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Erkennst Du auf den ersten Blick, wer eine Lesbe ist? Wenn Du die Menschen an der Supermarktkasse, im Wartezimmer oder im Bus betrachtest, weißt Du sofort, wer von ihnen homo und wer hetero ist? Wer von ihnen arbeitslos ist? Wer eine schwere Vergangenheit hatte? Welche von ihnen Prostituierte und welche Freier sind? Oder ist das alles gar nicht so wichtig? Die Entscheidung, ob wir jemanden sympathisch finden oder nicht, fällt innerhalb von 150 Millisekunden, ist vollkommen irrational und schwer zu korrigieren. Wir glauben, einen Menschen einschätzen zu können, weil wir von den Merkmalen, die wir innerhalb dieser extrem kurzen Zeitspanne wahrnehmen, automatisch auf weitere schließen. Um zu verstehen, wieso Menschen dazu neigen, sich selbst und andere in Schubladen zu stecken, müssen wir anerkennen, dass jeder von uns sich nach einer eindeutigen Identität sehnt. Es sind Fragen, die das Handeln zahlloser Filmhelden und literarischer Protagonisten bestimmen. Fragen, deren Dringlichkeit wir nachempfinden und mitfühlen können: Wer bin ich? Wohin gehöre ich? Dahinter steht der Wunsch, sich selbst einer Identität zuzuordnen, die erst einmal nichts anderes ist als eine Schublade, auf der die ethnische Herkunft, der gesellschaftliche Status und/oder die Zugehörigkeit zu einer Interessengemeinschaft vermerkt sind. Problematisch wird es erst, wenn wir anhand dessen pauschal bestimmte Klischees assoziieren. Eine Lesbe als solche anzuerkennen ist grundsätzlich richtig, sie aber anhand bestimmter Eigenschaften durch ein Raster (kurze Haare, unrasierte Achseln, hasst Männer – ihr kennt das) in die Schublade „Lesbe“ zu pressen, völlig unangemessen. Leider ist Identität etwas Gefühlsabhängiges und gleichzeitig sehr Starres. Wer einmal eine Überzeugung verinnerlicht hat, verteidigt sie mit Klauen und Zähnen, notfalls auch gegen Fakten. Das gilt nicht nur für die Bilder, die wir uns von anderen machen, sondern vor allem für unser Selbstbild. Wird unser Selbstbild angegriffen oder infrage gestellt, stürzt uns das in eine Identitätskrise. Um das zu vermeiden, kann unsere Psyche die abstrusesten Abwehrmechanismen in Gang setzen, über die wir, wenn wir uns selbst als neutraler Beobachter wahrnähmen, nur den Kopf schütteln könnten. Bevor wir unser Selbstbild über den Haufen werfen, sind wir lieber bereit, Lügen zu glauben. Bevor wir die Schublade antasten, in die wir uns selbst gesteckt haben, korrigieren wir lieber die Attribute der anderen. Und da wir uns selbst unbedingt positiv und stimmig wahrnehmen möchten, ist es wahrscheinlich, dass es eher zu einer Abwertung der anderen Parteien kommt. Diesem Mechanismus können wir ein Schnippchen schlagen, indem wir ihn anerkennen und ihm bewusst entgegenwirken. Identität ist komplex, hat aber einen trivialen Verwandten: das Wir-Gefühl, das uns an eine Gruppe bindet und gleichzeitig Abstand zu „den anderen“ schafft. Um ein Wir-Gefühl zu erzeugen, braucht es übrigens keine ethnische oder soziale Übereinstimmung. Es reicht, eine Uniform zu tragen. Oder nur die gleichen Hemden. Das gleiche Smartphone zu besitzen. Wenn wir nicht Acht geben, verlieben wir uns in dieses Wir-Gefühl so sehr, binden uns emotional so stark daran, dass wir es mit Identität verwechseln. Dies ist Voraussetzung für die Bereitschaft, nicht Zugehörige auszugrenzen und zu erniedrigen. Für körperliche Gewalt oder sogar Mord ist noch ein weiterer Schritt vonnöten. Nachdem die eigene Identität mit der der Gruppe gleichgesetzt oder zumindest verknüpft wurde, sind wir unter bestimmten Umständen bereit, an ein Feindbild zu glauben und es zu entmenschlichen. Unter dieser Voraussetzung sind Völkermorde begangen und Sklaverei gerechtfertigt worden, alles mit der (emotional begründeten) Einstellung, dass jene, denen