Kommentar / Rezension / KolumneKultur

Heartthrob – Tausche Indie-Heldinnen gegen Synthie Pop

Tausche Indie-Heldinnen gegen Synthie Pop
Tegan and Sara’s neues Album Heartthrob

„Wir wollten ein Album machen, das alle erreicht“, erzählt Sara Quin und in der Tat Heartthrob ist kommerzieller und poppiger als alles, was die Quin-Schwester bis jetzt produziert haben.

„If we’re making our attempt at a big pop record, it only makes sense that we’ll be thinking about and listening to the pop records that made the biggest impression on us.“(Sara)

Was für eine Mischung: Kelly Clarkson und Kate Nash
Für dieses gewagte Vorhaben haben sich die beiden Frauen Produzenten wie Mark Elizondo (Dr. Dre, Eminem, Nelly Furtado) und Greg Kurstin  (Kelly Clarskon, Foster for the People) ins Boot geholt.
Kein Wunder also, dass von dem originalen Tegan-and-Sara-Sound nicht viel übrig geblieben ist.

Die Piano-Ballade „I was a Fool“ erinnert an den fragilen Elektro-Sound von Kate Bush und Tegan bestätigt das: „We definitely took elements from her early records“. Ungewöhnliche Keyboard- und Drum-Sounds machen die Parallele eindeutig.

[embedplusvideo height=“380″ width=“470″ standard=“http://www.youtube.com/v/TWrjGdJA6V4?fs=1″ vars=“ytid=TWrjGdJA6V4&width=470&height=380&start=&stop=&rs=w&hd=0&autoplay=0&react=1&chapters=&notes=“ id=“ep8646″ /]

10 Tracks lang fühlt man sich zurück in die 80er versetzt. Zweifelsohne ist Heartthrob nicht das, was Fans von den beiden Zwillingen gewohnt sind. Diesen Synthie Pop kann man mögen, muss man aber nicht. Tegan & Sara verseifen alles Rohe, Alternative, das ihre Musik einst so besonders gemacht hat. Ein qualitativer Absturz der alles in allem einfach nur bedauerlich ist.

[embedplusvideo height=“380″ width=“470″ standard=“http://www.youtube.com/v/9wCtrReYIH4?fs=1″ vars=“ytid=9wCtrReYIH4&width=470&height=380&start=&stop=&rs=w&hd=0&autoplay=0&react=1&chapters=&notes=“ id=“ep9860″ /]

Als die kreativen Quin-Schwestern vor gut fünf Jahren mit The Con ihren Durchbruch schafften und sich anschließend mit dem Nachfolger Sainthood noch selbst übertrafen, haben Indiefans weltweit zu den Songs der Kanadierinnen gefeiert. Tanzbar ist Heartthrob auch, keine Frage; Mehr aber auch nicht.

Was bleibt ist der immer noch unverkennbar blecherne Doppelgesang der Schwester. Doch selbst der lässt nicht über stereotype Textzeilen hinweg hören. Wenn Strophen “Come a little closer” bitten, um “things physical” zu machen und Titel wie Fool For Love von I’m not your hero oder “drove me wild” sülzen, dann ist es einfach mal zu viel.

Tegan and Sara haben sich wohl für die falsche Richtung entschieden. Soundvergleiche werden nun mit 80er-Legenden statt mit Indie-Heldinnen wie Peaches gemacht. Mag sein, dass Heartthrob ein kommerzieller Erfolg wird – Indieherzen schlagen da aber nicht mehr höher – und meines blutet sogar.

Bleibt zu hoffen, dass das nächste Album keine Ode an Dj Bobo und die Schlümpfe wird.

Für alle, die Heartthrob trotzdem eine Chance geben möchte:

16,99€ als CD bei Amazon
oder
9,90€ als MP3-Download

Steckt hinter „Heartthrob“ eine super Entwicklung oder ein Schritt zurück? Ich bin gespannt auf euer Urteil!

 

 



Previous post

Erste Erfolge im ideologischen Krieg

Next post

Weltfrauentag '13 - Olympe de Gouges, Simone de Beauvoir, Alice Schwarzer und wir

No Comment

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.