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Endlich gibt es repräsentative Zahlen, die das Ausmaß und auch die Hintergründe von Gewalt gegen Lesben ansatzweise greifbar machen.
Die EuroCentralAsian Lesbian Community hat Daten und Fakten zusammengetragen, die von 50 verschiedenen LGBTIQ-Vereinigungen zwischen 2019 und 2022 gesammelt wurden. Zusätzlich dazu wurde unter EL*C Mitgliedern eine Umfrage durchgeführt. Das Ergebnis soll einerseits die Verbreitung lesbenfeindlicher Straftaten abbilden. Darüber hinaus werden auch der Zugang zu Hilfsangeboten, das Verhalten der Justiz und die Einstellung der Gesellschaft gegenüber Lesben untersucht.
Hier geht’s zum vollständigen Observatory of Lesbophobia. Die Kernaussagen fassen wir für dich in diesem Artikel zusammen.

Die EuroCentralAsian Lesbian Community, abgekürzt EL*C, ist ein Netzwerk lesbischer Feministinnen in Europa und Zentralasien. 2017 entstand die EL*C als selbstorganisierter Raum, um den Bedürfnissen von Lesben in Bezug auf Rechte, Sichtbarkeit und Wohlbefinden gerecht zu werden.
Hintergrund: Auf der ILGA Europe-Konferenz 2016 in Zypern fand erstmals seit Jahren ein spezifischer Workshop für Lesben statt. Über 70 lesbische Aktivistinnen aus ganz Europa kamen zusammen und erkannten, dass es trotz vieler Unterschiede in den europäischen Lesbenbewegungen einen gemeinsamen Bedarf gibt, sich auf die Bedürfnisse und die überall präsente Unterdrückung von Lesben zu konzentrieren, ihre Sichtbarkeit zu stärken und Netzwerke auszubauen.
„EL*C verwendet den Begriff ‚lesbisch‘ für cis-, trans- und intersexuelle Frauen sowie für nicht-binäre Personen, die sich selbst als lesbisch, bisexuell und queer bezeichnen.“
Observatory of Lesbophobia 2019-2022, Seite 3
Im Observatory of Lesbophobia werden 3 soziale Faktoren genannt, die besonderen Nährboden für Hass gegen Lesben bieten:
1 – Lesben brechen mit der heteronormativen Auffassung von „weiblichen“ und „männlichen“ Geschlechterrollen.
2 – Die weibliche Sexualität wird von Männern in vielen Bereichen objektifiziert und vereinnahmt. Lesben entsprechen nicht der Erwartung, für Männer „verfügbar“ zu sein.
3 – Durch ihre sexuelle Orientierung fordern Lesben die Gesellschaft heraus, weit verbreitete Tabus zu hinterfragen.
Die Informationen, die im Observatory of Lesbophobia analysiert und interpretiert werden, stammen von lokalen Mitgliedsorganisationen der EL*C aus Italien, Bulgarien, Portugal, Serbien, Kasachstan, Spanien, der Ukraine, Belgien, Ungarn, Frankreich, Rumänien, Russland, Deutschland und Luxemburg.
Nicht nur allgemeine Daten wurden erfasst, sondern auch einzelne Vorfälle, die in den Medien publik gemacht oder dem EL*C Netzwerk gemeldet wurden. Eine Liste dieser Fälle ist dem Report beigefügt und macht die geneigte Leserin mitunter sehr betroffen.
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40% der Anfeindungen, die im Observatory ob Lesbophobia erfasst werden, kamen an öffentlichen Orten vor. Von den Opfern, die Lesbenfeindlichkeit in der Öffentlichkeit erleben mussten, waren 68% als Paar unterwegs.
In vielen Fällen kam es zu gewaltsamen Attacken, nachdem die Betroffenen sich trotz Aufforderung geweigert hatten, sich vor Männern zu küssen, sie zusehen oder „mitmachen“ zu lassen.
Zudem wurden mehrere Lesben angegriffen, weil ihre Kleidung und ihr Ausdruck als „zu männlich“ wahrgenommen wurden. Anscheinend wollten die Täter ihr Revier markieren, indem sie sich darauf beriefen, dass Frauen, „die wie Männer aussehen, auch wie Männer kämpfen“ sollten.
Covid-19 hat die Situation potenziell verschärft, weil an öffentlichen Orten weniger Menschen, die Gewalttaten hätten bezeugen oder verhindern können, unterwegs waren. Das könnte die Hemmschwelle von Aggressor:innen, Frauen an öffentlichen Orten anzugreifen, weiter gesenkt haben.