Gewalt angetan wird, minderwertig und untermenschlich seien. Nun sind wir bei einem dunklen Kapitel angelangt, das an dieser Stelle nicht weiter vertieft wird, das aber die Wirkungskette aufzeigt, die unreflektierte Kategorisierungen im schlimmsten Fall nach sich ziehen können. Wir Menschen sind dazu veranlagt, in Schubladen zu denken. Es fußt auf unserem Bedürfnis der Zugehörigkeit und Bestätigung. Doch wenn wir nicht bereit sind, unser angeborenes Ego ohne Rettungsring über Bord zu werfen, wird es auch in Zukunft immer Kriege, Völkermorde und Sklaverei geben, denn Schubladendenken, so harmlos es anfangs ist, bildet den Nährboden für jedes Verbrechen. Auch für sexuelle Diskriminierung. …und ich sage Dir, wer Du sein willst. Die Sexualität macht einen entscheidenden Teil unserer Selbstwahrnehmung aus. Sex ist nicht nur ein Grundbedürfnis. Es ist eine existenzielle Erfahrung, sich selbst, den Körper und die eigene Lust zu erleben, denn unabhängig von unseren Neigungen, dem Geschlecht oder der Anzahl an Sexualpartnern, sind wir dabei letztendlich immer auf uns allein gestellt. Wieso? Weil bewusster Sex im Kopf beginnt und auch dort seine Grenzen findet, in unserer eigenen, unablässig kreisenden, kommentierenden und produzieren Gedankenzentrale. Das ist gut so, denn auf diese Weise können wir durch den Verstand die Auslebung unseres Triebes kontrollieren und moralische Vorstellungen einfließen lassen. Andererseits verleitet die verstandesmäßige Analyse der Sexualität uns, auch hier Schubladen zu erschaffen und uns selbst und andere fein säuberlich darin unterzubringen. Viele empfinden es als befreiend, sich einer Orientierung zuzuordnen, endlich ihre sexuelle Identität zu finden, endlich einen Begriff, eine Ahnung von Normalität zu haben, zu wissen, dass andere ihre Neigung teilen. Die Vorstellung, mit etwas so Sensiblem allein zu stehen, ängstigt uns, sodass wir mit einem Hechtsprung die vermeintliche Sicherheit der weit geöffneten Schublade suchen – mit all ihren Klischees und Vorurteilen. Wieder gehören wir einer Gruppe an, die sich durch eine Gemeinsamkeit definiert, wieder erfahren wir Ablehnung von anders Orientierten, wieder sind da Wir und die anderen. Wieder Abgrenzung, wieder eine erstarrte Identität, die keinen Raum für Entwicklung lässt. Sollte die sexuelle Präferenz sich einmal verändern, schlittern wir folgerichtig in die nächste Krise. Ein Kreislauf, der niemandem guttut und den wir nur unterbrechen können, indem wir aufhören, einander in Schemata einzuordnen, die zu klein für uns sind. Denn ganz ehrlich, wen geht es wirklich etwas an, was wir in unseren Schlafzimmern – oder anderswo – treiben? Was sagt dieses Wort, das mit -sexuell endet, wirklich über uns aus? Sich mit einem Label zu bekleben, wirkt so, als wollten wir uns rechtfertigen für das, was wir sind. In einer Gesellschaft, in der Heterosexualität als normal weil häufig gilt, muss kein Hetero je darüber nachdenken, wie er sich outen soll. Dass so viel über „abweichende“ Neigungen diskutiert wird, zeigt deutlich, wie schwer wir uns mit Gleichwertigkeit tun, die mit unserem Denken beginnt. Auf die Frage, „was wir denn nun seien“, einfach mal mit „Mensch.“ antworten. Ein Mensch mit tausend Facetten, der jeder Schublade entwachsen ist. Ein Mensch, der das Recht auf ungehinderte Entfaltung in gegenseitigem Respekt nicht nur für sich selbst beansprucht, sondern auch jedem anderen Lebewesen gönnt. Der sich seiner Triebe ebenso bewusst ist, wie er seinen Verstand gebraucht. Ein Mensch, der vor sich selbst frei ist. Dies ist der erste Artikel von Luisa. Was meinst Du dazu? Schreibe Deine Meinung als Kommentar und sei Teil der Community.Die gefühlte Identität
Selbstbild und Identität

Wenn Schubladen ausarten

Sag mir mit wem Du schläfst
Homo, hetero, pan, bi, poly, asexuell?

