Kurzgeschichten

Wie ich mich verliebte

 

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Erstes Treffen

Als ich Isabelle sah, wenn auch im betrunkenen Zustand, wusste ich es sofort: Sie war es! Ich verliebte mich sofort in sie,  wie sie mich ansah und anlächelte, innig und ohne Widerstand. Sie lächelte mich an. Und ich sie.
Das Gefühl dauerte noch ein paar Sekunden und sie stellte mich ihrem besten Freund vor. Ein Adonis von Junge, und sportlich durchtrainiert und einem samtigen Lächeln.
Es war charmant. Die Situationen hätte noch lange dauern können. Ich träumte und fragte sie nach ihrem Lieblingswort: Couscous sagte sie, doch ich verstand nur Kuss. Kuss. Ich hätte in jenem Moment sterben können.
Ihre Worte waren:

Isabelle: „Also meine Freundin kommt gleich.“
Chantal: „Du hast ne Freundin.“
Isabelle: „Ja.“

Meine Welt zerbrach. Ich tat cool und bewegte mich ein, zwei, vielleicht sogar fünf Meter von ihr fort. Mehr trinken, war meine Devise, und ja keinen Ärger verursachen. Doch wie konnte diejenige, die ich zur Frau erwählt habe, bereits in Händen einer anderen sein? Suchte ich vergeblich?
Wir sahen uns per Zufall immer wieder im Ausgang und Isabelle konnte mich nicht so ganz einschätzen. Die Bloggerin von lesbian chic? Ist das nicht ne Checkerin? Doch ich brachte sie zum lachen, zum Scherzen und schon fingen wir uns an zu necken.
Bis ihre Freundin kam.

 

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3 Monate später
Innerlich gab ich Isabelle schon auf, da ihre Freundin keine Dame zum Spielen ist und ich mir bereits bei Sebastienne die Finger derart verbrannt habe, wie eine heisse Kartoffel liess mich die Sebastienne damals fallen. Doch dieses Mal war es anders: War ich die bereits Gefallene? Wieso mochte ich ihr charmantes Wesen, ihre aufmerksame Art und ihre strahlenden Augen?
Es war schwer, von ihr gedanklich abzulassen, doch die Zeit verging bis im März 2013, in der Nacht der Blumen, wo wir uns abermals trafen. Ich freute mich dermassen, dass ich Luftsprünge trieb. Wir tanzten etwas und ich strahlte sie an. Und sie mich. Nichts tat sich. Keinen Zentimeter weiter konnte ich gehen. Aber diese bereits vorkommende Nähe, die Distanz, deren Widerspiel und die Sinnlichkeit die ich spürte, wenn ich mit ihr war. Das alles war vollkommen.

Ich fragte ihre Begleiterin:
„Kennst du ihre Freundin?“

Ihre Begleitung, eine junge heterosexuelle Frau zu mir:

„Ja.“

Chantal: „Ja, weisst du, vielleicht bin ich weniger scharf, aber ich bin bestimmt intelligenter.“
Begleitung:
„Das kann gut sein!“

Manche Frauen stehen auf Intelligenz, die Meisten schreckt es aber eher ab. Ich dachte jedoch, wenn Isabelle so schlau ist, müsste sie doch auf mich stehen, weil ich so viel von ihr lernen könnte. Und sie von mir. Ich dachte, dass ist meine USP, meine Unique Selling Proposition. Aber mehr zu bieten hatte ich wohl nicht. Ich ging.

„Du bist zu wenig männlich.“

War ihre ironische Aussage.

 

Ich regte mich tagelang darüber auf, bis ich ihre Ironie verstand. Ich war Macker durch und durch.
Wir trafen uns erneut, als sie an einer Party an der Kasse war. Ich rief zu ihr:

„Isabelle, Werteste, nimm mich. Ich bin schlauer als deine Freundin. „

Sie lachte. „Meinst du das ernst?“
Ich schwor bei allen Sinnen.
Sie fragte: „Kann ich deine Hand haben?“
Ich gab sie ihr. War entzückt über diese anregende Unterhaltung. Pustekuchen! Sie drückte einen Stempel auf meine Hand.

