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Erkennst Du auf den ersten Blick, wer eine Lesbe ist? Wenn Du die Menschen an der Supermarktkasse, im Wartezimmer oder im Bus betrachtest, weißt Du sofort, wer von ihnen homo und wer hetero ist? Wer von ihnen arbeitslos ist? Wer eine schwere Vergangenheit hatte? Welche von ihnen Prostituierte und welche Freier sind? Oder ist das alles gar nicht so wichtig? Die Entscheidung, ob wir jemanden sympathisch finden oder nicht, fällt innerhalb von 150 Millisekunden, ist vollkommen irrational und schwer zu korrigieren. Wir glauben, einen Menschen einschätzen zu können, weil wir von den Merkmalen, die wir innerhalb dieser extrem kurzen Zeitspanne wahrnehmen, automatisch auf weitere schließen.

Die gefühlte Identität

Um zu verstehen, wieso Menschen dazu neigen, sich selbst und andere in Schubladen zu stecken, müssen wir anerkennen, dass jeder von uns sich nach einer eindeutigen Identität sehnt. Es sind Fragen, die das Handeln zahlloser Filmhelden und literarischer Protagonisten bestimmen. Fragen, deren Dringlichkeit wir nachempfinden und mitfühlen können: Wer bin ich? Wohin gehöre ich? Dahinter steht der Wunsch, sich selbst einer Identität zuzuordnen, die erst einmal nichts anderes ist als eine Schublade, auf der die ethnische Herkunft, der gesellschaftliche Status und/oder die Zugehörigkeit zu einer Interessengemeinschaft vermerkt sind.

Problematisch wird es erst, wenn wir anhand dessen pauschal bestimmte Klischees assoziieren. Eine Lesbe als solche anzuerkennen ist grundsätzlich richtig, sie aber anhand bestimmter Eigenschaften durch ein Raster (kurze Haare, unrasierte Achseln, hasst Männer – ihr kennt das) in die Schublade „Lesbe“ zu pressen, völlig unangemessen.

Selbstbild und Identität

Leider ist Identität etwas Gefühlsabhängiges und gleichzeitig sehr Starres. Wer einmal eine Überzeugung verinnerlicht hat, verteidigt sie mit Klauen und Zähnen, notfalls auch gegen Fakten. Das gilt nicht nur für die Bilder, die wir uns von anderen machen, sondern vor allem für unser Selbstbild. Wird unser Selbstbild angegriffen oder infrage gestellt, stürzt uns das in eine Identitätskrise. Um das zu vermeiden, kann unsere Psyche die abstrusesten Abwehrmechanismen in Gang setzen, über die wir, wenn wir uns selbst als neutraler Beobachter wahrnähmen, nur den Kopf schütteln könnten. Bevor wir unser Selbstbild über den Haufen werfen, sind wir lieber bereit, Lügen zu glauben. Bevor wir die Schublade antasten, in die wir uns selbst gesteckt haben, korrigieren wir lieber die Attribute der anderen. Und da wir uns selbst unbedingt positiv und stimmig wahrnehmen möchten, ist es wahrscheinlich, dass es eher zu einer Abwertung der anderen Parteien kommt. Diesem Mechanismus können wir ein Schnippchen schlagen, indem wir ihn anerkennen und ihm bewusst entgegenwirken.

Wenn Schubladen ausarten

Identität ist komplex, hat aber einen trivialen Verwandten: das Wir-Gefühl, das uns an eine Gruppe bindet und gleichzeitig Abstand zu „den anderen“ schafft. Um ein Wir-Gefühl zu erzeugen, braucht es übrigens keine ethnische oder soziale Übereinstimmung. Es reicht, eine Uniform zu tragen. Oder nur die gleichen Hemden. Das gleiche Smartphone zu besitzen. Wenn wir nicht Acht geben, verlieben wir uns in dieses Wir-Gefühl so sehr, binden uns emotional so stark daran, dass wir es mit Identität verwechseln. Dies ist Voraussetzung für die Bereitschaft, nicht Zugehörige auszugrenzen und zu erniedrigen.

Für körperliche Gewalt oder sogar Mord ist noch ein weiterer Schritt vonnöten. Nachdem die eigene Identität mit der der Gruppe gleichgesetzt oder zumindest verknüpft wurde, sind wir unter bestimmten Umständen bereit, an ein Feindbild zu glauben und es zu entmenschlichen. Unter dieser Voraussetzung sind Völkermorde begangen und Sklaverei gerechtfertigt worden, alles mit der (emotional begründeten) Einstellung, dass jene, denen Gewalt angetan wird, minderwertig und untermenschlich seien.

Nun sind wir bei einem dunklen Kapitel angelangt, das an dieser Stelle nicht weiter vertieft wird, das aber die Wirkungskette aufzeigt, die unreflektierte Kategorisierungen im schlimmsten Fall nach sich ziehen können. Wir Menschen sind dazu veranlagt, in Schubladen zu denken. Es fußt auf unserem Bedürfnis der Zugehörigkeit und Bestätigung. Doch wenn wir nicht bereit sind, unser angeborenes Ego ohne Rettungsring über Bord zu werfen, wird es auch in Zukunft immer Kriege, Völkermorde und Sklaverei geben, denn Schubladendenken, so harmlos es anfangs ist, bildet den Nährboden für jedes Verbrechen.

Auch für sexuelle Diskriminierung.

Sag mir mit wem Du schläfst

…und ich sage Dir, wer Du sein willst.