Personen, die an Demonstrationen teilnehmen und öffentlich für LGBTIQ-Rechte eintreten, werden ebenfalls häufiger Opfer von verbalen und handgreiflichen Angriffen. Die gezielte Gewalt gegen Aktivist:innen wird häufig von rechten Gruppierungen geplant und verübt.

Gewalttaten durch Familienmitglieder oder (Ex-)Partner werden laut EL*C häufig mit dem Ziel verübt, die Familienehre wiederherzustellen, die durch die lesbische Frau „beschmutzt“ worden sei.
Beispiel gefällig? In Italien wurde eine Frau von ihrem Bruder bei einem Verkehrsunfall getötet. Er habe ihr „eine Lektion erteilen“ wollen, weil sie von ihrem Trans-Partner „infiziert“ worden sei.
In Italien wurde 2019 ein Fall bekannt, in dem ein lesbisches Mädchen zwei Jahre lang von seiner Familie gefangen gehalten und durch den Vater sexuell missbraucht worden war, mit dem Ziel, ihre sexuelle Neigung zu „korrigieren“.
Eine Studie aus Frankreich zeigte 2020, dass junge queere Mädchen doppelt so häufig von Gewalt betroffen sind wie queere Jungs, und dreimal häufiger als heterosexuelle Mädchen.
Verbrechen, die lesbische Frauen von ihren eigenen Familien erdulden müssen, sind unter anderem Beleidigungen, Freiheitsberaubung, körperliche und sexuelle Gewalt, bis hin zu Ehrenmorden. Nicht wenige werden auch von ihren Familien verstoßen und dadurch obdachlos.
Auch in diesem Fall hat Covid-19 die Situation verschärft. Viele Frauen, insbesondere in der Altersgruppe unter 25 Jahren, waren gezwungen, zu ihrer Familie zurückzuziehen. Im Lockdown hat man schlechte Chancen, der allgegenwärtigen Feindseligkeit seiner eigenen Familienmitglieder zu entkommen. Die Anzahl der Gewalttaten gegenüber lesbischen jungen Frauen nahm in dieser Zeit deutlich zu.
Die EuroCentralAsian Lesbian Community schreibt dazu (übersetzt):
„Wie oben erläutert, ist ein wesentlicher Aspekt der Lesbenfeindlichkeit die weit verbreitete Überzeugung, dass Frauen, die keine sexuellen Beziehungen zu Männern eingehen, ‚krank‘ und ‚abnormal‘ seien und dass nur die Einbeziehung von Männern ein ‚gesundes‘ Sexualleben gewährleistet.“
Observatory of Lesbophobia 2019-2022, Seite 17
Weiter heißt es im Bericht:
„Aus diesem Grund scheinen Frauen, die nicht heterosexuell sind, besonders häufig sexuellen Formen von Gewalt ausgesetzt zu sein. In der LGBTI-Erhebung der FRA (2020) waren etwa 40 % der Fälle von Gewalt gegen lesbische und bisexuelle Frauen sexuelle Angriffe oder enthielten ein sexuelles Element, während diese Quote bei schwulen und bisexuellen Männern bei etwa 23 % liegt.
Observatory of Lesbophobia 2019-2022, Seite 17
In der FRA-Erhebung über Gewalt gegen Frauen (2015) berichteten 78 % der nicht-heterosexuellen Frauen über Fälle von sexueller Belästigung, verglichen mit 55 % der heterosexuellen Frauen. Folglich geht die ‚Heilung‘ oder ‚Korrektur‘ der sexuellen Orientierung einer Lesbe oft mit direkter sexueller Belästigung einher und nimmt in den schlimmsten Fällen die Form einer sogenannten ‚korrektiven‘ Vergewaltigung an.
Korrektive Vergewaltigung ist definiert als ein Hassverbrechen, bei dem eine oder mehrere Personen aufgrund ihrer wahrgenommenen sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität vergewaltigt werden.“
Datensätze, die in Österreich und Irland gesammelt wurden, zeigen, dass 28% der Lesben online Ziel von Hasskommentaren werden, die sich explizit gegen ihre sexuelle Identität richten.
Im Vergleich dazu: „Nur“ 10% der heterosexuellen Frauen scheinen davon betroffen zu sein.
Laut EL*C ist Online-Gewalt häufig ein Aspekt von gezielter Hetze, Diffamierung und Bedrohung, die sich auch offline durch sämtliche Lebensbereiche zieht. Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, wie zum Beispiel Journalistinnen, Politikerinnen und Influencerinnen, sind stärker gefährdet.

