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Seit dem 1.Oktober 2017 können in Deutschland auch homosexuelle Paare den „traditionellen“ Bund der Ehe eingehen – endlich! Auch Österreich findet, es sei an der Zeit, mental und juristisch im 21. Jahrhundert anzukommen. Hier dürfen Lesben und Schwule ab 2019 heiraten. In der Schweiz ist die Homo-Ehe noch nicht angekommen, da besteht höchstens die Möglichkeit einer eingetragenen Lebensgemeinschaft, die der Ehe rechtlich fast gleichgestellt ist.

Durch die Legalisierung der Homo-Ehe können gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland gemeinsam Kinder adoptieren, dasselbe gilt für Österreich. Die Schweiz erlaubt nur die Stiefkindadoption. Das heißt, dass man das leibliche Kind seiner Partnerin, mit der man in einer eingetragenen Gemeinschaft lebt, annehmen darf. Umgekehrt ist es verboten, ein fremdes Kind zu adoptieren, solange eine solche zivilrechtlich eingetragene Partnerschaft besteht. In einer inoffiziellen Beziehung ist es theoretisch möglich, dass eine der beiden ein Kind adoptiert und sie es gemeinsam großziehen, unabhängig davon, was auf dem Papier steht – vorgesehen ist es aber nicht. Das gilt für homosexuelle Frauen ebenso wie für Männer.
Es gibt in Deutschland kein Gesetz, das lesbischen Paaren den Zugang zu künstlicher Befruchtung verbietet. Ausdrücklich erlaubt ist es allerdings auch nicht. Viele heterosexuelle Paare entschließen sich zu diesem Schritt, wenn es ihnen aus verschiedenen biologischen Gründen nicht möglich ist, ein Kind zu zeugen, sie sich aber sehnlichst eines wünschen. Dies ist bei lesbischen Paaren ganz ähnlich – und doch völlig anders, weil meistens beide Frauen zur Empfängnis auf „natürlichem“ Weg in der Lage wären und sich nur aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gegen den Kontakt mit einem Mann entscheiden.
Lesbische Paare, die sich ihren Kinderwunsch durch eine Samenspende, anonym oder nicht, erfüllen möchten, gelten darum als Sonderfall. Manche Ärzte lehnen es aus persönlichen Gründen ab, sie zu behandeln.
Hat man endlich die Klinik des Vertrauens gefunden, stellt sich die Frage nach der Finanzierung. Künstliche Befruchtung ist ein kostspieliger Eingriff. Bei Ehepaaren übernehmen Krankenkassen in der Regel einen Teil der Kosten, manche kommen sogar für die gesamte Behandlung auf. Es empfiehlt sich, vorher bei der eigenen Krankenkasse anzufragen, bevor man eine endgültige Entscheidung für oder gegen eine künstliche Befruchtung trifft. Sollten Eigenkosten anfallen, können Lesben diese inzwischen als „außergewöhnliche Belastung“ von der Steuer absetzen.
Die Frau, die das Kind austrägt, gilt als dessen Mutter. Ihre Partnerin kann das Kind dann adoptieren.
In Österreich wird die Frage der Elternschaft noch vor dem Empfang der Samenspende notariell geregelt. Beide Partnerinnen müssen ihr Einverständnis geben und werden im Zuge dessen als Eltern anerkannt. Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt der IVF-Fond bis zu 70% der Behandlungskosten, auch hier ist es gut, sich im Vorfeld zu informieren.
Die Schweiz erlaubt künstliche Befruchtung nur heterosexuellen, verheirateten Paaren.

Die bei Lesben beliebte ROPA (Reception of Oocytes from Partner) – Methode läuft folgendermaßen ab: Partnerin A wird eine Eizelle entnommen, mit dem Sperma eines Spenders befruchtet und Partnerin B eingesetzt, die das Kind schließlich austrägt. So können beide ihren Teil zum gemeinsamen Kind beitragen.
Genetisch gesehen ist Partnerin A die Mutter, obwohl Partnerin B diejenige ist, die das Kind zur Welt bringt. Damit sind die deutschen und österreichischen Juristen komplett überfordert und die Schweiz ist sowieso dagegen. Demzufolge ist die Rechtslage zur Frage der Elternschaft in diesem Fall uneindeutig.
Ohnehin ist die ROPA-Methode in keinem der drei Länder durchführbar. Österreich erlaubt die Eizellenspende nicht, es sei denn Partnerin B ist unfruchtbar und braucht die Eizelle von Partnerin A als Voraussetzung, um schwanger werden zu können. Auch in Deutschland ist der Transfer verboten und die Schweizer kommen wahrscheinlich mit Fackeln und Heugabeln, wenn sie ROPA hören.
Lesbischen Paaren ist diese Methode in Spanien zugänglich, wo Eizellenspende erlaubt ist und auch die doppelte Mutterschaft anerkannt wird.
Verfechter des traditionellen Familienbildes argumentieren, ein Kind brauche Mutter und Vater, einen weiblichen und einen männlichen Pol, um gesund zu geraten. Dem entgegen stehen Studien, die belegen, dass Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen, sich ebenso normal entwickeln können wie in Hetero-Familien. Viel entscheidender als die geschlechtliche Identität der Eltern ist das Verständnis von Erziehung und die Harmonie in der Familie. Außerdem: Kinder, die bei schwulen oder lesbischen Paaren aufwachsen, werden nicht automatisch auch homosexuell.
Ein weiteres Argument, das Gegner des Adoptionsrechts für Homosexuelle anführen, ist, dass Kinder für ihre beiden Mamas (oder Papas) diskriminiert werden könnten. Dies ist eine reale Gefahr, die nicht kleingeredet oder vernachlässigt werden darf. Allerdings liegt hier das Problem nicht bei den Eltern oder gar den Kindern, sondern beim homophoben Anteil der Bevölkerung. Das Problem löst sich nicht, indem Lesben und Schwulen das Adoptionsrecht verweigert wird. Ganz im Gegenteil: wenn wir uns an Intoleranz ausrichten, bestärken wir sie, anstatt sie zu vermeiden. Mehr dazu hier.

Deutschland:
Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland bietet Informationen und Beratung zu sämtlichen relevanten Themen rund um Homosexualität, auch Mustertexte und Material zur derzeitigen Rechtslage.
Projekt Regenbogenfamilienzentrum
Wichtige Anlaufstelle, die Beratung, Gruppenangebote (auch mit Kind) und Fortbildungen organisiert.
Österreich:
Die Homosexuelle Initiative Wien steht Suchenden und Fragenden mit Rat und Tat zur Seite und bietet vielfältige Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch.
FAmOS Regenbogenfamilien ist Netzwerk und Beratungsstelle für Regenbogenfamilien und LGBTIQs mit Kinderwunsch.
Schweiz:
Regenbogenfamilien stellt detaillierte Informationen zur rechtlichen Situation bereit, berät homosexuelle Paare mit Kinderwunsch und setzt sich für die Gleichstellung von Regenbogenfamilien in der Schweiz ein.
Wie Du außerdem Zugang zur Community findest und wo Du Dich am besten vernetzen kannst, erfährst Du hier.
Stand: Dezember 2018
]]>Ich nutzte das Wort „Seitenwechsel“ und die Google-Suche als Inspiration. Rasch landete ich bei einer Unmenge von Artikeln über flexible sexuelle Ausrichtung. Darunter war auch eine Reportage der Cosmopolitan, bei der verschiedene Psychologinnen zu erklären versuchen, weshalb Frauen die Seiten zwischen Homo- und Heterosexualität öfter wechseln als Männer. Als Frau, die vor acht Jahren selbst langsam damit begonnen hat, die Seite zu wechseln, glaube ich, auch meinen Teil zur Erklärung beitragen zu können.
Mädchen wünschen sich eine Beziehung mit ihrer besten Freundin
Im genannten Cosmopolitan-Artikel wird beschrieben, dass sich junge Mädchen oft wünschen, mit ihrer besten Freundin zusammen sein zu können. Denn „niemand kennt und versteht mich so wie sie.“ Diese Aussage kann ich persönlich nicht bestätigen. Zwar hatte ich bis circa 12-jährig eine beste Freundin und wir haben uns auch mal geküsst, aber ich fand das ziemlich unangenehm und hätte mir zu diesem Zeitpunkt keinesfalls eine Beziehung mit ihr gewünscht. Auch nicht mit meinem besten Freund, mit dem ich zwischen 6 und 14 Jahren die meiste Freizeit verbrachte. Ich wünschte mir damals eine Beziehung mit männlichen Romanhelden, die mich vor allem Unheil beschützen und in eine heile Welt entführen. Ja, so war ich als vorpupertierende, verträumte Leseratte. Als dann die Pupertät einsetzte, wünschte ich mir ganz selbstverständlich einen Freund – wie alle. Ich blieb aber während der ganzen Schulzeit Single und war komischerweise auch nie ernsthaft in einen Typen verknallt. Meinen Freundinnen erählte ich das natürlich nicht. Offiziell schwärmte ich immer für irgendeinen. Das gehörte sich in der Clique so, also machte ich brav mit. Dass ich mich in der Oberstufe unsterblich in eine zwei Jahre ältere, sportliche Mitschülerin mit wundervollen blonden Locken verknallt hatte, realisierte ich erst mit 17 – also zwei Jahre nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit. Mein Freundeskreis war aber auch da noch nicht offener, als während der Schulzeit. Somit blieb mein aufkeimendes lesbisches Interesse weitere Jahre mein Geheimnis. Aber zu diesem Teil kommen wir später noch ausführlich.

Frauen sind sexuell weniger auf ein Geschlecht fixiert
Die amerikanische Psychologie-Professorin Lisa M. Diamond hat Frauen in einer Langzeitstudie beobachtet. Was sie herausgefunden hat, nennt sie „Sexual Fluidity“. Sie sagt, Frauen hätten die Fähigkeit, in bestimmten Situationen oder Beziehungen unerwartet erotisch zu reagieren. Unerwartet, das heißt, obwohl man immer auf Männer stand, kann eine Frau in einer gewissen Situation genauso Begehrlichkeiten für eine andere Frau entwickeln. Frauen seien demnach prädestiniert, die Seiten der Sexualität zu wechseln – und zwar immer wieder.
Diese These hat eine weitere Professorin aufgegriffen und scheinbar bewiesen: Sie zeigte Frauen und Männern aller sexuellen Orientierungen erotische Filme. Die Genitalien der Probanden waren währenddessen verkabelt und zeichneten so ein eindeutiges Bild: Homosexuelle Männer wurden durch homoerotische Szenen erregt, heterosexuelle Männer ausschließlich durch heteroerotische Szenen. Ganz anders sah es bei den Frauen aus: Egal welche sexuelle Orientierung sie angegeben hatten, ihre Genitalien reagierten auf alle Kombinationen: Mann-Frau, Frau-Frau und sogar Mann-Mann.
Ich habe meine Fluidity – um das Wort weiter zu verwenden – erst im Alter von 17 Jahren entdeckt, als ich mich grundsätzlich mit der Frage auseinandersetzen musste, was ich denn von meinem Leben wirklich wollte. Ich war ungefähr ein halbes Jahr zuvor von meinem ersten Freund betrogen und verlassen worden, fühlte mich potthässlich und zu fett, hatte abgenommen, wieder zugenommen und war so voll in eine Bulimie und Depression geschlittert. Daneben war ich in der Ausbildung zur Bürokauffrau und versuchte meinen gigantischen Anforderungen an mich selbst gerecht zu werden. War eine tolle Zeit. Nein, nicht wirklich. Aber dennoch bin ich froh, dass es mir so scheiße ging. Denn um da wieder raus zu kommen, musste mir die Frage stellen: „Was willst du mit deinem Leben anfangen? Du. Was willst DU“. Ich realisierte, dass ich seit dem Schulwechsel in der Oberstufe total neben mir stand. Ich fand damals in der neuen Klasse kaum Anschluss, wurde gehänselt und fing an, mich anzupassen. Ich passte mich so sehr an, dass ich mir sogar einredete, für einen Jungen schwärmen zu müssen und nicht einmal begriff, dass ich in ein Mädchen verliebt war.

In der dunklen Stunde zwischen fressen, kotzen, heulen und dem Versuch, mich selbst zu begreifen, enttarnte ich all die Selbstlügen, mit denen ich drei, vier Jahre gelebt und an die ich selbst geglaubt hatte. Mir fiel ein, dass ich als Kind liebend gerne in Versandhauskatalogen blätterte und dabei am längsten bei der Damenunterwäsche verblieb, weil ich da ein so süßes ziehen im Unterleib spürte. Ich erinnerte mich, dass ich im Kindergarten unglaublich eifersüchtig auf die Jungs war, die mit dem beliebtesten Mädchen Mutter-Vater-Kind spielen konnten – weil ich sie hätte „heiraten“ wollen. Ich fing an, mich auf Partyplattformen als bisexuell auszugeben und mit anderen jungen Frauen zu schreiben. Ich erkannte, dass ich mich sowohl zu starken, beschützenden Männern, wie auch zu selbstbewussten, femininen Frauen hingezogen fühle. Catherine Zita-Jones war meine Traumfrau, Pierce Brosnan als James Bond mein Traummann.
Noch heute, obwohl ich mich als lesbisch bezeichne und eine künftige heterosexuelle Beziehung ausschließe, finde ich starke, männliche Heldenfiguren anziehend. Auch wenn mein reales Sexleben seit einigen Jahren nicht mehr „fluid“ ist und ich Penisse aus Fleisch und Blut nicht vermisse, in meinen erotischen Fantasien haben sie nach wie vor Gastauftritte. Hätte ich beim Film-Experiment mitgemacht, wäre ich bestimmt eine der Frauen gewesen, bei der die Genitalien auf alle möglichen sexuellen Kombinationen reagiert hätten. Für mich ist das übrigens ganz normal, erotische Gefühle in allen möglichen Situationen entwickeln zu können. Es heißt ja nicht, dass ich es dann auch immer ausleben muss. Und schon kommen wir zu DER Frage, die ich mir unweigerlich stellen lassen muss:
Können Frauen dann treu sein, wenn sie schon mal die Seite gewechselt haben?
Das ist mein Lieblingsthema. Das betrifft mich noch heute – auch nach Jahren ausschließlich lesbischer Liebe und Sexualität – immer wieder mit dem Vorschlaghammer: Die Frage, ob ich denn nicht irgendwann wieder mit einem Mann schlafen werde. Schließlich hatte ich ja zwischen 16 und 25 viel Sex mit Männern – mit Frauen übrigens auch.

