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Die neuen Lesbenparfüms

Scent of Women

Gibt es lesbische Parfüms – und was soll das überhaupt sein? Existiert etwa ein ultimatives Duftwässerchen, auf das alle lesbischen Frauen fliegen wie Bienen auf Honig? Haben Lesben einen anderen Parfümgeschmack als Heterofrauen – bevorzugen sie gar Produkte mit einem eher maskulinen Touch? Antwortversuche auf eine völlig bescheuerte Frage.

Um es gleich vorwegzunehmen: natürlich ist die Idee von typisch lesbischen Parfüms politisch inkorrekt, anti-feministisch, engstirnig, ganz bestimmt heteronormativ, klischeefördernd und sicher auch in jeder anderen Hinsicht inakzeptabel – kratzt mich aber nicht, ist nämlich sowieso zuallererst selbstironisch gemeint.

Natürlich ist uns allen klar, dass es den einen lesbischen Mainstream nicht gibt. Und auch was die Duftfrage betrifft, bewegt sich das Spektrum sicher zwischen zwei Extremen – von der Flanell-Puristin, die ausser Wasser und Kernseife überhaupt keine Kosmetik an sich heranlässt bis zum Lipstick-Chick, das so schmerzfrei ist, dass es sogar in einem pinken Wölkchen aus Miss Dior Chérie überleben kann (ein grässliches Zeug!).

Da mich ein völlig unrepräsentatives Meinungsbild über lesbische Lieblingsdüfte dennoch interessiert (auch immer ein super Vorwand, mal an einem hübschen Exemplar schnuppern zu dürfen), hab ich vier Mädels zu ihren Favoriten befragt. Sind das nun „typisch lesbische“ Parfüms? Urteilt selbst …


Elodie (29, Paris) – Hermès Un Jardin après la Mousson:

„Komplizierter Name, aber unkompliziert unisex, so weit das Versprechen. Zumindest wird das Parfüm unter diesem Label angeboten – ich nehme es eher als feminin war, das kann aber auch daran liegen, dass ich nunmal auf Mädchen stehe, was vielleicht allgemein die Wahrnehmung lenkt. Auf jeden Fall ist Un Jardin après la Mousson vor allem eins: ein ganz heisser Duft! Im wahrsten Sinne des Wortes, denn auch wenn sein Name eher auf die abkühlende Wirkung eines Tropenregens anspielt, entfaltet sich die Wirkung am besten bei heisser Umgebung…im Urlaub, in brechend vollen Clubs, auf nackter Haut. Riecht unglaublich warm und würzig nach Ingwer, Pfeffer und nur ganz wenig Frucht. Selbst trage ich dieses Parfüm nicht, liebe es aber an meiner Freundin, die ich ganz bestimmt nur seinetwegen gefunden hab – in einer Sommernacht im Troisième Lieu, immer der Nase nach …“

Sandrine (26, Basel) – Calvin Klein One:

„Klar, das One ist der Klassiker unter den Unisex-Parfüms und wird bei vielen sicher erstmal einen Gähnen hervorrufen…es ist eben leicht zitronig, ein bisschen herb und sonst…naja…nicht viel. Trotzdem liebe ich es heiss und innig. Ich trage es nicht täglich, schon gar nicht, um eine Herzensdame rumzukriegen – dafür ist es dann doch etwas zu nichtssagend. Aber gerade für den Ausgang (mit ungewissem Ausgang, hehe) finde ich es perfekt unaufdringlich. Lässt einen gut nach frisch-geduscht riechen, und keine Gefahr, jemandem mit einer zu speziellen Duftwolke auf die Füsse zu treten. So etwas find ich gerade im Clubgedränge selbst immer total ätzend!“

Annabelle (28, Zürich) – Boss Orange:

