Love & Dating

Neues Ziel: Heterosexuelle Therapeutin! Verheiratet, glücklich. Süss!

Frau Lenz  (Anm. Der Redaktion: Name wegen Stalkerschutz verändert) ist nicht wirklich gestylt. Obwohl – Kommando zurück – WIE gestylt sie doch ist! Ihre Möchtegern-Laissez-Faire-Tightness bewahrt sie nämlich nicht davor, unglaublich attraktiv zu wirken. Im Gegenteil. Und (nicht, dass mir hier Subjektivität unterstellt wird) mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da! Sie hat lange, dunkelblonde, leicht gewellte Haare und grünblau, wie Satin schimmernde Augen. Ihr lässiges, schulterfreies graues Shirt, das Sie sich wahrscheinlich nach dem Schwimmkurs ohne darüber nachzudenken übergeworfen hat, wirkt, als wäre es extra für sie hergestellt worden. Sie strahlt. Unglaublich dass jemand wie sie noch strahlen kann, bei dem abgefuckten Klientèle, das sie bewirtschaftet!

Die Patientin bin ich. Vielleicht noch die Normalste, vielleicht die Aussergewöhnlichste, vielleicht sogar die Brillianteste, die auf ihrem Sessel, der aus den 80er Jahren stammen könnte, jemals gelegen hat. Ich sehe sie an und muss zugeben, dass sie sogar cooler ist als ich. Und das, obwohl ich schon unglaublich cool bin. Ich bin total zugedröhnt vom  Leben und schäme mich dessen, was ich jetzt gleich vortragen werde. Doch allein aus dem Gedanken, ich könnte sie zumindest einmal zum Lächeln bringen, schöpfe ich Mut.

Patientin: Frau Lenz, Sie sind eben selber schuld. *lachend* SIE sind ja so sexy, dass ich mich ein wenig in sie verschossen habe. Ich habe mit Ihrer Supervision gesprochen, und die denkt auch, dass es eigentlich Ihre Schuld ist!

Es ist wohl doch DER Anfängerfehler schlechthin, sich in seinen Therapeuten zu verlieben. Sie hören einem zu, machen einem Mut, sie gehen auf dich ein. Aber dass mir so was noch passieren kann? Nach 6 Jahren Therapie? Ich, die doch so abgebrüht ist? Ich, mit meinem Verschleiss von Therapeuten? Allerdings möchte ich an dieser Stelle festhalten: Bis dato war auch noch keine Therapeutin so heiss wie SIE. Und ich gebe auch zu: es ist bis zu einem gewissen Grad eventuell ebenso ein kleines bisschen mein Fehler, dass wir uns jetzt in dieser Situation befinden. Denn eben weil Sie so heiss sind, wollte ich zu Ihnen. Wieso soll therapiert zu werden nicht auch ein bisschen Spass machen?

Ich denke wirklich, Sie haben das Zeug dazu – eigentlich: wir beide zusammen – dass ich mich verändern kann. Ich denke wirklich, dass Sie die Richtige sind. Mein Traum wäre es, die Therapie erfolgreich zu beenden, und Sie zu einem Kaffee einzuladen. Und Sie zu verführen. Würden Sie einen Kaffee mit mir trinken gehen? Würden Sie sich dann von mir verführen lassen? Es ist eine rein rhetorische Frage. Bitte antworten Sie nicht. Zerstören Sie nicht meine Motivation, endlich gesund zu werden.

Bitte erzählen Sie mir stattdessen von Ihrem Mann. Erzählen Sie mir, wie glücklich Sie mit ihm sind und wie er aussieht. Mir schwebt gerade Brad Pitt vor. Ich Habe Ihr Hochzeits-Foto gesehen. Sie wirken unglaublich schelmisch. Bitte, bitte erzählen Sie mir, wie glücklich Sie beide immer noch sind und dass Sie sich nicht gegenseitig beim TV schauen anöden. Ich bin ja so verknallt in Sie!

Zurück in die Realität. Ich habe alles unter Kontrolle, sofern „unter Kontrolle haben“ bedeutet, dass die Kontrolle einem kontrolliert und fast schon sexuell anmutende Phantasien induziert. Meine Mutter meint, ich müsse nicht erzählen, dass ich auf Sie stehe, denn Sie wissen das ja bereits. Sie sind ja eine Psychologin, Sie merken das. Ihre Lebenssituation ist zudem absolut unproblematisch. Dass Sie seit Januar einen Ring tragen, zum Beispiel. Weil: Heutzutage könne man sich ja scheiden lassen. Oder dass Sie hetero sind. Denn: Jeder sei ein wenig bisexuell, sagt meine Mutter.

