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L-Beach 2015 oder eine Reise in die Sehnsucht

Und so sieht die L-Beach aus.
Und so sieht die L-Beach aus.

Donnerstag 23. Mai 2015

Im Flugzeug – neben der Stecherin der Stecherin
Zufällig habe ich einen Sitzplatz direkt neben Anna. Doch zuerst wollen wir die vorstellen, in die ich hoffnungslos verliebt bin: Andrea. Andrea… ist schlicht und ergreifend wunderschön. Für sie würde ich die Sterne vom Himmel holen. Sie kennt Anna, die zufällig neben mir im Flugzeug sitzt. Eine Doktorandin ist Anna, die ich wiederum kenne, vom Sport, und die ich sympathisch finde. Wir befinden uns auf einem Aufklärungsflug, denn es kommt heraus: Anna und ich, wir schlafen beide mit der gleichen Frau. Andrea. Andrea ist wohl zu schön, um sie als einzige Frau für sich zu haben. Die Maxime des Freitags: Alles ist vergänglich. Frauen kommen und gehen, manche verharren, verdorren oder verbittern deswegen.
Das Drama: Miss Anna war im gleichen Bungalow wie Andrea und schon Donnerstag am Weissenhäuser Strand. Das Timing war schlecht. Wie sich später noch herausstellen wird.

Gini in a Bottle. Meine Retterin in Not aus Hawai: Gini!
Gini in a Bottle. Meine Retterin in Not aus Hawai: Gini!
Arbeite, als bräuchtest du kein Geld. Liebe, als wärst du nie verletzt worden. Tanze, als würde niemand zuschauen.
Arbeite, als bräuchtest du kein Geld. Liebe, als wärst du nie verletzt worden. Tanze, als würde niemand zuschauen.

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Doch zuerst Hamburg
Mittwoch und Donnerstag streikt die Bahn. Ich bleibe einen Tag mit Kiko in Hamburg. Kiko ist hübsch, eigentlich noch hübscher als Andrea, studiert Design. Das einzige Manko: Sie ist hetero. Als erstes lerne ich ihre Kommilitonen an der Räbenstraße kennen. Das Statement eines straighten Freundes von Kiko: L-Beach ist das Lesbenfotzenleckfestival.

Kiko studiert Design in Hamburg. Shopping-Beraterin per se.
Kiko studiert Design in Hamburg. Shopping-Beraterin per se.

Was er nicht weiß: es gibt keinen Dark-Room mehr und die Erwartungen sollten realistisch bleiben. Denn das L-Beach ist mehr ein Familienferienort (sind wir Lesben nicht alle auf eine gewisse Weise Schwestern?), wo alle gemütlich ihr kleines Häuschen haben und draußen grillen, an Workshops wie dem im Flirten oder Graffitisprayen teilnehmen oder sonst wie ihre Zeit mit flanieren in Bars oder am Strand genießen. Hm… oder vielleicht doch ein Lesbenfotzenleckenfestival?

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Kiko und ich in Hamburg – wir sind die Leute, vor denen deine Eltern dich immer gewarnt haben.

Oder wieso es sich lohnt, mit Kiko abzuhängen. Tagsüber sind wir shoppen, Kiko und ich und machen ein paar Selfies. Abends lerne ich die Shane aus Köln und andere Hamburger kennen, wir ziehen um die Häuser. Bis wir in der Fundgrube landen.

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Freitag: Der scharfe Blick
Der Streik ist zu Ende und ich reise innerhalb einer guten Stunde nach Oldenburg. Ich vermisse Andrea. Sehr. So liege ich in meinem schönen Vier-Sterne-Hotelzimmer und halte das Kissen. Eine Stunde lang. Denke an ihre schönen Augen und ihren unverschämt süßen Geruch. Andrea, Andrea, Andrea. Doch Andrea macht gerade Liebe mit Anna. So wie es scheint, ist wirklich vieles vergänglich.

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Ich beginne, mich im Loslassen zu üben. Steige aus meinem Bett und quatsche jemanden an: Anwältin, Volltreffer. Sie zeigt mir das Gelände und wir spielen „Fühl dich frei!“. Schreckliches Loslassen. Später treffe ich Anna und Andrea, flippe aus und gehe. In mein schönes Hotelzimmer. Allein, allein.

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Sich unterhalten und netzwerken war die Maxime. Sprechen statt flirten.
Sich unterhalten und netzwerken war die Maxime. Sprechen statt flirten.
Und wer war diese Frau?
Und wer war diese Frau?