Mein Fazit
Erste Lesben*Demo der Schweiz: «Die Welt wartet nicht auf uns – wir müssen sie uns holen»
für die Redaktion lesbianchic, Gastschreiberin Lovis Cassaris, Mitorganisator_in
Ein Manifest für mehr Sichtbarkeit
Das Manifest auf der Webseite des neu gegründeten Vereins «Tag der lesbischen Sichtbarkeit Schweiz» ist unmissverständlich: «Wir teilen die Vorstellung von einer Gesellschaft, in der alle Menschen die gleichen Rechte haben; von einer Gesellschaft, in der alle Menschen die gleichen Chancen haben, von einer Gesellschaft, in der alle Menschen gleich geachtet und wertgeschätzt werden. Aber: Wir sind noch nicht so weit.» Lesben würden immer noch weniger Rechte und Chancen erfahren, dafür Ausgrenzung und Abwertung. Ein Teil des globalen Problems sei, so im Manifest weiter, «dass wir Lesben* immer noch unsichtbar sind.» Aus diesem Grund soll am 28. April die erste Schweizer Lesben*Demo zum Tag der lesbischen Sichtbarkeit in der Bern stattfinden. Erwartet werden am Bärengraben bzw. am Alten Aargauerstalden mehrere hundert Frauen und ihre UnterstützerInnen.
Trans Menschen sollen inkludiert werden
«Der Asterisk hinter dem Wort Lesbe ist mit Absicht so gewählt», erklärt Petra Bleisch, eine der Mitorganisatorinnen der Demonstration. «Damit wollen wir auch bi- und pansexuelle, genderfluide, aber auch lesbische trans Frauen inkludieren und ein Zeichen gegen Transphobie setzen. Wir verstehen Lesbe als politische, nicht-homogene Kategorie». Die lesbische Community sei vielfältiger, als bisher von aussen angenommen, es sei deshalb wichtig, sie in all ihren Facetten sichtbar zu machen und zu feiern.
Die Teilnahme am Umzug ist nach Bleisch für alle Menschen offen, die sich für die Rechte von Lesben aussprechen. Denkbar ist also, dass beispielsweise auch schwule und heterosexuelle Männer an der Veranstaltung partizipieren. «Es ist wichtig, dass auch schwule Männer die Bewegung unterstützen», findet Daniel Frey, Projektleiter und Vorstandsmitglied der Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern (HAB). «Lesbische Frauen haben in der Vergangenheit für die Rechte von schwulen Männern mitgekämpft. Es ist an der Zeit, dass wir uns revanchieren».
Wieso wir Sichtbarkeit brauchen
«Auch wenn ich mich nicht unbedingt als lesbisch verstehe, bin ich durch und durch feministisch und werde zur Demonstration hingehen. Werden den Lesben nämlich Rechte verweigert oder abgesprochen, geraten auch meine in Gefahr. Haben die Lesben ein gutes Leben, ist es ein besseres Leben für alle.» Simeon Seiler, auch Moe genannt, ist Gewerkschaftssekretär*in und bezeichnet sich als panromantisch, das bedeutet, dass das Geschlecht für das Pflegen von romantischen und sexuellen Beziehungen keine Rolle spielt. Moe versteht sich als non-binären trans Menschen; Pronomen wie sie und er sind unpassend. Das Coming-out ist nur wenige Monate her: «Ich habe mich relativ spät im Alter von vierzig Jahren geoutet. Erst, als ich andere trans und non-binäre Personen kennenlernte, ging in meinem Kopf plötzlich alles auf. Davor hatte ich eine mächtige Krise gehabt. Mein persönliches Umfeld war dann auch nicht besonders überrascht, als ich von meiner Identität erzählte.» Dass der Demonstrationsaufruf explizit trans-inklusiv ist, ist für Moe ein weiterer Grund, an der Veranstaltung teilzunehmen und wieder Energie zu tanken. Energie, die im Alltag manchmal verloren geht: «Da ich bisher keine anpassenden Massnahmen unternommen habe, werde ich zu fast hundert Prozent als Frau gelesen. Das ist nervig und traurig, denn es entspricht nicht meiner Identität.» Bisher verweigere die Krankenkasse eine Kostengutsprache. «Die bestehen auf alles oder nichts. Das zehrt an den Kräften. Ich erfahre zum Glück viel Unterstützung von meinem Umfeld.»
