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Carmen Maria Machado, US-amerikanische Autorin mit kubanischen Wurzeln, war in einer von Manipulation, Gewalt und Tränen geprägten Beziehung gefangen und setzt sich in ihrem stark biografisch gefärbten Roman Das Archiv der Träume (amerikanischer Titel: In The Dream House) damit auseinander. Der Erfolg ihres Buches zeigt, wie groß das Interesse am Thema und der aufgestaute Leidensdruck dahinter offenbar sind.

Machado schafft es, tief persönliche Momente zu einer meisterhaften Collage zu vereinen. Sie schreibt in der Du-Form an ihr früheres Ich. Jenes Ich, das in einer toxischen Beziehung mit einer zerstörerischen Frau lebte. Im Buch nennt Machado sie nur „die Frau aus dem Traumhaus“. Häuser, Orte, räumliche Begrenzungen sind starke, wiederkehrende Motive, die auch verdeutlichen, wie eingekerkert sie sich selbst fühlte, obwohl sie die Frau aus dem Traumhaus jederzeit hätte verlassen können.

Das liest sich wie der Brief einer großen Schwester, die weiß, dass ihrer kleinen Schwester sämtliche schreckliche Erfahrungen bevorstehen, die einer queeren Frau im Verlauf ihres Lebens zustoßen können.
Jedes Wort ist scharf durchdacht, beabsichtigt, klug platziert. Gleichzeitig fühlt man zwischen den Zeilen die Unsicherheit, die Labilität und das fragile Selbstwertgefühl des früheren Ichs. Für ihr Schreibhandwerk hat Machado zu Recht viele Preise abgeräumt.
Die Handlung wird immer wieder unterbrochen von Bezügen zur Gegenwart. Außerdem bringt die Autorin unzählige Verweise auf Essays, Literatur, Filme und Aufzeichnungen zu realen Kriminalfällen ein. So hat Machado ihr eigenes Archiv aus Biografischem, Künstlerischem und Informativem zusammengesetzt. Manchmal geht sie direkt unter die Haut, manchmal nimmt sie Abstand von sich selbst und schreibt über das Thema häusliche Gewalt in lesbischen Beziehungen aus einer intellektuellen Perspektive.
Dieses Wechselbad wirkt erfrischend, denn 330 Seiten Zeter und Mordio würden der geneigten Leserin doch etwas zu viel abverlangen. Wenn man Das Archiv der Träume zuklappt, fühlt man sich nicht nur gefühlsmäßig durchgerüttelt, sondern auch noch gut aufgeklärt.
Das Buch setzt sich mit vielen Fragen auseinander, die häusliche Gewalt im Spannungsfeld des Lesbischseins beleuchten.
Jeder kann sich einen Mann vorstellen, der seine Freundin misshandelt. Der Begriff toxische Männlichkeit gewinnt zunehmend an Popularität, sexuelle Gewalt (von Männern) gegen Frauen wird immer weniger tabuisiert. Sogar für eine Frau, die ihren Partner schlägt oder psychisch erniedrigt, reicht die Fantasie noch aus. Aber Lesben, die sich gegenseitig so etwas antun? Gibt‘s das? Und wenn ja, sind die Täterinnen dabei immer die Butches, weil die sowieso zu viel Maskulinität geschluckt haben?
Machado beschreibt in Das Archiv der Träume, sie habe lange gebraucht, sich die Klemme, in der sie steckte, selbst einzugestehen.
Ich wollte nicht, dass meine Freundin […] Aggressionsprobleme hatte. Sie sollte sich nicht so penetrant unlogisch verhalten. Sie sollte nicht eifersüchtig oder grausam sein. Wenn ich ihr heute eins sagen könnte, dann wäre es: „Meine Fresse, rück uns doch nicht in so ein schlechtes Licht.“
Carmen Maria Machado, Das Archiv der Träume, Seite 174/175
Queere Gewalt habe immer etwas Homophobes an sich, schreibt sie. So wie Gewalt in heterosexuellen Beziehungen immer etwas Sexistisches habe. (s. Seite 312).

