Kultur

Circumstance

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Am Samstag habe ich mir „Circumstance“, der unter Anderem den Zuschauerpreis beim Sundance Filmfestival abgeräumt hat, angesehen. Da der Film im Rahmen des Zurich Film Festivals gezeigt wird, gab’s das erste Highlight bereits beim Betreten des Kinos: Meine wachsamen Augen erspähten zwei wunderschöne Frauen. Es handelte sich um die Hauptdarstellerinnen Nikohl Boosheri und Sarah Kazemy. Ein atemberaubender Anblick. Und ein toller Vorgeschmack auf die folgenden zwei Stunden…

Die Handlung

„Circumstance“ porträtiert das Leben zweier junger Frauen im Iran: Atafeh (Nikohl Boosheri) hat das Privileg, in einer liberalen Familie aufzuwachsen. Kultur und Lebensfreude sind fester Bestandteil ihres Alltags. Ihre Freundin Shireen (Sarah Kazemy) hingegen lebt eher in einem goldenen Käfig: ihre Eltern waren Professoren, die den Sittenwächtern offensichtlich ein Dorn im Auge waren. Ihr Schicksal bleibt dem Zuschauer zwar unbekannt, wer sich jedoch etwas mit den im Iran vorherrschenden Sitten auseinandergesetzt hat, kann sich in etwa vorstellen, was mit ihnen passiert ist. Shireen wächst bei ihren Grosseltern auf, wobei vor allem ihr Grossvater streng über sie wacht und darum bemüht ist, sie alsbald zu verheiraten. Von Atafehs Unbeschwertheit angesteckt und vom Wunsch nach Freiheit getrieben, versucht sie, die herrschenden Zwänge zu umgehen. Gemeinsam tauchen sie, wann immer möglich, in die Untergrundszene ab, wo Techno gespielt, Alkohol getrunken, Drogen konsumiert und westliche Filme und Musik angeboten werden. Alsbald wird klar: Atafeh und Shireen verbindet nicht nur der Wunsch nach einem anderen Leben, sondern auch die Liebe. Die ersten schüchternen Berührungen sind der Anfang einer Beziehung, die sich im Versteckten und stets Gefährlichen abspielt. Und die auf eine harte Probe gestellt wird, als Shireen ausgerechnet Atafeh’s immer fundamentaler werdenden Bruder heiraten muss, um nicht den Rest ihres Lebens im Gefängnis zu verbringen. Wofür werden sie sich entscheiden? Für die gemeinsame Flucht nach Dubai, oder ein Leben in Ketten?

Impressionen

Was mich besonders beeindruckt hat an diesem Film, ist einerseits die doch ziemlich grosse Offenheit, mit der die Liebesbeziehung zwischen den beiden Protagonistinnen gezeigt wird. Der Dreh fand zwar im „liberalen“ Libanon statt, doch die Gefahr, in Schwierigkeiten zu geraten, war stets präsent. Dass „Circumstance“ trotzdem realisiert werden konnte, haben wir Zuschauerinnen der Regisseurin Maryam Keshavarz  zu verdanken, die der libanesischen Regierung eine gekürzte und „unproblematische“ Fassung des  Drehbuchs vorgelegt hat.

Ausserdem wird einem je länger je mehr schmerzlich bewusst, wie streng kontrolliert das Leben junger Iranerinnen doch ist: Wer den Mut findet, gegen die vorherrschenden strengen Regeln zu verstossen, muss ständig auf der Hut sein. Nur schon das Hören von westlicher Musik im Auto oder das Tragen von rotem Lippenstift sind für die Sittenwächter Grund genug, einzuschreiten. Und „einschreiten“ bedeutet, die Frauen zu beleidigen, als Schlampen zu betiteln, in Gewahrsam zu nehmen, auf ihre Jungfräulichkeit hin zu untersuchen, und dafür zu sorgen, dass ihre Fehltritte publik gemacht werden. Imposant fand ich in diesem Zusammenhang zum Beispiel die Szene, als Atafeh und Shireen es wagen, ein Bad im Meer zu nehmen – was ihnen strengstens untersagt ist, dürfen sie sich doch eigentlich in der Öffentlichkeit nur bedeckt zeigen. Auf ihren Gesichtern spiegelt sich in diesen Momenten unglaubliche Zufriedenheit und Glückseligkeit. Frau Zuschauerin wünscht den Beiden, sie könnten diese Gefühle doch immer verspüren und realisiert, wie verdammt gut wir es hier doch haben.

„Circumstance“ wird noch am Freitag, 30. September, um 15.00 Uhr im Arthouse Le Paris gezeigt. Tickets gibt es hier. Und ich hoffe doch sehr, dass sich ein Verleih gefunden hat, der diesen tollen Film in absehbarer Zeit in die Schweizer Kinos bringen wird.



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