Ausgangszene Schweiz

Review – Gossip @ Kaufleuten Zürich

Wenn wir (meine Freundin und ich) für eine Party nach Zürich fahren, ist das schon ein Statement für sich. Nicht, dass ich die Parties in Zürich nicht mag. Ganz im Gegenteil. Als ich noch jung und single war, traf man mich da regelmässig an.  Aber seit ich mit meiner Liebsten- so ganz spiessig – eine hübsche Wohnung auf dem Land bezogen habe, ist „Party in Zürich“ gleich „90 Minuten Anfahrtsweg und Hotelzimmer bezahlen“. Für eine mittelmässige Ladiesnight nehme ich das definitiv nicht auf mich. Aber Gossip versprach was: Exklusive Location und exklusive Organisatorinnen. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen, und so machten sich die Berner Landbewohnerinnen auf den Weg ins ferne Zürich City.

Für die Nacht im Kaufleuten und als Vertreterinnen von Lesbian Chic putzten wir uns so richtig raus. Chantal überliess uns freundlicherweise ihre Wohnung und so reisten wir gemütlich mit dem Auto nach Oerlikon und von da mit der Tram in die Innenstadt. Wir waren noch etwas früh dran, darum machte ich meine Freundin mit dem Barfüsser bekannt. Bei leckeren und hochprozentigen Cocktails und etwas Sushi gab es noch LGBT-Geschichtsunterricht: Der Barfüsser war früher DAS Szenelokal für unsere Community. Heute ist der Barfüsser eine chice Sushi-Bar. Er zieht immer noch die ein oder andere frauenliebende Frau an, aber als Lesbentreffpunkt dient er definitiv nicht mehr.

Auf einen Moscow Mule im Barfüsser
Auf einen Moscow Mule im Barfüsser

Zu Fuss gings dann ins Kaufleuten. Ich trug ein paar meiner schönsten Stiefel… mit 10cm Heels, was sich auf nassem Kopfsteinpflaster als wenig vertrauenserweckend herausstellte. Aber was tut man nicht alles, um toll auszusehen. Schliesslich wollten wir ins Kaufleuten und würden dort auf die Ex-Miss Schweiz Dominique Rinderknecht und ihre Freundin, das Topmodel Tamy Glauser, treffen.

Im Kaufleuten angekommen, spottete ich noch, wir seien sicher die ersten. Die Party begann um 23.00 Uhr und wir waren bereits um 23.15 Uhr da. Wir stöckelten einmal rund ums Haus zum Eingang der Lounge, gaben den Mantel ab und liessen uns am Eingang von einer blonden Schönheit begrüssen. Dann gings rein in die edlen Gemäuer. Die Ersten? Bei weitem nicht. Mindestens 50 Frauen waren schon da.  Sie standen an der Bar, an den Stehtischen und am Eingang im Weg. Ich zwängte mich zwischen zwei Damen durch und stand direkt vor Tamynique (Dominique und Tamy). Sie waren umringt von Bekannten, Freunden und wohl auch einem Haufen fremder Menschen. Sie lächelten artig, begrüssten hie und da jemanden mit einer Umarmung oder Küsschen und posierten geduldig für Selfies. Meine Freundin wollte sich gleich hinten anstellen. Ich nicht. Mich zogs zur Bar.

Die Bar in der Kaufleuten Lounge
Die Bar in der Kaufleuten Lounge

Mein erster Eindruck von der Party: Wow. Eine kleine aber sehr feine Location. Stylischer – aber für Highheels total unpraktischer – alter Holzboden, rote Polstermöbel, Stehtische, die Bar voller Shots und gegenüber ein Buffet mit Käse, Fleisch, Früchten und Süssigkeiten. „Bitte bedient euch!“, forderte uns die freundliche Barmaid auf. Aber gerne doch. Hungrig waren wir nicht mehr, aber Süssigkeiten naschen und Shots kippen geht immer. So erstaunt es nicht, dass wir schon um Mitternacht ziemlich gut drauf waren. Und die Lounge füllte sich auch langsam. Die ersten tanzten vor dem DJ, der eine gute Auswahl an aktuellen und etwas älteren – aber immer noch bekannten – Charts-Hits mixte.