Eines haben Überlebende aus hetero- und homosexueller häuslicher Gewalt gemeinsam: Sie werden mit denselben Fragen konfrontiert, die von innen, aus dem eigenen Umfeld oder sogar von Fremden auf sie zukommen.
Wieso bist Du nicht gegangen? Warum hast Du nie etwas gesagt? Findest Du nicht, dass Du überreagierst? Kannst Du es beweisen? War es nicht auch Deine Schuld?
Manche dieser Fragen lassen sich nie eindeutig – möglicherweise sogar überhaupt nicht – beantworten.
Carmen Maria Machado wagt den Versuch, ihre eigenen Antworten zu finden und sie für die Leser*innen nachvollziehbar, mitfühlbar und eindringlich zu machen. Das Archiv der Träume basiert auf ihren persönlichen Erfahrungen und wird als „Roman“ beworben, aber wir finden, es ist unheimlich viel mehr als das. Es ist eine vielschichtige Aufarbeitung, die sich bis zum Bodensatz der Geschichte gräbt, eine literarische Schmetterlingssammlung, ein Schlag auf das bereits blaue Auge, kurz: ein Buch, das sich definitiv lohnt.
Wir danken dem Verlag Klett-Cotta für das Rezensionsexeplar. Daran war nicht die Bedingung einer positiven Besprechung gebunden.
Deutschland
Schweiz
Österreich
Anmerkung der Redaktion: Es gibt einen Artikel aus Sicht einer Täterin.
]]>Ess-Irritationen machen keinen Unterschied, nicht vor Geschlecht, Sexus oder Herkunft. Es kann jede von uns betreffen. Im kleinen unscheinbaren Genuss oder in ausgearteten Ess- Attacken. Auslöser sind alltäglichen Belastungen, auf allen Ebenen. Stress, Eile, wachsende Anforderungen, Umweltbelastungen, schlechtes oder sogar schädliches Essen, wenig oder gestörter Schlaf, wenig Bewegung, Elektrosmog (W-lan, Handy). All das soll von unserem Körper und unserer Psyche bewältigt werden. Da bietet sich eine genussvolle Speise als Stressausgleich an.
Gründe und Ursachen
Unverarbeitete Konflikte oder ungewollte Gefühle werden weg gegessen. Alltagsstress wird mit Essen kompensiert. Innere Leere, Einsamkeit und Depression können antreibende Faktoren zu Ess-Attacken sein. Die Liste der psychischen Faktoren ist lang. Überwiegend Frauen leiden unter Essstörungen, 90 % so heisst es. Sie sind verletzlich, sensibel oder extrem abgespalten von sich selber. Bei Lesben, Trans, Bisexuellen kommt ihr Comingout als Auslöser für Ess-Irritationen dazu. Die Betroffenen werden ausgegrenzt. Sie fühlen sich unverstanden von Freunden, Familie, Mitschülern. Essen ist ihr Fluchtweg, mit der Situation klar zu kommen. Bei Lesbenpaaren treten Ess-Irritationen auf, weil das Konzept der lesbischen Beziehung stereotyp ist, einengt oder an Lebendigkeit verliert. Die eigene Weiblichkeit wird weg radiert, Lesbe frisst sich rund und mollig, damit die Kurven verschwinden. Weiblichkeit als frühe Erfahrung der Schwäche, der Unterwerfung, als Opfer.