Später konnte ich nicht länger. Die Frau schlug mich in meinen Bann. Ich wollte ihre Nummer haben, doch sie gab sie mir nicht. Sie sagte, mit ihrer Freundin sei es aus. Aber ich wäre ihr zu wenig männlich. Was ich? Mit meinen Männershorts und meinen kurzen Haaren?
Ich bekam drei Tage lang Krise. Bis sich herausstellte, dass ihr Statement ein Witz war, denn ich wäre voll der Macho. Dies bekam ich nun tag, täglich zu hören. Auch ich sei wie ihre Ex, könne mich nicht binden. Ich schwor anderes. Nein, ich schwor nicht, ich rannte um mein Leben. Um unser Leben. Jetzt wollte ich sie. Doch bei ihr war es anders. Sie hatte langsam die Frauen satt und wollte auf keinen Fall einen Macho. Und sie hielt mich für einen.
Die Tage vergingen. Nichts änderte sich. Daneben eine Nebenbuhlerin, liebenswert und ehrlich. Aber ich sah mich mit ihr, wie wir Trauben in der Provençe pflücken oder der Nachtigallen Schlaflieder vorsingen. Ich sah so viel in ihr. Dabei kannte ich sie kaum. Sie wusste nicht recht, wie sie mich einschätzen sollte. Ich gefiel ihr, aber ihr Kopf war gegen mich. Ich war machtlos.

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Das erste Date

Als ich sie im Facebook fand, nach längerem Suchen nach Isabelle, welche an der Universität studiert, fingen wir an miteinander zu schreiben. Sie sagte mir, es sei definitiv aus mit ihrer Damaligen, weil diese sich nicht binden wollte. Was für ein Pech für diese ominöse Frau, eine Checkerin par Excellence. Und was für ein Glück für mich! Doch Pustekuchen, ich sei ja ein Macho, sagte mir Isabelle immer wieder und sie hätte genug von Machos.
Ich liess nicht locker und musste sie beinahe überreden, mit mir ins Theater zu gehen. Ich hätte schon Karten und ich wusste, dass diese hübsche, nicht zu ergatternde Frau namens Isabelle Theater gefiel. Sie sagte ja.
Es regnete, jeder Tropfen schlug mir ins Gesicht. Es war April 2013 und die Vorstellung hiess „eine Katze auf dem heissen Blechdach.“ Ich war verwirrt und wusste nicht so recht, was mit mir anfangen. Wie könnte mich diese Frau so nervös machen? Ich wusste einfach, dass es die Richtige für mich war. Und ich die richtige für sie. Gut gelaunt und in Schale geworfen ging ich durch den Regen, in der Hoffnung, wenigsten einen Hauch von ihr im kommenden Treffen zu erhaschen.
Sie sah wunderschön aus mit ihren langen, braunen Haaren, leichten Locken, ihren grünen Augen und dem leichten Schalk in ihren Augen. Sie freute sich auch. Wie ich nervös war! Die Vorstellung fing an und ich fragte mich, ob ich ihre Hand halten könnte. Ich dachte, sie würde wohl nein sagen. Ich fragte sie nicht. Inmitten der Vorstellung tastete ich mich leise und bestimmt vorwärts, nahm ihre Hand. Es fühlte sich an wie tausend Luftballone, die gerade Hochstiegen. Ich war ganz high. Ich hielt ihre Hand und liess sie nicht mehr los. Ja ich war verliebt, und ich wollte sie schon in dem Moment heiraten. Ich wusste noch so wenig von ihr, aber diese Berührung war voller Zuversicht, die eine grosse Zukunft versprach. Eine Perspektive mit ihr.

 

Kommentar Chantal: Sorry für die Rechtschreibfehler. Wir suchen noch eine Lektorin. Melde dich!



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