Love & Dating

Beziehungsunfähigkeit – Gibt es das?

Beziehungsunfähigkeit III

Hier nun der dritte und letzte Teil unserer Serie zum Thema Beziehungsunfähigkeit:
Wir befassen uns im Folgenden mit Charaktereigenschaften, die eine Beziehung
erschweren oder sogar, wenn sie in einem ausgeprägten oder gar pathologischen
(krankhaften) Masse vorliegen, eine Beziehung verunmöglichen.

Es ist nicht erstaunlich, dass Charakteristika wie fehlendes Einfühlungsvermögen,
überhöhtes Misstrauen oder Egozentrik auch jene Eigenschaften sind, die für die
Diagnose von verschiedene Arten von Persönlichkeitsstörungen (nach ICD-10)
zutreffen. Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

Wikipedia (Stand 20.03.11) definiert eine Persönlichkeitsstörung wie folgt:“Als
Persönlichkeitsstörungen werden Störungen der Persönlichkeit bezeichnet insofern
bestimmte Merkmale der Persönlichkeitsstruktur in besonderer Weise ausgeprägt,
unflexibel und wenig angepasst sind. Sie bezeichnen Erlebens- und Verhaltensmuster
aufgrund Entwicklungsbedingungen in der Kindheit und späteren Lebensabschnitten,
genetischer Faktoren und/oder erworbener Hirnschäden. Diese Verhaltensmuster weichen
von einem flexiblen, situationsangemessenen Erleben und Verhalten in charakteristischer
Weise ab. Die persönliche und soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit ist meistens
beeinträchtigt.“

Erstens sind bestimmte Merkmale, nehmen wir als Beispiel eine fehlende
Empathiefähigkeit, hoch ausgeprägt und wenig veränderlich, so dass es sein kann,
dass die soziale Funktionsfähigkeit, also wie wir mit Anderen interagieren und
kommunizieren, beeinträchtig sein kann.

Fabienne hat in ihrem Text zum Thema (Beziehungsunfähigkeit – Ein neuer Trend?
) die These aufgestellt, dass die hohe Anzahl von Frauen und Männern, die sich
selber als beziehungsunfähig bezeichnen, kein Gradmesser dafür ist, wie verbreitet
Beziehungsunfähigkeit tatsächlich ist. Sie geht gar noch einen Schritt weiter, indem
sie mutmasst, dass hypothetisch betrachtet jeder Mensch beziehungsfähig, und damit
liebenswert und liebensfähig, sein kann – wenn er / sie denn nur will. Dem muss ich aus
einem psychopathologischen Standpunkt aus widersprechen: Es gibt durchaus Menschen,
die aufgrund von genetischen Gründen, einem invalidierenden Umfeld und/oder
Fehlentwicklungen nicht beziehungsfähig sind. Oder jedenfalls nicht in einem Masse, das
es beiden Partnern erlauben würde, sich geistig oder emotional positiv in einer solchen
Beziehung weiterzuentwickeln.

Richtigerweise muss zwischen Beziehungsangst (Bindungsangst vs. Verlustangst), der
Selbstdiagnose Beziehungsunfähigkeit, und tatsächlicher Unfähigkeit unterschieden
werden: Ersteres bezeichnet eine Furcht an sich, nämlich sich zu verlieren
oder verletzlich zu sein (bei manchem Menschen sind auch beide Ängste gleichzeitig
vorhanden), die überwindet werden kann, dynamisch also veränderlich ist.

Die Selbstdiagnose wird bei hohen und chronisch andauernden Ängsten gestellt:

– Ich will mich nicht binden, weil ich immer verletzt werde.
– Ich will mich nicht binden, weil ich mich dann eingeengt fühle.

Es ist eine typische Vermeidungshaltung, ein Zustand, muss aber nicht mit der
eigentlichen Beziehungsfähigkeit korrelieren. Eine Beziehungsunfähigkeit kann zwar
durch hohe Bindungsängste verstärkt werden, grundsätzlich sind es aber Eigenschaften
oder Charakterfähigkeiten, die im Vordergrund stehen (Vertrauensfähigkeit, Empathie
etc.) und nicht Gefühle, die nur langfristig und mit hohem Ressourcenaufwand verändert
werden können.

Doch nun zum Kern dieses Artikels: Welche Eigenschaften oder welche Personen mit
welchen Eigenschaften können tatsächlich die Fähigkeit, eine glückliche Beziehung
aufzubauen, erschweren oder verhindern?

