Coming-Out

Wie ich mich in der Biostunde outete

Liebe Lesbe,

Wer sagt eigentlich, dass wir uns outen müssen? Unser Umfeld oder unser Gefühl? Vielleicht auch beide.

Aber hast Du eigentlich schon mal eine heterosexuelle Frau getroffen, die sagte: „Ich weiss, es kommt überraschend, aber…ich bin hetero!“? Also ich nicht.

Aus meiner Sicht sieht man sich vor dem eigenen coming out vor allem mit drei Fragen konfrontiert:

 

 

1) Warum überhaupt outen?

2) Wann und wie?

3) Wie mit den Reaktionen umgehen?

Warum überhaupt outen?

Fakt ist doch, in jeder von uns steckt der Wunsch, zu sich selbst zu stehen und seinen Weg zu gehen. Das gehört natürlich auch, die eigene Sexualität nicht leugnen zu müssen. Das ist aber nicht immer so einfach. Zum einen liegt das daran, dass uns von klein auf eingeredet wird, dass Lesben eben „anders“ sind, und weil Andersartigkeit für viele per se negativ ist, leidet unser Selbstwertgefühl. Dann kommt man in diese Stresssituation: Man verliebt sich in eine total heisse Frau, und der Druck wird unerträglich stark, weil man ja einerseits jedem von dem schönen Herzklopfen erzählen möchte, aber zugleich fürchtet man, dass einem nahestehende Personen den Rücken zukehren könnten. Aber mal ehrlich, sind das echte Freunde? Kann es tatsächlich ein Ausweg sein, das Lesbischsein zu leugnen, um Menschen zu gefallen, die einen sonst nicht akzeptieren und damit eigentlich weder Freundschaft noch falsch verstandenen Rücksichtnahme verdient haben? Ich glaube kaum!

Sich zu outen bedeutet für mich zu allererst, die absurde Idee abzuschütteln, lesbische Liebe sei irgendein „Makel“, den es zu verstecken gilt. Und je mehr Frauen wie ich bereits sehr früh diesen Schritt wagen, desto eher wird auch die Akzeptanz in der gesamten Gesellschaft steigen.

Wann und wie?

Um sich zu outen braucht Frau aber nicht nur eine ganze Menge Mut, sondern muss sich mit ihren sexuellen Neigungen auch auseinandersetzen und sich wirklich eingestehen, Lesbe zu sein und den einmal gemachten Schritt zum coming out nicht einfach wieder rückgängig machen zu können.

Bevor Du diesen wichtigen Schritt machst, solltest Du genau wissen, wer du bist – das ist Grundlage für ein gutes Outing. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: die vorsichtige Tour (es zuerst nur engsten Freunden/Familie sagen) und die spontane Kurz-und-schmerzlos-Variante, es am Arbeitsplatz, in der Uni oder in der Schule einfach „rauszuhauen“.

Für letzteres habe ich mich ebenso spontan entschieden. Im Biologie-Unterricht machte meine Lehrerin eine Äusserung, die mich wirklich provozierte – Homosexuelle seien doch auch „nur“ Menschen.

Eine echte Frechheit, uns menschliche Gleichwertigkeit derart gönnerhaft zuzugestehen und auf diese vermeintlich liberale Sichtweise auch noch stolz zu sein! Derart erhitzt schrie ich es also gleich vor der ganzen Klasse raus: „Ich bin lesbisch!“

 

Wie mit den Reaktionen umgehen?

In meinem Fall war von diesem Geständnis letztlich keiner überrascht, da ich eh ständig Anspielungen bezüglich heisser Mädels mache, aber nun war es wenigstens auch offiziell raus. Dank meiner Offensive wagt es auch niemand zu lästern, und ich geniesse es, mein Lesbischsein vor niemandem mehr verstecken zu müssen.

Was aber tun, wenn doch blöde Reaktionen kommen? Dazu meint die lesbianchic-Redaktion: Ein schwieriges Thema, insbesondere, wenn es etwa um Mobbing am Arbeitsplatz geht. Gerade im Umgang mit latent homophoben, vielleicht auch einfach gedankenlosen Lästermäulern hilft aber sicher immer eine offensive Strategie – bloss nicht hinter dem eigenen Rücken lästern lassen, sondern die jeweilige Person direkt konfrontieren und vielleicht einmal nach den eigenen sexuellen Vorlieben fragen. Bringt gerade Verklemmte fast immer zum Schweigen!

Was den eigenen Freundeskreis betrifft, können negative Reaktionen natürlich besonders wehtun. Aber wie bereits zuvor gesagt, hier muss man sich langfristig auch darüber klar werden, wer den Titel Freund oder Freundin tatsächlich verdient hat, so sehr dies zunächst auch schmerzen mag.

 

 

Um zu einem positiven Ende zu kommen – lasst euch von einem frisch geouteten lesbischen Küken sagen: Es ist ein wahnsinnig gutes Gefühl! Steht zu euch selbst und seid von ganzem Herzen stolz darauf, das schöne Geschlecht zu lieben!



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