Bitte wenden Sie sich nicht gleich von mir ab. Ihrer Supervision und mir, uns beiden ist nämlich klar geworden: Warum ich mich in Sie verliebt habe, liegt ganz allein daran, dass Sie eine kristallklare Reflektion meines Veränderungspotentials sind. Ich bin also gar nicht wirklich in Sie verliebt. Obschon mir die Vorstellung, Sie anstelle meines Veränderungspotentials zu küssen, besser gefällt. Ich nehme an, ich muss keine weiteren Erläuterungen anstellen. Sie verstehen mich. Sie sind ja meine Therapeutin.

Ich danke Ihnen für das Gespräch. Bis nächste Woche um 14.00 Uhr.



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5 Comments

  1. Nina
    25. Oktober 2012 at 9:21

    CG,

    wer so gewitzte texte schreibt, kann nicht „abgefuckt“ sein. und auch sonst nicht. im übrigen vermute ich mal stark, dass die therapeutin mit sicherheit ihre patienten nicht als „abgefuckt“ bezeichnen würde. sonst hat sie den falschen beruf gewählt.

    was den faux-pas anbelangt: bin weder meiner mutters, noch deiner meinung. wer kann etwas für seine gefühle?! es geht mehr drum herauszufinden welche es sind und was man mit ihnen macht. unterdrücken ist kaum gesund – hätte freud vermutl. auch unterschrieben.

    ja, die böse rechtschreibung: unser lieblingsfeind. hat übrigens noch einen r-s-fehler im text: „psychogin“ (*unverschämtgrinst*)

  2. 16. Oktober 2012 at 11:36

    Hi Nina, der Faux-Pas lag eher bei mir *grinstfrech*.

  3. 16. Oktober 2012 at 11:34

    Hi Nina

    Rechtschreibung ist eben auch nicht so mein Ding :) hihi, so abgefuckt ist christine.sauter nicht!

  4. Nina
    11. Oktober 2012 at 7:18

    huch, schreibt man *reflektion* oder *reflexion*? rechtschreibung ist nicht so mein ding. da war noch was: ich habe doch gemeint, mir sei auch schon so was passiert. das mit dem kaffeetrinken hat dann nicht so gut geklappt. was jedoch zum erfolg führen kann, ist süsses. vielleicht hängt das mit dem umstand zusammen, dass therapeutinnen gerne zu feierabend was süsses haben nachdem sie den ganzen tag sich mit sauerem („abgefuckten“) abgeben mussten *grins*.

  5. Nina
    10. Oktober 2012 at 20:39

    christine,

    musste schon ein bisschen grinsen. nicht nur weil dein text etwas wirr und ziemlich ambivalent (supervision?, kristallklare Reflexion? Was jetzt: verknallt oder nicht?) ist, sondern, weil mir so was ähnliches auch schon passiert ist. ich stimme dir zu. ist tatsächlich ein anfängerfehler. hätte meine mutter auch gemeint. interessant finde ich noch, dass deine therapeutin familienfotos aufstellt. wieso soll ein seelenklempner so privates so mir nichts dir nichts seinen kunden präsentieren? aber was ich eigentlich noch aufregender finde, ist der gedanke: was wäre wenn es der therapeutin so gehen würde wie dir? meine mutter (immer straight to the point) würde wohl dazu sagen:
    liebes, das wäre ja ein ziemlicher faux-pas seitens der therapeutin. die könnte dich ja nicht mehr behandeln. aber es gibt nichts was es nicht gibt. drum frag sie doch einfach direkt wie es diesbezüglich aussieht, wenn du dich traust. und: ringe kann man auch ohne verheiratet zu sein, tragen. was meine mutter mir auch immer eingebläut hat (hängt wohl mit dem ddr-erziehungsstil ihrer eltern zusammen): wenn’s du weit bringen willst, gib niemals auf & und noch wichtiger: autoritäten sind mit vorsicht zu geniessen: ihre ratschläge / interpretationen sind nicht immer akkurat und hilfreich. sprich: wie kommt die supervision dazu, zu meinen, dass die therapeutin selber schuld ist? wieso? weil sie so ist wie sie ist? könnte es auch sein, dass du und die therapeutin gemeinsamkeiten und gegesätze habt, die du (und vielleicht auch sie) anziehend findest? kann nicht ganz folgen.

    war das jetzt auch wirr?!

    halt uns doch auf dem laufenden wie die geschichte weitergeht.

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