Weiter frohen Mutes: Die Ärztin.
Die Ärztin mache ich per Kaltakquise klar: Kaum angequatscht, waren wir in meinem Hotelzimmer, damit wir beide uns über die Frauen beklagen können. Wir suchen ihre Ex, um sie dann zu ignorieren. An einem One-Night-Stand interessiert ist sie nicht. Genauso wenig wie ich. Ich suche Andrea, um sie zu ignorieren. Die Ärztin war weg.
Abends bin ich, wie immer, wenn ich nicht flüchtig mit Frauen quatsche, allein am Tanzen in der Disco. Da sehe ich sie, die Schöne, sie schaut mich an, vier Sekunden lang. Der Moment steht still. Ich bekomme multiple Orgasmen bei Ihrem scharfen Blick. Sie sieht mich an. Zuerst zickig mit Schmollmund, die Zeit vergeht nicht, dann verletzt etwas, dann verführerisch scharf. Dieser Blick hat mein Herz berührt. Meine Knie werden weich, sehr weich, ich kriege kaum Luft. Schnappe nach Sauerstoff und torkle zu ihr, Andrea meine Liebste und berühre sie leicht an den Schulten. Ein schöner Moment. Ich halte inne. Schon längt verzeihe ich ihr alles, sie berührt mein Herz, sie ist vogelfrei und ich Tor, bin so dumm wie nie zuvor.

Das Letzte was sie zur mir sagte, die schöne Andrea: Fick dich! Weil ich ihr den Abend versaut hätte mit meiner Eifersucht. Wer jetzt wohl spinnt, sei dahin gestellt. Wer hat wen gefickt? Und wer nicht. Fick dich, also ficke ich mich weg.
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Als Single dorthin zu gehen kann wundervoll sein. Doch so mit Dramen beschäftigt tanze ich, als würde niemand zuschauen. Der nächste Tag kommt bestimmt.

Gini in a Bottle. Meine Retterin in Not aus Hawai: Gini!
Gini in a Bottle. Meine Retterin in Not aus Hawai: Gini!
Chantal Genoud und Lucia Lommel
Chantal Genoud und Lucia Lommel
Fritz Cola und Jägermeister sind lesbian friendly.
Fritz Cola und Jägermeister sind lesbian friendly.

Samstag: Flirten mit der Flirtlehrerin
Ich verschlafe den Flirtworkshop und treffe in einer Bar Lucia Lommel, eine Schreiberin meines Blogs. Es regnet und ich hätte einen Wellness-Gutschein. Doch niemanden, mit dem ich ihn teilen könnte. Mein Spruch des Tages wird sein: Hello, I am desperate, are you single? Was ich ganz passend finde. Ich treffe noch auf Gini, eine Freundin aus Hawaii. Alle Lesben beschützen mich. Andrea aus dem Wege gehen, verzweifelt sein und feiern. So lerne ich die Flirtworkshopleiterin kennen, indem ich sie anflirte. Sie in meinem Hotelzimmer, ich immer noch verzweifelt. Nein keinen Sex! So bin ich gar nicht drauf. Lieber sich erbärmlich fühlen, trotz all den schönen Komplimenten. Alleine ausgehen, alleine tanzen, alleine heimkommen. Auf dem Rückweg Andrea und Anna sehen, ohne scharfen Blick. Ihnen aus dem Wege gehen.

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Sonntag: Züri, Züri, Züri
Um 6:30 Uhr bin ich wach und fühle mich noch immer ziemlich betrunken. Zum Frühstück gibt’s Lachs. Mit dem Hotel bin ich zufrieden. Ich packe meine Sachen und bin weg von hier, hab Rückenwind. Am Flughafen treffe ich die Stecherin von Andrea wieder. Wir quatschen ein wenig. Werden wir doch selig? In Zürich gelandet, treffe ich eine Schweizer Polizistin, mit der ich mir etwas erhofft habe an. Sie ist im Dienst. Und ziemlich sexy. Mein Mentor Adam holt mich ab und gibt mir Essen und Wertschätzung. Dann einen Korb der Polizistin erhalten, ach macht nix, Tinder funktioniert ja wieder.

Sie macht unter anderem Lesbenfilme.
Sie macht unter anderem Lesbenfilme.

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Da hatten locker 1500 Lesben und Bisexuelle Platz.
Da hatten locker 1500 Lesben und Bisexuelle Platz.

Fazit
Als Single oder mit Freunden ist die L-Beach aus kulturellen Gründen sehr zu empfehlen. Die Parties waren jetzt nicht so das Hauptding und manchmal frage ich mich, ob Lesben keinen Musikgeschmack besitzen. Als verzweifelter Single ist nur Schlaf und Zeit empfehlenswert, die habe ich nun wieder. Ohne Druck, weitere Frauen kennen zu lernen. Zuviel gesprochen, zu viel Unsinn getrieben, nichts klargemacht, zu viele Körbe bekommen, Körbe verteilt, es eilt, es eilt. Es hätte viel Spaß machen können und das hat es auch. Ich danke an Frauen wie Lucia Lommel oder Gini, die mir den Rücken deckten, mich zum Lachen brachten, und mich als Menschen sahen. Und an Andrea. Euch werde ich vermissen.

Herzlich grüßt aus der Schweiz, Chantal Genoud.



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