Die Sexualität macht einen entscheidenden Teil unserer Selbstwahrnehmung aus. Sex ist nicht nur ein Grundbedürfnis. Es ist eine existenzielle Erfahrung, sich selbst, den Körper und die eigene Lust zu erleben, denn unabhängig von unseren Neigungen, dem Geschlecht oder der Anzahl an Sexualpartnern, sind wir dabei letztendlich immer auf uns allein gestellt. Wieso? Weil bewusster Sex im Kopf beginnt und auch dort seine Grenzen findet, in unserer eigenen, unablässig kreisenden, kommentierenden und produzieren Gedankenzentrale.

Das ist gut so, denn auf diese Weise können wir durch den Verstand die Auslebung unseres Triebes kontrollieren und moralische Vorstellungen einfließen lassen. Andererseits verleitet die verstandesmäßige Analyse der Sexualität uns, auch hier Schubladen zu erschaffen und uns selbst und andere fein säuberlich darin unterzubringen.

Homo, hetero, pan, bi, poly, asexuell?

Viele empfinden es als befreiend, sich einer Orientierung zuzuordnen, endlich ihre sexuelle Identität zu finden, endlich einen Begriff, eine Ahnung von Normalität zu haben, zu wissen, dass andere ihre Neigung teilen. Die Vorstellung, mit etwas so Sensiblem allein zu stehen, ängstigt uns, sodass wir mit einem Hechtsprung die vermeintliche Sicherheit der weit geöffneten Schublade suchen – mit all ihren Klischees und Vorurteilen. Wieder gehören wir einer Gruppe an, die sich durch eine Gemeinsamkeit definiert, wieder erfahren wir Ablehnung von anders Orientierten, wieder sind da Wir und die anderen. Wieder Abgrenzung, wieder eine erstarrte Identität, die keinen Raum für Entwicklung lässt. Sollte die sexuelle Präferenz sich einmal verändern, schlittern wir folgerichtig in die nächste Krise.

Ein Kreislauf, der niemandem guttut und den wir nur unterbrechen können, indem wir aufhören, einander in Schemata einzuordnen, die zu klein für uns sind. Denn ganz ehrlich, wen geht es wirklich etwas an, was wir in unseren Schlafzimmern – oder anderswo – treiben? Was sagt dieses Wort, das mit -sexuell endet, wirklich über uns aus? Sich mit einem Label zu bekleben, wirkt so, als wollten wir uns rechtfertigen für das, was wir sind. In einer Gesellschaft, in der Heterosexualität als normal weil häufig gilt, muss kein Hetero je darüber nachdenken, wie er sich outen soll. Dass so viel über „abweichende“ Neigungen diskutiert wird, zeigt deutlich, wie schwer wir uns mit Gleichwertigkeit tun, die mit unserem Denken beginnt.

Mein Fazit

Auf die Frage, „was wir denn nun seien“, einfach mal mit „Mensch.“ antworten. Ein Mensch mit tausend Facetten, der jeder Schublade entwachsen ist. Ein Mensch, der das Recht auf ungehinderte Entfaltung in gegenseitigem Respekt nicht nur für sich selbst beansprucht, sondern auch jedem anderen Lebewesen gönnt. Der sich seiner Triebe ebenso bewusst ist, wie er seinen Verstand gebraucht. Ein Mensch, der vor sich selbst frei ist.

Dies ist der erste Artikel von Luisa. Was meinst Du dazu? Schreibe Deine Meinung als Kommentar und sei Teil der Community.

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Mein Weg, das zu leben, was ich liebe https://www.lesbianchic.de/mein-weg-das-zu-leben-was-ich-liebe/ https://www.lesbianchic.de/mein-weg-das-zu-leben-was-ich-liebe/#comments Mon, 06 Mar 2017 19:26:09 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=12429 Coming-out – Mein Weg, das zu leben, was ich liebe

Hallo ihr Lieben! Ich bin Isa und Aspirantin bei lesbian chic. Ich bin 23 Jahre alt und studiere im 5. Semester Soziale Arbeit. Dies ist mein erster Artikel, in dem ich euch erzähle, wie mein Coming-out verlaufen ist. Das noch gar nicht so lange her ist. Ich erzähle euch, wie meine Familie darauf reagiert hat, dass ich eine Frau liebe. Außerdem schildere ich, wie ich für mich herausgefunden habe, dass ich auf Frauen stehe und wie ich die erste lesbische Frau kennengelernt habe. Nebenbei würde ich sehr gerne erfahren, was eure Meinung zu manchen Themen ist, also seid herzlich eingeladen fleißig zu kommentieren.

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Ich bin hübsch, feminin und klug wie sie. Und bin ich lesbisch?

Alles auf Anfang …  WIESO ICH EINEN FREUND HATTE

Bis vor gut einem halben Jahr wohnte ich noch in einer ganz anderen Stadt. Ich dachte unglücklich in einen Mann verliebt zu sein und hatte immer das Gefühl, es fehlt mir etwas. Ich konnte allerdings nie genau sagen, was es war. Und jetzt? Mein Leben hat sich um 180 Grad gewendet und ich stehe an einem völlig anderen Punkt in meinem Leben. Ich wohne in einer anderen Stadt. Zusammen mit einer Frau. Mit meiner Freundin.

Seit gut einem halben Jahr kenne ich sie nun und knapp vier Monate sind wir bereits zusammen. Manchmal bin ich noch immer erschrocken darüber, wie schnell alles ging und wie viel sich innerhalb eines halben Jahres verändert hat.