 

Fehlendes Urvertrauen:
Ein gesundes Kind entwickelt Urvertrauen in seinen ersten 1.5 Lebensjahren. Da es
sich selber nicht versorgen kann, ist es völlig auf die Hilfe seiner Mutter angewiesen.
Mit Urvertrauen ist ein grundlegendes Gefühl von Vertrauen gemeint – in sich, in seine
Mitmenschen, wie auch auf universeller Ebene.
Fehlt dieses Urvertrauen in gänzlicher Weise, ist der erwachsene Mitmensch
aussergewöhnlich misstrauisch, wenn nicht sogar paranoid. Auch sind solche Menschen
verstärkt ängstlich, depressiv als auch aggressiv.

Selbstbezogenheit – Egozentrik:
Egozentrische Menschen sehen sich als Zentrum des Universums. Folglich sind ihre
Gedanken, Gefühle, Absichten und Ziele die Maxime ihrer Weltanschauung. Es
entstehen daraus zwei Folgeprobleme:

Erstens, ist eine selbstbezogene Person nicht imstande, andere Werte und andere Urteile
mit in seine Weltanschauung zu integrieren. Sie können stur, oder sogar rücksichtslos,
nur ihre eigenen Ziele verfolgend erscheinen.

Zweitens fehlt einer egozentrischen Person die Fähigkeit, sich dem anderen Leben und
der momentanen Gefühle des Gegenübers hinzugeben. Sie ist nicht imstande, wenn ihr
Partner zum Beispiel traurig ist, diese Trauer anzunehmen und sie zu trösten.

Achtung: Es gibt Menschen, die scheinen diese Fähigkeit zu besitzen, mit dem Anderen
emotional mitzuschwingen. Konkret ist hier von charismatischen Menschen die Rede, die
nicht nur begeistern und überzeugen können, sondern auch im Moment sehr präsent sind.
Ein charismatischer Mensch ist jedoch nicht per se gut, sondern weiss einfach nur zu gut,
wie er Nutzen aus seinem gewinnbringenden Wesen ziehen kann. Auch Psychopathen
können über eine starke Ausstrahlung verfügen. Ihre emotionale Mitschwingfähigkeit, ihr
scheinbar wertschätzendes und positives Wesen sind jedoch nur kluge Mechanismen, um
andere Menschen manipulieren zu können. Wer sich schützen will, sollte sich den Blog
Player (In den Händen einer Playerin) zu Gemüte führen.

 

Menschen, die nicht mit dem Leben klar kommen:

 

Dazu zählen Menschen mit schweren Depressionen, Schizophrenie oder generell
emotional instabile Personen. Jene Menschen sind dermassen mit ihrem eigenen Leid
beschäftigt, dass ihnen schlicht die Ressourcen fehlen, sich auf einen anderen Menschen
einzulassen.

Ein schwer depressiver Mensch hat mit starken Schuld-, Minderwertigkeits- und
Frustrationsgefühlen zu kämpfen, und steht in einer Wolke zwischen Leben und Tod.
Schizophrene leben in ihrer eigenen Welt, die sie stark gegen aussen schützen. Viele
Schizophrene weigern sich, ihre Medikamente einzunehmen, weil sie damit ihre
eigene Wahrheit verlieren. Auch können sie andere Anschauungen der Realität nicht
akzeptieren, sind oft exzentrisch. Es kommt bei jenen Menschen zu Verzerrungen der
Wahrnehmung und sie sind oft in sich gekehrt.

Emotional instabile Menschen haben die gleichen Gefühle wie normale Menschen,
jedoch werden sie für die Betroffenen viel stärker und manchmal als unerträglich
wahrgenommen. Um diesem Schmerz zu lindern, umgehen, oder abzuschwächen,
haben diese Menschen viele destruktive Verhaltensweisen wie verbale Aggression,
selbstverletzendes Verhalten, emotionale Erpressung oder Fluchtverhalten erlernt, die
eine auf Achtung und gegenseitige Rücksichtsnahme bestehende Beziehung
sehr stark erschweren oder verunmöglichen. Menschen, die mit einem emotional
instabilen Mensch zusammen sind, sind oft nicht imstande, dieses Auf und Ab zu
ertragen, und sehen sich mehr als Spielball der Launen ihres Partners.



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