Auf meine Gegenfrage, weshalb ich denn wieder mit Männern schlafen sollte, habe ich mannigfaltige Gründe zu hören bekommen. Beispielsweise: Weil ich männliche Gemächte vermisse (gibt’s aus Silikon – die halten länger durch als echte, Schätzchen), ich bin betrunken (ähm… und weshalb sollte sich da meine sexuelle Orientierung verflüssigen?), ich bin alleine auf Reisen und hatte da ja öfter One Night Stands (und warum sollte ich den mit einem Typen haben? Gibt’s im Ausland keine Frauen?) und so weiter. Ich hasse diese Fragen. Am meisten hasse ich sie, wenn sie mir von meinem aktuellen Date, oder noch schlimmer, meiner aktuellen Freundin gestellt wird. Alle diese Fragen sprechen mir die Ernsthaftigkeit meiner Gefühle ab. Genauso wie meine Selbstkenntnis. Nur, weil ich nicht aus der Gebärmutter geflutscht bin und dachte „Jaaaaa! Vaginas und Brüste! Das ist es, was ich mein Leben lang will!“, sondern meine Sexualität erst langsam erkunden musste (und wollte. Ich fand es toll, mich auszuleben und hoffe, meinen sexuellen Horizont auch künftig noch erweitern zu können). Nur, weil ich früher mit Männern schlief, unterstellt man mir, dass ich (m)einer Freundin nicht treu sein kann. Was hat mein ausschweifendes Single-Leben in den frühen 20igern mit meinem lesbischen Beziehungsleben (in dem Monogamie vereinbart ist) von heute zu tun? Ich verstehe das nicht. Ich weiß, dass ich mit diesem Problem bei weitem nicht die Einzige bin. Ich bewundere alle Bisexuellen, die offen deklarieren, dass sie sich zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlen. Und zwar permanent. Ich weiß, dass sie dauernd mit dem Vorurteil zu kämpfen haben, sie könnten einer Frau nicht treu sein.

Der Brokkoli-Effekt
Die Psychologie-Professorin Diamond hat genau das untersucht und festgestellt, dass Frauen, die ihre sexuellen Präferenzen je nach Situation oder Person wechseln, in Beziehungen nicht sprunghafter sind, als klar hetero- oder homosexuelle Frauen. Für Fluidity-Frauen gewichten die emotionalen Komponenten mehr als das Geschlecht einer Person. Das heißt, wenn eine eigentlich heterosexuelle Frau bei einer anderen Frau genau die Werte findet, die sie anziehen, verliebt sie sich möglicherweise einfach so in eine Frau. Mit dieser ist sie dann genau so lange zusammen, wie sie das mit einem Mann wäre. Einfach solange die Chemie stimmt und die Beziehung funktioniert. Ich kann das echt nachvollziehen. Frauen sind so viel facettenreicher als Männer. Da verliebt man sich leicht einfach so. Ob es umgekehrt auch funktioniert, also dass eine eigentlich homosexuelle Frau sich plötzlich einfach so in einen Mann verliebt, kann ich nicht beurteilen. Aber gemäß der Studie müsste es so sein. Manche sagen gar, dass sich die sexuelle Orientierung im Laufe des Lebens verschieben und verändern kann. So wie Kinder Brokkoli hassen und ihn als Erwachsene plötzlich echt gerne mögen.
Homo, hetero, bi, flexibel… was bringen alle die Labels?
Immer mehr Forscher bezweifeln heute, dass die Kategorisierung in hetero, homo oder bi überhaupt Sinn macht. Ich auch. Unsere Gesellschaft hat seit den ’68ern einen gewaltigen Umbruch erlebt. Die klassischen Rollenverteilungen zwischen Mann und Frau lösen sich auf, Menschen begannen mit verschiedenen Lebens- und Liebesformen zu experimentieren und vieles davon ist heute salonfähig. Was bedeuten da die alten Labels noch? Sie beschreiben alte, verstaubte Schubladen, aber nicht mehr unsere Welt mit allen Möglichkeiten.

Aber genau das verunsichert viele von uns. Es verängstigt uns gerade zu. Wenn alles möglich und erlaubt ist, wenn alles fliesst, woran halte ich mich dann fest? Scheinbar gerne an alten Schubladen. Auch wenn das unser Zusammenleben in der Szene und generell in der Gesellschaft nicht gerade vereinfacht. Wäre es nicht schön, wenn man in einer Beziehung alle Möglichkeiten auf den Tisch wirft und sich dann einfach eine eigene, passende Schublade bastelt? Wäre es nicht angenehm, wenn es draußen keinen Menschen interessieren würde, wie wir uns sexuell orientieren? Und da kommen wir zu Miranda aus Sex and the City.
Eine Frau, die liebt
Cynthia Nixon, bekannt als Miranda aus Sex and the City, ist seit 2004 mit einer Frau zusammen – seit 2012 mit ihr verheiratet und Mutter eines gemeinsamen Kindes. Zuvor lebte sie fünfzehn Jahre in einer heterosexuellen Beziehung, woraus ebenfalls bereits zwei Kinder entstanden. Gemäß der Cosmopolitan sagte sie mal: „Ich war mein ganzes Leben mit Männern zusammen und habe nicht im Traum daran gedacht, dass ich mich in eine Frau verlieben könnte. Als es dann aber passierte, war es gar nicht so seltsam für mich. Es hat mich nicht verändert, ich bin, wie ich bin: Ich bin eine Frau, die liebt.“

Ich bin wie ich bin. Ich bin eine Frau, die liebt. Welch eine schöne Aussage. Ich interpretiere sie so: Egal auf welcher Seite jemand gerade steht, dort wo sie ist, ist sie ganz. Mit Haut und Haar. Mit all ihren Sinnen und Gefühlen. Sie ist ganz bei sich und ihrem bevorzugten Menschen.
Ich stand nie auf der Seite der Männer mit all meinen Sinnen und Gefühlen. Ich fühlte mich erst ganz bei mir und meinem bevorzugten Menschen, als meine Zuneigung und Anziehung von einer Frau erwidert wurde. Seitdem glaube ich, meine Seite bei den Frauen gefunden zu haben. Aber wer kann garantieren, dass ich mich noch in dreißig Jahren auf dieser Seite wohlfühle? Panta rhei – alles fließt. Es wäre schön, wenn es unsere gesellschaftlichen Werte erlauben würden, uns treiben zu lassen – fernab von Labels, die uns in eine sexuell ausgerichtete und wertende Schublade stecken. Wie offen bist du mit deinen Gefühlen, Gelüsten und deiner Neugierde? Wie geht dein Umfeld damit um? Deine Partnerin oder dein Partner? Hast du dich für eine Seite entschieden oder fliesst dein Ich in den Meeren der Möglichkeiten? Schwappt mal hier hin und mal dort hin…? Magst du die Sicherheit der Schubladen oder die unbegrenzten Möglichkeiten von Gender und Sexualität? Und weshalb ist dir das eine lieber, als das andere? Eine Spannende Entdeckungsreise in die Tiefen deines Selbst kann hier beginnen. Wenn du Lust darauf hast.
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Wie kommt eine Lesbe zu einem Kind? Das ist wohl eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt wird. Ich bekam ein Kind, weil ich mit einem Mann zusammen war und wir Sex hatten. Grundsätzlich funktioniert das bei Menschen so. Ob vor oder nach dem Coming-out, mit oder ohne Beziehung, manchmal schlafen auch lesbische Frauen mit Männern. Wie also kommt eine Lesbe zum Kind? Entweder durch Heterosex, künstliche Befruchtung oder Adoption. So einfach.
Daten und Flirten
Als alleinerziehende Frau hat man beim Daten automatisch irgendwie immer schlechtere Karten. Früher, also ich meine in der Zeit, in der ich noch nicht Mama war, war alles ein Spiel. Jedes Treffen und Kennenlernen – nichts war ernst, geschweige denn bedeutungsvoll. Mal nahm ich jemanden mit nach Hause, mal ging ich selbst mit. Ich tat, wonach auch immer ich gerade Lust hatte. Heute geht das nicht mehr. Das Unbedachte. Das hat aber auch gute Seiten, wie ihr später noch lesen werdet.
Letztens an einer Party wurde ich von einer wirklich heissen Frau angesprochen. Dem üblichen Small Talk folgten ein paar Drinks und wir fingen an zu tanzen. Die Zeit verflog und als wir uns eine Rauchpause gönnten, kamen die interessanteren Fragen: Was machst du so beruflich? Was sind deine Leidenschaften? Deine Schwächen? Worauf stehst du bei Frauen? Alles in allem ein lockeres Gespräch, bis die Frage kam, ob ich alleine wohne. Eine Frage, welche normalerweise mit einem klaren Ja oder Nein beantwortet wird. Ich weiss aber manchmal nicht so recht, wie ich meine Situation erklären soll, ohne meine neue Bekanntschaft gleich zu erschrecken. Ich wohne nicht alleine. Ich habe ein Kind.
Meistens bin ich einfach ehrlich, geradeheraus, denn was bringt es, sich irgend eine Geschichte auszudenken? Es ist, wie es ist. Ich bin Mutter. Meist sind die Reaktionen: «Ach wirklich?! Ist ja süss.» oder sowas in dem Stil. Das ist sicher nett gemeint und auf den ersten Blick auch vollkommen neutral. Doch wenn du genauer darüber nachdenkst oder wenn man, wie ich, Mutter ist, dann kommen Zweifel. Was heisst das, „es ist süss“? Die meisten haben keine Ahnung, was ein Kind mit sich bringt. Verantwortung, Verpflichtung, Einschränkungen. Natürlich überwiegt für mich das Positive, wenn ich an mein Kind denke. Aber dennoch: Für eine Beziehung oder schon nur eine Affäre ist es immer gleich kompliziert, wenn ein Kind mit im Spiel ist.

Liebe und Beziehung
Mit einem Kind trägt man Verantwortung und hat Verpflichtungen. Spontanität ist praktisch unmöglich. Das ist nicht nur negativ: Man muss aussortieren, genauer hinsehen und sich eine gewisse Zurückhaltung angewöhnen. Wen stelle ich meinem Sohn vor? Wer erfährt überhaupt von ihm?
Bis vor Kurzem war ich mit einer Frau zusammen und es war eine sehr schöne, intensive Zeit. Sie hat meinen Jungen kennen und lieben gelernt. Manchmal kam es mir vor, als wären wir schon ewig zusammen – ein Team in jeder Situation. Aber ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe nicht erkannt, dass sie trotz allem mit ihrer neuen Rolle überfordert war. Überfordert und überwältigt vom ganzen Drum und Dran, das ein Kind mit in eine Beziehung bring. Gerade jüngere Frau unterschätzen die Rolle als Co-Mama oft. Wenn dann noch andere Stressfaktoren hinzukommen, brechen die Frauen ein. Das hat nichts mit Schwäche zu tun, sondern damit, dass sie sich selbst überschätzen. Ich gebe zu, sich zu überschätzen ist nicht nur altersabhängig. Ganz generell muss man sich als Single-Mom bewusst sein, dass sich eine zukünftige Partnerin an einen selbst und an das Kind binden wollen muss, damit die Partnerschaft funktioniert. Leider erreichen viele Frauen die Grenze des Ertragbaren schon, sobald der erste Jöö-Faktor verschwunden ist.
Als Mama, hat man meiner Erfahrung nach weder Lust noch Zeit für Spielchen. Das Hin und Her, On und Off in einer Beziehung schadet einem doppelt. Emotionale Schwankungen übertragen sich nämlich auch auf das kleine Wesen, dass von seiner Mutter und deren Liebe abhängig ist.
Bist du Mutter und hast du dich gerade frisch verliebt oder bist in einer neuen Partnerschaft, dann fragst du dich vielleicht auch manchmal (oder eher oft), wie du das Ganze mit Kind und Frau unter einen Hut bringen kannst. Denn beide haben Bedürfnisse und du natürlich auch! Vorallem am Anfang der Beziehung können Eifersucht und Streitereien aufkommen und die Harmonie arg in Mittleidenschaft ziehen. Dabei wollen doch alle Beteiligten nur lieben und geliebt werden. Aber du bist nun mal nicht mehr alleine Single. Es gibt dich nur im Doppelpack. Da bekommt „Teilen“ eine erweiterte Bedeutung, denn eine Beziehung mit einer alleinerziehenden Frau ist schlussendlich immer eine Dreiecksgeschichte.
Es langsam angehen lassen, ist der Königsweg. Meiner Erfahrung nach ist Zeit der ausschlaggebende Faktor – insbesondere am Anfang der Beziehung. Und ja, ich weiss, ist man frisch verliebt, will man Zeit für sich und für sie. Nur zu zweit – am liebsten im Bett. Solange man jedoch keinen Babysitter hat, funktioniert das nicht sonderlich gut. Und ausserdem kann das Kind es einem auch übel nehmen, wenn es glaubt, «abgeschoben» zu werden. Genauer gesagt: Wenn es den Zusammenhang zwischen Damenbesuch und Rausschmiss erfasst, dann sind Eifersucht und Drama vorprogrammiert. Also bitte, bei allem Gefühlsrausch: Die Rolle als Mama ist immer stärker, als die der Geliebten. Denn die Mamarolle dauert in der Regel aucht länger als eine Liebesbeziehung.