Die Suche nach der „großen Liebe“

Ich war immer auf der Suche nach etwas großem. Meinen ersten Freund hatte ich mit 15, es hielt 7 Monate, meinen zweiten mit 16. Und dann gab es noch die einen oder anderen Erfahrungen, die ich mit anderen Männern gemacht habe. Trotzdem habe ich nie das gefunden, was ich suchte. Ich wollte mehr Gefühl, mehr Liebe. Diese allumfassende Liebe. So wie sie in den Märchen beschrieben wird, die mir meine Oma zum Einschlafen immer vorgelesen hat, als ich noch ein kleines Mädchen war. Aus heutiger Sicht eine fein kitschige Liebesromanze à la Nicolas Sparks. Ja ich weiß, sehr kitschig gedacht, aber das bin ich. Schrecklich gefühlvoll und eine kleine Träumerin. Bitte sagt mir, dass ich da nicht die Einzige bin?!

„Blau ist eine warme Farbe“ – und dann hat es klick gemacht.

Ich glaube, den ersten kleinen Schlüsselmoment, in dem ich wirklich für mich realisiert habe, dass ich mich für Frauen interessiere, hatte ich an einem Abend 2014. Mir war furchtbar langweilig in meiner Einzimmerwohnung im Stundentenkaff. Ich schaute bei iTunes nach einem Film, den ich schauen könnte. „Blau ist eine warme Farbe“ – ich las den Inhalt und lieh ihn mir aus. Auf den Inhalt dieses Films muss ich glaube ich nicht sonderlich eingehen. Die meisten von euch kennen ihn wahrscheinlich.

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Ich konnte mich während des Film irgendwie immer wieder mit der Protagonistin, Adele, identifizieren.

Nach dem Film ist mir erst richtig bewusst geworden, dass ich immer ein Interesse an Frauen hatte. Schon immer habe ich mehr auf das weibliche Geschlecht geachtet. Sie blieben mir auch länger in Erinnerung. Natürlich gab es Schwärmereien für Männer, aber nie so sehr wie für Frauen. In welchem Zusammenhang auch immer. In Fußgängerzonen, in Filmen, auf Plattformen wie Instagram, YouTube und Co… ? Hattet ihr auch so einen Schlüsselmoment? Oder habt ihr gar keine dieser Momente gebraucht ?

War ich nicht schon immer lesbisch?

Eine weitere Situation vor diesem Abend war zu meiner Schulzeit, als ich mein Fachabitur gemacht habe. Ich war mit einer Freundin in der Stadt einen Kaffee trinken, als sie grinsend auf ein anderes Mädchen zu lief. Das Mädchen war in meiner Parallelklasse. Und wie das an kleinen Schulen so ist, wusste jeder alles über jeden. Also wusste ich auch, dass sie auf Frauen stand. Meine Freundin stellte uns vor. Und wir redeten eine Weile zu dritt über belanglose Sache. Dabei musterte ich sie und ertappte mich dabei, wie ich darüber nachdachte, wie es sich wohl anfühlen würde, ihre Hand zu halten oder sie gar zu küssen. Fühlt sich das wirklich anders an, als einen Mann zu küssen?

Irgendwann musste sie weiter und ich befasste mich nur noch kurz mit meinen Gedanken.  Für’s erste ließ ich es dann aber auf sich beruhen.

Der große Wendepunkt oder als ich intuitiv interessiert an Frauen bei einer Online-Dating Seite angab

Nach sechs Jahren des Single-Daseins war ich im letzten Jahr unzufrieden. Ich habe fast ausnahmslos unbefriedigende Erfahrungen mit Männern gemacht  bzw. war es nie stimmig. Also kam ich nach längerem Hadern zu dem Entschluss: „Ich melde mich bei Lovoo UND Tinder an“. Wenn schon, denn schon. Ich hielt nie richtig viel von den Plattformen. „Die meisten suchen da sowieso etwas zum Vögeln. Die Liebe findet man da eh nicht“.  Bin ich mit dieser Sichtweise alleine? Oder was ist eure Meinung zu diesen Plattformen?

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Jedenfalls ist es in Ordnung, wenn Lovoo & Tinder als dieses fungieren, nur war das nicht meine Intention. Meine Devise ist sowieso, dass man immer erst urteilen kann, wenn man sich selbst ein eigenes Bild gemacht hat. Beim Anmelden gab ich ohne lange zu überlegen: „ Interessiert an Frauen an“. Nach mehreren Tagen des belanglosen Schreibens mit Frauen als auch mit Männern, hatte ich mein erstes tiefgründiges Gespräch mit einer Frau über Lovoo.Wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Sie war direkt und hat nicht lange um den heißen Brei herum geredet. Sie war eher auf der Suche nach netten Leuten, aber hauptsächlich auf der Suche nach „Spaß“. Und betonte immer wieder „Alles kann, nichts muss!“  „Endlich mal eine klare Ansage“. Dem kam ich direkt nach. „Ich habe noch nie etwas mit einer Frau gehabt, würde es aber gerne ausprobieren“. Für sie war es kein Problem, solange ich mich nicht in sie verlieben und ihr nicht hinterher laufen würde!

„Lachhaft, als würde ich mich so schnell verlieben…“ dachte ich noch.

Bis wir uns dann endlich mal getroffen haben sind mehrere Wochen vergangen. Es gab kaum Tage, an denen wir nicht geschrieben haben. Tja, und irgendwann war es dann soweit.

PENG! Nun ist sie meine Freundin. Wie es dazu gekommen ist? Das ist eine andere Story.

Wie sage ich meiner Familie, dass ich LIEBE und wen ich LIEBE?!

