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Review: FREYA, die Nacht gehört uns Frauen!

Mit dem selbstbewussten Teaser «FREYA, die fetteste Lesbenparty Hamburgs» wirbt das neue Party-Label für sich. Grosser Protz mit wenig Gehalt oder lohnenswerte Sause für Les Ladies? Chantal hat’s für euch ausgecheckt und berichtet aus erster Hand.

 

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Links im Bild: Charlott Görres

 

 

Komm mit mir ins Abenteuerland

Komm, gib mir die Hand. Ich führe dich durch eine einzigartige Frauenparty in Hamburg namens FREYA, welche am Samstag, 30. August 2014 zum zweite Mal statt gefunden hat. Trau dich ruhig näher, ich beissek nicht. Tauch mit mir ein in diese Atmosphäre und ich zeige dir, wie die Mädels so drauf waren und ob es sich lohnt, an der dritten Freya mit dabei zu sein.

Zuallererst soll dir gesagt sein: Der Hamburger Partymarkt ist hart umkämpft. Ich wollte hinter die Kulissen schauen und so traf ich mich zuerst mit der Organisatorin einer FREYA-konkurrenzierenden Party (die charismatische Karin) und einen Tag später die spritzige Charlott, welche die FREYA Parties ins Leben gerufen hat.

Sie ist schön, also schön jung, und macht so einen richtig lesbischen Eindruck. Doch aufgepasst, nicht alle auf Frauen stehende Frauen sind zwingend lesbisch. So wie ich, verliebt sich auch Charlott in den Menschen und nicht das Geschlecht. Aber was mich eigentlich viel mehr interessierte: Wie ist die FREYA-Idee entstanden? Ganz banal, wie so vieles im Leben: Eines Tages klagte eine Freundin: «Charlott, für uns Frauen ist die Partyszene in Hamburg etwas öde geworden, mach doch mal was Neues für uns!». Dieser Wunsch war Charlott, der dynamischen Unternehmerin, mehr als Befehl! Eine solche Marktlücke liess sie sich nicht entgehen und zack, vier Monate später fand die erste FREYA statt. Das war letzten März, und die zweite, bei der ich dabei sein durfte, sollte noch besser werden!

 

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FREYA, öffne dich!

Alle Karten auf den Tisch: als eingefleischte Checkerin war ich schon früh vor Ort, um die Lage zu analysieren, die Pläne zu schmieden und mich für eine lange Anbagger-Nacht einzustimmen. Die Location war gediegen und gross. Mit zwei Floors, der eine mit vielen Sitzmöglichkeiten und einer grossen Tanzfläche und der andere mit flackerndem Lagerfeuer, wo geraucht werden durfte. Ein einzigartiges Fumoir, sag ich euch, ganz in Hip Hop und RnB getränkt.

Anfangs war die Stimmung etwas bekömmlich, gratis Hugos wurden verteilt und ich bekam sogar ein FREYA-Shirt geschenkt. Vor allem fiel mir die heterogene Mischung der Partygäste auf, es war kein klarer Stil auszumachen. Sprich, einige Kampflesben trafen ein, als auch extrem hübsche lesbian Chicks. Eine halbvolle Location gegen 23 Uhr, super mitreissende elektro- bumm-bumm-Musik, wie es sich im 2014 halt so gehört.

Fehlen nur noch die nackten Frauen. Ah nein, da sind sie ja! Wohl geformte Tänzerinnen beglückten das Auge der Besucherinnen. Ihr Auftreten wirkte zwar etwas heterosexuell ausgerichtet, aber interessant wars trotzdem. Antörnend nicht. Und da frau mit Essen eh nicht spielen darf, traf sich das gut. Ein paar Szenelesben machten sich einen Spass daraus, die Mädels anzutanzen, doch die Tänzerinnen blieben cool. Mussten wohl schon schlimmeres über sich ergehen lassen, als gut riechende Frauenkörper.

 

Knusper knusper Knäuschen, wer knuspert an meiner… Lippe?