Vorurteile und meine Antworten darauf
Du hast ein Kind von einem Mann? Du bist keine echte Lesbe.
Als frauenliebende Frau mit Kind aus einer heterosexuellen Beziehung hat man immer einen speziellen Stand. Sowohl die Heteros als auch die queere Community nehmen einem nicht mehr wirklich ernst. Man wird mit Anfeindungen und Misstrauen konfrontiert. Nicht immer, aber leider doch recht oft.
Ich sage immer, ich verliebe mich in den Menschen, nicht in das Geschlecht. Dennoch definiere ich mich als Lesbe. Auch das ist für viele ein widersprüchliches Bild. Woher diese engstirnige Haltung kommt? Liegt wohl an unserer Gesellschaft, die das Schachteldenken und Labels-verteilen so schön pflegt. Passt du nicht in die Schubladen, so sage ich dir folgendes: Scheiss drauf, wenn andere dich irgendwo einreihen wollen, denn die einzige Schublade, in die du gesteckt werden kannst, ist deine eigene. Sei dir bewusst, wer du bist und was du willst. Alles andere ist Nebensache und braucht dich nicht zu kümmern. Leb dein Leben so, wie du dich wohlfühlst. Ich tue es und es geht mir gut dabei.
Wird das Kind nicht gehänselt in der Schule?
Ganz ehrlich: Keine Ahnung. Wahrscheinlich wird er früher oder später mit Aussagen seiner Mitmenschen konfrontiert werden, die nicht positiv über meinen Lebensstil denken. Aber seien wir realistisch: Welches Kind wird nicht wegen irgendwas gehänselt – und sei es nur seine Kleidung oder seine Aussprache. Kinder untereinander können ganz schön grausam sein – weil wir sie so machen.
Der Tag wird kommen, an dem ich mich mit meinem Sohn über meine Liebe zu Frauen unterhalte. Dass ich ihm gegenüber immer ehrlich bin, ist für mich das Wichtigste. Ich glaube fest daran, dass mein Kind kein Problem mit meiner sexuellen Orientierung hat, wenn ich ihm seine Fragen offen beantworte. Kinder sind von Natur aus neugierige, offene und tolerante Wesen. Die Erziehung trägt dazu bei, wie sie auf ihre Umwelt reagieren. Mein Sohn ist noch sehr klein. Dennoch weiss ich, dass unsere Kinder ein Spiegel von uns selbst sind. Es liegt bei uns, was aus ihnen wird.
Dein Kind wird auch homo.
Dies ist wohl eines der dümmsten Vorurteile, die ich kenne. Keiner von uns weiss, wie Sexualität entsteht, bzw. durch welchen Faktor wir Frauen oder Männer oder beide Geschlechter lieben. Lange Zeit hat man angenommen, dass Homosexualität eine ansteckende Krankheit und somit therapierbar sind. Das ist längstens widerlegt. Genauso unbewiesen und unhaltbar ist die Annahme, dass Homosexualität aus einem Gendefekt entsteht. Es wurde nie ein Gay-Gen gefunden. Was erwiesen ist, ist dass es in machen Verwandtschaftskreisen mehr queere Personen gibt als in anderen. Doch auch das kann ein Zufall sein. Dass die Kindern von LGBTQIA+ People eher nicht-hetero werden oder sind, ist durch keine Studie aufzeigbar. Ich selbst glaube auch, dass meine Homosexualität meinen Sohn nur in soweit beeinflusst, dass er offener wird, als andere Kinder – weniger gehemmt in seiner sexuellen Entwicklung. Aber sollte dies eigentlich nicht für jedes Kind gelten?
MILF – Das zweifelhafte Kompliment
MILF bedeutet «Mother I’d like to fuck», also eine Mutter, die man/frau gerne ficken würde. Sexy ist was anderes, finde ich. Mich schockiert es ab und zu noch immer, wenn mich jemand so nennt. Aber sehen wir den Tatsachen mal ins Auge: Willst ich lieber eine 08/15 Mutter sein, ungeduscht, ungeschminkt, müde und erschöpft – am besten mit Omaschlüpfern und einem ausgeleierten BH? Oder will ich eine attraktive Frau sein: Gepflegt, schöner Körper und ja, auch noch Mutter? Ich bevorzuge die zweite Option.
Aber ich kann euch sagen, vor allem im ersten Jahr ist es echt verdammt schwer, sich Zeit für sich und seine Beauty-Routine zu nehmen. Ehrlich! Ich habs versucht und nach ein paar Wochen aufgegeben. Auch das ist ok. Das Kind wird älter, man hat wieder mehr Zeit für sich. Und die soll man sich nehmen. Jaja, das Aussehen ist nicht das Wichtigste. Aber Mädel, glaub mir, du fühlst dich definitiv wohler, wenn du dich pflegst. Mit allem was dazu gehört. Tu es für dich, nicht um irgendwem zu gefallen. Ausstrahlung ist essentiell und die kommt, wenn du dir was Gutes tust.

Was mir als Mutter und Geliebte wirklich wichtig ist
Ich will niemandem Angst machen oder Kinder ausreden. Kinder sind wirklich etwas Wunderbares. Aber bitte, egal ob du Mama bist oder verliebt in eine: Sei realistisch, nicht naiv. Überschätze dich nicht und unterschätze die Situation nicht. Naja, leichter gesagt als getan. Meiner Erfahrung nach ist Ehrlichkeit das Wichtigste. Wenn es dir zu viel wird oder du verunsichert bist, dann sprich mit deiner Partnerin darüber.
Sieh der Tatsache ins Auge: Nach der Geburt (d)eines Kindes wird das Leben nie mehr so sein wie zuvor. Aber glaub mir, es gibt so viel Schönes, was dir erst als Mutter auffällt oder du nur als Teil einer Familie erleben kannst. Schätze jeden Moment, ob mit deiner Liebsten, deinem Kind oder als Co-Mama, denn die Zeit vergeht so schnell. Und zurückholen kannst du nichts.
Meine letzte lesbische Beziehung ist zerbrochen. Heute bin ich froh, dass es so früh passiert ist. Es hat mich vorsichtiger und bewusster werden lassen. Es hätte bestimmt einen einfacheren und weniger schmerzhaften Weg gegeben, dies zu lernen. Aber ich glaube, dass jede Bekanntschaft seinen Grund und Nutzen hat. Wenn es sein soll, dann wird man glücklich als Familie, wenn nicht, dann wartet die Richtige noch auf einen. Auch ohne Co-Mama erlebt man mit einem Kind mehr Freude als es ohne den kleinen Schatz möglich wäre. So geht es mir zumindest.
Hast du Fragen zur lesbischen Mutterschaft? Folgende Links fand ich hilfreich:
]]>Aber wie war es denn nun, in einer Beziehung alleine auf Reisen zu sein? Und das erst noch in muslimischen Ländern, wo die Toleranz Homosexuellen gegenüber gering ist? Im ersten Teil beantworten Christa und ich Fragen, die uns vor und während meiner Reise immer wieder gestellt wurden. Im zweiten Teil erzähle ich, wie ich meine Reise in Bezug auf unsere Beziehung erlebte. Am Schluss ziehe ich ein Fazit.
Barbara, warum willst du denn ALLEINE reisen gehen?
Erstens: Für mich ist es ganz normal, alleine unterwegs zu sein, seit ich mir mit sechzehn ein Motorrad gekauft habe. Ich gab mein Geld für Reisen und neue Reifen aus, meine Freunde/PartnerInnen für Ausgang und Mode. Reisen und Unterwegssein ist meine Passion und ich brauchte noch nie eine Begleitung, um sie auszuleben. Zweitens: Auf Grund meiner beruflichen Situation musste ich die Reise bereits über ein Jahr im Voraus planen. Zu dieser Zeit kannte ich Christa noch nicht. Mehr noch, ich hätte zu dieser Zeit noch nicht einmal daran geglaubt, eine Frau kennenzulernen, die genau so gerne und im gleichen Stil unterwegs ist, wie ich. Noch weniger hätte ich damals daran geglaubt, dass sich diese Frau in mich verliebt und wir eine glückliche Beziehung führen. Für meine vorhergehenden Bekanntschaften war meine Wanderlust immer eine potentielle Gefahr für die Beziehung, weshalb ich mehrheitlich Single blieb.
Okay, aber als du dann mit Christa zusammen kamst, wäre ja noch fast ein Jahr Zeit gewesen, die Reise zu zweit zu Planen…
Ja, das wäre möglich gewesen. Aber ein Teil meines Plans war eben das Alleinreisen, das Auf-niemanden-Rücksicht-nehmen und Tun-und-lassen-was-ich-will. Christa begleitete mich super spontan für drei Wochen nach Florida. Als wir ein Paar wurden, hatte ich diesen Trip schon geplant; Flug und Auto bereits gebucht. Christa buchte kurzerhand die Flüge nach und schloss sich meinen Plänen an. Es wurde einer der schönsten Urlaube, die ich je hatte. Dennoch sollten die drei Monate Asien mein Abenteuer werden – meins allein.
Bisschen egoistisch, nicht?
Ja definitiv. Aber eine gesunde Portion Egoismus braucht es im Leben und in der Beziehung. Christa hat selbst gesagt, dass sie während meines möglichen Reisezeitraumes nicht mitkommen wollte.
Christa, warum denn nicht?
Ich bin aktive Leichtathletin. Barbaras möglicher Reisezeitraum deckte sich genau mit meiner Wettkampfsaison. Es kam für mich nicht in Frage, die Saison ausfallen zu lassen. Außerdem hatte Barbara mehreren Jahre lang Geld für die Reise angespart. Ich nicht. Finanziell kam eine so lange Reise für mich also auch nicht in Frage. In meinen 20ern bin ich ebenfalls viel gereist, ich war beispielsweise für ein Jahr und sechs Monate in Australien. Auch ich war ein Backpacker und weiß, wie toll es ist, ein neues Land und neue Menschen kennenzulernen. Ich freute mich, dass Barbara die Möglichkeit hat, so etwas auch zu erleben. Niemals hätte ich ihr ein solches Lebensereignis ausreden wollen, nur weil ich nicht dabei sein konnte.
Barbara, hast du denn keine Angst, dass die Beziehung in Brüche geht?
Ich bin überzeugt, dass die Wahrscheinlichkeit, sich fremd zu verlieben oder sich zu entlieben auf einer Reise nicht größer ist, als Zuhause. Insbesondere dann, wenn keine von beiden ein Stubenhocker ist. Während ich in Asien täglich auf neue Menschen treffe, hat Christa beruflich und auf dem Sportplatz ebenfalls täglich mit neuen, teiweise äußerst attraktiven Personen zu tun. Ich bin extrovertiert und gehe aktiv auf Menschen zu. Christa hat Charisma und die Menschen gehen automatisch auf sie zu. If it happens, it happens. Ich denke, es macht keinen Unterschied, ob ich 21.000 Kilometer entfernt bin oder nur in einem anderen Teil der Stadt. Genau so bin ich überzeugt, dass man sich nicht fremdverliebt oder entliebt, wenn die Beziehung gesund und stabil ist. Christa und ich haben während des ganzen Jahres vor meiner Reise viel über das Thema Verlustangst und Vertrauen gesprochen. Ich zweifelte nie an ihrer Loyalität und Liebe. Entsprechend hatte ich während meiner Reise keine Verlustängste und war auch nie eifersüchtig.
Und wie war es für dich, Christa?
Ich hatte zu Beginn der Beziehung schon Angst, dass Barbara plötzlich jemand Anderes kennenlernt und mich ersetzt. Aber ich glaube auch, dass das Risiko, jemand Neues kennenzulernen auf Reisen nicht größer ist, als auf einem Tagesausflug. Als Barbara dann auf Reisen war, hatte ich eigentlich keine Angst mehr. Ich vertraute ihr und ihre regelmäßigen WhatsApp Nachrichten mit Fotos oder Videobotschaften zeigten mir ja, dass sie an mich denkt und mich an der Reise teilhaben lassen will.
Christa, aber du gingst Barbara doch sicher besuchen, oder?
Nein.
Nicht?!?! Aber warum denn nicht?
Kein Geld, Wettkämpfe und Barbara sollte ihr Ding machen können.
Ergänzung von Barbara: Ich hatte nur sehr wenige fixe Pläne für meine Reise. Ich wollte spontan sein und vor Ort entscheiden, wo und wie lange ich bleiben will. Das war einer der tollsten Teile meiner Reise: diese Spontanität! Unser Alltag ist ziemlich verplant und es war einfach großartig, sich treiben zu lassen. Es wäre für Christa gar nicht möglich gewesen, frühzeitig etwas zu buchen, denn es gab außer des Hin- und Rückfluges und einem Trip durch Borneo keine festen Daten.
Aber war es denn nicht total hart für dich, Christa, alleine zu Hause? Ich meine, Barbara hat ja ihre Reise und Erlebnisse… *vorwurfsvoller Blick zu Barbara*
Ja, es war sicher nicht immer easy aber es gibt ja Skype und WhatsApp. Außerdem bin ich tagsüber am Arbeiten, abends im Training und an den Wochenenden häufig an Wettkämpfen. Und ich habe auch Freunde, die ich gerne treffe. Es gab schließlich auch ein Leben vor der Beziehung mit Barbara. Das verschwand ja nicht einfach, mit der neuen Beziehung.
Die ersten zwei Wochen waren definitiv hart. Es war total öde, alleine zu Hause zu sein, alleine ins Bett zu gehen, sie nur auf dem Handydisplay zu sehen. Aber als diese Phase überstanden war, ging die Zeit plötzlich ziemlich schnell vorbei. Unsere Skype-Telefonate und Videobotschaften waren aber während der ganzen Zeit immer ein Highlight.
Barbara: Ich habe mal geschaut, wie viele WhatsApp-Fotos ich während der Reise von Christa erhalten hatte: es waren um die 260 Fotos in 69 Tagen. Ich habe mindestens 300 Fotos zurück geschickt. Eher mehr. Dazu haben wir sicher einmal die Woche eine Stunde telefoniert. Manchmal auch zwei Mal pro Woche. Ich war immer bestens im Bilde, was zu Hause so läuft *lacht*. Ohne WhatsApp und Skype wäre die Trennung auch für mich schwer gewesen. Ich hatte mal für zehn Tage ganz schlechten Empfang und wurde echt grumpy, weil ich endlich mal wieder mit Christa skypen wollte, statt nur Fotos anzugucken und Texte zu lesen.