Letztes Jahr im Oktober saßen meine Familie und ich am Frühstückstisch und ich habe es einfach gesagt: „Übrigens, ich wollte euch noch erzählen, Robin ist jetzt meine feste Freundin“. Ich habe es die Tage vorher gefühlt 1000 mal in meinem Kopf durchgespielt, wie ich es am Besten sage, aber dann habe ich doch alles zurecht gelegte über Bord geworfen. Jetzt während ich das schreibe, denke ich mir, wieso habe ich mich so verrückt gemacht? Dass ich eine Beziehung mit einer Frau führe, ist weder etwas besonders Großartiges noch etwas besonders Schlechtes. Es sollte doch etwas vollkommen Normales und Schönes sein, worüber man gerne und offen erzählt. Oder was meint ihr ?

Meine Eltern und mein 15-jähriger Bruder haben ganz gelassen reagiert. Meine Mama hat es sich sogar schon gedacht, weil ich die vorherigen Wochen so gut wie jeden Tag mit Robin verbracht hatte. Mein Stiefvater hat gar nicht so viel dazu gesagt. Er hat sich für mich gefreut.

Wie man dem Obigen schon entnehmen kann, sind meine Eltern getrennt und ich hatte mein Coming-Out sozusagen 2x bei meinen Eltern. Irgendwie anstrengend. Mein Vater, seine Frau und meine Halbschwester haben sich, wenn auch eher reserviert, für mich gefreut. Für sie ist Robin eine Phase in meinem Leben. Eine Phase, die vorübergeht. Kennt ihr das auch?

Ich für meinen Teil fühle mich in meinen Entscheidungen, die ich als erwachsene Frau getroffen habe, null ernst genommen.

What the FUCK? Es ist eine Phase? 

Als ich mit meinem Vater neulich im Auto saß, hat er sich, dass ich nun auf Frauen stehe, wie folgt erklärt: „Du bist, wie Robin auch, gefrustet von der Männerwelt. Momentan gebt ihr euch genau das, was ihr euch von den Männern gewünscht, allerdings nie bekommen habt. Deswegen passt das zwischen euch so gut“. Puh, das hat gesessen. Habt ihr auch schon mal so eine Situation mit einem Familienmitglied gehabt? Wo ihr euch am liebsten die Hand gegen die Stirn geschlagen hättet?

Ehrlich gesagt, war ich über diese Aussage so perplex, dass ich nichts erwidern konnte. Jetzt kann ich darüber nur noch lachen. Wahrscheinlich kann sich mein Vater nicht vorstellen, dass ich einfach eine Frau liebe, gerade weil sie eine FRAU ist und nicht WEIL sie die Charakterzüge o.ä. verkörpert, die ich an einem Mann vermisse.

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Bizarre Nachrichten von verflossenen Liebschaften 

Lustig sind auch die Nachrichten, die ich mittlerweile von alten Ex-Freunden bekomme. Ihr müsst mir unbedingt erzählen, ob ihr solche Erfahrungen auch gemacht habt! Plötzlich denkt der Mann, er ist Schuld, dass Frau ans andere Ufer gewechselt ist. Natürlich! Der Mann mitdem ich zuletzt ein Verhältnis hatte, schreibt mir mittlerweile, dass ihn meine Wandlung sehr beschäftigt. Indirekt hat er mich sogar gefragt, ob es an ihm liegen würde, dass ich nun das „Ufer“ gewechselt habe. Denn nur so könne er sich erklären, dass wir nie Sex gehabt haben. Oh je, was zum Teufel ist bei dem denn schief gelaufen?

Und ein ehemaliger Kommilitone, mit dem ich mal über einen längeren Zeitraum etwas hatte, hat jetzt realisiert, dass ich eigentlich die Richtige für ihn war. Und hat mir nun mehr als einmal deutlich gemacht, wie sehr er es bereut, das nicht früher erkannt zu haben. Zusätzlich fragte er mich, ob er noch etwas an der Situation machen könnte. Wie frech ist das eigentlich?

Fazit: Das Wichtigste ist, mit sich selbst und seiner Entscheidung zufrieden zu sein.

Ich bin eine Person, die immer viel darauf Wert legt, wie andere von mir denken und wie andere mich sehen. Aber oft bleibe ich dabei selbst auf der Strecke, wenn ich es den anderen Recht machen will. Ich sage euch daher: egal wohin ihr geht, geht mit ganzem Herzen. Tut was ihr tun müsst. Seine Homosexualität zu verleugnen kann ein Muss sein, um nicht als Märtyrerin zu sterben – in gewissen Ländern und bei gewissen Religionen – ja. Das kann ich verstehen.

Aber, wir sind hier, alles ist im Wandel und die Toleranz und die Offenheit wächst immer mehr. Nur durch offene Kommunikation können wir die Vorurteile gegenüber uns abbauen.

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Fazit: „Es braucht Mut sich selbst zu sein, in dieser heutigen Zeit.“ – [cg]

Who wants to come out? Hast du den Mut?

Was ich damit sagen möchte ist: lasst euch nicht beeinflussen und einschüchtern von eurem Umfeld. Selbst wenn es die Familie ist oder die engsten Freunde. Lebt das aus, was ihr fühlt und was euch glücklich macht. Ihr solltet so geliebt und akzeptiert werden, wie ihr seid, wie ihr lebt und leben möchtet und so wie ihr liebt und wie ihr lieben wollt. Was bringt es euch, wenn ihr euch versteckt, nur um den Anderen zu gefallen? Nur um in ein erdachtes „Gesellschaftsbild“ zu passen? Gar nichts! Ich für meinen Teil bin unendlich froh, dass für mich und für die Menschen in meinem Umfeld Klarheit herrscht und ich mich nicht verstecken muss, sondern einfach lebe, was ich liebe.

