Love & Dating

Wie ging das noch mal mit der Romantik?

Am diesjährigen Valentinstag, den ich, anstatt wie üblich zu boykottieren, tatsächlich mit einer zauberhaften Frau verbringen wollte, dachte ich mir: versuchen wir’s doch mal wieder mit Romantik. Nur, wie ging das gleich noch mal?

Ich muss gestehen: ich bin nicht der romantische Typ. Oder vielmehr: ich bin nicht der Maintream-Romantik-Typ. Sonnenuntergänge, rote Rosen, Schnulzen, Kuscheln – das alles liegt mir einfach nicht. Ich mag Sachen generell nicht, die die Menschheit per se toll, trendig, oder was auch immer finden soll. Da macht sich gleich eine riesengrosse Aversion bei mir breit. Aber: Frau soll ja offen sein für Neues, oder Altem auch mal wieder eine Chance geben. Also hab ich’s mit klischeebehafteter Romantik versucht. Hier die Chronik des Abends:

Pärchen-Dinner

Wenn mich jemand fragt, ob ich denn Lust hege, mit einem anderen Liebespaar gemeinsam etwas zu unternehmen, dann verspüre ich normalerweise sofort ein wahrlich immens grosses Verlangen. Ein immens grosses Verlangen, sogleich davonzurennen, und mich, sobald ich ausser Reichweite bin, zu übergeben, um ehrlich zu sein. Am Valentinstag habe ich es aber geschafft, den Brechreiz im Zaun zu halten, und stattdessen gar ein köstliches Dreigang-Dinner zu verspeisen. Dazu war ich auch einigermassen gut gelaunt, kommunikativ und habe gar ab und an gelacht.

Aushalten von Zweisamkeit in multipler Paarform: check.

 

Schnulzen

Ich hatte den perfekten Plan: Nachdem die vor Jahren noch mit einer göttlichen Stimme gesegnete Whitney Houston vergangenes Wochenende mehr oder weniger überraschend von uns gegangen ist, besorgte ich mir sogleich ihre „Greatest Hits“-CD (ausgeliehen, nicht gekauft, denn ich unterstütze die Musikindustrie nicht bei ihrem Geschäft mit dem Tod). Die Idee dahinter: 18 Schnulzen (CD 1, Cool Down) würden die Zeit nach dem Dinner bis zum Sex mühelos, stimmig und gefühlvoll zu überbrücken vermögen. Und gleichzeitig könnte ich einer begnadeten Sängerin auch noch Tribut zollen. Der Plan war schlicht grandios. Ich hätte zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. HÄTTE. Denn die CD habe ich dann blöderweise zu Hause vergessen – und musste wohl oder übel darauf vertrauen, dass meine Liebste, selbst genauso wenig romantisch veranlagt wie ich, irgendwo eine Jugendsünde wie „Kuschelrock“ versteckt hatte. Hatte sie nicht. Wir haben uns, nach Techno zum Festmahl, trotzdem noch so was wie Schnulzen angehört.

So was wie Schnulzen-Musik aushalten ohne dabei einzuschlafen oder melancholisch zu werden: check.


Geschenke

Ich hatte nicht einkalkuliert, dass ich eigentlich noch Geschenke besorgen müsste. Ist ja Valentinstag. Also irrte ich gestresst im Bahnhof umher – anhand der weiteren panisch umherirrenden Menschenmasse zu urteilen, war ich übrigens mitnichten die Einzige mit dieser Problematik – und fragte mich, wo ich wohl ein total abgedroschen kitschiges kleines Präsent finden könnte. Ich landete … IM CANDYSHOP! Und besorgte ihr dort einen Lollypop in Herzform. Doch das war natürlich noch nicht alles: Im Blumenladen nebenan kauften ein Herr um den anderen ROTE ROSEN. Die waren, nach 19:00 Uhr abends, doch mittlerweile so unansehnlich, dass ich mich stattdessen für rote Gerbera (immerhin stimmte die Farbe), sowie eine weisse Rose (wie die Unschuld und Reinheit) entschied. Und das in nur drei Minuten. Effizienz in Sachen Romantik soll mir erst mal eine nachmachen.

Zum Valentinstag passende Geschenke mit hohem Kitschfaktor und unter Zeitdruck besorgen: check.

 

Kuscheln

Ich hatte mir vorgenommen, für einmal nicht gleich zur Sache zu kommen, sondern zunächst nur zu kuscheln. Also knutschten und streichelten wir uns hemmungs- und endlos. Bis SIE mir zwischen die Beine fasste. Ich hatte somit gewonnen und bewiesen: mein Sinn für romantisches Kuscheln ist definitiv ausgeprägter als der Ihre. Das war übrigens geschlagene drei Stunden, nachdem ich bei ihr zu Hause angekommen war. Keine schlechte Leistung, oder? Gut, wenn wir das Dinner, währenddem Frau in Anwesenheit dritter und vierter selten Sex hat, abziehen, dann waren’s noch eineinhalb Stunden. Trotzdem: ich finde, wir, beziehungsweise vor allem ich, haben uns wacker gehalten.

Knutschen und Streicheln während mehr als 10 Minuten: check.

 

Den Rest des Abends und der Nacht haben wir uns dann der körperlichen Liebe gewidmet. Völlig frei von Romantik. Das war sehr erfrischend. Ich weiss, Frau hätte noch viel mehr machen können, um die Liebe zu zelebrieren: zum Beispiel ein gemeinsames Schaumbad nehmen (die Wanne war zu klein), das Bett mit Rosenblättern eindecken (im Laden gab’s nur noch fünf Rosen, deren Köpfe auch bereits zum Boden hingen), einander selbst geschriebene Gedichte vorlesen (Problem: fehlende Zeitressourcen im Vorfeld), Kerzen anzünden (ich hatte darum gebeten, aber mein Wunsch wurde nicht erhört), Ballone in Herzform (wo kriegt Frau die?) in der ganzen Wohnung verteilen, … . Aber es war doch immerhin mal ein Anfang.

 

Vielleicht sollte ich bis zum nächsten Valentinstag mal einen Kurs besuchen. Die gibt’s doch bestimmt. Sicher auch online. Oder mag mir gar jemand von euch gute Tipps geben?



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