Vor der Reise
Ich reiste am 23 Mai 2016 ab. Das war genau ein Jahr nach dem ersten Kontakt zwischen mir und Christa. Man kann sagen, dass die ersten sieben Monate unseres gemeinsamen Lebens absolut perfekt waren. Rosa Wölkchen und Glitzerstaub überall. Während der letzten fünf Monate vor meiner Abreise kehrte dann die Realität ein.
Diese fünf Monate davor:
Ich löste im Januar und Februar meinen Haushalt auf und zog zu Christa. Ich dachte, es sei keine große Sache, sein Zeug wegzugeben. Es sind ja nur Dinge und das meiste hatte keine lange Geschichte. Tatsächlich brachte es mich teilweise fast um den Verstand. Ich war emotionell am Limit. Permanent. Das tat unserer Beziehung nicht gerade gut. Christa bemühte sich, mir alles recht zu machen und war auch nicht mehr sie selbst. Das war ebenfalls nicht nur dienlich für unsere Beziehung. Im März zog ich bei Christa ein und ab Mitte April entspannte sich die Situation etwas. Aber irgendwie blieb eine Distanz zwischen uns und das tat uns beiden weh. Wir redeten, wir weinten, wir lachten, wir kuschelten, wir schwiegen… Nachdem die Sendung Liebesleben im Fernsehen ausgestrahlt wurde, waren wir für ein paar Wochen das wohl bekannteste Lesbenpaar der Schweiz und wurden überall als supersüß bezeichnet. Aber effektiv war da ein Riss in unserer doch-mal-so-perfekten Beziehung, der nicht mehr heilen wollte. Ich litt darunter und ich bekam das erste Mal Angst, dass die Beziehung die Reise nicht übersteht. Nicht wegen Christa, sondern wegen mir. Ich habe die Fähigkeit, Gefühle einfach abzuschalten, wenn es zu sehr weh tut.
Die Woche davor bis zum Abflug:
Ich wollte Christa vor meiner Abreise ein Album mit Fotos und Texten aus unserem ersten gemeinsamen Jahr schenken. Eine Woche vor der Abreise war es fertig. Beim Einkleben der Texte und der Fotos von all unseren Erlebnissen wurde mir wieder bewusst, dass ich mir genau so jemanden wie Christa immer gewünscht hatte. Jemand, der ganz viel mit mir gemeinsam hat und doch anders ist, als ich. Ich schloss das Album mit dem Zitat: „Wenn zwei Liebende einig sind, bedeuten Schwierigkeiten kein Hindernis“. Ich war mir nun wieder sicher, dass meine Reise nicht das Ende unserer Beziehung sein würde.
Christa begleitete mich an den Flughafen. Vor der Sicherheitsbarriere umarmte ich sie ein letztes Mal und meine Tränen liefen wie ein Wasserfall. Ich wollte Christa nicht loslassen, ich wollte nicht, dass sie mich weinen sieht, ich wollte nicht ohne sie gehen. Keine Ahnung wie lange wir dort standen, bevor ich endlich ging. Ich heulte noch beim Handgepäck-Check und gemäß WhatsApp heulte Christa noch im Zug zurück nach Bern. Ich fühlte mich richtig elend, dabei hatte ich mich doch so auf die Reise gefreut. Obwohl ich noch einen Monat vor der Reise behauptet hatte, ich würde mich vielleicht einmal die Woche per Skype melden, wusste ich bereits, dass ich mich täglich melden würde. Einfach, weil ich doch nicht so ein emotionaler Eisklotz bin, wie ich geglaubt hatte.
Während der Reise
Offen lesbisch?
Ich begann meine Reise in einem Tauchressort in Bali. Ich fand rasch Anschluss zu den anderen Tauchern und wir sprachen ganz selbstverständlich auch über Privates. Dass ich zu Hause eine Freundin hatte, wussten die meisten und das schien niemanden zu kümmern. Nach zehn Tagen verließ ich Bali und reiste alleine durch Java und Malaysia. Dort befand ich mich in muslimischem Gebiet und ich versuchte, meine Beziehung vor Einheimischen nicht groß zu erwähnen. So wie ich das in einem früheren Urlaub im katholischen Süditalien auch nicht tat. Warum? Weil ich weiß, dass ihre religiösen Schriften Homosexualität als abnormal und das Ausleben dessen als Sünde stigmatisieren und ich nicht weiß, wie wichtig dieses Schriftstück für denjenigen ist, mit dem ich gerade rede. Und weil ich mir nicht zutraute, einen streng religiösen Menschen „umdrehen“ zu können, so dass er/sie Homos plötzlich völlig normal findet.
Verbrachte ich mit jemandem mehrere Tage, dann erzählte ich, dass ich zu Hause mit einer Frau zusammen lebe. Negative Reaktionen erhielt ich nie. Ich denke, es ist wie zu Hause auch: man hat vielleicht ein (Vor)Urteil von einer Menschengruppe. Lernt man dann jemanden aus einer solchen Gruppe kennen und mögen, spielt das, was andere sagen oder was man vorher (negatives) dachte, keine Rolle mehr. Aus einer anonymen Gruppe wurde ein bekannter, gemochter Mensch.
Beziehungspflege:
Ohne WhatsApp wäre meine Reise um einiges öder und die Sehnsucht um einiges größer gewesen. Dass wir uns im Schnitt vier WhatsApp Fotos pro Tag schickten, erwähnte ich bereits. Texte waren es natürlich deutlich mehr. Ab und zu nahm ich auch ein kleines Video auf und schickte es nach Hause. Ich war aber nicht permanent am Handy. In der Regel meldete ich mich, wenn ich aufstand (da war es zu Hause noch mitten in der Nacht und erhielt keine Antwort), wenn ich irgendwo Rast machte und wenn ich ins Bett ging. Indonesien und Malaysia hat mehrheitlich -6 Stunden zur mitteleuropäischen Zeit. Für die Telefonate richtete ich mich nach Christas Tagesablauf. Während der Reise stellte ich fest, wie viel unserer Kommunikation über Mimik abläuft. Konnten wir videotelefonieren, waren unsere Gespräche deutlich länger und viel emotionaler, als bei „normalen“ Telefonaten. Manchmal schnitten wir auch eine Viertelstunde lang nur Grimassen und lachten uns schlapp über uns. Zu sehen, wie Christa mich aus dem Handydisplay anschaut und ihre mimische Reaktion auf Dinge, die ich erzählte, waren für mich viel wichtiger, als die Worte, die ich hörte. Dank der Videotelefonie fühlte ich mich Christa viel näher. Das war echt ein Segen.
Dank einer App der Schweizerischen Post konnte ich täglich eine gratis Postkarte kreieren und in die Schweiz schicken. Die Karte erreicht den Empfänger innert zwei Arbeitstagen. Christa mag Karten und so schickte ich sicher eine pro Woche. Mal waren es Fotos meiner Reise, mal witzige Sheepworld-Karten. Unterwegs kaufte ich natürlich auch Souveniers und es war auch immer mal wieder etwas dabei, das ich für Christa kaufte. Meine Gedanken waren eigentlich immer ein bisschen bei ihr. Dennoch genoss ich meine Reise mit Haut und Haar und sog alle Eindrücke auf, wie ein Schwamm.
Sehnsucht:
In den zehn Wochen gab es drei Phasen, in denen ich Christa echt vermisste und mich so fühlte:

Das war nach gut zwei Wochen in Java, nach ungefähr sechs Wochen in Borneo und in der Woche bevor ich nach Hause reiste, in Singapur. Die Auslöser: In Java war das Reisen wegen des Ramadans teilweise echt mühsam und geteiltes Leid wäre halbes Leid gewesen. In Borneo war gerade unser einjähriges Jubiläum vorbei, ich hatte eine zweitägige Bergtour hinter mir, war kaputt, hatte seit Tagen keinen Empfang zum skypen und vermisste es endlos, umarmt und geküsst zu werden. In Singapur erinnerte mich die Stadt an Miami und an unsere coolen Ferien in Florida. Ich stand vor dem Marina Bay Sands und träumte davon, mit Christa ganz oben im Pool zu planschen und am Abend an der Bar hochnäsig einen überteuerten Cocktail zu trinken, bevor wir im Zimmer die Laken zerwühlten. Es war das Ende der Reise und wusste, dass zu Hause ein Mensch auf mich wartet, mit dem ich meine Reiselust ausleben kann. Ich wünschte mir in dem Moment nichts mehr, als Christa an meine Seite zu beamen und einfach für immer weiterzureisen.
Nach der Reise
Ich landete am 30. Juli am Morgen um acht wieder in der Schweiz. Abgeholt wurde ich nicht wie gewünscht von Christa, sondern von meiner besten Freundin Aline. Christa musste arbeiten, was mich erst ziemlich heftig ank***te. Ich vereinbarte mit Aline, dass wir Christa einfach am Arbeitsplatz überraschen würden. Christa hatte zu Hause einen Brunch vorbereitet und ging davon aus, dass Aline und ich den ganzen Tag essend und Prosecco-trinkend zu Hause verbringen würden.
Ich kam in Zürich an und hatte das Gefühl, nie weg gewesen zu sein. Alles war wie immer und der Kulturschock beim Zurückkommen blieb aus. Aline und ich fuhren nach Bern und machten uns auf den Weg zu Christa. Wie näher wir dem Atelier kamen, desto nervöser wurde ich. Wir warteten vor der Tür, bis die Kunden gegangen waren. Dann gingen wir rein und trafen eine sprachlose Christa. Sie guckte nur, umarmte mich, guckte mich wieder an, umarmte mich wieder, lachte verlegen. Es kam mir vor, wie bei unseren ersten Dates. Aber es war toll, sie wieder zu spüren und zu riechen. Zu Hause hieß mich ein Blumenstrauss und eine Girlande willkommen. Aline leistete mir Gesellschaft, bis Christa von der Arbeit zurück war. An den ersten gemeinsamen Abend erinnere ich mich kaum. Ich glaube, wir realisierten erst am nächsten Morgen wirklich, dass wir uns wieder hatten. Die nächsten acht Tage verbrachten wir gemeinsam. Wir hatten beide Urlaub und genossen es, zusammen aufzuwachen, zusammen zu schlafen, zusammen wegzugehen und etwas zu unternehmen, zusammen nach Hamburg zu reisen, zusammen zu Familienfeiern zu gehen, zusammen die Fotos anzuschauen und uns gegenseitig von unseren Reiseerlebnissen vorzuschwärmen.
Die Distanz, die vor meiner Abreise zwischen uns stand, die ist seit meiner Rückkehr weg. Ich fühle mich wohl und zu Hause, wo ich lebe und arbeite. Manchmal muss man buchstäblich ein paar Schritte weg gehen, um besser zu sehen, was vor einem steht. Unsere Beziehung hat wieder rosa Wölkchen und Glitzerstaub und ich genieße es in vollen Zügen.

Fazit
Diese Reise war etwas vom Besten, was ich in meinem Leben gemacht habe. Ich könnte hier seitenlang aufzählen, weshalb. Es war Wahnsinn. Es war großartig. Es gibt nichts Schlechtes zu berichten. Es war ein Traum. Noch besser, als ich mir das je hätte vorstellen können. Dass ich in einer festen Beziehung war, hat mich nicht eingeschränkt. Dank der modernen Medien konnten wir unsere Beziehung auch über den halben Erdball pflegen. Unsere Beziehung wurde durch die Reise nicht schlechter, sondern brachte den Zauber aus den Anfängen wieder zurück. Ich genieße das jeden Tag. Allen, die die Reise als Risiko einstuften kann ich hier sagen: Für uns war sie eine Chance.
Dennoch glaube ich nicht, dass ich jemals wieder so lange alleine auf Reisen gehe. Warum? Weil ich eine Freundin habe, die meinen Reisestil teilt und das Reisen mit ihr einfach noch mehr Spaß macht, als es sowieso tut. Das heißt natürlich nicht, dass wir nur noch zu zweit verreisen. Ein Städte-Shoppingtrip, nur ich und meine besten Freundin, ist schon geplant. Christa, ihrerseits, wird mit ihren Mit-Athleten auch wieder an Trainingscamps und mehrtägigen Wettkämpfen teilnehmen. Dann bin ich wieder die, die zu Hause auf die Rückkehr der Liebsten wartet.
]]>Was bewirkt Masturbation? Was passiert in meinem Körper und in meiner Seele? Ist Masturbation in der Partnerschaft okay? Hilft es gegen Herzschmerz? Warum masturbieren wir? Wie kann ich es mir selbst machen? Diese und noch ein paar andere Fragen klären wir in diesem Blog.
Was bewirkt die Masturbation?
Die Masturbation, auch Selbstbefriedigung genannt, löst ein Feuerwerk an Reaktionen aus – sowohl auf der körperlichen wie mentalen Ebene. Selbstbefriedigung ist ein wichtiger Bestandteil unserer Sexualität und unseres Lebensgefühls. Während du dich selbst anfasst, streichelst und erkundest, lernst du dich und deinen Körper besser kennen. Du entdeckst, was dir in welchen Situationen Spass macht und was nicht. Durch das bessere Verständnis für deinen Körper und deine Lüste wächst dein Selbstwertgefühl und deine Selbstliebe. Du kannst Masturbation auch als einen Weg der Selbstfindung und Innenschau betrachten. Gleichzeitig kann es aber auch ein Mittel für Druckabbau, Entspannung, ein Ventil für Trauer, Freude, Frust und übermässige Lust sein. Ein selbst herbeigeführter Orgasmus kann dich ausgleichen oder längst Aufgestautes wieder in Fluss bringen.