Danke fürs Lesen liebe Leserinnen, seid ihr neugierig? Teilt mit uns eure Coming-Out Geschichte. Wir sind sehr interessiert daran zuhören, was euch bewegt und wie ihr zu dem Thema Outing steht. Wir freuen uns über einen Austausch mit euch. Schreib unten dein Kommentar und bis hoffentlich sehr bald.

Für die Redaktion lesbianchic.de: Isa, 6. Februar 2017

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Homophobie: Die Angst vor der Angst https://www.lesbianchic.de/homophobie-die-angst-vor-der-angst/ https://www.lesbianchic.de/homophobie-die-angst-vor-der-angst/#respond Tue, 30 Dec 2014 21:04:50 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=10116 543623_original_r_k_b_by_gerd_altmann_carlsberg1988_pixelio.de_online__unit8
… vu da Lüüt vor da Lüüt. Da hatten Breitbild (Churer Rapper) wieder einmal Recht – das ist eine der wenigen Ängste, die ich habe. Aso außer meiner Angst vor schletzenden Töre, dem Alleinsein, Teelöffelchen, grossen Menschenmassen, Dunkelheit und Spritzen – aber eigentlich bin ich gar kein Ängstliches, werkli. Aber diese wachsenden Unsicherheiten in der Bevölkerung gegenüber der Andersartigkeit der Anderen, das macht mir wirklich Angst.

Wir haben Angst vor „es paar Törm wo vor kurzem die wenigschte gwösst hend wies heissend“ um nochmals Breitbild zu zitieren, vor der Islamisierung im Allgemeinen, den schwarzen Schafen, den Oligarchen, den Obdachlosen, den Ausländern – also vor so ziemlich allem, was nicht einigermassen so ist, wie wir sind oder zu sein meinen. Und mir scheint, als würden sich all diese Ängste schleichend mehr und mehr in der Gesellschaft verbreiten.

Kein EntkommenB

Auch Homophobie, also die Angst vor Homosexuellen, ist Realität. Selbst in Zürich, der wohl tolerantesten Stadt der Schweiz, ist sie zu finden und wir alle sind ihr wahrscheinlich schon in irgendeiner Art und Weise begegnet. Nochmals anders ist es zum Beispiel in der Innerschweiz. Die Geschichte von unserem Dorfpfarrer habe ich ja bereits das letzte Mal erzählt. Ein anderes Beispiel: An unserer Kanti gab es einen Jungen, von dem einige glaubten, dass er eventuell schwul sein könnte (er hat sich dann nach der Kanti auch tatsächlich geoutet), was zu einem Eklat führte, weil sich einige der pubertierenden Jungs weigerten, mit ihm nach dem Sport unter die Dusche zu stehen. Ganz viele solche Geschichten hört man in der Schweiz. Gar nicht anfangen will ich mit anderen Staaten: dem absolut rechtlich diskriminierenden Russland, den Fundis in Amerika oder den Ländern, in welchen homosexuelle Handlungen unter Todesstrafe stehen.

Schon absurd, diese Homophobie – man hat Angst vor Menschen, die das gleiche Geschlecht lieben. Was soll bitte schön an Liebe angsteinflössend sein (ausser natürlich, dass sie total blind und betrunken macht)? Gehen wir doch mal dem Phänomen Homophobie auf den Grund:

Phobia

Einer der Ersten, die den Begriff Homophobie prägten, war George Weinberg. „A phobia about homosexuals … It was a fear of homosexuals which seemed to be associated with a fear of contagion, a fear of reducing the things one fought for – home and family. It was a religious fear and it had led to great brutality as fear always does.” Es geht also um eine Phobie, um eine Angst. Aber stimmt dieser etymologische Ursprung wirklich mit dem überein, was man eigentlich damit sagen will? Denn Homophobie ist ja eigentlich viel weniger eine Angst – wie beispielsweise die Coulrophobie (Angst vor Clowns), die Coitophobie (Angst vor Sex) oder die Coprophobie (Angst vor Scheisse) – sondern fällt eher in dieselbe Kategorie wie Sexismus oder Rassismus. Das hingegen sind ablehnende, ausgrenzende oder feindliche Haltungen gegenüber Personen oder einer Gruppe, die als andersartig gesehen werden. Das hat nicht mehr viel mit Angst zu tun. Es ist vielmehr eine Einstellung, eine Art die Welt zu sehen und zu kategorisieren, wodurch einer Gruppe von Menschen feindselig begegnet wird.

Gefährlich

„Had led to great brutality“ – leider ist hier die Vergangenheitsform nicht angebracht. Denn noch immer hat Homophobie brutale Folgen. So ist die Suizidrate von jungen Homosexuellen zwei- bis zehnmal höher als bei gleichaltrigen Heterosexuellen. Und das liegt nicht irgendwie daran, dass wir ein Suizid-Genli haben. Nein, das liegt an der Homophobie – der Tatsache, dass die Andersartigkeit in unserer Gesellschaft einen schwierigen Stand hat. Dass es nicht einfach ist, nach vorne zu treten und dazu zu stehen, dass man nicht der breiten Masse entspricht. Noch brutaler wird es, wenn Homophobie institutionalisiert wird – sei es religiös, rechtlich oder gesellschaftlich. Das führt dann zu Umpolungstherapien, Exorzismen um den Homoteufel auszutreiben, zur rechtlichen Diskriminierung und zur strafrechtlichen Verfolgung. Diese Entwicklung, dass die Andersartigkeit keinen Platz hat, ist gefährlich – gefährlich für das einzelne Individuum und für die Menschheit, wie uns die Geschichte immer wieder zu lehren versucht.