Coming-Out im Job?
Bedenken habe Moe eher im beruflichen Umfeld. «Die Gewerkschaften sind historisch bedingt eine eher maskuline Umgebung. Sie bemühen sich aber aktiv, sich zu öffnen.» So wurden am Arbeitsplatz E-Mailadresse, Postfach, und Visitenkarten rasch angepasst. Auch gewöhnten sich die meisten schnell an den neuen Namen und die fehlenden Pronomen. «Durch mein Coming-out hat die Sensibilisierung im Hinblick auf trans Menschen zugenommen», berichtet Moe erfreut. Sonst seien in der Regel vor allem schwule Männer sichtbar. «Den Begriff Lesbe als selbstgewählte Bezeichnung und Wiederaneignung finde ich sehr wichtig. Lesbische Lebensentwürfe werden immer noch nicht besonders ernst genommen.»
Unsichtbarkeit macht krank und wertlos
Fehlende Anerkennung
«Die fehlende Anerkennung lesbischer Sexualität führt dazu, dass Lesben auch in Präventionskampagnen nicht beachtet werden», ergänzt Maria von Känel, weiteres Mitglied des Organisationsteams und Geschäftsführerin des Vereins Dachverband Regenbogenfamilien. Das sei aber noch nicht alles: «Ein lesbisches Paar darf kein Kind adoptieren, eine alleinstehende Frau hingegen schon. Wir fordern die rechtliche Gleichstellung beim Zugang zu Adoptionsverfahren und zur Fortpflanzungsmedizin». Die fehlende soziale Anerkennung lesbischer Partnerschaften könne zu Isolation, Depression und im schlimmsten Fall zum Suizid führen. «Es ist wichtig, auch für diejenigen Lesben zu demonstrieren, die nicht selbst anwesend sein können.» Sichtbarkeit stärke nicht nur die Community und die Schweizer Frauenbewegung, sondern auch jede Einzelne.

Woran wir arbeiten, für mehr Gleichheit
«Lohndiskriminierung und eine fehlende Witwenrente für Lesben sind Missstände, auf die wir hinweisen müssen und werden», fordert Tabea Rai, Berner Stadträtin (Alternative Linke) und dritte Mitwirkende. Sie hofft zudem auf die Mobilisierung vieler junger Frauen: «In Deutschland nennt sich der Umzug Dyke March.
Wir haben uns entschlossen, die Veranstaltung in der Schweiz mit dem Wort Lesbe zu belegen, damit sich junge, queere Frauen wieder stärker damit identifizieren können und Lesbe nicht länger ein Schimpfwort ist». Rai ist positiv gestimmt: «Die Welt wartet nicht auf uns, wir müssen sie uns holen. Bern ist eine erste Etappe».
]]>Als Trump die Wahl gewann, war das wie ein Hammerschlag. Ein Schlag aus dem Hinterhalt, mit einem großen, schweren Vorschlaghammer voll auf meinen Schädel. Sämtliche mir bekannten Medien und Statistiken sagten die Wahl von Hillary Clinton voraus. Dass einem offen rassistischen, frauenverachtenden, arroganten, eingebildeten, alten Milliardär ohne politische Erfahrung das Amt als „mächtigster Mann der Welt“ zugesprochen werden könnte, damit rechnete niemand. Jedenfalls niemand in meinem realen und virtuellen Umfeld. Ich konnte es nicht glauben, dass wir alle uns so geirrt hatten. Ich stellte mir die Frage „Irre ich bei anderen Themen auch so? Bin ich so tief in meiner Wohlfühl-Welt versunken und mit meinem Wohlfühl-Umfeld verschmolzen, dass ich die Frauen- und Homofeindlichkeit einfach rausfiltere und gar nicht mehr wahrnehme?“ Ich machte mir gewaltige Sorgen über mein Urteilsvermögen.

