Ausgangszene Schweiz

Review: «SANTA V» in der Zukunft

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Am Samstag, 10. Mai 2014, gab es in Zürich ganz eindeutig nur eine Ausgangs-Option für Les Femmes und Friends, wenn frau geile Beats, Atmosphäre und Stimmung zum Abgehen und Eintauchen in die Sound-Tiefen eines guten Clubs suchte: die gross angepriesene und extra blutjung aus der V…äh Wiege gehobene «Santa V» in der Zukunft.

Doch wie war der Abend nun wirklich, wenn man durch die Nebelschwaden der Rauchkanonen hindurchgeblickt hat und langsam aus der Trance von Zora Vipera’s feuriger Dance-Performance erwacht ist?

 

Die Gene des Retorten-Babies «Santa V» verhiessen Grossartiges. Unter der Ingenieurs-Kunst von Madame Cinzia La Tigresse wurde ein Kind aus dem magischen Fleisch der Nordischen Götter geschaffen, durch dessen Venen hartes Holländisches Blut pulsiert. Damit es sich in der Schweiz auch wohl fühlt und verstanden wird, hat es noch einige solide Schweizer Gene zur Verwurzelung mitbekommen.
Nachdem die Heilige Maria dieses Kind geboren hatte, wurde es in die Wiege der Zukunft mitten in Zürichs Herzen des Nachtlebens gelegt, wo es nur gedeihen konnte.

Im Vorfeld waren Vergleiche mit der legendären BROT-Partyreihe angestellt worden, und es wurde ein Bezug zur Santa Vagina hergestellt – wovon sich die Macherinnen allerdings vehement distanzierten. Aber vofür steht das V denn nun? Römisch 5? Oder V für Vagina…? Naja, egal. Es wird uns wohl ein ewiges Rätsel bleiben.

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Ab in die Zukunft also!
Kurz vor 23 Uhr: von der riesigen Schlange an der BROT letztes Jahr noch immer traumatisiert, wollte ich früh da sein. Freunde und Kollegen würde ich dann später treffen. Bloss nicht mir die Flüsse plattstehen, da bin ich ungeduldig.
Nun, in der Bar3000 (der auch von aussen her zugänglichen Fumoir-Bar der Zukunft) hingen eine handvoll Leute rum, die mir eher den Eindruck von früher Morgenstunden-Stimmung machten. Nix mit frühzeitigem Anstehen also. Mir solls Recht sein.
So zog ich vorerst wieder von dannen, und kam irgendwann gegen 23.45 Uhr zurück zur Zukunft, wo nun die Doors geöffnet waren und ich zwei meiner Freundinnen traf. Eine lange Schlange anstehender Frauen war noch immer nicht im Eingangsbereich anzutreffen, auch wenn sich mittlerweile wesentlich mehr Leute eingefunden hatten. Doch wir waren sehr durstig, und entschieden uns daher, gleich rein zu gehen.

 

Angenehm: der Weg in die heiligen zukünftigen Gemächer einer rauschenden Party-Nacht floss geschmeidig von der bewachten Türe die Treppe hinunter, wo wir uns zwischenzeitlich um CHF 25.- für den Eintritt erleichterten. Als nächstes entledigten wir uns unserer Jacken. Im Durchgangsbereich WC/Gänge/Lounge etc. versperrte ein fast schon Placenta ähnlich anmutender Vorhang die direkte Sicht in den Bauch, lies Hauptraum des Club Zukunft.
Nachdem wir ‚drin‘ waren, hiess es rasch die grossflächig angelegte und sympathisch bediente Bar anzusteuern, die Kehle benetzen und sich mit DJ Sabakas Vibes langsam einstimmen. Und natürlich alle Freundinnen und Bekannten begrüssen, denen frau in diesem Club auch ständig und besonders rasch über den Weg lief.
So verging die erste Zeit mit Hallo sagen, dem Holen von Getränken am Bartresen (dank der super Organisation der Bar ohne grosse Wartezeiten), und sich im rund bzw. offen angelegten Raum im Kreise zirkulierend zu bewegen. Und wieder die selben und noch mehr Freundinnen zu treffen. Zu noch weiteren lustigen Wortwechseln. Und ehe wir uns versahen, war der Club dann auch mal recht voll, und die DJane hatte gewechselt.

DJ Ida Daugaard, die Headlinerin aus dem Hohen Norden, schenkte uns eine Coolness, wie es nur Skandinavier können. Däninnen in diesem Falle. Perfekt gemixt. Hart aber geschliffen. Ruhig. Pulsierend. Einem ganz eigenen tiefen Rhythmus folgend, den Frau tief in ihr Inneres sinken lassen konnte, um sich dann vom Sound einverleiben zu lassen, die Beine einfach nur den fliessenden Hirnströmem folgend.