 

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Überall dasselbe

Als ich letztes Jahr in Äthiopien war, kam es zu einer ganz absurden Situation: Gebrisha (ein äthiopischer Philostudent, welcher in Alitena, dem Dorf, das ich besuchte, als Entwicklungsarbeiter bei Frauenförderungsprojekten arbeitete und in diesen Wochen zu einem guten Freund und super Guide wurde, der all meine gwundrigen Fragen beantwortete) amüsierte sich mit meinem Iphone und verlangte zu allen Fotos, welche ihm eine Welt zeigten, die er sich überhaupt nicht vorstellen konnte, eine ausführliche Erklärung. Irgendwann kamen wir zu einem Foto von meinem besten Freund, der seinen damaligen Freund küsste.Der Schock stand Gebrisha ins Gesicht geschrieben und dieses Mal schaute er mich nicht auffordernd fragend an sondern eher what the fuck.

Einige Stunden später sprach er mich darauf an, wer das sei, was das soll, wieso ich so ein Foto habe, und meinte, dass das Bild ihn ziemlich aufgewühlt habe. Ich erklärte ihm, dass das in der Schweiz okay ist und dass das mein bester Freund und sein Freund seien und und und. Und dann fragte ich, wie denn mit Homosexualität bei ihnen umgegangen wird. Ich hatte bis jetzt die äthiopische Kultur als sehr körperkontaktfreudig und sehr offen mit Sexualität umgehend empfunden. Nein, zwei Männer, die sich lieben, die ein Paar sind, beim Sex, dass sei gruusig. Mit Lesben habe er überhaupt kein Problem, das sei okay. Aber Analsex, wäh. Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Ich behaupte einfach mal, dass diese Meinung nicht nur in Äthiopien sondern auch bei uns immer wieder so anzutreffen ist.

Ach ja, ein paar Tage später gingen einige Einheimische und ich in die Stadt. Neben mir im Auto saß ein Mann in den Zwanzigern, der einen geflickten Kapuzenpulli trug. Dieser war so zusammengenäht worden, dass nun „Gay is the new black“ draufstand. Dies und andere Weisheiten fand ich in Äthiopien.

 

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Die entscheidende Waffe

Das Gespräch mit Gebrisha führte dazu, dass er sich damit auseinander setzte und versuchte, sich selbst und dieses Phänomen Homosexualität irgendwie zu verstehen. Während wir damals lange zusammen saßen und versuchten, einander unsere Welt und Ansichten zu erklären, kam er irgendwann zum Schluss, dass das ja gar nicht so grusig sei. Das Problem war einfach, dass er es nicht kannte, nie damit in Berührung kam. Und genau deshalb entstehen solche Vorurteile, ablehnende und feindselige Haltungen oder Ängste.

Ein anderes Beispiel: auf meinen Artikel zu Emma Watson und dem Wort Feminismus habe ich eine uh härzige Reaktion von meinem wundervollen ehemaligen Mitbewohner erhalten. „Ech ha dine post jetz gläse ond ech fendne eifach super!!! Ech gsehnes glichig. (…) Ond mer sett sech schäme, kei feminescht ond demet gäge d glichbeerächtigong vo aune mönsche zsi.“ Ich war sprachlos. Und unglaublich gerührt. Ich kann mich an die noch nicht allzu lang vergangenen Abende am Esstisch erinnern, wo ich erklärte und nochmals erklärte, wieso ich Feministin bin. Wieso es Krippenplätze und Teilzeitstellen braucht, was es mit der ominösen gläsernen Decke und der Lohnungleichheit auf sich hat und vor allem, wieso der Kampf der Feministinnen noch lange nicht vorbei ist. Ich erinnere mich an Sätze wie: „Ech ha emmer gmeint alli Femineschtinne hend chorzi Hoor.“ Aber scheinbar haben all diese Gespräche gefruchtet. Deshalb war ich so gerührt von dieser wundervollen Reaktion.

Ich glaube, der einzige Weg, um die Homophobie zu besiegen, ist das Gespräch. Denn Angst hat man vor dem Unbekannten. Wenn man aber einmal mit dem Anderen in Kontakt kommt, wird es weniger beängstigend, weniger fremd und dafür vertrauter. Deshalb an Alle: lasst Euch auf all die Gespräche ein, obwohl sie sich im Kreis drehen und teilweise absurd sind. Denn Worte sind die einzige Waffe in diesem Kampf, dem Kampf gegen diese Angscht vu da Lüüt vor da Lüüt!

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Von Kneipenbienchen und Aufklärungsblümchen https://www.lesbianchic.de/von-kneipenbienchen-und-aufklarungsblumchen/ https://www.lesbianchic.de/von-kneipenbienchen-und-aufklarungsblumchen/#respond Wed, 27 Aug 2014 09:00:41 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=9346 banana-344361_640

 

Hihi er hat «Sex» gesagt.

Aufklärungsunterricht in der sechsten Klasse. Obwohl es schon Jahre her ist, kann mich noch gut an meinen Biologielehrer von damals erinnern: Herr Böttcher. Ein kleiner rundlicher Mann, der kurz vor der Rente stand, immer einen flotten Spruch auf den Lippen hatte und die letzten Monate seines Beruflebens so ruhig wie möglich hinter sich bringen wollte. Tja. Hätte klappen können mit der Ruhe. Wenn er nicht einem Haufen frühreifer vorpubertierender Sechstklässler die Grundlagen der Sexualkunde hätte vermitteln müssen. Dabei hat er das wirklich super gemacht! Jeder hat ein tolles Ausmalbild mit zwei nackigen Leuten bekommen und dazu ein Handout mit Bienchen und Blümchen drauf.