„Schwer zu sagen, ob Boss Orange nun ein Parfüm ist, auf das vor allem Lesben fliegen – eher unwahrscheinlich. Schon möglich, dass ich ein wenig allein wegen des kühlen, leicht androgynen Markenimages darauf stehe, aber davon dürften sich ja auch Heteros verführen lassen. Ändert also nichts daran, dass es einfach sehr lecker riecht…nach Orangen eben. Aber keinesfalls zu süss, denn spätestens nach einigen Stunden dominieren eher die wärmenden Noten von Sandelholz und etwas Vanille. Trage es selbst fast täglich, mag es aber ebenso gern an anderen. Am Abend eines langen Tages ist es so weit verflogen, dass man oft nicht mehr sagen kann, ob man ein Parfüm wahrnimmt oder ob diese Frau einfach von sich aus so subtil wahnsinnig gut riecht.“

Teri (34, Hamburg) – Dior Fahrenheit:

„Ob es mutig ist, als Frau ein Männerparfüm zu tragen? Finde ich völlig albern – ich bin eh ein kleiner Wildfang und mag es unkonventionell. Beim ersten Einatmen riecht das Fahrenheit schon ziemlich maskulin, liegt wohl am Moschus. Diese kleine Wolke Männlichkeit verfliegt aber recht schnell und weicht einem sanften, holzigen Duft. Auch etwas krautig. Irgendwie erinnert mich der Geruch insgesamt an Sex-auf-dem-Heuboden, und wer findet den Gedanken daran nicht reizvoll? Ich meine, scheu vor Männerparfüms sollte man als Lesbe echt nicht haben, schon gar nicht aus Angst, in die Mannsweib-Ecke gedrängt zu werden. Wer da Hemmungen hat, steuert am ersten Abend mit so einem Parfüm eben mit reichlich rotem Lippenstift gegen!“

Mein Tipp – Hermès Eau des Merveilles:

Bestimmt kein Zufall, dass auch mein aktueller Lieblingsduft aus dem Hause Hermès stammt, haben die Franzosen doch mittlerweile den grössten Teil ihrer Parfüms als „unisex“ komponiert. Das Geheimnis liegt offenbar darin, dass sowohl stereotyp weibliche („blumige“) als auch männliche (Moschus etc.) Elemente recht konsequent ausgeklammert werden. Eau des Merveilles überrascht mit Noten von Vetiver, Eichenmoss, ganz wenig Orange und sehr viel Amber – eine ätherische, aber doch auch mineralische Mischung. Null Süsse, jedoch auch keinerlei Maskulinität. Irgendwie geschlechtslos – so richtig „unisex“. Was mich besonders fasziniert, ist die leicht salzige Komponente, die man nicht nur riechen, sondern auch schmecken kann. Unbedingt ausprobieren und mal vom Hals der Liebsten lecken!



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4 Comments

  1. Meli
    16. November 2012 at 0:30

    Also ich mag ja „La vie est belle“ von Lancôme und „Pulse“ von Beyoncé :) Die sind eigentlich sehr unterschiedlich, aber vielleicht mag ich grade deahlb beide ;)

  2. Jenny
    14. November 2012 at 18:06

    One Million von Paco Rabanne, die männliche Version. Richt unglaublich gut und keiner/keine merkt, dass es ein Männer Parfum ist :)

  3. Helene
    13. November 2012 at 8:21

    ich mag armani code oder byredo palermo.
    naja- „alles andere“, diese ganzen süssen teeniedüfte gehen mir schon ziemlich auf den geist, auch weil ich mal in einem laden mit parfümerieabteilung gearbeitet habe- ganz übel sind da bsp. auch die altehrwürdigen düfte von estee lauder oder der „neue (2010)“ sensuous black… viel zu schwer, setzt eine gewisse reife voraus, wird aber auch von jungen mädchen gekauft. das passt einfach nicht. dann doch noch lieber ein dezentes herrendeo (die ja meist doch ziemlich herb und „unisexier“ daher kommen als diese süss-unangenehme betörung).
    es gibt leider nur noch ganz wenige unabhängige parfümerien in unserer stadt, genau gesagt gibt es sicher eine- die beraten gut und haben ein schönes sortiment. und sehr bald ist ja weihnachten!

  4. Perababy
    12. November 2012 at 17:15

    Also ich bin ja ein ganz großer Fan von Donna Karan New York – Be Delicious ;) Aber alles andere ist mir auch sehr viel lieber als diese Lesben mit Herrendeo.. .

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