Love & Dating

Beziehungsunfähigkeit – ein neuer Trend?

In letzter Zeit kann ich sprechen, mit wem ich will: alle behaupten von sich, dass sie beziehungsunfähig sind. Ist das the new shit? Ein neuer Trend? Gerade total angesagt? Oder sind wir einfach unschuldige Opfer, von der modernen Gesellschaft in die Beziehungsunfähigkeit getrieben?

Die Liebe – und wer sie eben nicht sucht

„Die Liebe. Das ist die Hoffnung der modernen Menschheit. Sie steigert alle Gefühle: als Hingabe, die ohne Gegenrechnung erwidert wird; als Anziehung, die alles andere zweitrangig erscheinen lässt; als Einklang zweier Seelen, de alle andern ausschliessen; als Verstehen und Sichmitteilen, das keiner Worte bedarf; spontan einen neuen Anfang setzend, der kein Ende kennt, die Liebenden schicksalhaft ergreift und doch von ihnen aus freien Stücken ergriffen werden will. Das ist die Vorstellung romantischer Liebe“ (Hondrich, 2003: 10).

Karl Otto Hondrich hat meiner Meinung nach sehr treffend formuliert, was Liebe ist oder sein kann. Welche Frau träumt nicht davon, ihr Herzblatt irgendwann zu finden, die wunderschönsten aller Gefühle mit ihrer Liebsten zu erleben, eine erfüllte Beziehung zu führen, und gemeinsam das pure Glück zu geniessen? Darauf gibt es eine klare Antwort: die Beziehungsunfähigen. Jene Frauen also, die sich aufgrund einer tief sitzenden Angst erfolgreich dagegen wehren, all diese wunderbaren Erlebnisse zu erfahren. Steven Carter und Julia Sokol haben sich dieser komischen Spezies angenommen – und unter anderem folgende zwei äusserst verbreitete Formen von Beziehungsphobien definiert:

Das aktive Vermeiden

Aktive Vermeiderinnen hopsen, als wäre es eine Art Spitzensport, von einer Beziehung zur nächsten. Die typische Chronik der Geschehnisse ist in etwa wie folgt: Trifft eine solche Frau auf die vermeintliche Partnerin ihres Lebens, ist sie sogleich Feuer und Flamme. Sie geht aufs Ganze, packt ihre besten Verführungstricks aus, zeigt sich von ihrer allersüssesten Schokoladenseite. Das tut sie genau so lange, bis sie sich der Zuneigung ihrer Angebeteten sicher, sowie eine Beziehung, eine gemeinsame Zukunft in Sichtweite ist. Dann jedoch breiten sich, urplötzlich und total unbewusst, gleissende Angst und Panik aus. Die aktive Vermeiderin sieht sich unverhofft mit Fragen konfrontiert, wie: Gibt es allenfalls eine bessere, heissere, passendere Partnerin, irgendwo da draussen im riesigen Universum? Ist sie vielleicht doch nicht ganz und zu 1000% die Richtige? Antworten liefert die fieberhafte und natürlich von Erfolg gekrönte Suche nach allfälligen Fehlern der ehemals Angehimmelten. Diese waren zwar von Anfang an beobachtbar, damals aber noch nicht von solch grossem Belang. Wahrscheinlich haben sie sich auch erst mit der Zeit und auf unglaublich bösartige Weise entfaltet. Hat die aktive Vermeiderin dann endlich genügend Dinge gesammelt, die ihr eben doch nicht so wirklich passen, dann ist sie einmal mehr am Ziel angelangt: dem Beziehungsende. Dieses wird zumeist wie folgt vollzogen:

1)      Die aktive Vermeiderin beschwört eine grosse Konfrontation herauf, und treibt die passive Partnerin so weit, dass sie Schluss macht.

2)      Die aktive Vermeiderin zieht sich langsam zurück, und errichtet immer mehr Hürden, bis von der Beziehung nicht mehr viel übrig ist.

3)      Die aktive Vermeiderin macht abrupt Schluss und verschwindet, manchmal ohne jede Begründung.

Im Sinne eines spassigen Kreislaufs ist die aktive Vermeiderin übrigens darauf bedacht, schon kurz nach dem Ende einer Beziehung die nächste Frau aufzureissen, und sich natürlich wieder genau gleich zu verhalten.

 

Das passive Vermeiden

Passive Vermeiderinnen sind wirklich zu bemitleiden: Sie wünschen sich nämlich eigentlich nichts mehr, als eine wunderbare Beziehung. So richtig und total fest. Aber: das Schicksal, das Universum, die Mondkonstellation, Mike Shiva, oder wer oder was auch immer wollen nicht, dass sie glücklich werden. Irgendwie gelangen sie immer an die Falsche. Die Welt ist ja so unglaublich ungerecht!

Kehren wir nun, da die Tränen getrocknet sind, zum Realismus und der knallharten Analyse der wahren Problematik zurück: Eigentlich ist es nämlich vielmehr so, dass sich diese ach so armen Kreaturen absichtlich für Partnerinnen entscheiden, die …

1)      … entweder überhaupt nicht zu ihnen passen.

2)      … am anderen Ende der Welt wohnen.

3)      … bereits eine glückliche Beziehung führen.

Die eindeutigsten und klarsten Anzeichen dafür, dass es niemals klappen wird mit ihrer Auserwählten, werden dabei gekonnt und kontinuierlich ignoriert. Masochismus pur. Tritt dann aber eine Frau in ihr Leben, mit der eine Beziehung durchaus vorstell- und fruchtbar erscheint, dann sind die passiven Vermeiderinnen Expertinnen darin, diese Menschen zu ignorieren, und eine mögliche Verbindung zu sabotieren. Dummheit pur.

Anmerkung:

Häufig finden aktive und passive Vermeiderinnen zusammen. Passt ja auch ganz wunderbar.

Fazit

Wer sich zu den aktiven oder passiven Vermeiderinnen zählt, gibt zwar vordergründig vor, ehrlich an einer Beziehung interessiert zu sein. Wenn es dann aber darum geht, sich vollkommen auf einen anderen Menschen, der einem wirklich glücklich machen kann,  einzulassen, dann kapitulieren sie. Vielleicht, weil sie es sich nicht zutrauen, vielleicht, weil sie noch nicht bereit dazu sind, vielleicht, weil es ihnen gefällt, bemitleidet zu werden. Was ihnen wohl aber am meisten fehlt, ist der Mut, aus alten Mustern auszubrechen, Neues zu wagen, über ihren eigenen Schatten zu springen. Dann doch lieber weiterhin fleissig im Hamsterrad rumrennen. Macht ja auch durchaus Sinn. Und grossen Spass noch dazu.



Previous post

Sylvie’s Friends

Next post

Beziehungen - Mitfühlen & Miterleben- Emotionale Resonanz

No Comment

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.