Genügend Platz und gute Musik, dazu freie Drinks, was gibt’s besseres dachte ich in meinem neuen FREYA-Shirt und tanzte was das Zeugs hielt. Gegen Mitternacht füllten sich die Räume. Auch Joelle kam, meine Gastgeberin in Deutschland. Sie studiert Jura und ist ein echter Blickfang. Mit ihren 180 cm und langen blonden Haaren lächelte sie mir zu. Sie wollte unbedingt eines dieser FEYA-Shirts und ich, holder Ritter, organisierte ihr natürlich eines. Erneut lächelte sie. Da ich von ihr bereits ein paar Körbe eingefangen hatte im Verlauf der letzten beiden Tage, dachte ich nur: Wieso lächelt sie? Da ich daraus nicht schlau wurde, folgte ich meinem primatischen Trieb und wendete mich einer süssen Frau zu. Eine Philosophiestudentin, damit wollte ich natürlich tanzen. Doch Pustekuchen! Joelle ergriff kurzerhand mein Handgelenk, um mich in den anderen Raum zu zerren. Nun lächelte ich. Denn nun war klar: Diese Nacht gehörte ich wohl ihr!

Das rauchige Lagerfeuer-Fumoir mit schweren RnB- und Hip Hop-Beats liess es heiss werden. In jeglichem Sinne. Eine müde Partybesucherin versuchte mehr Stühle zureservieren, als sie unter Aufsicht behalten konnte. Als Joelle ihre Jacke drauf legte, kam sie leicht aggressiv auf sie zu, um ihrem Revier gerecht zu werden. Ich schritt sofort ein und sagte auf selbstbewusste Weise: «Hallo, das ist ein Club! Hier kann frau nicht Plätze reservieren!» und fühlte mich dabei in den Kindergarten zurückversetzt, als müsste ich den 4-Jährigen die Basis von Zusammenleben erklären. Die etwas älter als 4 Jahre alte Dame schaute Joelle und mich noch lange irritiert an. Aber ich tanzte einfach besser (sie sass ja auf ihrem Stuhl haha). Die Rivalität der Häuptlinge legte sich also ohne Pfeffersprayattacken. Manchmal braucht frau eben doch nur mit dem Po zu wackeln.

 

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Fetteste Party oder No-Go?

Die Gäste waren ein guter Mix aus Szene und neuen Frauen, welche vor allem über soziale Kanäle über die Party erfahren hatten. Hamburg kann also definitiv mithalten was Location, Musik und sinnvolle Frauen angeht. Es waren ungefähr 350 Besucherinnen am Event mit einem Durchschnittsalter von ca. 25 Jahren.

Die Musik war besser als an herkömmlichen Partys, die Damen an der Türe eher heterosexuell aber trotzdem heiss. Die Bartender an der Bar freundlich und zuvorkommen. Die Preise akzeptabel. Zwei kühle Hugos und ein RedBull für 19 Euro. Dazu kamen unverhoffte, leidenschaftliche Küsse mit Joelle. Was will frau mehr?

Ja, die Party war fett. Es war ein Abend der unendlichen Flirtmöglichkeiten. Da ich in Hamburg vielleicht nie mehr gesichtet werde, erlaubte ich mir alles. Joelle sass neben mir, legte ihren Kopf auf meine Schulter, küsste mich. Der Boden bebte, ich bebte, ich schwörs euch, die ganze Welt hat kurz gebebt! Als ich ihren Kuss erwiderte, sah ich in ihre schönen blaugrauen Augen und wusste: Das IST ein Abend der unendlichen Möglichkeiten. Wir näherten uns einander und es wurde uns nicht nur wegen dem Lagerfeuer heiss. Wir fühlten uns in unserer Intimität eingehüllt und es störte niemand. Vielleicht die vorbeihuschende Philosophiestudentin etwas, aber hey, wer weise ist, braucht keine Küsse.

«FREYA, die fetteste Lesbenparty Hamburg’s» kann ihren Slogan also mit Berechtigkeit tragen, es lohnt sich auf einen Flirt vorbeizuschauen! Freu dich also auf die anstehende FREYA im Dezember 2014! Vielleicht erblickst du mich ja sogar. Falls dies geschieht, rate ich: Renn, bevor ich dich fange.



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