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ZURICH PRIDE – DER REVIEW

Und schon ist der Spuk wieder vorbei: während der letzten Tage war Zürich geprägt von der Zurich Pride. Ein grosser Umzug, der glücklicherweise vom Regen verschont blieb, bildete das Highlight des Festivals. Lesbian chic war für euch vor Ort – was schreib ich: lesbian chic war mittendrin!

Die Parade

Nachdem wir am Freitag nur kurz am Turbinenplatz verweilen konnten, waren wir am Samstag omnipräsent: zunächst führte unser Weg natürlich an die Pride, die übrigens von Polizeivorsteher Daniel Leupi angeführt wurde. Da das Verhältnis zwischen der Stadtpolizei und der Schwulen-Szene in den letzten Jahren teils doch etwas arg ramponiert war, empfanden wir das irgendwie als guten Schachzug. Petrus zeigte sich dann auch von seiner queer-freundlichen Seite und liess den Himmel nur bis 14:40 Uhr weinen. So machte es denn auch umso mehr Spass, mitzulaufen, mitzutanzen (ein Hoch auf Aerobic), mitzusingen – und die Chicks mit unseren Flyern und Kosmetika von Vabelle zu beglücken. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Eva, Lu, und natürlich Norman, der übrigens ab und zu angesprochen wurde, warum er als Mann denn unsere Flyer verteilt. Ganz einfach: weil er ein guter Freund ist und uns unterstützt. Weil er als Schwuler weder ein Problem mit Lesben hat noch wir als chic lesbian chicks mit Schwulen. Weil die Pride die beste Gelegenheit ist, um ein für alle mal zu zeigen: diese lesbisch / schwulen, beziehungsweise schwul / lesbischen – Schranken sind absolut lächerlich und unnötig. Wofür haben wir genau demonstriert? Akzeptanz und Toleranz? Eben. Das aber nur so am Rande.

Auffällig war, dass es dieses Jahr nur wenige bunte Vögel unter den 15’000 Parade-Teilnehmern gab – Helmine Tell und die farbigen Jungs, die Frau in der Zeitung und im TV bestaunen konnte, mal ausgeschlossen. Das dürfte ganz im Sinne der Organisatoren gewesen sein, sprachen sie doch davon, dass es bei der Zurich Pride um mehr geht als  „pinke Locken“. Die Route war jedoch wieder sehr gut gelegt, und führte vom Helvetiaplatz, wo unter anderem unsere grosse Schwester Corine Mauch die Eröffnugnsrede gehalten hat, über den Stauffacher, die Sihlstrasse und die Bahnhofstrasse. Die Queer-Community war somit für alle gut sichtbar und im Herzen Zürichs unterwegs.

Der Turbinenplatz

Nach einer kleinen Stärkung zogen wir weiter an den Turbinenplatz. Dort erwarteten uns blauer Himmel und Sonnenschein, sowie zahlreiche Leute, die ebenfalls den Weg dorthin gefunden hatten. Gewisse auf der Bühne präsentierte gesangliche Beiträge haben doch arg an der Schmerzgrenze gekratzt. Und was das Moderatoren-Team an ihren eigenen Witzen genau belustigend empfand, war so ziemlich allen ein Rätsel. Für einen kleinen Eklat sorgte dann ein gewisser Herr, der sich nach seiner Rede (die letzte von dreien aufeinanderfolgenden) fürchterlich darüber aufregte, dass sich die Anwesenden kaum für Politisches interessieren und nur auf Party aus sind. Im Grundsatz verstehen wir diese Haltung ja. Es ist viel schwieriger, die Menschen für gesellschaftspolitische Belange zu mobilisieren, als für eine rauschende Nacht. Das betrifft aber nicht nur unsere Community, sondern die Menschheit als solches. Wir wissen durchaus darum, dass unsere heutigen Rechte nicht selbstverständlich, sondern das Resultat eines lange Kampfes sind. Und wir kämpfen auch heute. Jede und jeder einzelne der 15’000, die dabei waren.

Bevor wir uns nun dem weiteren Verlauf des Abends widmen, wo wir im bösen, bösen Ausgang waren, möchten wir an dieser Stelle Erika Volkmar, der Vorsteherin der Fondation Agnodice ganz herzlich zum diesjährigen „Stonewall Award“ gratulieren. Erika Volkmar ist Medizinerin – und eine Transfrau. Mit viel Herzblut leistet sie wichtige Aufklärungsarbeit in diesem Bereich. Wir wünschen ihr weiterhin viel Durchhaltevermögen und Erfolg und hoffen, dass diese Ehrung auch den vielen anderen Transgender / Transsexuellen zu mehr Gehör und Akzeptanz verhilft.

Mit den Engeln im Sündenpfuhl

Ab Mitternacht war die eine Hälfte von uns in der Maag Halle anzutreffen, wo die Angels ein rauschendes Fest veranstalten sollten. Die ganze Promotion rund um den Event hatte nicht zu viel versprochen: die Stimmung war überschwänglich, die Musik perfekt für eine solche Nacht, die Barkeeper spendabel und auch die Live-Acts und Tänzer bester Laune. Ganz, wie es sich die Community von Nächten mit den Engeln gewohnt ist. Denn die wissen einfach, was sie tun.

Da ich kürzlich darauf angesprochen worden bin, ob es bei Parties eigentlich nur ums vögeln geht, werde ich an dieser Stelle darauf verzichten, euch von meiner Begegnung, den vielen wilden Küssen, den Knutschflecken auf meinem Körper, den intensiven Berührungen und schweisstreibenden Bewegungen, meinem schmerzenden Piercing, meinem Muskelkater, und dem durch unsere Aktivitäten total schräg im Raum stehenden Bett zu erzählen. Gar nichts werde ich dazu schreiben. Stattdessen möchte ich antworten: Nein, geht es nicht. Die Musik, die Ambiance, die fröhlichen Menschen, das Tanzen, die Freiheit, die Unbeschwertheit, die Leichtigkeit des Seins, der Genuss, die Freude, … . Das ist, was wirklich zählt. Und das ist, was ich erlebt habe.

Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Zurich Pride – dem Fest, an dem die ganze Community zusammenkommt, für die gleiche Sache einsteht. Und die Stadt für ein ganzes Wochenende queer ist.



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2 Comments

  1. Anna
    22. Juni 2011 at 16:24

    Sehr schöner Bericht. Erging mir ähnlich.

  2. Senta
    22. Juni 2011 at 15:25

    Zum von wegen Politik und Party aufgebrachten Herrn ist vielleicht noch zu sagen, dass er in diesem Fall nicht recht hatte: Der Applaus, als FDP-Regierungsrat Thomas Heiniger versprach, sich in seiner Partei für das Adoptationsrecht für Schwule und Lesben einzusetzen, war lauter als der für die allzu gequält-aufgeräumte Party-Ankündigung!

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