Sogar eine Banane hatte der Gute dabei, um uns zu zeigen, wie das so funktioniert mit dem… wie hat er es noch gleich genannt… ach ja: Gummihäubchen. Unnötig zu erwähnen, dass der Haufen frühreifer vorpubertierender Sechsklässler nicht ganz sooo ernst bei der Sache war, sondern lieber mit einem bemerkenswert versauten Wortschatz und schmutzigen Witzen glänzte – also, ähm, ich natürlich ausgenommen (hihi). Ich lachte nur still mit. Gut, vielleicht auch etwas lauter. Naja, eventuell habe ich auch den ein oder anderen dummen Spruch gerissen… hm, wie ging noch einmal der mit der Gurke… ich schweife ab. Was mir jedenfalls außer dem Haufen frühreifer vorpubertierender Sechsklässler außer Rand und Band im Gedächtnis geblieben ist, war der traurige Blick von Herr Böttcher, als er sich an seiner Banane abmühte. Äh, natürlich an der Obst-Banane, was ihr schon wieder denkt! In diesem Moment dachte ich mir, dass ich bitte niemals Lehrerin werden und niemals einem Haufen frühreifer vorpubertierender Sechstklässler etwas von Bienchen und Blümchen erzählen möchte.

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Hannes, der kann es… nicht besser wissen.

Acht Jahre später. Ich bin zwanzig Jahre alt, schon ein Weilchen raus aus Pubertät und Schule und bemühe mich um ein tadelloses Image als seriöse Jura-Studentin. Naja, klappt nicht immer so wirklich gut, das mit der Seriös-Sein-Sache. An diesem Abend eher weniger. Ich sitze am Tresen einer rauchigen kleinen Bar, nur der Himmel weiß, wie zur Hölle ich hier gelandet bin. Ich starre Löcher in meine Rum-Cola, die seltsam wässrig schmeckt. Neben mir sitzt Hannes. Den Hannes, den habe ich vor ein paar Monaten in einer Staatsorganisationsrechtsvorlesung (ja, das ist ungefähr so spannend wie es klingt) kennen gelernt. Ein ziemlich cleveres Kerlchen, weshalb ich mir dachte, mit dem stelle ich mich lieber gut, wer weiß, wann man es mal für eine Hausarbeit gebrauchen kann. Tja. Und nun sitze ich hier. Mit Hannes. Habe mich dazu breit schlagen lassen, an diesem Abend etwas mit ihm zu unternehmen, denn in den Semesterferien sind die meisten meiner Freunde eh am rumgondeln, in der Heimat, im Ausland oder weiß der Geier wo.

Hannes hat ein ungewöhnlich großes Mitteilungsbedürfnis, da kann nicht einmal ich mehr mithalten, und das will schon was heißen. Momentan ist sein Lieblingsthema seine „verflixte, vermaledeite, verdrehte Exfreundin“ (das waren seine Worte, ehrlich wahr!), die er vor zwei Wochen eiskalt abserviert hat (eigentlich war es andersherum, aber davon möchte sein Ego nichts wissen). Da sitze ich nun also, starre in mein Glas, höre im einen Ohr Hannes’ Version of Events und im anderen scheppernde armenische Popmusik (ich sagte ja, es ist eine seltsame Bar).

Unvermittelt legt Hannes seine Hand auf meine Schulter. „Wie ist das eigentlich bei… euch?“, möchte er mit großen Augen von mir wissen. Das letzte Wort hat er so seltsam gehaucht, als hätte er etwas sehr sehr Unanständiges gesagt. „Kommt drauf an, was du mit ‚euch’ meinst“, erwidere ich und lege die Stirn in Falten. „Na Leute wie du!“… „Frauen??“… „Naja, ja, speziell die Mannschaft, zu der du gehörst.“… „Meine Tennismannschaft??“ Aufgeregt, schüttelt er den Kopf. Er lehnt sich zu mir rüber. „Homosexuelle“, flüstert er, kaum hörbar. Jetzt macht es Klick bei mir. „Achsooo, Lesben! Warum sagst du das denn nicht einfach?“, entfährt es mir eine Spur zu laut. Er reißt die Augen weit auf und sieht mich an, als hätte ich ihn soeben dazu aufgefordert, Sex mit seinem Schäferhund zu haben. Vor laufender Kamera.

 

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Schon als wir uns zum ersten Mal über den Weg gelaufen sind, habe ich ihn darüber in Kenntnis gesetzt, dass ich auf Frauen stehe, denn er war mir eine große Spur zu flirty drauf. Er hatte reagiert mit einem „Och, schade“ und mich dann hart in die Schulter geknufft, als wären wir nun allerbeste Biertrinkfußballguckundladiescheck-Buddys. Damit war das Thema durch. Wundert mich daher schon ein bisschen, weshalb er sich an diesem Abend in der Bar nicht traut, das Wort „lesbisch“ in den Mund zu nehmen. Erinnert mich stark an Patrick Schmitz, der sich im Aufklärungsunterricht damals hartnäckig weigerte, vor versammelter Mannschaft das Wort „Vagina“ auszusprechen. 

 

Verflixte Weiber!