Promis und Ess-Störungen
Prominente Lesben können von Ess-Störungen ein Liedchen singen. Portia de Rossi, ehemaliges weltbekanntes Model, Schauspielerin und Lebenspartnerin von Ellen Lee DeGeneres, erzählt in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: „Meine erste Liebe war die Magersucht. Frauen definieren ihr Selbstwertgefühl ja oft über ihren Körper. Dünn sein ist für viele von uns gleichbedeutend mit Schönheit, Kultiviertheit, Eleganz. Bei mir hat es lange gedauert, bis ich begriffen habe, dass mein Gewicht nichts aussagt über den Menschen, der ich bin,
Cornelia Scheel https://de.wikipedia.org/wiki/Cornelia_Scheel, ehemalig langjährige Partnerin von Hella von Sinnen, betrachtet sich selber als bis heute noch nicht auskuriert. Jahrelang litt sie unter Essstörungen, die nie richtig behandelt wurden.
„Die Essstörung los zu lassen, heißt immer auch, seine eigenen Wünsche Bedürfnisse und Ziele zu leben und dabei seine Talente einzusetzen. Zu wissen, was Du willst und dich durch zu setzen.“ So beschreibt Simone ihre eigenen Erfahrungen auf ihrer Webseite.
Selbsthilfegruppen, Kliniken, Internetportale
Seine eigenen Ess-Irritationen zu erkennen, ist der erste Schritt. Frauen und Mädchen merken meistens selber nicht, wenn sie abmagern. Ihr Selbstbild trügt, sie empfinden sich als zu dick. Ein speziell dafür entwickelter Selbsttest zeigt, ob und wie weit Frau betroffen ist.
Für Lesben mit Essstörungen werden Selbsthilfegruppen angeboten. In dem geschützten Rahmen sprechen sie über ihre Situation, tauschen sich aus und erfahren Stärkung und Anleitung. Auf Internetportalen können Betroffene unter Gleichgesinnten Kraft sammeln, ihre Situation erkennen und sich selber befreien.
Hier zwei Lnks:
http://www.lesbengesundheit.de/essen.shtml
Hier eine Geschichte, ein Film über eine Frau, die jahrelang missbraucht wurde.
Dunkles Thema Missbrauch
Leider – ja es schmerzt mich sehr, dies zu schreiben – ist sexueller Missbrauch aus früher Kindheit oft Auslöser für Esst-Störungen wie Bulime, Anorexie, „binge eating disorder“. Oftmals wissen die Betroffenen nichts von ihren traumatischen Erfahrungen, die sie aus Selbstschutz unbewusst verdrängen und innerlich abspalten. Der Drang, unsichtbar zu sein, hässlich, klein und unweiblich zu wirken, wird mittels Essverweigerung umgesetzt. Obwohl es für Außenstehende unübersehbar ist, wenn Mädchen oder Frauen abmagern, bleiben diese mit ihrer Not oft alleine. Oftmals schlummern die traumatischen Erlebnisse aus der Kindheit in uns, ohne dass wir es merken. Der seelische Schutz lässt uns erst viele Jahre später in die Erinnerung zurück kehren. Ich selber bin in meinen lesbischen Begegnungen und Beziehungen immer wieder Frauen begegnet, bei denen während unserer Verbindung ihre Traumatas hervor brachen. Das waren sehr schmerzhafte Prozesse, selbst für mich als Begleitende. Oft wenden sich ihre Freunde ab, verständlicherweise von dieser Thematik überfordert. Wichtig ist dann eine Hilfestellung von Institutionen.

Weitere Links
Eine sehr professionelle Internetseite aus der Schweiz ist http://www.aes.ch/ . Hier gibt es konkrete Selbsttests und Anleitungen. Kontaktstellen in der Schweiz bekommt Frau hier. Sitzen die Auslöser für Essstörungen tief versteckt in der Kindheit, ist ein Aufenthalt in speziell dafür ausgerichteten Kliniken ratsam.
Auf der Schweizer Internetseite Netzwerk Essstörungen wird ein online Programm entwickelt, das die Überbrückungszeit für Wartende auf einen Klinikplatz erträglich macht. In Deutschland findet ihr das Online-Angebot hier.
