Kommentar / Rezension / Kolumne

Kürzlich, an einem Apéro…

Kürzlich war ich an einem Apéro, der mehrheitlich von schwulen Männern und ihren heterosexuellen Kolleginnen frequentiert wurde. Die Atmosphäre war entspannt, ruhig, und somit ganz meiner Stimmung entsprechend. Doch ein Lächeln, gefolgt von einem Zweiten, sollte den Abend doch noch unverhofft in eine andere Richtung lenken: Ich bin auch ein Info-Stand. Anscheinend.

Das erste Lächeln

Ich sass gemütlich auf dem Sofa und liess meinen Blick so durch den Raum schweifen. Unverhofft blieb ich an einem süssen Lächeln hängen – und lächelte zurück. Das gehört sich ja eigentlich. So. Ausser, die Lächelnde ist von der ganz üblen Sorte. Als ich kurz darauf wieder in ihre Richtung blickte, lächelte sie noch immer. Oder schon wieder. Also tat ich es ihr gleich. Weil: das gehört sich glaub ebenfalls. So. Weit so gut.

Das zweite Lächeln

Doch dann geschah, was ich eigentlich wirklich und ehrlich nicht beabsichtigt hatte: Während sie mich noch immer anlächelte (wie lange kann Frau denn lächeln?), bewegte sie sich nämlich auf mich zu – und setzte sich ungefragt neben mich. Zu meiner linken. Ich war doch etwas irritiert, lächelte aber trotzdem. Vielleicht etwas weniger euphorisch als noch zuvor. Und als mir dann auch das irgendwann zu anstrengend wurde, habe ich das Gespräch eröffnet und mich ihr vorgestellt. Worauf sie sich ihrerseits mir vorstellte. Das gehört sich ja auch. So. Als wir das hinter uns gebracht hatten, setzte sich aus dem Nichts zu meiner Rechten eine weitere Frau, die die Dame zu meiner Linken anscheinen kannte: Links eine brünette Deutsche, rechts eine blonde Moldawierin – na ja, es gibt wohl wahrlich schlimmeres. Dachte ich zunächst.

Die noch harmlosen Folgen

Nach ein wenig Small Talk-Geplänkel – links und deutsch: „Hier hat’s ja total viele Schwule! Das bin ich mir gar nicht gewohnt!“, rechts und Englisch: „There are so many gay men here tonight! Incredible!“ (Übersetzung: Es gibt so viele homosexuellen Männer hier heute Abend! Unglaublich!) – fragte die Dame links von mir (damit Frau Rechts auch was verstand netterweise auf Englisch): „What do you think? Are there also lesbian women here tonight?“ (Was denken Sie? Gibt es auch lesbische Frauen hier heute Abend?). Ich überlegte kurz, was ich darauf antworten sollte, und entschied mich dann für folgenden Satz, untermalt mit einem süffisanten Grinsen: „Well, there’s one sitting right next to you…“ (Gut gibt es ein, das nach rechts nahe bei Ihnen sitzt). Dame rechts machte einen beinahe überzeugend coolen Eindruck, während Dame links nervös zu kichern begann, und irgendwas im Stil von „this is soooooooo embarrassing“ (Dieses ist soooooooo Verwirren!) von sich gab.

Ich bin auch ein Info-Stand

Nachdem sich der Schock etwas gelegt hatte, wurden beide etwas mutiger. Will heissen: ein lustiges Frage-Antwort-Spiel war die Folge:

L (für Frau zu meiner Linken): Are there a lot of lesbian women in Zürich? (Gibt es viele lesbischen Frauen in Zürich?)

F (das bin dann ich): Well, there are some. But the scene is actually rather small. (Gut gibt es einiges. Aber die Szene ist wirklich ziemlich klein.)

R (für Frau zu meiner Rechten): Where do lesbian women meet? (Wo lesbisches Frauentreffen tun Sie?)

F: There are some places, some parties where lesbians meet. But, as I said, the scene is rather small. So you practically always bump into the same people. (Es gibt einige Plätze, einige Parteien, in denen Lesbier sich treffen. Aber, wie ich sagte, ist die Szene ziemlich klein. So stoßen Sie praktisch immer an die gleichen Leute.)

L: Is it easier being with a girl than being with a man? (Ist es einfacheres Sein mit einem Mädchen als, seiend mit einem Mann?)

F: As you both might know, women can be quite drama-queens. Now take two drama-queens, and you can imagine what it’s like. (Da Sie beide wissen konnten, können Frauen Dramaköniginnen durchaus sein. Dich vorstellen, jetzt nehmen Sie zwei Dramaköniginnen und Sie können was es wie ist.)

R (lachend): Really? Is it that bad? (Wirklich? Ist es dieses Schlechte?)

F: Let’s just say, that it can be quite challenging, being with a girl. Furthermore, women can be as bad as men – or even worse: they bitch around, they cheat on their partners, ecc. The belief that lesbian couples live in wonderfully romantic relationships is nothing but a cliché.(Lassen Sie uns gerade sagen, das, das es ziemlich schwierig sein kann und mit einem Mädchen sein. Außerdem können Frauen wie Männer so schlecht sein – oder sogar schlechter: sie meckern herum, sie betrügen auf ihren Partnern, ecc. Der Glaube, dass die lesbischen Paare, die in den wundervoll romantischen Verhältnissen Phasen sind, nichts ist, aber ein cliché..)

L und R (schockiert / befremdet): Reaaaaaaaaaaaaaaaally? (Reaaaaaaaaaaaaaaaally?)

Damit erachtete ich meine Funktion als wandelnden Info-Stand als beendet. Ich verwies auf unseren Blog, falls sie denn noch immer interessiert an diesem Thema wären (was ich nicht glaube), und machte mich aus dem Staub. Wir haben in der weiblichen Heterowelt wohl wahrlich noch Einiges an Aufklärungsarbeit zu betreiben…

Anmerkung am Rande: Ein grosses „Dankeschön“ an babelfish für die vortrefflichen Übersetzungen. Der Service hat sich in den letzten Jahren echt verbessert.

Und noch etwas in eigener Sache: Anscheinend haben wir zwei grosse Fans in Malaga – die ich hiermit herzlich grüsse!



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