Was passiert beim Orgasmus?
Einfach gesagt ist der Orgasmus bei uns Frauen eine Folge rhythmischer Muskelkontraktionen in der Scheide. Dazu kommt, dass dabei die Hormone Oxytocin und Prolaktin ausgeschüttet werden. Oxytocin hat eine Vielzahl positiver Effekte auf uns, psychisch wie physisch: Wirkt als Stressregulator, senkt Blutdruck und Kortisolspiegel, verbessert die Wundheilung, beeinflusst Vertrauensfähigkeit und Bindung gegenüber der Partnerin positiv und sorgt für Ausgeglichenheit. Und es steigert die Lust. Viele sprechen deshalb vom „Kuschelhormon“. Vor und während dem Orgasmus kommt es zu mehr Sekretproduktion, frau wird spürbar feuchter. Die weibliche Ejakulation ist auch ein immer grösseres Thema, wobei es nicht bei allen dazu kommt. Ich hab schon mal gehört, dass dies „erlernbar“ sei, aber probiert doch selbst. Schaden kann es nicht.
In der Scheide selbst haben wir fast keine Nerven und deshalb kommen viele Frauen nicht durch rein vaginale Stimulation zum Orgasmus. Erogene Zonen wie Klitoris und bestimmte Stellen in der Scheide wie G- und A-Punkt spielen dabei eine grössere Rolle. Letztere sind nicht bei jeder Frau am selben Ort und auch nicht jede Frau empfindet diese als erogene Zone.
Die Klitoris ist für die meisten die wichtigste Komponente um zum Orgasmus zu kommen. Sie besitzt enorm viele Nerven und ist deshalb hochempfindlich auf jegliche Berührung. Wie genau sie stimuliert werden soll um den grössten Reiz zu empfinden, ist individuell verschieden. Manche mögens sanft, andere lieber härter, hauptsache ihr geniesst es.

Der G-Punkt (Gräfenberg-Zone) ist eine Stelle ca. 5cm vom Scheideneingang entfernt, der bei einigen Frauen durch richtige Stimulation zum Orgasmus führen kann. Bei anderen widerrum hat es keinen Effekt. Oder ihr habt die Stelle verpasst. Wichtig ist zu wissen, dass der G-Punkt erst ab einem gewissen Erregungszustand als erogene Zone funktioniert. Ein Merkmal ist, dass sich diese Stelle im Gewebe gerippt oder hart anfühlt.
Der A-Punkt liegt vor der Gebärmutterhals und kann teilweise empfindlicher sein als der G-Punkt. Spannender Fakt: Die Stimulation dieses Punktes führt bei vielen Frauen zu multiplen Orgasmen. Ist ein Versuch wert, die beiden ominösen Stellen zu finden, würde ich behaupten.

Geschichte der Masturbation
Schon seit Jahrhunderten ist Masturbation ein Tabuthema. Oder war es bis vor einigen Jahren. Zu früheren Zeiten wurde Selbstbefriedigung moralisch geächtet, als Sünde angesehen und oftmals (fälschlicherweise) mit Krankheiten in Verbindung gebracht um Ängste zu schüren. Alle sollten schön keusch und rein bleiben. Sex sollte sowieso nur der Fortpflanzung dienen und alles andere galt als krank und ein absolutes Tabu. Kennen wir doch von irgendwo her.
In der Kunst und Literatur war es weit weniger verpönt und viel mehr geschätzt, wie das Beispiel von Klimt zeigt. Woody Allen sagte: Selbstbefriedigung ist Sex mit jemandem, den man wirklich liebt. Leider ist die Kunst eine Kategorie für sich und hatte nicht so viel Einfluss wie wünschenswert gewesen wäre.
Kleines Beispiel für die allseits verbreitete Engstirnigkeit: Bis ins 20 Jahrhundert hinein war man der Ansicht, Akne werde durch häufiges Mastubieren verursacht. Dass Pubertierende mehr Hand an sich legen und gleichzeitig unreine Haut haben, ist ein Zufall oder besser gesagt hormonbedingt. Aber deshalb hielt sich dieser Irrglaube wohl so lange. Bis in die 1980er Jahre galt Masturbation in der Jugend als Unreifezeichen und im Erwachsenenalter als kranke Form von Sexualität.
Auch in den Familien war dieses Thema häufig Grund für peinliche Erlebnisse und vorallem eines: Schweigen. Eltern konnten nicht darüber reden und die Kinder wollten nicht. Verständlich und nachvollziehbar, denn so wurde es vorgelebt. Wenn es als normal behandelt worden wäre, hilfe, da wären ja alle nur noch mit sich selbst beschäftigt gewesen. Oder so.
Heute ist dieses Thema zum Glück weniger tabuisiert. Wir werden uns bewusster, dass es gesund und wichtig ist. Für unser Selbstbewusstsein, Wohlbefinden und auch zur Selbstkenntnis. Je besser ihr über euren eigenen Körper und eure Bedürfnisse Bescheid wisst, desto mehr könnt ihr auch Sex mit einer anderen Frau geniessen.

Lust auf dich? Lust auf was Neues?
Wo machst du es dir am liebsten? An welchem Ort wolltest du es schon immer mal ausprobieren? In der Natur? Im Auto? Unter der Dusche oder in der Badewanne unter dem Wasserstrahl? In einer öffentlichen Toilette mit dem Nervenkitzel, es könnte jemand kommen? Ganz mutig unter den Augen deiner besten Freundin/Freund oder deiner Partnerin? Vor laufender Webcam oder beim Telefonsex? Hast du dich selber schon mal beim masturbieren auf Video aufgenommen oder Fotos von dir und deiner Libido gemacht? Nein? Dann mal ran!
Mit einem Taschenspiegel wirst du deine eigene Zuschauerin, während du deine Venus anfasst. Das kann ganz schön geil sein. Eigenliebe pur! Sprich mit dir selbst. Verbalerotik ist nicht zu unterschätzen, auch wenn du alleine bist. Lass deine Geilheit akustisch werden, stöhne laut, gurre, seufze und heize dich mit Lustworten an!
Fasse den Mut, etwas bisher Unvorstellbares umzusetzen. Mach es dir so, dass du einen Kick und besonderen Kitzel verspürst. Es gilt, zu deinen Fantasien zu stehen und sie ohne Scheu auszuprobieren.

Grenzenlose Fantasien
Apropos Fantasien. Bei der Selbstbefriedigung ist dies ein ganz erheblicher Aspekt für viele Frauen. Da darf alles sein, alles darf geschehen. Die Fantasien dürfen fliessen, genau so wie der Libidosaft. Fantasien mit der Frau deiner Träume – scheint sie noch so weit weg zu sein.. Vor deinem inneren Auge ziehst du sie einfach aus und fällst über sie her. Oder du wirst von mehreren Händen angefasst und begibst dich in einen flotten Dreier oder gar eine Orgie, während du dich selbst stimulierst.
Viele von uns Lesben haben Fantasien von Sex mit Männern, aber nur wenige von uns stehen dazu. Warum? Erstmals erscheint es gegensätzlich, auf Frauen zu stehen und dann Fantasien mit Männern zu haben. Für viele scheint das moralisch nicht vertretbar. Und dennoch: Hast du solche Fantasien, lass sie zu. Wenn es dich anturnt, dann ist das völlig ok.
Es gibt Frauen, die sich als Schwanzfrau bezeichnen. Sie fühlen einen Penis zwischen ihren Beinen und sie lieben es, mit einem Dildo bestückt Sex mit Frauen zu haben. Wenn du mehr dazu wissen willst, schau dir einen meiner früheren Blogs (Strap-On) an.
Vorfabrizierte Fantasien
Keine Lust, dir selbst eine heisse Geschichte und Protagonisten_innen auszudenken? Mittlerweile gibt es jede Menge gutes pornografisches Material auf dem Markt. Vieles ist von Männern für Männer. Der Markt an Videos von Frauen für Frauen und von Lesben für Lesben wächst aber laufend. Hast du dich bisher noch nicht getraut, einen Porno zu schauen? Probier es aus! Das Internet mit einschlägigen Seiten macht es einfach. Die meisten Filme sind kostenlos. Du kannst dir aber auch einen Spielfilm anschauen. In ‚Blau ist eine warme Farbe‘, beispielsweise, gibt es sehr ausführliche Sexszenen, die in Echtzeit gefilmt wurden. Es gibt aber auch erotische Literatur, Comics, Bildbände… such dir etwas aus, das dir gefällt und mach es dir damit zuhause richtig fein.
Entführe dich in deine Lustwelt
Schönes Licht, Musik die dich abtauchen und bei dir selber ankommen lässt. Auch Düfte können belebend wirken. Ein hohes Maß an aphrodisierender Wirkung wird Amyris, Patchouli, Ylang-Ylang, Moschus, Sandelholz und Jasmin zugeschrieben. Schon ein einfaches Räucherstäbchen tut seine Dienste. Ein Gläschen Wein oder Sekt lockert bekanntlich auf, also warum nicht auch bei der Selbstbefriedigung? Lass alle Sinne tanzen! Du und deine Lust sind es wert.
Hilfsmittel für jeden Geschmack und Hotspot
Es gibt so viele Geil-Punkte am und im weiblichen Geschlechtsteil, dass ein gutes Sortiment an Hilfsmitteln unabdinglich erscheint, um sie zu stimulieren. Es gibt verschiedenste Vibratoren und Dildos, Liebeskugeln, Brustwarzen- und Lippenklammer hin zum Bud Plug (sogenannter Anus Stöpsel) und Cremes. Trau dich und probier Dinge aus, auf die du neugierig bist. Im Internet (Artikel, wo kaufst du deine Sexspielzeuge ein?) kannst du alles bestellen. Vielleicht kannst du die Spielzeuge ja auch mit deiner/n Freundin/nen austauschen, damit ihr nicht beide alles kaufen müsst. Der Hygiene wegen empfielt es sich, alles was eingeführt wird mit milder Seife zu reinigen oder mit einem Präservativ zu überziehen.
Es müssen aber nicht unbedingt teure Spielzeuge sein. Eiswürfel, die über die Nippel kreisen, können auch sehr prickelnd sein. Ebenso eine Massage der Venus mit Gleitgel oder einem warmen Öl. Streichle dich mit einer Feder oder einem Seidenband. Magst du lieber intensivere Erlebnisse? Setz etwas rauhes oder hartes ein… Ein Stück Holz oder eine raue Bürste. Der Kitzler und die Aussenlippen kannst du auch mit Mentholcreme, Tigerbalsam oder frischem Ingwer einreiben. Der Fantasie sind auch er keine Grenzen gesetzt.
Körperstellungen
Je nach dem, wie du liegst, sitztst, stehst, fühlt sich die Selbstbefriedigung ganz anders an. Auch da empfiehlt es sich, mal was neues auszuprobieren. Viele von uns masturbieren wohl im altbewährten Liegen in Rückenlage. Du kannst dabei die Beine stark spreizen oder eng zusammenpressen und so das Empfinden deiner Finger oder Spielzeuge erheblich verändern. Seitlich liegend, mit angewinkeltem Bein, kannst du dich von hinten kommend anzufassen. Das fühlt sich an, wie eine fremde Hand, die dich beglückt. Liegst du auf dem Bauch erhöht sich der Druck auf den Kitzler. Machst du es dir im Stehen, ist eine Kür für sich. Es bringt den Hauch von „kurz mal Druck ablassen“ und schnellem Sex.
Den Höhepunkt auskosten – Crashkurs in Tantra
Im Tantra wird neben Berührung auch eine Atemtechnik eingesetzt, um den Orgasmus zu intensivieren. Probier es mal aus! Während du dich selbst befriedigst, atme tief in den Unterleib ein und halte dann die Luft an. Spanne den Beckenboden (wie, wenn du dringend auf Toilette musst, aber gerade nicht kannst) an und atme dann wieder aus. Diese Übung bringt die Energie in deinen Unterleib, dein Sexualorgan, und unterstützt den Orgasmus. Kommt der Orgasmus, kann er kurz, heftig, tief, langatmig, kraftvoll ausfallen. Er wird in jedem Fall intensiver, als er üblicherweise ist.
Du kannst dich während dem Höhepunkt auch auf dein Herz konzentrieren und so die Energie dort hinziehen. Das lässt das Hochgefühl auf die Wahrnehmung des ganzen Körpers ausweiten. Verweile in diesem Zustand, wenn dir danach ist, geniesse es, koste es aus. Sei liebevoll zu dir und nimm ohne Wertung wahr, wie du dich nun fühlst.

