Love & Dating

Zusammen ziehen?

Zusammen ziehen? Grundsätzlich ist dies eine der Fragen, die einen in einer langjährigen Beziehung beschäftigen. Grund genug dazu gibt es allemal.

Das stetige Reisen in den Osten der Schweiz, wo meine damalige Freundin zu wohnen pflegte, machte mich mürbe. Und sie hasste die Stadt, in der ich stets Eskapaden der Leidenschaft (inklusive exzessive Selbstzerstörungsversuche, viel Lifestyle und Heuchelei, schöne, eloquente Menschen, hübsche Frauen, Szeneleute, zu laute Musik bis in die Morgenstunden…) zu suchen pflegte. In einer Stadt, in der alle vom Coolsein leben, stirbt die Menschlichkeit. Würde sie sagen. Immerhin konnte sie jemanden wie mich – den coolsten und doch weinerlichsten Menschen überhaupt – zähmen, binden, züchtigen, sozialisieren, abrichten; was auch immer sie wollte. Oder wie es ihr bedarf? Nachteile bezüglich des Zusammenwohnens gäbe es natürlich auch, meinem Mentor zufolge: Vor der gemeinsamen Wohnung und damit auch vor dem sexuellen Untergang der Lust, hätte man noch gemeinsame Unternehmungen im Fokus. Läge man stets Nacht für Nacht im gemeinsamen Bett, und zuvor vor der Glotze, müsse die Partnerin ihrer ebenbürtigen Geliebten Vorschläge unterbreiten, die spannender als „Greys Anatomy“ sind und damit Orte ausserhalb der Wohnung empfehlen, wohin man denn allenfalls auch hingehen könnte. Und in der Nacht liegt dann das eigene Ich im ewigen Du, oder so. Ausserdem sei die Anschaffung eines grossen Schrankes ein Karrierehindernis. Wer wolle schon einen Schrank nach London verschiffen, falls ein Headhunter ein Angebot unterbreiten würde, in einem Hedge Fond zu arbeiten, damit auch du am Untergang der Erde Mitschuld tragen dürftest?
Doch zurück zum ewigen Du:
„Shit, jetzt muss ich dir auch noch helfen? Streichen, Elektriker engagieren, Kätzleinleiter beim Schreiner beantragen? Betreibungsregisterauszug? Gemeinsames Konto? Kisten tragen? Geht ja gar nicht!“ So klang es aus meinem Mund. Es war vielleicht das Tetrahydrocannabinol. Zu guter Letzt war ich, wie eigentlich immer in den letzten Jahren, in einer zerstreuten, verwegenen Phase und konnte mich praktischen Problemen kaum annähern. Es war ein leichtes für mich, den Umsatz von Pastamaschinen für den industriellen Gebrauch in der Schweiz für das kommende Jahr abzuschätzen. Doch Lampen montieren? Ach, herrje! Meine Freundin, nun Partnerin geworden, mutierte zur cholerischen Furie und empörte sich missmutig über jeden erdenklichen Zustand. Kam nach Hause und entschied anhand des Sauberkeitszustands der Küche, ob sie liebenswürdig, harmonisch oder schreiend den Abend mit mir verbringen wollte.
Putzen, abwaschen, Kehricht entleeren. Energy-Dosen? Wohin damit? Ich kam mir vor wie in einem goldenen Käfig. Selbst das übergrosse Wohnzimmer mit Cheminée tröstete mich nur minder, denn Holz war noch gar nicht da. Ich zur Anschaffung dessen beauftragt (scheiss Diktatur) doch ohne Autofahrtüchtigkeit. Wie gehen? Wie tragen? Wie soll? Sollen wie? Hallo, wo ist da der Praktikant in mir? Und wieso will meine ehemalige Freundin, jetzt Konkubinatspartnerin, die Wand neben dem Cheminée unbedingt violett malen? Und zwar nicht ein dezentes lavendelviolett, sondern violett-violett? Knallige, hässliche Farbe! O-Ton: „Ich geniesse es, ich bin glücklich hier, ich liebe dich.“
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Vor- und Nachteile am Zusammenziehen (nach mehr als 3 Wochen Beziehung)

+ Kein Doppelleben mehr
+ Nicht immer das hin und her (bezüglich dem stetigen Reisen)
+ Sex ist jederzeit möglich
+ Zeigen, dass Liebe und Verantwortung interkorrelieren (Erich Fried)

– Kein Doppelleben mehr möglich
– Kisten tragen
– Alibis organisieren
– Die Liebe ist das Kind der Freiheit (aber auch nur ihr Kind!)


Fazit: Zusammenziehen ist der Untergang der sexuellen Lust. Nicht gegenüber der Konkubina, sondern  gegenüber anderen Frauen oder Männern/Tieren/Comicfiguren etc.

Für Schlaumeier:
– In einer Stadt in der alle vom Coolsein leben, stirbt die Menschlichkeit -> errare humanum est (irren ist menschlich oder der Mensch macht Fehler)

Für Poeten:

– Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir …,
hält’s nicht aus,
hält’s nicht aus mehr bei mir.
– Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.
– Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt am Grund
seines ewigen Du.
(Christian Morgenstern)

Für Idioten:

Die Kunst des Liebens von Erich Fromm (Zusammenfassung folgt bald auf lesbian chic :)



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6 Comments

  1. 11. September 2011 at 10:08

    like :)

  2. L-girl
    2. September 2011 at 23:07

    Ich habe das „male-like“ eher auf Äusserliches bezogen, wer würde schon Stärke als männlih bezeichnen? ;)

  3. 31. August 2011 at 6:45

    Wart mal? Wie oft habe ich J.K. schon gedatet? Und wann habe ich sie gefragt, ob wir zusammen ziehen wollen? Gestern? ;) *grins*
    Aber male-like-Kram trifft auf mich auch zu, bin schon ganz stark, meinem neuen paco rabanne zufolge!

  4. L-girl
    26. August 2011 at 22:45

    Ich muss zuegeben, ich wär wohl auch so.
    (Hey, ein Klischée muss ich doch wenigstens erfüllen, wenn schon der ganze male-like-Kram nicht zutrifft ;) )

  5. 26. August 2011 at 14:17

    [cg]

    Den mag ich auch ;) Komisch, wie viele Frauen gleich zusammen ziehen wollen? Nicht? *smile*

  6. L-girl
    24. August 2011 at 23:53

    Ich mag den Anhang „nach mehr als 3 Wochen Beziehung“ ;)

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