Pilzbefall als Auslöser
Ist der Darm von Hefepilzen oder Parasiten befallen, können diese einen totalen Junk-hunger auslösen, der quasi unkontrolliert ist. Die Parasiten verlangen nach ihrem Fressen. Insbesondere Zucker, Süßstoffe, Kohlenhydrate wie der ungesunde Weißweizen sind Lieblingsspeisen dieser ungebetenen Gäste. Es gibt leider jede Menge Begleiterscheinungen, die eine Liste an emotionalen Auswirkungen zeigen. Depression, Müdigkeit, Unausgeglichenheit, Aggression und Konzentrationsschwäche sind einige dieser Auswirkungen. Pilzbefall ist heutzutage keine Seltenheit mehr. Zucker und Süßstoffe werden allen Fertigspeisen untergemischt. Sie sind so schädlich für unseren Organismus. Wenn Bedenken aufkommen, kann ein einfacher Darmtest Antwort geben.
Allergien
Mittlerweile ist es Gang und Gebe, dass unser Körper Allergien hervorbringt. Sei es gegen Milch, Laktose, Histamin oder andere Lebensmittelunverträglichkeiten. Unser Körper schlägt aus, im wahrsten Sinne des Wortes. Er sendet uns Signale, dass irgendetwas nicht stimmig ist, dass etwas aus dem Lot ist. So verhält es sich auch mit den Ess-Störungen. Ist etwas mit uns nicht mehr im Gleichgewicht, so erleben wir ungewöhnliche Essbegebenheiten, die verheerende Auswirkungen auf Gewicht, Stimmung und Gesundheit ausüben können. Was mit einem kleinen Heisshunger auf ein Stück Schokolade beginnt, kann uns irgendwann richtig beherrschen. Dieser Hype auf Süsses, auf Fettes oder auf Kohlenhydrate können Anzeichen sein, dass dem Körper etwas wichtiges fehlt. Spurenelemente oder hochwertige essentielle Fettsäuren, Enzyme, Nährstoffe, Mineralien.

Achtsam sein sich selber gegenüber
Deshalb heisst es jedem Fall, achtsam sich selber zu beobachten, wann etwas auftritt, in welchen Zusammenhängen und was dahinter sich verbirgt. Treten diese Ess-Attacken dann noch mitten in der Nacht auf, ist es höchster Alarm, da mal genauer hin zu schauen. Beginne, Beobachterin deines Agierens, deines Fühlens, deiner Innenwelt zu werden! Schau genau hin, wann Begierden auf Essen in dir aufkommen. Sind sie mit Emotionen verknüpft? Will etwas verdrängt, „weg gegessen“ werden? Will da ein emotionaler Appetit auf etwas mit Lebensmitteln kompensiert werden? Wurde die Nahrungsaufnahme aus Stress oder Kummer ausgelöst? Oder mutiert Essen als etwas Abscheulichen, etwas Überflüssigen? Essen als Kompensation ist für kurze Zeit erlaubt, sollte sich dann wieder normalisieren. Denn unser Körper ist das Gefährt, in dem wir leben, mit dem wir uns bewegen. Wir sollten unseren Körper ehren, ihn gut versorgen, uns gut versorgen. Wenn wir uns selber nehmen und lieben, genau so, wie wir sind, dann können wir selbstbewusst und selbstgestärkt unser Leben lieben. Unser Körper wird es uns danken.
Habt Ihr selbst Erfahrungen gemacht. Was hat euch geholfen? Erzähle deine Geschichte als Kommentar. Wir freuen uns!
Allein in Deutschland stecken etwa 48.000 Mädchen und Jungen in Schwierigkeiten. Weil sie sich vor ihren Familien geoutet und damit eine Lawine losgetreten haben, die sie zu erdrücken droht. Schnelle Hilfe ist gefragt, doch wie kann diese aussehen? Eine Situationsanalyse.
