NewsPolitik

Keine guten Aussichten in Afrika

 

Ein Kontinent auf Hetzjagd

 

SUDAN
Das Bildungssystem macht homo.

Ein hetzerischer Beitrag des staatlichen Senders Blue Nile TV hat landesweit für Furore gesorgt.

Die Kernthese: Homosexualität erlebe derzeit ein alarmierendes Wachstum innerhalb des Bildungssystems, und der Grund dafür liege bei den älteren Studenten, welche die jüngeren Schüler auf den Toiletten in den Schulhäusern zum schwulen Sex zwingen würden. Dies sei der Grund, weshalb sich HIV/Aids aktuell derart ungebremst im Sudan ausbreite.“

Unterstützt wurden der Beitrag und dessen Inhalt übrigens unter anderem durch einen der führenden Ärzte des dortigen Gesundheitsministeriums. Die Ausmasse der Wirkung sind immens: Seit der Ausstrahlung wird der moralische Zerfall der afrikanischen Gesellschaft in allen Medien und an Esstischen angeprangert und die weite Ausbreitung von Homosexualität verteufelt. Auslöser der entfachten Hetzjagd  ist wohl nicht der Beitrag an sich, sonder viel mehr die große Unzufriedenheit mit der aktuellen politischen Situation, insbesondere mit der Veränderung im Bildungssystem und die große Angst vor HIV.

Nachvollziehbar um Aufklärung bemüht ist hingegen die lokale Lesben- und Schwulenorganisation „Rainbow Sudan“.

Das wahre Problem ist die mangelnde Aufklärung im Sexualunterricht an den Schulen. Wenn es die Regierung des Sudans, sowie die Opposition, tatsächlich ernst meinen würden mit der Verringerung der HIV-Neuinfektion, dann sei die Safer-Sex-Aufklärung der Schlüssel dazu, erklärt der Leiter von „Rainbow Sudan“ weiter.

Info: Im Sudan ist Homosexualität nach wie vor illegal. Ein Outing ist sehr gefährlich und führt nicht nur zu gesellschaftlicher Isolation, sondern häufig auch zu lebensbedrohlichen Situationen.

 

 

 


(Bestattung des verstorbenen Aktivisten David Kato – Call me Kuchu)
NIGERIA
Erneuter Anlauf für das Anti-Gay-Gesetz

Erneut ist ein Gesetzesentwurf ins Parlament eingebraucht worden, der nicht nur gleichgeschlechtliche Hochzeiten mit bis zu fünf Jahren Haft bestrafen soll, sondern nahezu alle rechte der LGBT-Community auflöst. Eine Abstimmung könnte in wenigen Wochen durchgeführt werden (Nachrichtenagentur Reuters).

Sollte das Gesetz verabschiedet werden, würde auch Menschen in Nigeria Haftstrafen drohen, die im Ausland eine eingetragene Partnerschaft oder eine gleichgeschlechtliche Ehe eingegangen sind. Nicht nur für Touristen/innen könnte das gefährlich werden.

Schon jetzt wird aktive Homosexualität in Nigeria mit Haftstrafen von bis zu 15 Jahren bestraft. In nördlichen Staaten droht sogar die Todesstrafe – hier gilt die Sharia.

Scheinbar ist das noch nicht genug. In den letzten Jahren haben Politiker/innen in Nigeria immer wieder versucht, ihr Land von Homosexualität „zu säubern“. Gemeinsam mit der starken Lobbyarbeit der Kirche erhöht das die Hetze fortwährend.

Aktuell versuchen einige Parlamentarier ein Totalverbot für Lesben und Schwule durchzusetzen. So wird derzeit über ein Gesetz im Senat beraten, das „jegliches Zusammentreffen von Personen des gleichen Geschlechts mit dem Ziel des Zusammenlebens als Ehemann und Ehefrau oder für eine sexuelle Beziehung“ verbietet.

Das Europaparlament hat bereits ein Auge auf Nigeria. Für Ulrike Lunacek ( Co-Präsidentin der schwul-lesbischen Intergruppe in Straßburg, Green Party Austria) ist klar: „ Dieses Gesetz basiert auf der Idee, dass Homosexualität ‚unafrikanisch‘ ist“, doch auch in Afrika verlieben sich „Männer in Männer und Frauen in Frauen“.  Brite Michael Cashmann (Labour-Party) droht sogar mit Sanktionen im Bereich der Entwicklungshilfe – Ob diese Strafe nicht die falschen treffen würde?

Sanktionen oder Krisensitzung? Was kann Europa tun, um die LGBT-Rechte in Afrika voran zu bringen?

Gefällt uns: Der Nosy Rosy Vlog passend zum Thema

Gefällt uns gar nicht:  Hetzkampagnen, wie die von Pastor Martin Ssempa

Passend zum Thema: Der Film „Call me Kuchu“ über den Menschenrechtsaktivisten David Kato, den ersten offen schwul lebenden Mann Ugandas, und seine Mitstreiter/innen, die mit allen Mitteln versuchen das Anti-Gay-Gesetz zu verhindern.
 

 

 



Previous post

Review I Think She is Gay - Moods - 28.12.2012

Next post

Kurzfilm: Surfing - Vom Couchsurfen und Liebesleben

No Comment

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.