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Insight: Karin Kauffmann

Machtgierige Monopolistin oder ehrgeizige Party-Ikone? 

Donnerstag, 28. August 2014: Ich gehe nicht ganz unvoreingenommen zu diesem „Date“. Karin Kauffmann hat sich einen Namen in der Szene gemacht. Sie ist die Szene in Hamburg. Sie hat sie quasi gegründet und kein Weg führt an ihr vorbei. Eigentlich mag ich keine Monopolistinnen. Das Nachtleben in Zürich leidet unter seiner Einseitigkeit ja ohne Frage – mit DJ Mary und all ihren Zig Partys ist es mehr als einseitig. Freundinnen haben mich gewarnt, die Kauffmann habe einen „Schaden“, sie sei „übermäßig geschäftstüchtig“ und würde jede Konkurrentin ausstechen – ich möchte sie trotzdem treffen, mir ein Bild machen und wissen, wie ist diese Frau, die Hamburg beinahe jeden Samstag feiern lässt?

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Schwäbin auf internationalem Erfolgskurs

Schnell merke ich, dass Karin Kauffmann nicht nur mit Geschäftssinn, sondern vor allem auch mit Herzblut dabei ist – und das seit 23 Jahren. Aufgewachsen ist sie in einer Szene, die sich noch nicht auf das Internet konzentriert hat und hat Soziologie studiert. Karin Kauffmann erlebt ihre wilden Jahren in Frauenzentren und Lesbentreffs.

Doch der gebürtigen Stuttgarterin reicht das nicht aus. Sie will mehr. Schnell knüpft sie wichtige Kontakte, unter anderem zu Partymacherinnen in Moskau, Brüssel, L.A. und New York. Karins Ehrgeiz ist nicht abzustreiten. Mir fällt sofort auf, dass ihre jahrelange Networking-Erfahrung auch mich um den Finger wickelt.

Mein toughes Gegenüber erklärt mir, dass eine gute Party auf drei Grundpfeilern stehe: Eine gute Location, das richtige Entertainment und vor allem das richtige Publikum. „Eine Party definiert sic durch die Leute, die hingehen“, so die Mittvierzigerin. In Hamburg gibt es daher viele unterschiedliche Events mit verschiedenen Zielgruppen.

Erfolgsrezept: Ehrgeiz und Charme

Überheblich wirkt Karin Kauffmann nicht. Sicher, sie hält ihre Erfolge nicht hinterm Zaun, aber das hat sie auch nicht nötig, denn sie hat, und das ist Fakt, viel erreicht in Hamburg. Mit lebhafter Mimik und latentem Humor bleibt sie trotzdem sympathisch. Wahrscheinlich würde ich ihr sogar einen Staubsauger abkaufen, aber dann, und da bin ich mir sicher, wäre es wohl der beste Staubsauger auf dem Markt, der perfekt zu mir passt.

 

Wieso veranstaltet eine Stuttgarterin Parties in Hamburg?

Ursprünglich wollte ich immer nach Berlin. Aber nach der Wende war das schwierig mit Studienplätzen, Wohnungen, Nebenjobs. Dann habe ich Freundinnen aus Stuttgart in Stuttgart getroffen, die bereits Jahre lang in Hamburg lebten und sagten: ‚Du musst nach Hamburg kommen!’. Und die haben mich sozusagen verhaftet und verpflichtet, etwas später gleich zu ihnen nach Hamburg zu fahren. Ich habe ein Wochenende hier verbracht und gesagt, gut das passt. Sechs Wochen später habe ich hier gewohnt und angefangen die Szene kennen zu lernen.

Was war anders, als du begonnen hast ein Teil der Lesbenszene Hamburgs zu werden?

Vor über 20 Jahren, als ich damit begann gab es noch kein Internet. Die Informationen gingen von Mund-zu-Mund. Ich habe damals in einer Lokation angefangen als Barmaid zu Arbeiten. Die Beziehungen und der Zusammenhalt untereinander waren damals intensiver, frau traf sich in Frauenzentren um wichtige Aktionen gemeinsam zu planen und Informationen auszutauschen. Heute ist es offener, küssender, musikalischer.

Wie schaffst du es, dass sich beinahe alle Frauen von deinen Parties angesprochen fühlen?

Ich teile den Markt mittels Segmentierung über das Alter. Gute Beispiele dafür sind zum Beispiel die Party im Juice Club, die eher für 18-27 jährige Lesben konzipiert ist und eine junges Publikum mit Black RnB, Electro und Raggeaton anzieht oder die riesige Pink Inc. – Party, die für alle ein richtiges Event ist. Da ist das Publikum immer sehr gemischt: Gays, Lesbians and Friends eben!

Und die Konkurrenz hat keine Chance gegen dich?

Die Welt ist frei. Gerne wünscht frau sich von neuen Einsteigerinnen, die Termine abzuklären von bestehenden Partys und ein anderes Konzept mit eigenem Image anbieten. Der Markt soll ergänzt und nicht geteilt werden.

Warum klappt das nicht? Gibt es in Hamburg einen Szene-Monopol?

In einigen Städten geht der Markt schon Richtung Monopol. Es hat Vor- und Nachteile. Mit ein bisschen Mühe, und Herzblut kann ich etwas anderes, anbieten und keinen Einheitsbrei. Viele Neueinsteigerinnen haben vielleicht manchmal zu hohe Ansprüche an die Gäste oder zu hohe Eintrittspreise. Mein Ziel ist klar. Für die Gäste soll Party schlicht Party und Amüsement sein, aber hinter den Kulissen muss frau als verantwortungsvoller Profi dann auch für die Sicherheit und alles anderer für die Gäste sorgen.

 

Eine Übersicht der nächsten Parties bekommt ihr auf  der Website der Alpha Girls 
Welches Event gefällt euch am liebsten und wo ist der Flirtfaktor am höchsten? 

 



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