„Worauf willst du denn hinaus?“, fragte ich ihn. „Naja…“, müht er sich ab und scheint sich zu ärgern, das Thema überhaupt angeschnitten zu haben. Seltsames Kerlchen. „Gibt es bei euch auch so Miststücke wie meine Ex, oder könnt ihr so was gar nicht?“ Kritisch ziehe ich eine Braue hoch. „Ähm… doch, klar?“, sage ich. „Und… betrügt ihr euch auch pausenlos, so wie meine Ex?!“. Langsam aber sicher redet er sich in Rage. „Ja, so welche soll es auch geben.“ Meine Braue rutscht noch ein Stückchen höher. Entgeistert sieht er mich an, sein Blick ist ziemlich wirr. Ich überlege, ob es nicht klug wäre, ihm seinen Drink wegzunehmen. „Aber was WILLST du denn dann mit Weibern?!“, überschlägt sich seine Stimme. „Ein Mann könnte dir so etwas niemals antun!“, sagt er im Brustton der Überzeugung und nickt eifrig. „Äh…“. Ich bin etwas sprachlos. Hm, dass er so tief ins Glas geguckt hat, habe ich gar nicht mitbekommen.

Abrupt wendet Hannes sich ab und versucht die Wand kaputt zu glotzen. Wie er so dasitzt, mit starrem Blick und halb offenem Mund, sieht er auf einmal gar nicht mehr so clever aus wie in der Staatsorganisationsrechtsvorlesung. Ich beschließe erst einmal gar nichts mehr zu sagen und wende mich wieder meinem Glas zu. Und denke über seine seltsamen Fragen nach. Tja, was will ich denn eigentlich mit Weibern? Seitenblick auf Hannes. Auf jeden Fall sabbern sie beim Wände-Anstarren nicht rum. Zumindest die nicht, die ich so kenne. Außerdem schleppen sie mich nicht in rauchige seltsame kleine Bars. Und lassen mich nicht stundenlang eine wässrige Rum-Cola anstarren. Erneuter Seitenblick auf Hannes. Iiih, jetzt sabbert er wirklich. Lieber wieder das Glas fokussieren und zurück zum Thema. Ich muss grinsen, denn mir fallen auf Anhieb tausende Gründe ein, aus denen ich Frauen liebe. Ich stupse Hannes an und sage ihm das. Er verzieht das Gesicht und sagt mit zittriger Stimme: „Ich habe versucht dich zu warnen, Patricia, aber wenn du unbedingt willst, dass eine wie meine Ex dir das Herz herausreißt, dann BITTE!“. Das letzte Wort hat er gebrüllt. Die anderen Barbesucher drehen sich spätestens jetzt zu uns um. Hannes steht auf. Was, will er etwa schon gehen? Dabei war der Abend doch gerade so schön (nicht)! Hannes grinst schief. „Ich geh mal aufs Klo, einen abseilen!!“, lallt er und setzt sich schwankend in Bewegung. Zu viel Information, denke ich mir. Ich möchte lieber nach Hause. Wenn Hannes wieder da ist, werde ich ihn hart in die Schulter knuffen, wie man das unter allerbesten Biertrinkfußballguckundladiescheck-Buddys eben so macht, und gehen.

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Bienchen und Bienchen.

Eine halbe Stunde später. Mittlerweile habe ich es geschafft, mein Glas zu leeren. Hannes setzt sich wieder zu mir. Ziemlich lange Sitzung, die er da hatte. Als ich ihm das sage, lacht er wie ein frühreifer vorpubertierender Sechstklässler. Oha. Dann setzt er seine allerallerallercooste Checkermiene auf, legt mir den Arm um die Schultern, drückt mich an sich und fragt: „Wie macht ihr das eigentlich beim Sex, du und deine Teamkolleginnen?!“. Er kichert wie Linda Steinig, als Herr Böttcher uns die Banane zeigte (und ja, ich rede immer noch vom Obst, ihr versauten Stücke!). Ich verdrehe gekonnt die Augen. Warum fragen die Typen mich eigentlich dauernd, wie das so im Bett läuft? Gibt es darüber keine Filmchen? Oder haben sie in der sechsten Klasse nicht richtig aufgepasst? Jetzt muss ich nicht nur daran denken, wie verzweifelt Herr Böttcher geguckt hat, als ein Haufen frühreifer vorpubertierender Sechstklässler seinen Aufklärungsunterricht torpediert hat, sondern weiß auch ganz genau, wie er sich gefühlt haben muss. Armer Herr Böttcher. Ich sollte ihm eine Karte schicken. Später. Vorher winde ich mich aus Hannes’ Umarmung, lächle ihn anzüglich an und flüstere ihm süffisant ins Ohr: „Das könnte ich dir alles haarklein erzählen, angefangen bei den Bienchen und Blümchen. Ich könnte dir Ausmalbildchen von nackigen Frauen mitbringen und jede einzelne deiner Fragen beantworten“. „Echt?!“, jubelt er hoffnungsfroh. Ich ziehe meine Jacke an, schiebe einen Geldschein über den Tresen, winke Hannes zum Abschied zu, wende mich Richtung Ausgang und rufe „Werde ich aber nicht!“.

Beide Wünsche aus der sechsten Klasse abgehakt. Ich werde niemals Lehrerin und auch niemandem etwas über Bienchen und Blümchen erzählen. Weder einem Haufen frühreifer vorpubertierender Sechstklässler noch einem dreiundzwanzigjährigem betrunkenen Jura-Studenten, der Lesben für nicht ganz bei Trost hält, weil sie sich auf „verflixte, vermaledeite, verdrehte Weiber“ wie seine Exfreundin einlassen. Tja, Hannes. Shit happenes!

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