 

Um 1 Uhr war es soweit: wir spürten die Spannung in der Luft. Der Sound fuhr hoch, die Spannung lud sich weiter auf, und es begann verbrannt, nach Benzin, im Raum zu riechen. Die Luft vibrierte. Yes, it’s Showtime! Wir ahnen es. Die angepriesene Show-Einlage von Zora Vipera würde nun folgen. Knapp bekleidet in einem eleganten, fast schon grazilen schwarzen Leder-Bustier, welches auf ihrer hellen Haut stark kontrastierte. Ihr Blick fokussiert-kühl, das lackschwarze lange Haar streng nach oben geknotet. Alles im Raum schien still zu stehen.

Alle Augen auf sie gerichtet, in gespannter Erwartung. Und dann sprühten die Funken, das Feuer war entflammt und raste in grossem Tempo um die stoisch ruhig stehende Künstlerin. Die Feuerkreise zogen die Zuschauerinnen immer weiter in den Bann. Weiter und weiter, round and round. Durch leichte Positionswechsel durfte Frau auch andere Blickwinkel von der Artistin selbst erhaschen und sich weiter in ihren Bann ziehen lassen. Und dann waren die Flammen aus. Nun kreiste Zora Vipera nur noch ihr langes schwarzes Haar durch die immer noch voller Spannung geladene Luft. Unendlich lange. Bis sie von der Bühne ging. Und wir wieder zurück in den kühlen tiefen Deep House Sound abdrifteten. Vielleicht trieben unsere Seelen durch die Lüfte und über die Meere bis in die Heimatgefilde von Ida Daugaard, nach Copenhagen.

Einigen mag der stark von gleichmässig cool pulsierenden Beats geprägte Sound vielleicht gar zu unterkühlt gewesen sein. Andere schätzen jedoch gerade das, um einfach nur zu geniessen, abzuschalten, sich hinzugeben. Oder sich mit anderen Ladies unterhalten zu können, ohne unnötig schreien zu müssen. Denn die Lautstärke war perfekt.

Alternativ gab es aber noch als Alternative im Fumoir/Bar3000, die Treppe hoch, superfrischen groovigen Sound von Miss Flash Champagne (NL) und Co., der so bunt wie die Pride Amsterdam, wie ein Bouquet verschiedenster Blumen, die Stimmung auf Dauer-Happy Leben^10 polte. Mit einer ordentlichen Prise Schall. Und Rauch. Auch zum Mitnehmen. Die Lokal-Matadorinnen DJ Aura Trauma und DJ Scarlett hinterliessen wohl beste Eindrücke.

 

Review LesbianChic SantaV

 

Zusammengefasst


Publikum –
Gut gemischt, einige bekannte Gesichter. Frauen die sich geben, wie sie sind. Die grossartig gestylten Femmes oder Rucksacklesben waren entweder woanders im Ausgang, oder fielen nicht speziell auf. Zu späterer Stunde kamen auch noch einige, fast schon zahlreiche, Hetero Damen und Herren, alleine oder als Pärchen, hinzu. Ein unkomplizierter sympathischer Mix.

Flirt Faktor – mehr als gegeben

Musik – 1a Deep House/Techno, zeitgemäss raffiniert poliert und aufgepeppt (Bar3000)

Club – Sehr angenehm, keine Stauzonen. Gut ausgestattet mit genügend Platz und Durchgängen. Zwar eher wenige, dafür bequeme Sitzgelegenheiten auf grossen Sofas.

Bar3000 – Das Fumoir ist eigentlich ein separater Teil, über eine Treppe erreichbar. Hier kam frau sich auf kleinem Raum bei hellem Licht und viel Rauch sofort nahe. Der Platz entsprechend knapper, bei quirliger Musik.

Bar – Perfekt zugänglich, da der Tresen über die volle Länge geht. Gut und freundlich bedient, kurze Wartezeiten. Auswahl an mehreren Bieren, ab Zapfhahn im Plastic-Becher oder in der Flasche, inkl. Appenzeller alkoholfrei. Normale faire Preise.

 

Fazit

Ein perfekter Abend im Ausgang, mit reibungslosem Ablauf, und als Extra gabs sogar noch eine heisse Show. Super Sound von der Art, wie man ihn in Zürich sonst nur schwer findet. Wir hoffen auf mehr…. und danken den Demoiselles um Cinzia La Tigresse für die mehr als gelungene Inszenierung. So muss es sein. Danke! Merci à tous et pour tout!!!

 

 

 



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1 Comment

  1. 29. September 2014 at 14:35

    […] Sets wiederum von der Deko von V&C und Bellatrix’ Visuals. Nach der gelungenen Premiere (s. unsere Review) sind wir gespannt, was die Deuxième zu bieten hat! Dass Istanbul ein Party-Mekka ist, weiss wohl […]

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