Raus aus dem Wattebausch
Wie ein Tsunami donnerten die Erinnerungen über letzten Rechtsrutsche in den Parlamenten der Schweiz und der Länder rund herum in mein Bewusstsein zurück. Rechts bedeutet, Abschottung gegen außen und gegen „Andersartiges“. Rechts geht mit „konservativ“ einher. Konservative wollen Bestehendes erhalten und Neuem keine Chance geben. Dem gegenüber stand mein eigenes Leben, das diesen politischen und gesellschaftlichen Wandel überhaupt nicht wiederspiegelte. Durch meinen beruflichen Erfolg schien mir bewiesen, dass jungen Frauen heutzutage alle Möglichkeiten offenstehen und sie problemlos, auch in einer Männerdomäne, einen Platz im Führungsgremium einnehmen können. Durch all die positiven Reaktionen auf meine lesbische Beziehung, sowohl zu Hause als auch auf Reisen, schien mir bewiesen, dass die Mehrheit der Menschen homosexuelle Liebe genauso anerkennt, wie heterosexuelle. Ich wusste zwar, dass die rechten Parteien auch in meinem Land an Gewicht zugelegt hatten, aber für mich war der Wandel nicht spürbar. Nicht in der Bevölkerungsschicht, in der ich mich aufhielt.
Dann wurde Trump gewählt und man las das erste Mal von der Facebook-Filter-Bubble und davon, dass wir heute nur noch das lesen und sehen, was wir wollen. Dass wir uns in unseren Wohlfühl-Welten aufhalten und uns gar nicht mehr mit Andersdenkenden austauschen. Das traf bei mir völlig zu. Wer auf Facebook Inhalte postet, die mich nerven, wird aus der Timeline weg-abonniert. (Boulevard-)Zeitungen, die rechtsbürgerliche Themen breitschlagen, würdige ich keines Blickes. Ich umgebe mich mit Menschen, die in mein Leben und meine Sichtweise passen. Aber ist das nicht normal? Sind wir nicht alle so? Herdentiere, die sich ihre Gruppe suchen und sich dann dort wohl und geborgen fühlen?

Auge in Auge mit der Hydra
Heute vor drei Monaten wurde Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. In diesen vergangenen drei Monaten habe ich mich noch intensiver mit politischen Themen befasst, als ich es ohnehin tue. Insbesondere internationale Politik, die mich ansonsten kaum interessierte, rückte in meinen Fokus. Ich gierte aber nicht nach ständig neuen Aufdeckungen aus den USA. Ich wollte ganz generell wissen, ob ich mich in unserer Welt tatsächlich so sehr täusche, wie ich befürchtete. Ich wollte auch wissen, ob meine Angst, meine Rechte als Frau und Lesbe zu verlieren, begründet ist. Denn die hatte ich plötzlich. Sie spiegelten sich in meinen Albträumen wieder. Ich fürchtete mich davor, in Zukunft nicht mehr Hand in Hand mit meiner Partnerin durch die Stadt schlendern zu können. Ich fürchtete mich auch davor, dass mein beruflicher Aufstieg plötzlich jäh gebremst wird – weil ich nur eine Frau bin.
Der Blick in die Welt da draußen
Ich verfolgte die Nachrichten und Newsportale, recherchierte bei „Schocknachrichten“ deren Wahrheitsgehalt und analysierte die Dramaturgie in Medienmitteilungen. Was ich so Stück für Stück aus den Meldungen klaubte, ließ mich aufatmen. Nur weil Amerika einen Rechtspopulisten an die Spitze gewählt hat, heißt das nicht, dass die ganze Welt ins Mittelalter zurück kehrt (Randbemerkung: Es ist dokumentiert, dass im Mittelalter der Homosexualität rege gefrönt wurde. Nur so als Brocken unnützes Geschichts-Wissens). In Österreich verlor der rechtspopulistische Präsidentschaftskandidat die Wahl deutlich. In Deutschland wurden in den vergangenen zwölf Monaten eine Vielzahl an politischen Entscheiden für die Vielfalt und gegen Diskriminierung gefällt. Hamburg verabschiedete beispielsweise einen breit abgestützten Aktionsplan für Akptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Hessen erhöhte seinen Beitrag an LGBT* Projekte um mehr als 100%. Ein Gesetz, das Opfer vom Paragrafen 175 entschädigen soll, ist auf dem besten Weg. In der Schweiz wurden zwei Gesetzesentwürfe von christlich-konservativen Parteien, die eine Ehe unter gleichgeschlechtlichen Personen verunmöglichen wollten, an der Urne mit aller Deutlichkeit abgelehnt. In der Schweiz und in Deutschland wurden repräsentative Umfragen zur Ehe für alle und Akzeptanz von LGBT*s durchgeführt. Es sprachen sich bei beiden Umfragen weit über 50% der Bevölkerung für gleiche Rechte in den Themen Ehe und Familie aus. In Amerika gehen seit der Vereidigung von Trump fast wöchentlich tausende von Menschen auf die Straße, um gegen seine Politik zu demonstrieren.
