehend beschrieben. Dieser Blog handelt von den Bekanntschaften und Begegnungen nach dem schmerzhaften Liebesaus und davon, was ich aus ihnen gelernt habe.

Das letzte halbe Jahr, die Zeit nach der Trennung, war eine einzige Durststrecke. Ich habe sie vermisst, ich habe unsere Nähe vermisst, unsere Gespräche, unsere Berührungen, unseren Sex. Vieles in mir war plötzlich ganz leer. Was diese Zeit aber außerdem war, war eine Zeit voller neuer Erfahrungen. Ich entfernte mich von mir, war nicht ich selbst. Ich hatte keine Ahnung mehr, wer ich eigentlich war oder wer ich sein wollte. Es gab Dates und Liebschaften, die mich von meinem Kummer ablenkten, es gab unerwartete Begegnungen und es entstanden neue Freundschaften. Jede von ihnen war mir eine Lehrstunde und hat mich auf meinem langen, weiß Gott noch nicht beendeten, Weg zu mir selbst begleitet.

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Lektion W.

Es war ein Freitag im Frühsommer, die Trennung lag noch nicht länger als eine Woche zurück. Es war der Tag, an dem ich der Frau, mit der ich mein Leben hätte verbringen wollen, zum vorerst letzten Mal begegnet bin. Es war ein grauer Tag, der Regen fiel in regelmäßigen Schauern, so als fühle das Wetter meinen Schmerz und wolle sich mit meiner Niedergeschlagenheit solidarisieren.

Völlig durchnässt kam ich am späten Nachmittag nach Hause von diesem letzten Aufeinandertreffen, einem verzweifelten Versuch, die Räder des Schicksals wieder in die richtige Richtung zu drehen und die Trennung ungeschehen zu machen. Er war gescheitert.

Ich wohne in einer Studenten-WG gemeinsam mit zwei jungen Männern, von denen sich einer zu einem meiner besten Freunde entwickelt hat. Wir stehen uns sehr nah und nur wenige Personen wissen so viel von mir wie er. Um mich von meinem Kummer abzulenken, hatte er während meiner Abwesenheit einen kleinen Umtrunk mit ein paar gemeinsamen Freunden und Bekannten organisiert. Anfangs war mir überhaupt nicht danach. Allein die Vorstellung an lachende Gesichter und lustige Unterhaltungen ließ Übelkeit in mir hochkommen. Am liebsten wollte ich zu Hause bleiben und mich in meinem Bett verkriechen. Das wollte mein Mitbewohner jedoch nicht zulassen. „Gut so“, denke ich im Nachhinein. Denn was, außer Selbstmitleid und Tränen, hätte mich im Bett schon erwartet?

Der Abend entwickelte sich unerwartet gut. Wir saßen in der Wohnung eines Bekannten, W., hörten Musik, quatschten, nahmen den ein oder anderen Drink. Gut, einige Drinks. Die anderen waren ziemlich bald ziemlich betrunken. Ich ebenso. Das Vergessen tat gut. Irgendwann entschieden wir, die laue Sommernacht zu nutzen und noch zum Hafen hinunterzugehen. Einer meiner Lieblingsorte in meiner Stadt.

Und dann küsste ich W. Bereits auf dem Weg runter zum Hafen suchten wir Körperkontakt zueinander, flüsterten uns gegenseitig Dinge ins Ohr. Unsere Freunde taten höflicherweise, als bekamen sie von alldem nichts mit. Es kam nicht plötzlich, den ganzen Abend schon hatten wir miteinander geflirtet und hier und da eindeutige Bemerkungen eingestreut. Aus einem Kuss wurden viele und ehe ich mich versah, lag seine Hand auf meinem Oberschenkel und wir überlegten, wie wir die anderen loswerden könnten. Dass wir die Nacht gemeinsam verbringen würden, ganz unverbindlich und frei, einfach um Nähe zu spüren, Leidenschaft oder was auch immer, war schon lange entschieden. Unsere Freunde hatten die Zeichen gedeutet und packten nach unserer Rückkehr in W.s Wohnung eilig ihre Sachen zusammen. Und dann waren wir zu zweit, nur W. und ich.

Es war mein erstes Mal mit einem Mann und wird wohl auch das letzte sein. Ich weiß im Rückblick nicht genau, was mich dazu verleitet hat. Ich war verletzt vom letzten Aufeinandertreffen mit meiner Ex-Freundin. Vermutlich wollte ich irgendetwas spüren, während ich hilflos mitansehen musste, wie etwas in mir erstarrte. Viel gebracht hat es mir nicht. Ich weiß noch, wie ich nach dem Sex neben W. lag und nicht anders konnte, als über sie zu reden.

