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Schon von Mingles gehört?

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Schon von Mingles gehört?

Erst vor kurzem kamen in der Deutschen Welt und in der Schweizer Zeitung 20 Minuten Artikel zu einem neuen oder zumindest neu benannten Phänomen heraus; den Mingles. Ein Begriff, der aus den Wörtern „Mixed“ und „Singles“ entsteht und so viel bedeutet wie „zusammengeführte Singles, die Single bleiben.“
Neulich habe ich mich mit einer Freundin über das Phänomen „Mingles“ unterhalten. Die Freundin meinte, sie hätte im Herbst eine Sexbeziehung mit einem Typen geführt, den sie auf einer Party traf. Noch am selben Abend hätten sie die Regeln festgelegt für das Verhältnis, welches sie zusammen aufbauen würden. Es sei perfekt gewesen. Keine Verpflichtungen, keine Erwartungen und ungehemmter Sex ohne Tabus.
Als ich eine Woche später lernte, dass es sogar einen Begriff dafür gibt, war ich verblüfft.
„Übernachten ihr auch beieinander?“, hatte ich die Mingle Lady gefragt – durchaus, sie wären auch mal zusammen essen gegangen oder hätten ein Konzert besucht.
Doch wer genau sind die Mingles? Wie unterscheidet frau sie von anderen Beziehungstypen, was sind die Merkmale eines Mingles und woher kommen sie?
Durch Diskussionen auf Onlineportalen konnte ich Erfahrungsberichte von verschiedenen Mingles miteinander vergleichen und einiges über die Schwierigkeiten und Herausforderungen von Mingle-Beziehungen erfahren.

Friends with Benefits sind keine Mingles

Friends with Benefits sind, wie der Name schon sagt, Freunde, die auch mal zusammen im Bett landen. Sie leben vielleicht in einem Mitbewohnerverhältnis oder kennen sich schon lange und finden sich gegenseitig sexuell attraktiv. Es bleibt aber bei einer Freundschaft, weil diese schon so gefestigt ist, dass eine partnerschaftliche Beziehung kaum denkbar wäre. Mingles hingegen, lernen sich als Singles kennen. Sie suchen weder Beziehung noch sind sie an einer Freundschaft interessiert. Sie suchen unkomplizierten Sex.

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Auch keine herkömmliche Affäre

Bei Affären sind die Verhältnisse wahrscheinlich weniger klar geregelt wie bei Mingles. Affären können sich zwar in eine feste Beziehung verwandeln, sich genauso schnell wie sie entstanden sind aber auch wieder verflüchtigen. Häufig leidet eine Seite mehr darunter als die andere. Solche Verletzungen versuchen Mingels vorzubeugen, indem sie gleich am Anfang deklarieren, was sie wollen und was nicht. Es werden keine Hoffnungen geweckt und keine Möglichkeiten offen gelassen. Es wird betont, dass frau nicht verliebt ist.

Eine faire Sache also?

Klar geäußerte Erwartungen sind sicherlich hilfreich. Noch besser, wenn beide Beteiligten aus Überzeugung und nicht nur fadenscheinig dieselben Vorstellungen haben. Es fragt sich, was es braucht, um eine Mingle-Beziehung einzugehen.
Erstens einmal ist es Typsache; es gibt viele, die können keinen Sex haben, ohne verliebt zu sein und dann gibt es andere, die keinen Sex haben können, ohne sich zu verlieben. Und solche, die aus Prinzip nur feste Beziehungen eingehen. Zweitens, braucht es Erfahrung, besonders sexuelle Erfahrung, wenn sich frau die Vorteile einer Mingle-Beziehung in ihrem Alltag zu Nutzen machen möchte. Sex stellt eine Möglichkeit dar, sich auszutoben, Aggressionen abzulassen, tiefgehend befriedigt zu werden und für ein paar Tage Ruhe zu finden. Die oben erwähnte Freundin berichtete von Gelassenheit, besserer Konzentrationsfähigkeit und weniger Abschweifungen in Traumwelten.
Nun gehen aber wahrscheinlich nicht nur Leute Mingle-Beziehungen ein, die dafür wirklich bereit sind, sondern auch solche, die sich eigentlich eine feste Beziehung wünschen und das Minglen als Übergangsphase betrachten. Gerade wenn eine Beziehungsform einer festen Beziehung so nahe kommt, ist es schwierig, sich darüber klar zu bleiben, dass es eine solche eben nicht ist. Aufkommende Hoffnungen sind in vielen Fällen kaum zu vermeiden.

