Kommentar / Rezension / Kolumne

Frage an lesbian chic

Beim Durchforsten der auf unserem Blog hinterlassenen Kommentare ist mir eine Rückmeldung von Monika aufgefallen. Monika hat auf den Artikel „Have Sex – Hate Sexism – oder wie?“ reagiert, und dabei unter Anderem folgende Frage gestellt: „Sind die Frauen, die eurem Beuteschema entsprechen die, die sich von dieser “Prominenz” (Anmerkung der Redaktion: unsere B-Prominenz aufgrund des Blogs) beeindrucken lassen und ein unbegründet narzisstisches Verhalten (Anmerkung der Redaktion: das Verhalten vom Baby-Schlumpf im Ausgang) gut finden oder starke Frauen, die euch nach solchen Aktionen ins Gesicht lachen und gehen?“ Dazu möchte ich gerne wie folgt Stellung beziehen:

Als Chantal mich vor nun knapp mehr als einem Jahr gefragt hat, ob ich mich aktiv an ihrem Blog beteiligen möchte, habe ich aus genau einem Grund zugesagt: weil ich prominent sein wollte. Ich stellte mir vor, zukünftig in Bars und Clubs gehen zu können, und dort sogleich von einem Rudel gut aussehender Fans umringt zu sein, eine hübscher als die Andere, eine heisse als die Andere, versteht sich. Groupie-Alarm pur – und ich, die prominente Szene-Bloggerin mittendrin. Ja, darum ging es mir. Darum habe ich angefangen zu bloggen. Und wirklich nur darum.

Die Realität, so stellte sich heraus, war und ist dann aber doch eine Andere – leider: Einerseits kennen doch circa 50% der Frauen, die ich antreffe, den Blog gar nicht. Das ist irgendwie schockierend und ernüchternd, gibt mir aber auch die Möglichkeit, Vergnügen und Business zu verbinden: So werbe ich denn KONSEQUENT BEI JEDER EINZELNEN BEKANNTSCHAFT für unsere tolle Seite, und bearbeite sie so lange, bis sie zu einer fleissigen Leserin wird. Die anderen 50% teilen sich wie folgt auf:

1. Die bekennenden Blog-Lover (circa 10%)

Die bekennenden Blog-Lover begegnen mir relativ selten, beziehungsweise geben sich selten als solche zu erkennen. Das kann daran liegen, dass sie …

a)      … sich nicht trauen, sich als bekennende Blog-Lover zu outen.

b)      … nicht an den gleichen Orten anzutreffen sind, wie ich.

Zu a): Irgendwie mutet es wirklich auch ein wenig komisch an, wenn eine Frau euphorisch auf dich zuhüpft und dabei kreischend „ich liebe deinen Blog, ich liebe deinen Blog, ich liebe deinen Blog!!!“ von sich gibt. In einer etwas dezenteren Form empfinde ich dieses Feedback aber als äusserst erfreulich und motivierend.

2. Die versteckten Blog-Lover (circa 20%)

Die versteckten Blog-Lover äussern ihre Begeisterung für unsere Arbeit nicht gleich von Beginn an, halten sich also zunächst etwas zurück. Dies wahrscheinlich deshalb, um sich nicht gleich von Anfang an uninteressant zu machen. Die Komplimente erreichen mich dann circa ein, zwei Tage nach dem Kennenlernen im Stile von: „Ach, übrigens, ich finde deinen Blog wirklich toll…“. Danke. Das geht runter wie Honig.

3. Die Angsthasen (circa 30%)

Die Angsthasen fürchten mich. Sie trauen sich deshalb auch nicht, mit mir in Kontakt zu treten, beobachten mich nur von weitem und sprechen über mich nicht lauter als im Flüsterton. Denn: ich könnte sie ja allenfalls in einem Artikel erwähnen, würden wir uns denn aufeinander einlassen. Und das hätte katastrophale Folgen, bin ich doch für meine diffamierende und herzlose Schreibe bekannt.

4. Die Indifferenten (circa 40%)

Den Indifferenten geht es peripher am Arsch vorbei, dass ich blogge. Dieses Thema wird konsequent von Anfang an und bis zum bitteren Ende ausgeklammert. Und für den Fall, dass ich über diese Personen einen Artikel verfasse, dann kann ich davon ausgehen, dass die Reaktion darauf eben keine Reaktion ist.

Fazit: Wenn ich mein Beuteschema darauf ausrichten würde, nur nach Frauen zu suchen, die sich von meiner „Prominenz“ blenden lassen, dann hätte ich wohl seit ich blogge kaum mehr jemanden kennen gelernt. Ich bin mit dir, liebe Monika aber einig, dass das Verhalten des Baby-Schlumpfs, beschrieben in besagtem Artikel, wahrlich alles andere als lady-like und niveauvoll war. Andererseits ist die Frau in blau an diesem Abend ja alleine nach Hause – was aufzeigt, dass sich ein solch arschiges Verhalten eben NICHT auszahlt (wie herrlich moralisch!). Weiter hoffe ich ganz fest und für mich persönlich, dass mich nicht alle Leserinnen in dieselbe Schublade wie den Baby-Schlumpf stecken, sodass ich meine weisse Weste weiterhin unbefleckt tragen kann.

In diesem Sinne: Vielen Dank, liebe Monika, für deine interessante Anregung.

Und: Falls es weitere Fragen gibt, die euch auf der Zunge brennen, dann haut in die Tasten! Wir nehmen uns sehr gerne die Zeit, um darauf zu antworten…



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