Was ich aus diesem einmaligen Erlebnis mit W. gelernt habe? Ich stehe absolut nicht auf Männer. Das wusste ich jedoch auch schon vorher sicher, den empirischen Beweis hätte ich tatsächlich nicht gebraucht. Die noch sehr viel wichtigere Lektion für mich war folgende: kalter und unpersönlicher Sex zieht mich herunter, wenn ich ohnehin bereits am Boden liege. Er macht mich leerer als ich bin und lässt die Sehnsucht nach ihrer Liebe zu einem Monster werden, das mich nach und nach auffrisst.

Mit W. bin ich noch immer lose befreundet. Die gemeinsame Nacht haben wir aber nicht wieder angesprochen.

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Lektion I.

Es war im August. Einen Monat lang war ich nun schon ohne sie. Ein paar Tage zuvor hatte ich mit den Mädels von Lesbian Chic und einer guten Freundin den Hamburger CSD gefeiert, um von dort aus endlich mal wieder dem nachzugehen, was ich am meisten liebe: dem Reisen. Ein Fernbus brachte mich von Hamburg nach Prag, wo ich mein Osteuropa-Abenteuer starten wollte. Alleine, nur begleitet von meinem Rucksack und immenser Vorfreude.

Ich blieb fünf Tage in Prag, bevor es mich weiterzog. Bereits am zweiten Tag lernte ich I. kennen. Unser Kennenlernen gestaltete sich auf filmreife Weise. Da waren ich, die Reisende aus Deutschland, und sie, die tschechische Studentin mit ziemlich großem Mut. Den ganzen Tag lang war ich durch die Stadt gelaufen: durch die historische Prager Altstadt, an der Moldau entlang und hoch zum Schloss. Am frühen Abend, die Füße taten mir weh, beschloss ich, mich langsam auf den langen Rückweg zu meinem Hostel zu machen. Ich kam abermals am Fluss vorbei und hörte Musik. Schlechte Musik zwar, irgendetwas zwischen Techno und Metal, aber neugierig wurde ich dennoch. Ich wusste, dass gerade Pride-Time war und der CSD in Prag in ein wenigen Tagen stattfinden würde. Die Musik kam aus Richtung des Pride-Village, das sich auf einer kleinen Insel inmitten der Moldau befand. Eine Band hatte gerade ihren Soundcheck für das Eröffnungskonzert, welches am selben Abend stattfinden sollte. „Cool“, dachte ich, während ich mich auf der Insel umschaute. Ich beschloss, zu meinem Hostel zurückzukehren, mich etwas frisch zu machen und dann zu Beginn des Konzertes zurückzukehren. Wer wusste, wen man da treffen könnte.

Gedacht, getan. Ich überquerte eine lange Brücke in Richtung Stadtkern. Gerade als ich an ihrem Ende angekommen war, tauchte neben mir das nach Atem ringende Gesicht einer hübschen jungen Frau auf. Sie musste gesprintet sein. Aus ihrem Mund sprudelten ein paar tschechische Worte, mir, dieser wunderschönen Sprache leider nicht mächtig, unverständlich. „Ähm, English please!“, antwortete ich. Sie wirkte geschockt, als hätte sie nicht mit der Möglichkeit gerechnet, eine Ausländerin vor sich zu haben. Dann kamen ein paar unsichere Worte auf Englisch. Sie lud mich auf einen Kaffee ein. Etwas perplex sagte ich zu. Kuriose Geschichten hatte ich zwar schon einige erlebt, aber eine völlig Fremde, die mir in einer fremden Stadt auf einer Brücke hinterherrannte, das hatte schon einiges an Seltenheitswert.

Wir gingen los und ein intensives Gespräch nahm seinen Lauf. Ich erfuhr einiges über sie, sie über mich. Wir verstanden uns gut. Schnell hatte ich den Gedanken verworfen, vor Konzertbeginn noch einmal zum Hostel zurückzukehren. Stattdessen trafen wir die Entscheidung, gemeinsam hinzugehen. Vom Konzert selbst bekamen wir nicht allzu viel mit. Stattdessen saßen wir nah am Ufer und ließen die Seele baumeln, redeten weiter. Bis irgendwann eines zum anderen kam und wir uns küssten. Am Anfang wollte alles in mir zurückschrecken und ich fühlte mich, als würde ich jemanden betrügen. I. war die erste Frau, die ich nach dem Ende meiner Beziehung geküsst habe, und so kam es, dass meine Gedanken abermals ganz bei meiner Ex waren. „Ich will nicht irgendeine“, dachte ich, „sondern sie“. Noch immer. Und doch küsste ich weiter. Denn außer der Schuldgefühle meiner Ex gegenüber kam da noch etwas anderes zum Vorschein. Trotz. Eine gewisse Genugtuung darüber, dass ich meine Ex nicht brauchte, ich noch von anderen Frauen begehrt wurde.