Unter allen Mitgliedern der LGBTIQ-Gemeinschaft weisen lesbische und bisexuelle Frauen die geringste Melderate von Belästigungen, körperlicher und sexueller Gewalt auf. Das bedeutet, sie zeigen die Straftaten, die ihnen widerfahren, nur selten an. Insbesondere in Ländern, in denen die Opfer fürchten müssen, von der Polizei stigmatisiert zu werden, ist die Dunkelziffer begangener Straftaten sehr hoch, weil sie nie zur Anzeige kommen.
Erschwerend hinzu kommt, dass Hasstaten gegen Lesben oft nicht als solche erkannt und, wenn überhaupt, mit einem geringeren Strafmaß geahndet werden, als angemessen wäre.
Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass sie das Rechtssystem in ihrer Region für voreingenommen halten und keine Hilfe oder Gerechtigkeit erwarten, sollten sie Opfer einer lesbenfeindlichen Straftat werden.
Die Umfrage ergab auch, dass die meisten Hilfs- und Betreuungsangebote für Opfer anscheinend nicht auf die spezifische Situation lesbischer Frauen ausgelegt sind.
„Sie [die Opfer, Anm. der Redaktion] beobachteten eine Tendenz, die Bedeutung der sexuellen Orientierung herunterzuspielen, wenn der Dienst auf die Unterstützung von weiblichen Opfern geschlechtsspezifischer Gewalt spezialisiert war, und umgekehrt die Rolle der Frauenfeindlichkeit bei der Gewalt herunterzuspielen, wenn der Dienst auf die Unterstützung von LGBTI-Personen spezialisiert war.“
Observatory of Lesbophobia 2019-2022, Seite 12
Das heißt: In den Augen der Gesellschaft ist die Identität lesbischer und bisexueller Frauen noch immer gespalten. Entweder werden wir als queer wahrgenommen oder als weiblich. Es ist aber wichtig, beide Eigenschaften miteinander in Einklang zu bringen. Häufig entspringen Gewalttaten nämlich sowohl einem misogynen als auch schwulenfeindlichen Motiv.
In den Medien wird laut EL*C Umfrage selten differenziert, ob ein Gewaltverbrechen sich gegen die sexuelle Identität des Opfers richtete. Bei der Berichterstattung konzentrieren Journalist:innen sich oft allgemein auf Gewalt gegen Frauen und lassen dabei außer Acht, ob eine homophobe Komponente mit im Spiel war. Für die breite Öffentlichkeit bleiben queere Opfer unsichtbar.
Schockierend: 72% gaben bei der Umfrage an, dass die Politiker:innen ihres Landes Hassreden gegen Frauen und Angehörige der LGBTIQ-Gemeinschaft vom Stapel lassen können, ohne dafür Konsequenzen fürchten zu müssen.
Wenn der öffentliche Tenor einerseits sexistisch und misogyn ist und sich dazu auch noch eindeutig gegen Diversity richtet, müssen wir uns nicht wundern, dass die Gewaltbereitschaft gegen lesbische Frauen ansteigt.

Wenn es in der Wahrnehmung der Gesellschaft keine Gewalt gegen queere Frauen gibt, wie sollen lesbische Opfer dann Hilfe und Gerechtigkeit bekommen?
Lesbische Trans-Menschen und Lesben mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung werden in Krankenhäusern und Arztpraxen häufiger Opfer von Diskriminierung und unangemessener Behandlung. Dementsprechend steigt das Misstrauen gegenüber medizinischem Personal und die Angst vor der Vorsorgeuntersuchung. Das führt dazu, dass Opfer seltener Hilfe in Anspruch nehmen und sogar notwendige Behandlungen ausschlagen.
In Deutschland berichteten viele Umfrageteilnehmer:innen, dass sie sich von ihrem Arzt oder ihrer Ärztin nicht ernstgenommen oder diskriminiert fühlten. Manche verweigerten ihren Patient:innen sogar die Untersuchung, nachdem diese ihre sexuelle Identität offengelegt hatten.
Ein weiteres Problem, auf das EL*C aufmerksam macht: Zwar wird Geschlechtsverstümmelung bei Mädchen als Straftat wahrgenommen, aber niemand spricht über die Folgen der Beschneidung bei lesbischen Frauen und Trans-Männern. Infolgedessen erfahren diese Betroffenen meist weniger bis keine psychologische und medizinische Hilfe.
Der EL*C Report untermauert, warum Sichtbarkeit und Akzeptanz für Lesben so wichtig und buchstäblich lebensrettend sind! Endlich haben wir halbwegs konkrete Zahlen, mit denen wir argumentieren können.
