Ausgangszene Schweiz

Brot lädt ein: Istanbul. Der Review

Was hatten wir uns auf diese Brot-Sause gefreut – und deshalb im Vorfeld auch einen adäquaten Start in die Party-Nacht zelebriert. Ob sich der Besuch gelohnt hat, wer dort anzutreffen war, und welche crazy Shows es dieses Mal zu bestaunen gab, lest Ihr im Folgenden.

Stimmüng

Wer macht die Party? Natürlich das Party-Volk. Und das sollte im Vorfeld schon tüchtig in Stimmung gebracht werden. Deswegen liessen wir an diesem wundervoll schwül-warmen Frühlingsabend schon vor der eigentlichen Sause gebührend die Sekt-Korken gen Sternenhimmel knallen, belästigten unsere Nachbarn mit wummernden elektronischen Bässen und fieberten gebannt der nächsten Edition der legendären Brot-Partyreihe entgegen. Gegen 23:30 Uhr beschlossen wir, uns langsam in die ehrwürdigen Gemächer des Cabarets zu begeben –  und beorderten zwei Chauffeure. Die beiden Herren werden wohl bereits zu diesen frühen Stunden das Highlight ihrer langen Arbeitsschicht erlebt haben: 8 heisse Frauen, die schon auf dem Weg zum Fest der Feste ihre Hüften, wenn auch sitzend, kreisen liessen und freudige Jubelschreie ausstiessen. Das konnte ja heiter werden!

In da Clüb

Heiter war ich denn anfangs auch: zu meinem Erstaunen gab es nämlich keine kilometerlange Schlange vor dem Eingang des Cabarets. Gutes Timing, dachte ich mir. Vor allem, als ich die vielen Frauen, die zahlreich erschienen coolen Lesben, das who-is-who der Szene (unter anderem war auch Anne Clark inklusive Bodyguard zugegen), die sich im Outdoor-Bereich angeregt miteinander unterhielten, an ihren Zigaretten zogen und ihre Drinks kippten, sah. Als ich dann aber den Club betrat, machte sich ziemliche Ernüchterung breit: Drinnen herrschte nämlich gähnende Leere. Also schnappten wir uns einen ersten Durstlöscher (oder je nachdem –Auslöser), und taten es der Menschenmenge gleich: wir gingen nach draussen, um zu quatschen und unsere Lungen zu ruinieren. Versteht mich nicht falsch, ich fröne diesen beiden Beschäftigungen wirklich äusserst gerne, aber: das ist nicht meine Definition von „Party machen“. In Anlehnung an frühere Veranstaltungen der Bäckerinnen hatte ich mich auf schwitzende und sich ekstatisch bewegende Frauen, die die Tanzfläche rocken, sich völlig verausgaben, hemmungslos miteinander flirten, ihre Körper an aneinander reiben, wilde Zungenküsse austauschen, und sich an den heissen Shows ergötzen und aufgeilen gefreut. Doch dieses Mal: Fehlanzeige.  Auch zu späterer Stunde.

C-A-F-F-E-E, trink nicht zu viel Kaffee

Aufgrund der Party-Verweigerungshaltung der Gästinnen sprang der berühmt berüchtigte Funke nämlich nicht über. Wobei der Anlass, das muss an dieser Stelle leider gesagt werden, auch etwas lieblos daherkam: Dekor, das zur Gast-Stadt „Istanbul“ gepasst hätte, wurde ebenso sehnlichst vermisst wie ein allfälliger orientalischer Einfluss auf die Musik. Es fehlte die Liebe zum Detail, zum Unkonventionellen, zum Kreativen, einfach das gewisse Etwas, das die vorherigen Brot-Partys eben ausgemacht hatte. Der Live-Act, ein Mann mit Schnurrbart, war zwar gut und witzig, aber halt nicht wirklich fesselnd oder geschweige denn sexy. Es war mittlerweile gegen 2 Uhr in der Früh, und mein Körper hätte sich am liebsten auf einer Bank entfaltet und in den Schlaf-Modus begeben. Also sagte ich mir: give it a Shot. Wenn ich die Sause dann noch immer besser finde, dann kapituliere ich und geh heim. Das Wässerchen haute dann zwar richtig gut rein, dummerweise hatte er aber auch die ziemlich unangenehme Nebenwirkung, dass mein ganzer Mund voller Kaffee-Satz war. Aus dem hab ich dann aber immerhin mit meiner Zunge herauslesen können, dass es wohl nichts mehr wird mit der Party des Monats. (Learning an die Bar-Frauen: Kaffee-Geschmack im Ex-und-Hopp-Getränk verbreitet zwar eine durchaus interessante Note im Gaumen, diese sollte in Zukunft jedoch auf andere Weise erzeugt werden. Danke.)

Kick ass, ladies!

Jene Kolleginnen, die noch weiter im / vor dem Club weilten, und sich am Folgetag auch noch an das Geschehen erinnern konnten, teilten mir auf Anfrage mit, dass ich nach meinem frühen Abgang absolut nichts verpasst hatte – was ich wirklich schade finde. Ich hätte euch und mir eine verrucht gute Nacht gewünscht. Deswegen hoffe ich wirklich sehr, dass mit der nächsten Brot die „geile-Party-Tradition“ wieder zelebriert wird, die Gästinnen ihren Beitrag dazu leisten, und die Veranstalterinnen sich nicht auf vergangenen Lorbeeren ausruhen. Es wäre schade, wenn die beste Fete, die Zürichs Frauenszene weit und breit zu bieten hat, zu einer belanglosen blabla-und-paff-paff-Veranstaltung verkümmern würde.



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2 Comments

  1. 19. Mai 2012 at 10:32

    Ach, wirklich? ;-)

  2. zora
    18. Mai 2012 at 9:13

    Das war nicht Anne Clarks Bodyguard, sondern die DJane, mit der sie am Mittwoch auch in der Heldenbar aufgelegt hatte!

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