Masturbation während der Partnerschaft?
Mal ganz ehrlich, wer von uns kennt das nicht. Kaum sind wir in einer Beziehung, schon spielt die Eigenliebe keine grosse Rolle mehr. Wir sind zu sehr mit dem Liebesrausch zusammen mit unserer Partnerin beschäftigt. Später in der Beziehung verliert das Liebesspiel an Intensität, wir sind gesättigt und der Sex wird rarer. Doch war da nicht noch was? Die Selbstbefriedigung? In vielen Beziehungen wird sie vernachlässigt oder gar komplett eingestellt. Sie erscheint nicht mehr wichtig oder es fühlt sich falsch an, seine Sexualität ohne die Partnerin auszuleben. Vielleicht ist es für eine Partei gar ein Tabu, sich in der Partnerschaft noch selbst zu befriedigen. Breche dieses Tabu und beziehe die Selbstbefriedigung mit ins Liebesspiel ein. Lass dich davon anturnen, wenn sich deine Freundin selber anfasst. Oder spüre das kribbeln, wenn du dich selbst befriedigst und deine Freundin dich beobachtet oder einen anderen deiner Körperteile liebkost. Lernt voneinander, seht gegenseitig, was euch anturnt. Teilt eure Fantasien oder nehmt eure Selbstbefriedigung auf Video auf. Das kann extrem anmachen und dich für Zeiten ausrüsten, wenn deine Gespielin nicht da ist.

Fazit: Masturbation – Wichtig oder unnötiges Extra?
Es ist so ein unscheinbar kleiner Moment im Alltag von uns Frauen, wenn wir uns selber an unserem hochsensiblen erogenen Geschlechtsteil anfassen, streicheln, kitzeln. Es kann aus Frust oder Wut geschehen und wir werden dann verflixt nicht heiss, oder es geschieht aus tiefem Herzschmerz heraus und tut verdammt weh, wenn die erlösenden Tränen fliessen. Ein plumpes Rubbeln zum Druckabbau, ohne viel Emotionen, einfach mal zwischendurch. Jedes Masturbieren kann komplett anders ausfallen. Es ist so sehr abhängig von unserer eigenen Stimmung, von unserem Grundgefühl, von unserer Absicht und unseren Gedanken. Dabei ist es doch nur ein kleiner Knopf, den wir aktivieren, es ist der Lippeneingang zu unserer Venus, den wir erregen, es sind unsere Brustnippel, die wir kneten, benässen, steif reiben, und es ist unser Anus, der vielleicht seinen Lustgewinn mit einbringt.
Was, wenn wir uns wochenlang gar nicht mehr anfassen, weil wir im Liebeskummer fest stecken, oder weil wir kraftlos von Stress zur Erschöpfung fallen, oder weil wir es einfach gerade nicht wichtig finden, oder weil wir in einer bequemen Beziehung leben, die uns von uns anderweitig befriedigt. Alles kann, nichts muss. Wichtig ist, dass wir uns dessen bewusst sind, was und warum wir es gerade tun oder eben nicht tun, und dass es uns damit gut geht und wir nichts einfach nur beiseite schieben.
]]>Dabei habe ich es ihr von Anfang an gesagt: Ich will keine Beziehung, Verpflichtung oder sonst etwas bindendes. Bin ich deshalb ein schlechter Mensch? Nein, das war einfach nur ehrlich.
Aber was steckt hinter meiner Abneigung gegen zu viel Nähe? In der Psychologie unterscheidet man zwischen Bindungsunfähigkeit und Bindungsangst.

Bindungsunfähigkeit
Diese beruht auf wesentlichen Charaktereigenschaften, die eine Bindung zu einem anderen Menschen erschweren bis unmöglich machen. So zum Beipiel fehlendes Einfühlungsvermögen, starkes Misstrauen und Egozentrik. In manchen Fällen sind diese Wesenszüge so ausgeprägt, dass sie zu sozialen und Persönlichkeitsstörungen zuzuordnen sind. Es gibt also tatsächlich Menschen, die nicht in der Lage sind, eine gesunde Beziehung mit einem anderen Menschen einzugehen.
Die Ursachen sind vielfältig, meist zurückzuführen auf fehlendes Urvertrauen (aus der frühesten Kindheit), genetischen Faktoren, anderen psychischen Erkrankungen (Depressionen, Schizophrenie, Borderline etc.) sowie auch durch Umwelt und Erziehung.
Davon muss jedoch unterschieden werden, dass viele sich selbst diese Unfähigkeit diagnostizieren um sich abzugrenzen und zu vermeiden, verletzt oder eingeengt zu werden. Also daran kann frau theoretisch selbst arbeiten, was bei der “echten” Unfähigkeit nur mit einem hohen Ressourcen- und Zeitaufwand möglich ist.

Bindungsangst
Wer kennt es nicht. Frau wurde sehr verletzt, ist ein Anziehungspunkt für komplizierte Frauengeschichten und kennt von Beziehungen nur den dramatischen Teil. Mit der Zeit steigt die Angst vor weiteren Fehlschlägen und das Konzept Beziehung wird komplett abgelehnt.
Die Angst vor Nähe und Verlassenwerden ist der häufigste Ausdruck von Verletzungen aus der Kindheit. Wenn das Urvertrauen in so jungen Jahren schon nicht gefestigt wurde, dann werden daraus meist Erwachsene mit Bindungsproblemen. Finden diese dann zusammen, kommen sie nicht vorwärts, weil beide abwechselnd zurückweichen und aufeinander zugehen.
Dabei gibt es zwei Arten von Bindungsphobikerinnen:
Die aktive Vermeiderin ist rastlos und ständig auf der Suche oder Flucht vor Beziehungen. Am Anfang ist sie total aufgeschlossen und involviert, doch sobald das “Opfer” sich eine Beziehung vorstellen kann und seine Liebe zeigt, kommt die Panik und schlägt die Vermeiderin in die Flucht. Dazu wendet sie folgende Taktiken an:
Im Gegensatz dazu ist die passive Vermeiderin geschickt. Sie sucht sich (unbewusst) gezielt jemanden, der nicht willens oder nicht fähig ist, eine Beziehung einzugehen und zieht sich somit geschickt aus der Verantwortung. Denn was kann man schon dafür, wenn man an die Falsche gerät?
Der grosse Unterschied zwischen diesen beiden Typen ist, dass eine aktive Vermeiderin oft kein gutes Haar an einer Beziehung lässt und lieber alles komplett vernichtet, während die passive Vermeiderin viel zu lange in ungesunden Beziehungen bleibt und unfähig ist, sich die Fehler ihrer Partnerin realistisch zu betrachten. Daher versuchen sie konstant, ihre Partnerin unbewusst ihrem Bild anzupassen.

Fazit: Ich will doch nicht so sein!
Um es mal klar zu sagen: Ich weigere mich strikt, mich mit einer dieser Typen zu identifizieren. ABER gewisse Aspekte beider Bindungsphobikertypen kommen mir sehr bekannt vor. Daraus folgt also, dass ich vielleicht doch ein kleines Problem mit Bindungen habe. Wenn auch zum Glück nicht gerade in der verrücktesten Form.
Es gibt ein paar Tipps, die wir uns alle zu Herzen nehmen sollten, ob mit oder ohne Bindungsprobleme, schaden kann es nie.
Also Ladies, there is still hope (unless you are a psychopath).
]]>Zwei Stunden vor unserem Trauungstermin wussten Tina und ich tatsächlich noch nicht, ob wir heiraten würden. Einige wenige Wochen zuvor fegte ein gewaltiger Orkan des Streites mit zertrümmerndem Ausmass über uns, der uns beiden traumatische Erlebnisse bescherte. Unser Wunsch, uns zu vermählen, rückte in weite Ferne und erschien völlig indiskutabel. Ich war aufgrund der Geschehnisse in eine mittelprächtige lethargische Depression gerutscht und dümpelte vor mich hin; versuchte Tag um Tag zu überleben und zu überstehen. Sollten Tina und ich eine der vielen Beziehungen sein, die sich irgendwann trennten, nur weil es Unstimmigkeiten gab oder weil wir uns stritten? Ich konnte es nicht fassen. „Wer, wenn nicht sie? Diese Traumfrau, die einfach so mega zu mir passt?“, sagte ich mir immer wieder. Mein Verstand holte sogleich zwei grosse Schalen heraus, in die er die Pro und Kontra hinein legen wollte, um später abzuwägen, was nun das sinnvollste sei. „Quatsch“, rebellierte mein Herz, „die Sache ist glasklar, es soll, es muss, es wird weitergehen, mit uns beiden!“ Der lethargische Teil in mir hatte komplett resigniert, war innerlich leer und taub. War alles umsonst gewesen? In mir drehten sich Gedanken wie im Karussell. Wie ferngesteuert erledigte ich die auf ein Minimum reduzierten Tagesaufgaben. Letztendlich begriff ich, dass nur Zeit die vergangenen Orkanwunden heilen würde. Ich, meine Seele, mein Herz und mein Gefühlsknoten brauchten Zeit. Und die hatte ich tatsächlich, wenngleich begrenzt, zur Verfügung. Mein Wohnsitz lag in Artà, einem kleinen Künstlerstädtchen inmitten der Insel Mallorca im Mittelmeer vor Spaniens Küste. Meine geliebte Tina weilte zeitgleich in Kiel mit ihrer Tochter Anna (17 Jahre). Sie waren im Einpack-, Wegschmeiss- und Verschenk-Modus. Es war geplant, dass die beiden mit Sack und Pack zu mir ins Paradies zeihen würden. Auch dies stand nach dem Schwall von heftigsten Auseinandersetzungen auf der Kippe. Alles stand auf der Kippe. Tina und ich waren absolut ratlos. Das Leben ging weiter, wenngleich wir nicht wussten, in welche Richtung es gehen würde und ob es sich überhaupt gemeinsam weiter entwickeln würde. Ich kroch von Tag zu Tag, darauf wartend, dass ich von der inneren Leblosigkeit erlöst werden würde. Eine klare wache Stimme in mir forderte mich auf, mich zu entscheiden und alles dafür zu geben, dass der Termin des Ja-Versprechens geschehen würde, damit eine Basis unsere Beziehung sichern würde. Wir kannten uns seit einem dreiviertel Jahr und wussten recht rasch, dass wir zusammengehören.
Zweiter Trauungsversuch
Der Termin auf dem Standesamt war zum 13 des Monats gewählt. Ich fand das Datum super; und jetzt stand ich am Anfang des Monats. Mit der gefühlt tiefsten aller Depressionen hatte ich mich abgefunden und hoffte nur noch auf ein Wunder, das Tina und mich zusammen vor den Altar stellen würde. Immerhin war es schon der zweite Anlauf innerhalb von wenigen Wochen, gemeinsam vor offiziellen Augen uns das Ja-Wort zu geben. Bei unserem ersten Termin hatte Tina drei Tage zuvor mit dem Rauchen aufgehört, was zu leichten Irritationen führte und uns auch da in einen mittelprächtigen Orkan der Unstimmigkeiten schleuderte. Wir gaben alles und umso mehr drückte der Cosmos, das Universum, oder wer auch immer, uns auseinander.
Der erste Trauungsversuch viel ins Wasser. Lustigerweise wurde unser einst geplanter Trauungstag wunderschön: Wir machten eine kleine Schifftour und waren sehr glücklich. Schon bald waren wir wieder sicher, wir würden heiraten. Und sogleich war ein neuer Termin beim Standesamt erbeten, der uns nun kurz zuvor stand.
Lebensverpartnerung, Zugewinngemeinschaft
Zwischenzeitig wurden riesige politische Homoehe-Wellen geschlagen, wie und wo sie nun zugelassen sei, wie man sie betiteln würde und unter welchen Umständen. Die Gleichstellung der Ehe. Die gute Angie Merkel wurde zerhackstückelt wegen ihres mittelalterlichen Rückschritts und ihrer unklaren Aussagen. Auf Facebook reihten sich eine Empörung und Rebellion nach der anderen, die Profilbilder wurden in Regenbogenfarben getaucht. Tina und mir waren diese äusseren Begebenheiten relativ egal, wir wollten uns einfach vereinen, wie immer es nun heissen würde. Wir lernten einen neuen Begriff dazu und was er zu bedeuten hatte: Lebensverpartnerung. „Waren Sie schon einmal verpartnert“, wurden wir in unserem ersten offiziellen Pflicht Trauungs-Beratungsgespräch gefragt. Ich dachte, „naja klar hatte ich schon mal Partnerinnen.“ Welch Glück, ich sprach es nicht aus. Ich lernte, dass eine Verpartnerung einer lesbischen oder schwulen Ehe glich.
Was sind denn dann überhaupt die Pflichten und Rechte, wenn sich zwei gleichgeschlechtliche Wesen dieses Planeten Erde zusammenfinden und in den Bund der gemeinsamen Lebensführung gehen. „In Deutschland handelt sich um eine Zugewinn Gemeinschaft“, wurde ich von einer Richterin aus meinem Kreise belehrt. Aha, schon wieder ein neues Wort gelernt. Laut Wikepedia bedeutet es, dass beide Personen ihr eigenes Vermögen behalten, dass sie vor Verpartnerung schon besaßen. Lediglich das, was ab Tag der Vereinigung dazu gewinnt, wird im Falle einer Trennung geteilt. Jede der beiden PartnerInnen behält seine eigene Verantwortung. So bleiben auch mitgebrachte oder neu entstandene Schulden bei der betreffenden Person, rechtlich ist die und der LebenspartnerIN davon unbetroffen. Der Lesben und Schwulen Verband LSVD zählt im Jahr 2013 in Deutschland 35.000 gleichgeschlechtliche Paare als eingetragene Lebenspartnerschaft, die in einem Haushalt zusammen leben. 15 000 Paare beziehungsweise 43 % waren eingetragene Lebenspartnerschaften von Frauen.
In der Schweiz trat am 1. Januar 2007 das Gleichstellungsgesetz in Kraft. Das heutige Partnerschaftsgesetz enthält nahezu die gleichen Rechte wie die Zivilehe. Ausgenommen ist das Recht auf Adoption und der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin. Bis Ende 2012 durften eingetragene Partner keinen gemeinsamen Familiennamen führen. Erst seit dem 1. Januar 2013 ist die eingetragene Partnerschaft der Ehe im Namensrecht gleichgestellt. Im Gegensatz zur Ehe, wo in der Regel eine Zugewinngemeinschaft besteht, ist dies bei einer eingetragenen Partnerschaft nicht möglich. Es besteht Gütertrennung. In Deutschland ist die „Eingetragene Partnerschaft“ seit 2001 gesetzlich anerkannt.
Zeit rückt voran
Die Zahl 13, Tag der Standesamtlichen Trauung, rückte näher, und mein Zustand war geblieben. Die Resignation umhüllte mich mit ihrem schweren Gewand. Mein Geburtstag war der 10te des Monats, der Tag, an dem ich von meinem Wohnsitz Mallorca nach Kiel zu Tina fliegen würde. In der Nacht zuvor wurde ich endlich erlöst, und das Gewand der Schwere viel von mir. Welch Segen! Es kam wieder Licht in mir auf, ich spürte so etwas wie Freude, konnte sogar lachen, Zuversicht kam in mir hoch. Yep, das Leben hatte mich wieder. So sass ich im Flieger von Mallorca nach Kiel, voller Lebensfreude und gewillter Kraft, meine Herzensfrau vor dem Trau-Tisch zu heiraten ehhh zu verpartnern. Wie ich das anstellen würde, war mir absolut unklar. Als Tina und ich uns drei Tage vor offiziellem Trauungstermin wieder trafen, lag noch immer der Staub des Streitorkans von vor drei Wochen auf uns. Unsicher und glücklich zugleich fanden wir uns wieder. Ein radikaler Lebenswechsel auf allen nur erdenklichen Ebenen stand Tina und ihrer Tochter Anna zuvor. Ich mit einbezogen, da sie zu mir ins Ausland ziehen würden, sodenn es sein sollte. Flugtermin war in fünf Tagen, am 15ten des Monats.
Als ich in Kiel eintraf, wirkte die gekündigte Wohnung der beiden auf mich bewohnt wie zuvor. Gefüllt mit allerlei Möbeln. Mir wurde mulmig, ein Hauch von Panik durchdrang mich. In vier Tagen sollte die Wohnung leer sein und an den Nachmieter übergeben werden, der ja auch noch nicht wirklich feststand. Alles stand auf wackligen Stelzen, die so leicht hin und her wankten. Eine Heirat bzw. Verpartnerung stand drei Tage vor Standesamt-Termin nach wie vor in weiter Ferne. Tina und ich sprachen dieses Thema galant nicht an. Es gab genügend andere Baustellen, die in kürzester Zeit bewältigt werden sollten. So wurden weiter Kartons gepackt, Möbel geschleppt, Sperrmüll bestückt, bis die Wohnung sichtbar leerer wurde. Der Montag, unser augenscheinlicher Trauungstag, begann damit, dass wir gemeinsam liebevoll erwachten und kurzerhand die Wohnung weiter leerten und putzen, damit sie am darauffolgenden Tag an den noch unbekannten Nachmieter übergeben würde, so alles gut ginge. Tina und ich hatten uns mittlerweile darin geübt, den Dingen ihren Lauf zu lassen anstatt sich in allerlei Sorgen oder „Was ist, wenn…“ Gedanken zu verlieren.
Spontaner geht nicht!
Inmitten des seeligen Räumens und Putzens drängte sich in mir eine Stimme durch, ich nahm Tina in meine Arme und fragte sie liebevoll „ was machen wir eigentlich nach dem Frühstück, das wir gleich zu uns nehmen?“ Meine Traumfrau schaute mich fragend an. „naja, weiter putzen.“ „Und was ist, wenn wir zu unserem Standesamt-Termin in zwei Stunden gehen und einfach heiraten?“ entgegnete ich. Schnell führte ich all die Vorzüge auf, die mir ungefiltert in den Sinn kamen oder die ich Tage zuvor gesammelt hatte. Da Tina und ich beide Fluchtimpulse hatten, da wir gefühlte Sicherheit brauchten, da wir einfach unschlagbar gut zusammen passten und uns phänomenal ergänzten – genau deswegen war eine Trauung das Beste, was wir tun konnten. Tina erbat eine Minute Bedenkzeit, um eine Entscheidung zu treffen. „ So etwas furchtbares wie der vergangene Streitorkan darf uns nie wieder passieren, das müssen wir uns versprechen!“, mahnte sie. Ich stimmte sofort zu. „Und was ziehen wir jetzt an, wo doch alles schon verpackt und verschickt ist?“ Rasch öffneten wir unsere Koffer und befanden schliesslich, dass eine jede ihre Lieblingshose – blaue Jeans und schwarze Latexhose – gepaart mit weisser Bluse und glänzend schwarzen Schuhen genau uns entsprechend würde. Yes, wir waren ein Traum-Trauungspaar!
Stille Trauung
Wir hatten vorsorglich niemandem von unseren Plänen erzählt, lediglich meine allerbeste Freundin war eingeweiht, dass wir eventuell den Termin wahrnehmen würden. Tina’s Tochter war bei ihrem Freund und schlief noch. Kichernd machten wir uns fertig, packten die wenigen Papiere zusammen, die wir brauchten. Spontan entschieden wir, unsere Handys zuhause zu lassen. Es sollte unser Moment sein, ganz alleine unser Moment, schlicht und ergreifend. In mir war beständige Achtsamkeit, damit es auch tatsächlich zu dem Ja kommen würde. „Vergiss nicht deine Zigaretten“, erwähnte ich in aller Vorsicht. Wir lachten und waren schon im Taxi unterwegs. Meine innere Spannung stieg, sollte es dieses Mal tatsächlich stattfinden? Ich bewahrte Ruhe. Am Standesamt verlief alles perfekt, nett und unkompliziert. Spontan entschieden wir, unsere Paar-Ringe als Trauringe zu verwenden. Wir legten sie zu den Papieren. Im Trauungssaal, der gefüllt mit leeren Stühlen war, fanden wir uns mit der wirklich sehr sympathischen Standesbeamtin ein. „ Willst du rechts sitzen oder eher links?“, fragte ich meine wahrscheinlich Zukünftige. Wir beide tauschten die Plätze, bis es passte. Es war alles so lustig und irreal, abstrakt und abgrundtief real zugleich.

