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Was heisst schon Liebe, marktwirtschaftlich gesprochen?

Was heisst schon Liebe, marktwirtschaftlich gesprochen?

Wovon ich nichts verstehe. Von Liebe. Wovon ich mehr verstehe: Wie wichtig ist der Marktwert in der Liebe? Kann man sich unter seinem Preis verkaufen? Was heißt schon Liebe, marktwirtschaftlich gesprochen?

Stell dir vor, Du bist attraktiv, gut gebildet, charismatisch, all das blablabla, das uns Zeitschriften von heute als wichtig verkaufen. Jede buhlt um Dich, Frauen müssen schon eine Nummer von einem Automaten ziehen und sich anstellen, um ein Date mit Dir zu ergattern. Wen wählst Du da? Wer spricht Dich an? Nach welchen Kriterien gehst Du vor? Was ist wichtig in der Liebe?
Ist es Schönheit, die schnell verblassende, ewig suchende Schönheit? Du filterst und was übrig bleibt, ist eine Handvoll von hohlen Oberflächen, die keinen Gedanken abseits ihres Egozentrismus spinnen können. Ist es das, wonach du suchst?
Oder ist es die Intelligenz? Nachdem Du jeder die Aufgabe erteilt hast, den Pythagoras auf mindestens zwei verschiedene Weisen zu beweisen, springt eine auf und sagt Dir, Du könntest Dir Deinen Pythagoras sonst wohin schieben.
Die weiteren 80 denken, Pythagoras sei ein griechischer Popsänger und bloß eine beweist ihn Dir gleich grafisch! Wow, denkst Du und lädst sie zum Essen ein, doch sie hat leider keine Zeit, da sie noch eine Abhandlung über Ödön von Horvàth schreiben und morgen zum Kongress muss. Ihr nächster freier Termin wäre der 5. April 2013 und übrigens, ja, sie sieht scheiße aus.

Nun dann, da Schönheit zu Oberflächlichkeit führt und Intelligenz zu Hässlichkeit. Ist es der Humor? Du übst deinen Lieblingsspruch: Hey, fick mich, wenn ich mich irre, aber kennen wir uns nicht? Bei 100 Frauen. Nach 99 Ohrfeigen lacht eine, ihr versteht euch super. Aber hat man mit Humor schon gegessen?

Ist Intelligenz wohl nicht eher abschreckend, wenn Frauen in Deiner Anwesenheit verstummen, aus Angst, etwas Falsches zu sagen? Ist Attraktivität nicht hinderlich, man ist beileibe für mehrere Frauen schön, doch wenn wir eine Normalverteilung der Attraktivität hätten, dann sind wohl immer weniger Menschen ähnlich attraktiv, je schöner Du bist.

Wäre es nicht toll, dumm und hässlich zu sein? Da ist man wenigstens froh, dass man überhaupt eine abbekommen hat? Und stell Dir vor, Du bist mit einer glücklich, doch sie genügt Dir nach deinen Kriterien von der erfolgreichen, atemberaubend schönen Traumfrau nicht? Was machst Du dann? Sie verlassen? Was Besseres suchen? Das womöglich gar nicht besser ist? Wie wichtig ist der eigene Marktwert? Ist er relevant für die Liebe?

Nein, wage ich zu behaupten, obschon Studien das Gegenteil beweisen. Menschen mit ähnlicher Attraktivität, ähnlichen Werten, ähnlichem Bildungsabschluß finden sich leichter, sind glücklicher und bleiben länger zusammen? Wer sagt jetzt noch: Liebe sei frei?

Was sagte schon Thomas Mann:
„Vermutlich stellt die Aversion gegen andere unterschiedliche Lebensstile eine der stärksten Klassenschranken dar – die Homogamie bezeugt es.“

Aversion ist das Gegenteil von Sympathie und Homogamie bedeutet, dass sich Gleich und Gleich gern gesellen
Auf gut Deutsch, wir mögen keine Menschen, die Trance hören und sich besaufen, wir mögen keine Menschen mit anderen Lebensstilen, anderen Werten. Dies hindert uns, in anderen gesellschaftlichen Schichten zu verkehren. Sich mit Personen aus anderen Schichten zu verbinden.

Zugegeben, auch wenn die Frage nach der Wichtigkeit von Schönheit in der Liebe bestritten werden kann, kann dennoch gesagt werden, eines ist wichtig bei der Liebe: Gleich Ziele, einen gemeinsamen Lebensentwurf. Und da lohnt sich die Homogamie.
Ob aber Schönheit ein langwirkender Kleber ist, lässt sich bestreiten?
Marktwirtschaftliche gesprochen ist Schönheit ein Garant für gegenseitige Attraktivität, wenn nicht der Einzige. Marktwirtschaftlich gesprochen könnte man wohl jede nach ein paar Kriterien, wie Sinnbild, Ausstrahlung, Intelligenz und Humor zuordnen, ihnen eine Zahl geben, so als Referenzrahmen, was sie etwa von ihrer Partnerin erwarten kann. Ist es nicht oft so, dass Menschen ungewollt Single sind, weil sie hohe Erwartungen haben? Heißt das nicht zu gut Deutsch, sie überschätzen ihren eigenen Marktwert, denken, sie finden was Bessers, als sie eigentlich “verdienen“?
Menschen bleiben lieber alleine, als sich deutlich unter ihrem Wert zu verkaufen. Ein Unternehmensberater, der arbeitslos ist, wird auch keine Stelle als Buchhalter annehmen. So funktioniert es auch in der Liebe.

Die Liebe ist kein Spiel, sie ist bitterer Ernst.

[cg]



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  1. […] July 23rd, 2010 by [cg] | Filed under Love & Dating […]

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