Das Coming-Out vor den Eltern ist oft das Schwierigste, sagt man. Über Wochen, Monate, manchmal sogar über Jahre hinweg macht man sich ohne Unterlass Gedanken über das Wie, das Wann, das Wo. Spielt im Kopf die verschiedensten Situationen durch und wartet auf einen richtigen Augenblick, den es nicht gibt. In vielen Fällen stellt sich heraus, dass es schlichtweg unnötig war, sich dermaßen fertig zu machen. Weil die Eltern gut reagieren, besser als man es sich hätte träumen lassen. Doch was, wenn genau das Gegenteil eintritt? Wenn deine Eltern plötzlich nicht mehr deine Eltern sind?
Verstoßen – und dann?
Deutschland. Statistiken zufolge leben allein hier etwa 1,2 Millionen (Quelle: www.coming-out-day.de, Stand: 25.09.14) lesbischwule Jugendliche. Das ist gar nicht mal so wenig, zumal die anzunehmende Dunkelziffer deutlich höher anzusiedelnde Zahlen zulässt. So weit, so gut. Eine Zahl, die mich um einiges mehr aufwühlt, ist die vier. Circa vier Prozent* der homosexuellen Jugendlichen werden von ihren Familien verstoßen, ergo auf die Straße gesetzt! Vier Prozent. Auf den ersten Blick könnte man glauben, das wäre nicht viel. Um aber den Statistiken mit ihrem angenommenen Wert von 1,2 Millionen zu folgen, wären das immerhin 48.000 Mädchen und Jungen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung all das verlieren, was gerade im Leben Heranwachsender und junger Erwachsener von so großer Bedeutung ist: die Familie, die Liebe ihrer Eltern und das Zuhause als Zufluchtsort.
„Ich habe keine Tochter mehr!“, waren die letzten Worte, die Lena, über deren Schicksal bereits an früherer Stelle berichtet wurde, von ihrer Mutter zu hören bekam. Eine Welt brach für sie zusammen und wer weiß, wo sie ohne die tatkräftige Unterstützung ihrer Freunde, die ihr dabei halfen, ihre Welt wieder in Ordnung zu bringen, jetzt stünde. Vielleicht ginge es ihr genauso wie zahlreichen anderen verstoßenen Jugendlichen, die, ohne ein Dach über dem Kopf zu haben, auf der Straße landen, zu Alkohol und Drogen greifen oder sich sogar prostituieren um zu überleben. Zwar gibt es laut www.coming-out-day.de bis jetzt keinerlei Studien über den Zusammenhang zwischen Homosexualität und auf der Straße lebenden Jugendlichen. Man geht an dieser Stelle aber davon aus, dass der erhöhte Anteil an Rauswürfen lesbischwuler Heranwachsender einen ansteigenden Prozentsatz auf der Straße lebender lesbischer und schwuler Jugendlicher zur Folge hat. Heißt: wird man von seinen Eltern auf die Straße gesetzt, stehen die Chancen gut, dort auch zu bleiben. Daher gilt: werden lesbischwule Jugendliche von der Familie verstoßen und zu Hause rausgeworfen, ist schnelle und vor allem nachhaltige Hilfe gefragt! Leider sind solche Hilfsangebote in Deutschland rar gesät und auf einzelne Regionen, vornehmlich Großstädte, beschränkt. Meiner Meinung nach fehlt es an Hilfsprogrammen, die sich die Hilfe verstoßener Jugendlicher auf überregionaler und nationaler Ebene auf die Fahne schreiben.