Eine wichtige Erkenntnis, die der Community schon längst klar sein dürfte, die aber auch Zweifler:innen endlich verstehen müssen: Gewalt gegen Lesben wurzelt tief in Frauenfeindlichkeit und Homophobie. Ja, auch cis-Menschen werden Opfer von Straftaten, aber die Motive dahinter unterscheiden sich. Dementsprechend müssten auch Präventions- und Hilfsmaßnahmen anders aussehen.
Was lernen wir noch daraus? Netzwerke sind wichtig! LGBTIQ-Vereinigungen, die trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten eng zusammenarbeiten, ermöglichen den Austausch von Informationen und Hilfsangeboten. Ohne die EL*C als Dachorganisation wären die vorliegenden Zahlen wohl nicht zusammengetragen worden.
Anhand der Gemeinsamkeiten vieler Fälle lassen sich außerdem Rückschlüsse auf die Motive und Strategien der Täter:innen ziehen.
Zwar befasst der Report der EL*C sich nicht explizit mit der Fragestellung, wer die Täter:innen sind. Jedoch legen die Liste der Einzelfälle und die Schilderung häufig wiederkehrender Szenarien nahe, dass die Mehrheit der Straftaten von Männern begangen worden sein könnten. Es wäre sicher interessant, dieser Frage detaillierter nachzugehen.
Trotz der hervorragenden Arbeit der EL*C, ist der Report natürlich bei Weitem nicht vollständig. Er kann nur den Teil der Fälle von Lesbophobie abbilden, die von den Mitgliedern gemeldet oder in den Medien publik werden. Das sollte man bei der Interpretation des Observatory of Lesbophobia im Hinterkopf behalten.
So wurden beispielsweise aus Russland deutlich weniger Fälle gemeldet als aus Frankreich oder Italien. Das entspricht wahrscheinlich nicht der Wirklichkeit, sondern ist schlicht darauf zurückzuführen, dass die Berichterstattung der Medien einseitig ist, Betroffene aus Angst häufiger schweigen und die Organisationen in Russland weniger Kapazität für die Dokumentation haben als anderswo.
Der Bericht misst lediglich die Spitze des Eisbergs und lässt erahnen, wie hoch die Dunkelziffer tatsächlich sein könnte.
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]]>Im Teil eins haben wir uns ausführlich der Homophobie gewidmet und Folgendes herausgefunden: die Mehrheit schwulenfeindlich eingestellter Männer hat homoerotische Neigungen, unterdrückt diese aber.
Wie sieht es mit uns Frauen aus? Sind Frauen grundsätzlich lesbisch veranlagt? Und wieso wirken Lesben wie ein rotes Tuch auf das patriarchische Fundament?
Was die Identität betrifft, sitzen Frauen und Männer im selben Boot. Wir werden ständig mit Rollenbildern konfrontiert, deren Nachahmung wir uns verpflichtet fühlen. Sei es, weil wir sie nicht hinterfragen, sei es, weil wir dazugehören wollen oder dazu erzogen wurden.
Auch in Beziehungen gibt es Klischees, die so verbreitet sind, dass wir sie als selbstverständlich annehmen. Vom Mann als Versorger und Familienoberhaupt und der Wäsche waschenden, kochenden Hausfrau und Mutter, die ihrem (Ehe)Partner den Rücken stärkt, will die junge Generation inzwischen nichts mehr wissen. Dennoch hält die Mehrheit an heterotypischen, binären Merkmalen fest. Zwar sind sie subtiler, aber nach wie vor in unseren Wertvorstellungen verankert. Während Männer sich als dominante und allzeit potente Alphamännchen und Beschützer inszenieren, neigen Frauen dazu, sich eben diesem Typ Mann anzupassen, ihn komplementieren zu wollen
In lesbischen Beziehungen tritt dieses Ungleichgewicht seltener auf.
„Im Patriarchat verlieren alle.“
Ilan Stefani
Der Mann leidet darunter, seine Rolle des immer Starken ausfüllen zu müssen. Wiederum läuft die Frau Gefahr, ihr eigenes Licht unter den Scheffel zu stellen, wenn sie sich ihm (bewusst oder unbewusst) unterordnet. So fordern beide die Einhaltung der gegenseitig auferlegten Rollenerwartungen, und je mehr sie dafür opfern, desto schwerer fällt es ihnen, davon loszulassen.