Nur noch kurz die Welt retten…
Seit Trumps Wahl nahm die Mitgliederzahl bei linken Parteien in der Schweiz spürbar und außergewöhnlich deutlich zu. Die Wahl von Trump und seine politischen Pläne lassen die Menschen auf der ganzen Welt handeln. Es hat sie wachgerüttelt. Wie mich. Sie setzen sich gegen Ungleichbehandlungen aller Art ein. Menschen helfen, sie vermitteln, erklären, gehen auf die Straße, klären ihr Umfeld auf, streuen Toleranz und Verständnis.
Diese Erkenntnis beruhigte mich. Sie ließ die Albträume verschwinden. Und dennoch fühle ich mich, als würde über mir das Damoklesschwert hängen. Denn ich habe nicht nur die guten Neuigkeiten gefunden. Ich fand auch zahlreiche Nachrichten von rechtskonservativen Parteien, die sich gegen LGBT*s und andere Minderheiten formieren und damit Mehrheiten fanden. Genau wie Trump in Amerika. Ich wurde erneut daran erinnert, wie lange einzelne Gruppen, mit denen ich mich solidarisiere, bereits für ihre Rechte kämpfen. Frauen, die in der Schweiz für die Lohngleichheit kämpfen. Homosexuelle Männer, die Gerechtigkeit für die Gräuel der Vergangenheit und Prozesse gegen die Verantwortliche fordern. Sie haben zwar Siege errungen, aber es gelten nach wie vor noch lange nicht gleiche Rechte für alle. Weshalb? Weil unsere Parlamente und Regierungen in den vergangenen Jahren nach rechts rutschten. Und rechte Politik bedeutet „mehr für die, die sind wie ich und weniger für die, die anders sind“. Und wie sieht die Mehrheit in den politischen Gremien und anderen strategisch wichtigen Posten aus? Sie ist um die 50 Jahre alt, männlich, gut ausgebildet, in der Wirtschaft tätig, Inländer, heterosexuell verheiratet, eventuell geschieden und hat ungefähr zwei Kinder.

Heute sind wir Teil der Geschichte, die wir für beendet hielten
Solange wir uns wehren, solange wir uns für die Gleichbehandlung einsetzen, solange wir für unsere Rechte und Werte einstehen, solange haben wir eine Chance, unsere Länder vor einer Regierung wie der von Trump zu bewahren. Aber es wäre naiv zu glauben, dass die Gegenseite ruhig dasitzt und die Füße still hält. Die AfD in Deutschland beweist es eindrücklich. Sie kämpft mit allen Mitteln und an allen Fronten für ihre Wählerstimmen und sie findet Unterstützung. Bei den letzten Wahlen überzeugten sie mancherorts einen Viertel aller Wähler (24.8% in Sachsen-Anhalt). Die Partei, erst 2013 gegründet, weiss wie sie in den Medien Platz findet und wurde dadurch rasant populär – genau wie Trump.