 

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Grenzen zwischen Mingles und fester Beziehung

Wie erkennt frau, dass sie sich als Mingle nicht eignet? Wenn sie sich eine feste Beziehung wünscht, klar. Kann eine Mingle-Beziehung zu einer festen Beziehung werden? Ja, jedoch muss der Wille, eine feste Beziehung einzugehen, beidseitig gleichermaßen vorhanden sein. Stimmt es für einen Mingle weniger als für den andern, gerät die Beziehung häufig aus dem Gleichgewicht; spürt nämlich der weniger interessierte Mingle die wachsende Zuneigung des andern, zieht er sich wahrscheinlich noch mehr zurück. Typische Indizien dafür, dass eine Partei auf Distanz geht, sind wenig zur Verfügung stehende Zeit (scheinbares Ausgebucht-Sein), lange Wartezeiten auf Textnachrichten, fehlende Bemühungen, einen guten Eindruck zu machen (unaufgeräumte Zimmer), Vergesslichkeit im Bezug auf die Termine und Belangen des anderen Mingles, Fernhaltung vom persönlichem Umfeld und Bequemlichkeit (die Treffen finden immer beim gleichen Mingle statt, weil der sich vorgeblich nur bei sich zuhause wohlfühlt).
Treffen mehrere solche Indizien auf eine Mingle-Beziehung zu, wird wohl kaum eine feste Beziehung daraus. Frau bleibt höchstens die Möglichkeit, sich manipulative Strategien anzueignen. Den andern Mingle eifersüchtig machen ist oftmals eine wirksame Maßnahme.

Kritik der Gesellschaft

Als „Kapitalismus auf dem Partnermarkt“ bezeichnet die Welt das Phänomen Mingle. Feste Bindungen werden nicht eingegangen, Commitment vermieden. Das Phänomen rühre von der Angst, zu viele andere, vielleicht bessere Möglichkeiten auszuschließen, wenn man sich eindeutig zu einem Menschen bekenne. Der Partnermarkt funktioniere zunehmend nach dem kapitalistischen Gedanken der Gesellschaft. Da ist die ständige Optimierungstendenz, der Gedanke, dass es vielleicht noch einen Besseren gibt. „Wir haben tendenziell immer Angst zu kurz zu kommen und wollen dafür sorgen, dass wir das bekommen, was uns zusteht“, so der Paartherapeut Klaus Heer gegenüber 20 Minuten. Sein Berufskollege, Hans Peter Dür meint auch, die zunehmende Individualisierung trage Schuld an dem Phänomen: „Im Zentrum stehen die Interessen des Einzelnen, der sich fragt: Was will ich? Was tut mir gut?“
Dazu kommt das scheinbar unendliche Angebot, das hauptsächlich durch Online-Dating Portale promoviert wird – meine Traumpartnerin könnte nur einen Klick weiter sein (wir kennen das von Foto-Vote).
Die Perfekte Partnerin

Angebot und Auswahlmöglichkeiten trügen. Sie lassen glauben, die perfekte Partnerin müsse existieren. Aber was, wenn sie gar nicht existiert? Ich persönlich glaube nicht, dass eine Partnerin allen meinen Ansprüchen genügen kann. Genauso wenig werde ich jemals alle Ansprüche einer Partnerin erfüllen. Das ist auch gar nicht nötig. Wenn schon viele Ansprüche erfüllt werden und frau die Zeit mit ihrer Frau geniesst, wenn frau verliebt ist, wieso dann nicht ein Commitment eingehen?
Ich finde das Mingletum okay. Ja, es ist Ausdruck der heutigen Gesellschaft, aber deshalb muss es nicht automatisch schlecht sein. Möchte frau hauptsächlich ihre sexuellen Bedürfnisse befriedigen, empfehlt es sich sogar minglisch zu leben. Es wäre aber falsch zu glauben, das Mingletum sei die positive Variante einer festen Beziehung, nur weil Beziehungsprobleme und Verpflichtungen wegfallen. Fallen die Nachteile einer festen Beziehung im Mingletum nämlich weg, fehlen auch die Vorteile einer solchen, wie Vertrauen, Sicherheit, Konstanz und das Gefühl, seinerseits zu genügen.

 

 

Fazit

Jetzt wisst ihr, was Mingles sind und dass es sie gibt. Ob ihr auch dazu gehören möchtet, ist natürlich euch überlassen. Die Mingle-Beziehung der Freundin hat sich übrigens unterdessen aufgelöst. Sie ist aber überzeugt, dass sie im Mingletum die für sie ideale Beziehungsform gefunden hat und wird wieder nach neuen Mingels Ausschau halten.

 

 

 

 



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