Machte mich das zu einem Arschloch I. gegenüber? Ich denke nicht. Sie wusste, worauf sie sich einließ, dass diese Frau aus Deutschland nur wenige Tage bleiben würde. Das sagte sie mir auch, wir waren völlig offen. Und wir hatten eine tolle Zeit, verbrachten auch die folgenden Tage miteinander. Sie zeigte mir die schönsten Ecken Prags, wir hatten Spaß. Der Abschied war traurig, ich mochte sie. Kontakt haben wir noch immer und ich denke, wir sehen uns eines Tages wieder. Ich bin ihr dankbar für das, was sie mich gelehrt hat. Dass es sich nicht lohnt, in der Vergangenheit mit meiner Ex zu leben, sondern da noch sehr viel mehr im Leben ist. Danke für deine Nähe und andauernde Freundschaft, I.

Tinder = Fragezeichen

Lektion K. die Erste

K. war nichts besonders. Ein Tinder-Match, mit dem mich nicht mehr verband als die Mitgliedschaft an der selben Universität. Wir waren mehrmals verabredet, haben uns aber nie getroffen. Sie sagte jedes Mal kurz vor knapp ab. Mal hatte sie angeblich eine wichtige Verabredung verschwitzt, mal musste sie von einer Sekunde auf die nächste eine Freundin mit dringendem Liebeskummer trösten. Die Ausreden wurden immer abstruser. Was sie aber nicht davon abhielt, mir mitten in der Nacht, um drei Uhr morgens, Sprachnachrichten zu schicken, um mich zu fragen, ob ich nicht noch zu ihr kommen wolle. Auf dieses Verhalten hatte ich irgendwann keine Lust mehr. Sie schien mich für verfügbar zu halten, wann immer es ihr passte. Doch das bin ich nicht. Nun war ich es, die auf ihre halbherzigen Verabredungsversuche nicht länger einging. Daraus habe ich immerhin eines gelernt: ich lebe nicht, um anderen zur Verfügung zu stehen. Ich bin kein Lückenfüller. Und Menschen, die das von mir erwarten, sind es nicht wert.

 

Lektion K. die Zweite

K. ist eine Freundin von K. Das wusste ich aber noch nicht, als ich K. kennenlernte. Auch K. lernte ich über Tinder kennen. Wir waren ein Match, allerdings hätte ich ihr wohl nicht geschrieben, wenn sie es nicht getan hätte. Was entstand, waren tolle Gespräche, wunderschöne Treffen und eine neue Sicht auf die Frauenwelt. Seit einem halben Jahr war ich zu diesem Zeitpunkt ohne meine Ex-Freundin. Die Gefühle für sie unvermindert da. Was K. mich jedoch lehrte: es gab noch andere tolle Frauen außer meiner Ex. K. zum Beispiel.

Nach einem mehrwöchigen feurigen Tête-á-tête verließ K. unsere Stadt, um ein Auslandsemester zu beginnen. Glücklicherweise, bevor ich tiefere Gefühle als die bereits vorhandenen hätte entwickeln können – dafür wäre ich noch lange nicht bereit gewesen. Was blieb von K. war das Gefühl, endlich wieder Nähe zulassen und mich auf etwas einlassen zu können. Ich war durch die Trennung nicht länger zu Eis erstarrt, sondern taute auf. Dafür bin ich K. dankbar.

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Lektion L.

L. habe ich kurz vor Weihnachten während einer gemeinsamen Partynacht mit K. und K. kennengelernt – Manchmal geht mein Leben wohl L-Word’sche Wege. Bei dieser ersten Begegnung bekam ich nicht viel mehr von L. mit als ihren Namen. Zu sehr waren meine Augen zu diesem Zeitpunkt noch bei K. Nummer 2. Wochen später aber kam ich über zwanzig Ecken doch nochmal in Kontakt mit L. Es stellte sich heraus, dass sie an diesem Abend ein Date von K. Nummer 1 gewesen, jedoch abserviert worden war. Was folgte waren viel Geschreibe und bisher zwei großartige Partynächte. Ich mag sie.

Was ich aus dieser Geschichte lernen werde, ist noch völlig offen. Auch diese Lehrstunde werde ich auf mich zukommen lassen und bin gespannt, was sie mir bringen wird.

Vielleicht erzähle ich es euch ja irgendwann.

 



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