Ich glaubte, die Frauenbewegung und Stonewall seien Geschichte. Ich glaubte, meine Großmütter hätten für Akzeptanz kämpfen müssen und sie hätten für uns, die nachfolgenden Generationen, gesiegt. Wir, die heutige Generation, erleben gerade, dass dieser Sieg nicht für die Ewigkeit war – oder vielleicht gar nie richtig errungen wurde. Wir haben uns zurückgelehnt. Wir glaubten, uns würden sich alle Türen öffnen – schließlich seien wir alle gleich. Frauen, Männer, Weiße, Farbige, Homos, Heteros, Inländer, Ausländer und alle dazwischen – niemand ist mehr wert, als der andere. Mit diesen Werten wuchs ich auf und ich glaubte, in der heutigen Zeit würde die Mehrheit nach diesen streben. Ich erlebe, dass sich die Werte zu wandeln beginnen. Grenzen werden geschlossen, Klassen werden geschaffen, Gruppen werden auf- oder abgewertet. Der Kampf hat wieder begonnen. Es ist wieder nötig, sich zu wehren. Sich für seine Ideale einzusetzen, Toleranz und Verständnis zu sähen, zu vermitteln, zu verhandeln. Die Ruhe ist vorbei. Wir haben uns wohl etwas zu lange ausgeruht. Wir, die junge Generation von heute. Wir glaubten unsere VorkämpferInnen* hätten die ganze Arbeit getan. Das war naiv.

Wenn wir brennen, dann brennen Sie mit uns
Die Arbeit ist noch da und es ist an uns, diese weiterzuführen. Wir können das Feld, die Politik und unser Leben nicht denen überlassen. Denen die abwerten, denen die Grenzen schließen, denen die Anderssexuelle diskriminieren, denen die Frauen am Herd sehen wollen, denen die gleichgeschlechtliche Elternschaft verbieten wollen und die glauben eine „eingetragene Partnerschaft“ sei für uns gut genug. Wir sollen uns nicht so anstellen? Oh doch, wir stellen uns an. Und wie wir uns anstellen. Dies ist keine Drohung, dies ist eine Kampfansage.
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Im vergangenen Jahr verging kaum ein Monat, in dem sich nicht eine Person des öffentlichen Lebens medienwirksam als homo- oder bisexuell outete. Sie nutzten ihr Arbeitsumfeld um sich gegen Diskriminierungen aller Art und für ein offenes und freies (Liebes-)Leben auszusprechen. In unseren Breitengraden wurden diese Outings mit Beifall aufgenommen.
Doch wie sieht es am Arbeitsplatz von Herrn und Frau Normalbürger aus? Sind wir frauenliebende Frauen im Job top oder flop? Oder spielt es gar keine Rolle, ob homo oder hetero?
LGBTs als Teil der Diversity-Strategie
„Diversity“ bedeutet Vielfalt und Vielgestaltigkeit. Besonders in internationalen Firmen ist dieser Begriff fest in der Personalstrategie verankert. Aber auch regionale Unternehmen profitieren von einem bunt gemischten Team. Unternehmen mit dem Diversity-Grundsatz sind bestrebt, in ihrer Belegschaft unterschiedliche Charaktere, Altersgruppen und Kulturen zu vereinen. Damit fördern sie intern die Auseinandersetzung mit „Andersdenkenden“. Wo Menschen mit unterschiedlichen Haltungen und Erfahrungen zusammentreffen, entstehen Reibungspunkte und Diskussionen. Aus diesen reifen neue Erkenntnisse und kreative Ideen, aber auch Toleranz und Offenheit. Allesamt Faktoren, die in der heutigen, kundenorientierten und schnelllebigen Zeit zum Unternehmenserfolg beitragen.
Dass mit „Diversity“ auch LGBTs gemeint sind, machen beispielsweise die Grossbanken UBS und Credit Suisse deutlich. Sie waren an der Zürich Pride mit eigenen Umzugswagen dabei und setzen sich auch ausserhalb der Pride mit den Slogan „everybodymatters at theworkplace“ (Credit Suisse) und „Pride@UBS“ für die Vielfalt und gegen Diskriminierung von LGBTs ein. Die Schweizerische Post hat letztes Jahr das interne LGBT-Netzwerk RAINBOW gegründet. Und auch die längst etablierten Vereine für schwule Führungskräfte (Network) und für engagierte lesbische Berufsfrauen (Wybernet) zeigen, dass Homosexualität in der Schweizer Arbeitswelt weder totgeschwiegen wird noch ein Karrierekiller ist.