Was steht hinter diesem besonderen Ja-Wort?
Die Beamtin hielt eine persönlich verfasste Rede, die sie für uns geschrieben hatte. Sie wusste von unserem zweiten Anlauf, die Ehe zu vollziehen. Das Ja zu uns, das Ja zu allem, was dazu gehört, das Ja zu den schönen wie schweren Zeiten. Das Ja zu den Macken, oder sogenannten Fehlern, der Partnerin. Das Ja zu gemeinsamen Projekten, zur gemeinsamen Lebensführung, zur gemeinsamen Bewältigung von Herausforderungen, das Ja auf Lebzeiten. Wow, welch kraftvoll und mit Konsequenzen behaftetest Ja. Alles in mir strahlte vor Glückseligkeit! Genau das alles wollte ich teilen mit dieser wunderbaren Frau an meiner Seite, und noch vieles mehr! Sie war die Frau in meinem Leben, mit der ich von ganzem Herzen alles erleben und durchleben wollte. So gaben wir uns liebevoll und voller Überzeugung das besondere Ja, streiften einander die Ringe über und bekamen die DIN A5 grossen Urkunden in die Hand gedrückt. Nun waren wir vereint. Lebensverpartnert, um im aktuellen deutschen Rechtswortschatz zu sprechen. Eines Tages, wenn es die Gleichstellung der Homoehe gäbe, würden wir heiraten, so viel stand fest.
In der Wohnung angekommen, blieben wir in unserem Outfit, packten Wischschwamm und Besen, und putzen heiter weiter. Einen am Kiosk erworbenen lauwarmen Picolo zischten wir zwischendurch. Ein perfekter Tag, wie er perfekter nicht hätte sein können. Meine eingeweihte Freundin Andrea kam auf gut Glück vorbei, falls wir uns entschieden hätten. Wir nahmen den von ihr mitgebrachten Brautstrass stimmig entgegen. In der Zwischenzeit hatte sich sogar ein Nachmieter für die Wohnung gefunden, der am folgenden Tag die Wohnung leer und tiptop geputzt übernahm. Und an dem darauffolgenden Tag sassen wir drei mitsamt Minihund beseelt im Flugzeug nach Mallorca.
Auf der Insel angekommen leben Tina und ich in zwei verschiedenen Haushalten, eine jede hat ihr eigenes Reich, ihre eigene Wohnung. Wir entscheiden, wann wir uns sehen wollen. Und wir lieben es, wenn wir uns mehrmals am Tag begegnen. Uns zu verpartnern war eine ganz kraftvolle Handlung, die unsere Beziehung viele Ebenen nach oben gebracht hat, die unsere Beziehung enorm gefestigt hat, die uns noch achtsamer miteinander umgehen lässt. Eine Entscheidung, die einerseits nichts verändert, und die anderseits so viele kleine innere Details und Einstellungen und Umgangsformen verändert. Welch Geschenk!
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Kürzlich habe ich meine Freundin gefragt, ob sie eine Idee hätte, worüber ich als nächstes schreiben könnte. Sie meinte, auf unserem Blog käme das Thema „glückliche Liebe“ zu kurz. Und da der Artikel von „Christine Sauter“ als neuerliches Indiz dafür gewertet werden kann, dass wohl wirklich eher das Dunkle, Tragische und Dramatische präsenter ist, habe ich mich dazu entschlossen, die Idee meiner Liebsten aufzugreifen. Freut euch nun also über ein paar vor Glück und Liebe triefende Ausführungen. Weil: es geht eben auch anders. Kitschig, aber wahr.
Ich liebte nicht
Kürzlich habe ich meine Ex-Freundin gefragt, ob ich mich eigentlich verändert hätte, seitdem ich in einer GLÜCKLICHEN Beziehung bin. Sie antwortete, ich sei kein Arschloch mehr. Vielleicht hat sie auch gesagt, ich sei weniger Arschloch, das weiss ich nicht mehr so genau. ABER: auf der Arschloch-Skala bin ich definitiv nicht mehr so weit oben vorzufinden. Und das aus einem simplen Grund: ich führe eine wunderschöne und von Streitigkeiten und Dramen verschonte Beziehung. Ich, die, von sexuellen Trieben geleitet, oder oft auch aus purer Langeweile, jedes Wochenende in den Ausgang MUSSTE, weil ich hoffte, dort auf eine zu treffen, die willens war, sich auf mich einzulassen. Ich, die doch eigentlich eine flammende Gegnerin kitschiger Romanzen war, und partout keine an mich heranlassen, oder auch nur zwei Nächte neben mir liegen haben wollte. Ich, die es nicht ertrug, in verliebte Augen zu schauen, oder Herzklopfen zu spüren. Ich, die Frauen behandelte wie Dreck, nur um sie möglichst rasch wieder loszuwerden.