Da war die Tanzfläche noch leer. Blieb nicht lange so.
Da war die Tanzfläche noch leer. Blieb nicht lange so.

Wir nutzten die Zeit, uns in Ruhe überall umzusehen. Bei den Sitzgelegenheiten trafen wir wieder das Promipärchen Tamy & Dominique, die händchenhaltend und lachend in einem Nebenzimmer verschwanden. Dass die beiden verliebt und zufrieden sind, war sicht- und spürbar. Kein Wunder, sie kamen gerade von einer Woche Urlaub in Afrika. Das sagen zumindest ihre Instagram Accounts. Vor der Party „mussten“ die beiden Szenies aber noch an die Energy Fashion Night. Tamy präsentierte dort einen Teil der Modeshow. Von dort hatte sie auch ihren Hairstyle – erzählte mir auch Instagram. Sorry Tamy, aber es sah aus, als hättest du einen Pudel auf dem Kopf. Gecreppte Haare, die sich unmöglich bändigen liessen. Dazu trug sie ihren gewohnten Tomboy-Style: Weite Hosen, grobe flache Schuhe, weites ärmelloses Shirt, das den Blick auf ein Bustier freigab. Figurbetont und feminin? Nein, so läuft Tamy in ihrer Freizeit nicht rum. Auch Dominique scheint seit ihrer Beziehung zu Tamy einen légèreren Kleiderstil zu pflegen. Zwar trug sie Skinny-Jeans und Schuhe mit wenig Absatz, aber auch die waren eher klobig und ihr Oberteil war ein weites, ärmelloses Baumwollshirt, das den Blick auf ein Bustier freigab. Geschminkt war sie nur dezent und die Frisur wirkte undone. Einzig ihr hübsches, strahlendes Gesicht liess vermuten, dass es sich hier um eine ehemalige Miss Schweiz handelt.

Tamynique an der Energy Fashion Night - direkt vor der Gossip Party
Tamynique an der Energy Fashion Night – direkt vor der Gossip Party

 

So genug getratscht. Auch wenn das Partyformat „Gossip“ [englisch für „Klatsch] heisst, soll es eine Review über die Party, und nicht über Promipaare, sein. Ja die Party, wie fanden wir sie? Wir fanden sie absolut gelungen. Verglichen mit einer Women-only Party, wie sie Zürich sonst kennt, war Gossip relaxt. Das fiel sowohl mir und meiner Freundin auf: Kein Zickenkrieg und kein Konkurrenzkampf. Die Frauen tanzten, redeten, flirteten, lachten, tranken, waren gelöst und locker. Das Publikum war fast ausschliesslich weiblich und zwischen 20 und 45 Jahre alt. Sie trugen Jeans und Lederjacken, Hemden, Kleidchen, bauchfreie Tops und Muscelshirts. Sie trugen Undercut und Wallemähne. Es waren Lesben, Heteras, Bi-Frauen, Singels und Paare. Manche kannten wir von anderen Parties, viele kannte ich von kulturellen Anlässen oder gar nicht. Die Musik war (zumindest bis 01.30 Uhr, dann machten wir uns aus dem Staub) tanzbarer Chart- und Elektro-Mix. Ideal, um in der Sitzecke zu quatschen, hinter den Säulen zu knutschen oder auf den Dielen zu tanzen.

The Crowd. Foto von Dominique Rinderknechts Instagram Account
The Crowd. Foto von Dominique Rinderknechts Instagram Account

Auch wenn unser Gastspiel an der Gossip nur kurz war (weil wir eine mörderische Woche hinter uns hatten), hat sich die lange Anreise gelohnt. Während ich die letzten Frauenparties jeweils mit dem Gefühl verliess, mit 29 Jahren und nicht-Single einfach zu alt für den Zirkus zu werden, verliessen meine Freundin (35 Jahre) und ich die Gossip mit dem Gefühl, wieder eine Party zu haben, die wir regelmässig besuchen können.

Darum unser Appel an Sarah Atrak, Tamy Glauser, Dominique Rinderknecht und die Kaufleuten-Crew: Lasst das nicht die Einzige Gossip gewesen sein! Wir, die frauenliebenden Frauen, die etwas höhere Ansprüche an Location, Musik und Mit-Feiernde stellen, haben auf eine Party wie die Gossip vom 6. Mai 2017 gewartet.



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