Das hat Folgen für unsere Sexualität. Frauen in heterosexuellen Beziehungen erleben Sex häufiger passiv als etwas, das ihnen geschieht. Sie werden geliebt, werden verführt, geben sich hin. Während er unter dem Druck steht, seine Potenz auf Abruf unter Beweis zu stellen, muss sie sich nachsagen lassen, man müsse sie zum Sex erst überreden. Schließlich will keine Frau als Schlampe gelten.
Lesben durchbrechen dieses Stigma, indem sie aktiv begehren und verführen. Auch sind lesbische Paare meinst finanziell voneinander unabhängig und können dementsprechend ausgeglichenere Beziehungen auf der Basis von Freiheit und Autonomie führen.
Ausgehend davon wird klar, wieso Lesben dem Klischee nach als maskulin gelten. Das eigene Begehren gut zu kennen, es zu zeigen und im richtigen Moment die Initiative zu ergreifen, das wird eher mit männlichem Verhalten assoziiert.
In Teil 1 haben wir bereits untersucht, dass starken emotionalen Reaktionen, Homophobie und Aggression, oft unterdrückte Bedürfnisse zugrunde liegen. Dies gilt ebenso für Lesbophobie. Der Begriff bezeichnet „die Angst von Frauen vor der Liebe zu anderen Frauen, ebenso wie die Angst von Männern, nicht von Frauen geliebt zu werden“ (Cynthia Petersen, Universität Ottawana).
Eine Studie der Universität von Essex gipfelte in der Behauptung, alle Frauen seien ihrer Veranlagung nach homo- oder bisexuell. 74% der Probandinnen, die sich als heterosexuell definierten, zeigten starke Erregung beim Betrachten erotischen Videomaterials, das Lesben beim Liebesakt oder Frauen zeigte, die sich selbst befriedigten.

Lesbische Teilnehmerinnen reagierten dagegen kaum erregt auf Hetero-Sex und den Anblick männlicher Geschlechtsteile.
Das erklärt, ausgehend von unseren Erkenntnissen in Teil 1, wieso es lesbophobe Frauen gibt: wo Selbstbild und sexuelle Neigung auseinanderklaffen, entsteht ein innerer Konflikt, der sich durch eine emotional geladene Abwehrhaltung äußert.
Männer können lesbophobes Verhalten an den Tag legen, wenn ihr patriarchisches Geschlechterbild mit lesbischer Unangepasstheit kollidiert. Der Penis und seine Relevanz für die weibliche Lust genießen eine absolute Überbewertung, die sich selbstverständlich kein Mann, der sich stark mit seiner Hetero-Rolle identifiziert, gern vor Augen führen lässt. Eine Lesbe, die für ihre gefühlte und sexuelle Vervollkomnung keinen Mann benötigt, tut das aber zwangläufig.
Ladys, niemand weiß besser als wir um die Komplexität und Einzigartigkeit unserer Sexualität. Verführt oder lasst Euch verführen, seid aktiv oder passiv, tragt Hosen oder Röcke, seid traditionell oder unkonventionell – völlig egal. Solange Ihr Euch damit wohlfühlt, zählt kein schiefer Blick und kein schlechtes Argument. Durch das Ausleben Eurer Freiheit bestärkt ihr die Freiheit eines jedes einzelnen. Ihr macht alles goldrichtig!

Nur dadurch können wir Intoleranz und Homophobie wirksam bekämpfen. Wenn wir uns selbst erlauben, zu lieben wen und wie wir wollen, Lust zu haben, selbstbewusst zu sein und Anderen die gleiche Erfüllung zu gönnen, geht es uns allen besser. Wir können dafür sorgen, dass Generationen von Lesben nach uns von Diskriminierung verschont bleiben, indem wir unsere Kinder tolerant erziehen und ihnen beibringen, auf sich selbst und den eigenen Körper stolz zu sein.
Sich von homophoben Sprüchen nicht persönlich beleidigt zu fühlen, sondern ihnen mit dem größtmöglichen Mitgefühl zu begegnen, ist eine Herausforderung. Aber auch die einzige Chance auf wirkliche, langfristige Veränderung. Und vielleicht helft Ihr damit einem Menschen, der durch Euch erkennt, dass er sich nicht länger selbst verleugnen muss.
Jemand, der sich homophob verhält, erbringt dadurch den eindeutigen Beweis, dass er ein Problem hat. Ein Problem, das mit Euch in keinerlei Verbindung steht und an dem Ihr keine Schuld tragt. Die meisten pöbeln aus innerer Unzufriedenheit. Viele davon nur dann, wenn sich ihnen die Gelegenheit bietet, anonym zu bleiben. Stichwort Internet.
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