Nun liebe ich
Und nun? Nun ist alles anders. Weil ich liebe. Ich liebe, neben ihr aufzuwachen und in ihre schlaftrunkenen Augen zu schauen. Ich liebe, sie in der Nacht neben mir zu wissen. Ich liebe, sie zu beobachten. Ich liebe, ihren Blick minutenlang zu erwidern. Ich liebe, sanft ihr Gesicht zu streicheln. Ich liebe, sie zu Orgasmen zu treiben – immer wieder und unaufhörlich. Ich liebe, dass sie ihre eigene Meinung hat, auch mal Kontra gibt, nicht auf den Mund gefallen ist. Ich liebe, dass sie eine unglaublich verständnisvolle, empathische und unkomplizierte Person ist. Ich liebe, dass alle Menschen, denen ich sie vorstelle, meine Begeisterung für sie teilen. Ich liebe, dass sie spürt, wenn ich sie brauche. Ich liebe, dass sie auch einfach mal herumblödeln kann. Ich liebe ihren Wissensdurst. Ich liebe ihre Ansprüche an sich selbst. Ich liebe, dass sie sich mir mitteilt. Ich liebe, wie gefühlvoll sie ist. Ich liebe, dass auch sie über ihren Schatten springt und die Liebe riskiert. Ich liebe ihre Einstellung zum Leben. Ich liebe ihre wunderschönen funkelnden Augen. Ich liebe ihren verliebten Blick. Ich liebe, wenn sie seufzt. Ich liebe, dass sie von B-Girl bis Tussi alles sein kann. Ich liebe, dass sie eben keine Zicke ist. Ich liebe, dass sie ein herzensguter Mensch ist. Ich könnte seitenlang so weiterfahren. Denn ich liebe SIE.
Das Warum
Warum ich das alles nun empfinden kann? Weil ich wohl gespürt habe, dass da ein riesengrosses Geschenk vor meiner Tür steht. Es musste zwar ein paar Mal anklopfen, bis ich es eintreten liess, doch es war mit grossem Abstand die weiseste Entscheidung, die ich je in meinem Leben getroffen, und übrigens auch noch keine Sekunde bereut habe. Warum auch? Was gibt es Schöneres, als zu wissen, dass es da eine Frau gibt, die mich so nimmt, wie ich bin, mich von Herzen liebt, und mit mir durchs Leben gehen möchte? Für nichts und niemanden werde ich das, was ich gerade erlebe, aufs Spiel setzen. Vielmehr möchte ich jede Sekunde dieses Glücks, dieses Glücks, das ich mir auch gönne, in vollen Zügen geniessen, statt meine Gedanken an Dinge zu verschwenden, die mich ins Elend stürzen würden. Wie eben Katherine, die, als die dunkle Seite des Lebens sie wieder einholen wollte, einem Verlangen nachgegeben, und nun leider ihre Liebste verloren hat. Bleib nächstes Mal auf dem eingeschlagenen Weg, Katherine. Es ist der Richtige. Wenn ich es kann, kannst du es auch. Und Ihr alle ebenso.
PS: Chérie, das ist mein Geschenk an dich zu unserem 6-monatigen Zusammensein. Etwas spät, ich weiss. Aber nicht minder von Herzen.
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Als Schwimmtrainerin baue ich eine emotionale Beziehung zu den Athlet_Innen auf und bin ein Stück weit Bezugs- oder Ansprechperson für sie. Im Schnitt wird jedes zehnte Kind, welches zu mir ins Schwimmtraining kommt mal eine Beziehung mit einer gleichgeschlechtlichen Person eingehen. Wäre es nicht wichtig, dass sie bereits jetzt jemanden in ihrem Umfeld wissen, die lesbisch – und deshalb nicht irgendwie gestört, komisch, asozial, kurzhaarig und übergewichtig – ist? Die keine Springerstiefel und Flanellhemden trägt, sich Lesbenbuttons ansteckt und Männer aus Prinzip ablehnt? Die in den Augen der Kinder so richtig uncool ist? Man beginnt sich die absurdesten Fragen zu stellen: Falls ich mich outen würde, was sagen deren Eltern dazu? Wollen die, dass ihr Kind nicht mehr bei mir schwimmt? Wollen die mir irgendetwas anhängen? In diesen Momenten sind diese Gedanken zu real, um sie als absurd abtun zu können. Seit ich auch bei dieser Tätigkeit kein Geheimnis mehr mache aus meiner Homosexualität – sofern ich explizit danach gefragt werde – bin ich restlos überall geoutet. Bisher schwimmen noch immer alle Kinder bei mir. Und ein Geschwätz unter ihnen habe ich auch noch nie wahrgenommen. Die scheinen sich doch noch nicht so viel aus der Liebe zu machen. Was die Eltern denken? Das ist mir mittlerweile ziemlich Conchita – also Wurst. Schliesslich trainiere ich ja nicht die Eltern, sondern deren Kinder.
Es wäre mir sehr unangenehm, wenn eines dieser jetzt rund 10-jährigen Kids später per Zufall herauskriegen sollte, dass ich mit einer Frau zusammen lebe. Und dass ich es bewusst verschwiegen habe. Ich will nicht, dass der Eindruck entsteht, man müsste sich für eine gleichgeschlechtliche Liebe schämen! Oder sie verheimlichen, weil es anormal ist. Den Einwand, man muss den Kindern nicht alles auf die Nase binden, will ich so nicht stehen lassen. Ja, muss man nicht. Ich begrüsse die Kinder anfangs Saison auch nicht mit einer Offenbarung meiner sexuellen Orientierung. Werde ich aber danach gefragt, mache ich keinen Hehl mehr daraus. Da in Vereinen bekanntermassen sehr viel getratscht wird, wissen zumindest die etwas älteren Schwimmer_Innen – jene, die sich schon eher für Beziehungen interessieren – ohnehin Bescheid. Und die Argumentation „Mein Privatleben geht niemanden etwas an“ ist in meinen Augen auch nur bedingt zulässig. Ich verbringe doch einiges an Zeit mit den Kindern und Trainerkolleg_Innen. Da möchte ich auch mal frei von der Leber weg erzählen können, ohne ständig alles umzuformulieren. Und solange das Privatleben von Homosexuellen in der Öffentlichkeit debattiert wird (Adoptionsrecht, Erbrecht, Partnerschaftsgesetz, Eheschliessung…), habe ich nicht das Bedürfnis, mich unsichtbar zu machen.
Jenes zehnte Kind, welches sich irgendwann in den nächsten Jahren in jemanden ihres_seines Geschlechts verlieben wird, wird sich hoffentlich daran zurück erinnern, dass es einmal eine Schwimmtrainerin hatte, die eigentlich ganz ok war – obwohl sie mit einer Frau zusammen lebte. Vielleicht schwimmt es dann ja noch. Und vielleicht hat es dann das Bedürfnis, sich jemandem anzuvertrauen. Jemandem, von dem es weiss, dass sie_er ähnliche Erfahrungen gemacht hat.
Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Schreibt sie uns!
Ein Blogeintrag zum Thema „Homophobie in der Arbeitswelt“ wird in Kürze aufgeschaltet werden.
Ein junger Protagonist auf der Suche nach der eigenen Identität und dem Sinn des Lebens. Was den Protagonist trifft, Enttäuschungen, Schwierigkeiten.
Zwischen Praktika, Ausbildung, Leere, Arbeitslosigkeit und Ausgang, kurze Frauengeschichten,
Datinggeschichten, alle schlimmen Frauen nacheinander. Ein Mensch, der nicht weiss, was er will, findet auch nichts. Auf der Suche nach Liebe. Oder so was ähnliches. Hier folgt ein Text meiner Reise, welches ich 2006 gelesen habe. Viel Spass!
Psychologie Heute – Juli 2006 – Heiko Ernst
Neugier
Die Jagd nach dem Glück endet nicht selten in Frust oder Langeweile. Wir erhoffen uns zuviel von den falschen Dingen. Was gefällt uns wirklich? Zufriedenheit, so zeigt die Neuropsychologie, ist das Ergebnis tätiger Wissbegier: Nichts befriedigt auf lange Sicht so sehr wie die Suche nach neuen Erfahrungen und Informationen – nach Sinn.
Was erwartet der Mensch wirklich vom Leben? Eine einfache Frage, so scheint es: Er will möglichst viel Lust und Glück – bei gleichzeitiger Vermeidung von Unlust und Unglück. Er strebt zwar nach Geld, Liebe oder Macht oder Genuss, aber sein Hauptmotiv ist die Suche nach Frieden, Sicherheit und Geborgenheit. Verwunderlich nur, dass er sich so oft langweilt oder die Früchte seines Strebens nicht so recht geniessen kann. Was ist also der ideale Zustand? Der Schlüssel zur Zufriedenheit ist, scheinbar paradox, eine bestimmte innere Unruhe: die unstillbare menschliche Lust auf Neues. Das Gehirn als Zentralorgan der Zufriedenheit braucht kein dolce far niente (Nichtstun), sondern genau das Gegenteil: Aktivität. Es will beschäftigt sein, und es hungert vor allem nach neuen und möglichst herausfordernden Aufgaben und Erfahrungen.
Was ist eigentlich Dopamin?
Der Stoff, aus dem Zufriedenheit gemacht wird, heisst Dopamin. Dopamin ist ein so genannter Neurotransmitter, ein Botenstoffmolekül, das lange Zeit für die „Lustchemikalie“ des Gehirns gehalten wurde, denn Dopamin fliesst immer dann, wenn der Mensch sich was Gutes tut – essen, lieben, Genussdrogen nehmen… *hehe*
Mitte der 90er Jahre stellte sich jedoch heraus, dass Dopamin auch dann ausgeschüttet wird, wenn Unangenehmes erduldet werden muss – etwa Lärm oder Schmerzen. Dieser vermeintliche Widerspruch lässt sich so erklären: Dopamin ist eher ein Stoff der Antizipation als der Belohnung nach dem Erreichen eines Zieles. Dieser Transmitter ist immer dann im Spiel, wenn sich der Organismus angesichts einer neuen Situation auf eine Aktivität oder Reaktion vorbereiten muss.

Wie geht das jetzt schon wieder?
Die Dopaminausschüttung ist tatsächlich mit positiven Empfindungen verknüpft. Aber der Schlüssel zu ihrer Wirkungsweise ist das Element der Neuigkeit, das in angenehmen und unangenehmen Situationen gleichermassen enthalten sein kann. Erhöhter Dopaminfluss ist also die Reaktion des Gehirns auf eine Überraschung oder Herausforderung, vor der ein Mensch steht.
Unsicherheit ist der Schlüsselfaktior in der Chemie. Die Dinge vorherzusehen, die Umwelt zu enträtseln und so das Überleben zu sichern, das ist die eigentliche Kernkompetenz des Menschen. Unser Gehirn ist wissbegierig aus Notwendigkeit. Wir sind neugierig, weil wie seit jeher zum Informationssammeln verurteilst sind, um zu überleben. Die Wissbegierigkeit ist so ausgeprägt, dass wir dafür sogar negatie oder schmerzliche Informationen in Kauf nehmen: Es ist immer noch besser, sich einer Niederlage oder einen Verlust einzuhandeln, als im Ungewissen zu bleiben.
Die Ausschüttung von Dopamin als Reaktion auf neue Informationen ist die Essenz von befriedigenden Erfahrungen.

Geld oder wieso wir konsumieren
Die Glücksforschung hat in den letzten Jahrzehnten herausgefunden, dass alles, was wir gemeinhin als lustvoll und erstrebenswert erachten, dem Gesetz der „hedonistischen Tretmühle“ unterliegt: Wir gewöhnen uns sehr schnell an die Dinge, die uns glücklich machen sollen. Und wir müssen die Dosis steigern: Gutes Essen, Unterhaltung, Vergnügen und Spass aller Art – all das muss richtig (und das heisst sparsam) dosiert werden, sonst lässt die Wirkung bald nach.
Immer wieder hat die Glücksforschung den komplizierten Zusammenhang von materiellem Wohlstand und Glück untersucht. Als gesichert gilt heute, dass ab einem bestimmten Wohlstandniveau – das heisst, wenn alle Grundbedürfnisse ausreichend befriedigt werden können – ein Zuwachst an Reichtum keine grosse Rolle für das Wohlbefinden spielt. Mehr Geld als nötig macht nicht glücklicher. Wenn man mehr Geld hat, als man eigentlich braucht, steht nicht mehr die Freiheit der vielen Optionen im Vordergrund, nicht mehr die Lust, sie zu verwirklichen. Plötzlich schlägt der Besitz von Geld um in die Angst, es zu verlieren.
Sex und Liebe
Wie lassen sich Langzeitbeziehungen und die damit verbundene Treue mit der Neugier vereinbaren? Ist eine Beziehung per se zu sexueller Langeweile verdammt, wenn das unstillbare Bedürfnis nach neuen Erfahrungen nicht befriedigt werden kann oder darf?
Die steigenden Scheidungszahlen und die hohe Dunkelziffer der Seitensprünge scheinen diese Langeweilevermutung zu bestätigen. Vor allem dann, wenn Sex gleichgesetzt wird mit „Orgasmus“.
In einer grossen amerikanischen Studie über sexuelle Aktivität und Zufriedenheit zeigte sich folgendes Bild: Die befragen Männer und Frauen hatten in 81 Prozent (Männer) und 43 Prozent (Frauen) der Akte Orgasmen, wenn sie sich erst kurze Zeit kannten.
In längerfristigen Beziehungen (ab 1 Monat) lag die Zahl der Orgasmen nur bei 75 respektive 25 Prozent. Das spricht für die stimulierende Wirkung des Neuigkeitseffektes.
Ganz anders sieht das Bild aber aus, wenn nach sexueller Zufriedenheit gefragt wurde:
In Langzeitbeziehungen waren 51 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen „sehr zufrieden“, bei den Kurzzeitbeziehungen jedoch jeweils nur 16 Prozent.
Not just for One Night
Und wenn es um die emotionale Zufriedenheit geht, sind die Langzeitbeziehungen ebenso deutlich von Vorteil. Paare, die länger zusammenleben, haben öfter „grossartigen Sex“, in Kurzzeitbeziehung mag die Quantität der Orgasmen höher sein, der Sex insgesamt wird aber eher als mittelmässig eingestuft.
Die grössere sexuelle und emotionale Zufriedenheit geht wohl auf die als positv empfunden Vertrautheit zurück. Sexualwissenschafter sehen als ausschlaggebenden Faktor für die sexuelle Zufriedenheit das Mass an Aufmerksamkeit, das dem Orgasmus des Partners geschenkt wird.
Kann die Lust nach Neuem auch innerhalb der Partnerschaft befriedigt werden?
Ja, wenn beide Partner es schaffen, aus der „Komfortzone“ wieder in einen „Wachstumszyklus“ zu gelangen. Sie müssen es schaffen, sich wieder neu zu entdecken. Das ist möglich, wenn sie ihre „Fusion“ durch „Differenzierung“ rückgängig machen. Mit Fusion ist das allmähliche Verschwinden der Individualität des Partners gemeint. Der andere ist so vorhersehbar und vertraut geworden, dass er nicht mehr als Individuum mit einen Wünschen und Rechten erkannt wird. In der Differenzierung geht es nun darum, auch bei grösster Intimität den Sinn für die eigene Identität und die des Partner zurück zu gewinnen. Dies geschieht beispielsweise dadurch, dass Konflikte nicht unterdrückt, Defizite und Enttäuschungen Ausspricht und sexuelle Wünsche und Fantasien frei äussert – auch auf das Risiko hin, den anderen zu verstören.
FAZIT von Chantal: Am besten ist Sex, wenn er es ermöglicht, Neues zu erfahren auf der Basis von Sicherheit und Vertrauen.
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