Französische Vorbilder
Bestes Beispiel für eine solche national agierende Organisation ist das französische „Le Refuge“, zu Deutsch „Die Zuflucht“. Der 2003 gegründete Verein setzt sich unter anderem für junge Homosexuelle zwischen 16 und 25 Jahren ein, die von der Familie verstoßen worden, Diskriminierung und Gewalt im nächsten Umfeld erfahren haben und mitunter suizidgefährdet sind. Über das gesamte Land verteilt betreibt „Le Refuge“ fünf Einrichtungen (in Paris, Lyon, Marseille, Toulouse und Montpellier), in denen neben professioneller Beratung, psychologischer Betreuung und tatkräftiger Unterstützung auch Wohnheimplätze zur Verfügung gestellt werden. Dort können die betroffenen und ins Programm aufgenommenen Jugendlichen bis zu sechs Monate verweilen, zur Ruhe kommen, ins Leben zurückfinden und mit Hilfe der Mitarbeiter des Vereins ihre Zukunft neu planen. Den jungen Leuten, die Beschimpfungen, Gewalt, Diskriminierung und Gewalt erfahren haben, wird im Rahmen des Programms von „Le Refuge“ geholfen, wieder auf die Beine zu kommen um ein geordnetes, neues und vor allem glückliches Leben beginnen zu können. Leider steht für das Programm nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen zur Verfügung, die Warteliste ist lang. Auf ihr stehen die Namen von Menschen wie du und ich. Die Namen junger französischer Frauen und Männer, die Hoffnungen haben und Träume. Für die es unmöglich geworden ist, länger zu Hause wohnen zu bleiben, die bedingt durch ihr Coming-Out traumatische Erfahrungen gemacht und Gewalt erlebt haben, die teilweise längst als Obdachlose auf der Straße leben. Jedes einzelne Schicksal ein Skandal.
Schnelle Hilfe? Pustekuchen!
Eben solche Schicksale gibt es auch in Deutschland, der Schweiz und Österreich zuhauf. Doch zum Beispiel in Deutschland lässt das Hilfsangebot sehr zu wünschen übrig. Wenn ich nur einmal zur Demonstration „homosexuelle Jugendliche verstoßen Hilfe“ google, dann führt mich das unter anderem zu einem Artikel von Spiegel-Online, zum Familienhandbuch und sogar zu einem Bericht über die Situation malaiischer Homosexueller. Großartig! Genau das, was man als Jugendliche in einer Grenzsituation wie dem Ausschluss von zu Hause NICHT braucht. Für viele ist das Internet und allen voran Google doch der erste Anlaufpunkt, wenn Probleme auftauchen! Dementsprechend schnell sollte man eigentlich Lösungen für sein Problem finden. Dementsprechend sollte ich NICHT geschlagene zehn Minuten brauchen, um endlich auf eine Linkliste mit Hilfsangeboten zu stoßen. Jackpot. Hilfestellen in Berlin, Hamburg, Köln, München und sogar in Braunschweig. Nicht hilfreich für Jugendliche in Schwierigkeiten, die wie ich aus einem kleinen Provinzkaff am Arsch der Welt stammen. Hilfsprojekte in Großstädten schön und gut, aber was ist mit den ländlichen Gegenden?
Deutschland, hilf!
Worauf ich hinaus will: Deutschland, hilf! Und zwar nicht nur auf so oberflächliche Art und Weise, wie du es jetzt tust! Vier Prozent deiner lesbischschwulen Jugendlichen stecken aufgrund ihrer Sexualität in Schwierigkeiten! Mindestens 48.000 Mädchen und Jungen werden von ihrem Zuhause verstossen und sehen sich einem Scherbenhaufen gegenüber, der einmal ihre Familie, ihr Leben war! Überregionale Hilfsangebote müssen her, Prävention und nachhaltige Hilfe sind gefragt! Warum nicht ein deutsches Pendant zum französischen „Le Refuge“ ins Leben rufen? Warum Stangen an Geld in sinnlose Flughafenprojekte stecken, wenn es doch im Menschen und in der Menschlichkeit viel besser angelegt wäre? „Es sind nur 48.000“, wirst du vielleicht versuchen, mir die Luft aus den Segeln zu nehmen. Ich werde sagen: „Es sind 48.000 zu viel!“ Denn wenn auch nur ein LGBT-Jugendlicher in einem Land wie Deutschland wegen seiner Sexualität leiden muss, dann ist das noch immer einer zu viel.
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