Ein schmaler Grat
Trotzdem ist es für viele Nichtheterosexuelle nach wie vor ein gut abzuwägender Schritt, sich am Arbeitsplatz offen zu seiner oder ihrer Andersartigkeit zu bekennen. In einer Befragung durch die Fachgruppe Arbeitswelt von Pink Cross* gaben 60-74 % der befragten Lesben an, am Arbeitsplatz geoutet zu sein. Weitere 10 % gaben an, teilweise geoutet zu sein. Das sieht auf den ersten Blick nicht schlecht aus. Trotzdem bedeutet es, dass sich 16-30 % der Lesben im Job überhaupt nicht outen. Die Studie wurde im November 2005 unter den Mitgliedern der Lesbenorganisation Schweiz (LOS) durchgeführt. Sie ist also nicht brandaktuell. Und ich persönlich nehme an, dass Frauen, die sich einer Lesbenorganisation anschliessen, offener mit der Thematik umgehen, als nicht-organisierte Lesben. Interessant wäre auch zu wissen, wie alt die befragten Frauen waren.
Ich hatte mein erstes gesellschaftliches Coming-Out mit 19 und das erste berufliche mit 23 Jahren. Arbeitskollegen zu erzählen, dass ich für Frauen schwärme, ist für mich auch heute noch immer mit Herzklopfen verbunden. Woran liegt das? Warum haben wir Bedenken, gegenüber Arbeitskollegen und Vorgesetzten über unsere sexuelle Ausrichtung zu sprechen? Beweisen uns die Outings der Promis nicht, dass man auch als Homosexuelle/r akzeptiert ist? Kann es nicht auch Spass machen, Teil der „Diversity“ zu sein? Ist heute „anders“ nicht gleichbedeutend mit „interessant“?
Ich kann die Fragen nicht abschliessend beantworten. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass meine sexuelle Ausrichtung nicht Jede/n etwas angeht. Bei Arbeitskollegen, mit denen ich auch über Privates spreche, ergibt sich das Coming-Out meistens ganz von allein. In Situationen, in denen mein Privatleben keine Rolle spielt, gibt es für mich auch keinen Grund, mich zu outen. Auch als Hetera würde ich dort meine Beziehung außen vor lassen.

So kann es laufen… so leider auch
Wie oben beschrieben, gibt es Teams, da ergibt sich das Outing einfach so. Das Seminarhotel, in dem ich vor drei Jahren gearbeitet habe, war so ein Arbeitsplatz. Das Durchschnittsalter der Belegschaft lag bei circa 30 Jahren. Allesamt unkomplizierte, offene Menschen. Man ging nach der Arbeit zusammen auf ein Bier und tauschte sich natürlich auch über attraktive Gäste aus. Irgendwann machte die Frage die Runde, bei wem man denn gerne einen Zimmerservice übernehmen würde. Als ich einen Frauennamen nannte gab es zwei Reaktionen: große Augen auf der einen Seite, schallendes Gelächter auf der anderen. Von der Fraktion der großen Augen folgte natürlich die übliche Aussage: „Du stehst auf Frauen? Aber du siehst gar nicht wie eine Lesbe aus!“, und die Kollegin, die laut herauslachte, meinte, nun wisse sie, weshalb ich so resistent gegen Flirtversuche der männlichen Gäste sei. An dem Abend wurde munter über Homosexuelle und Heterosexuelle, gegenseitige Vorurteile und die tatsächlichen Facts diskutiert. Ganz locker, mit viel Gelächter aber auch mit ehrlichem Interesse und verständlicherweise auch mit etwas prickelnder Neugierde.
Dass ein Outing nicht immer so unkompliziert ist, habe ich später selbst erlebt. Da gab es das Vorstandsmitglied von der Sorte „Mann mit Macho-Touch“. Zu einem firmeninternen Anlass stellte er mir die Frage, ob ich einen Freund hätte. Das konnte ich offen und ehrlich verneinen. Anstatt, wie gehofft, auf ein anderes Thema zu wechseln, begann er zu flirten. Ziemlich rasch habe ich ihn darüber aufgeklärt, dass ich keinen Freund hätte, weil ich auf Frauen stehe. Die nächsten Fragen von seiner Seite gingen deutlich unter die Gürtelline. Ich sagte ihm deutlich, seine Fragen seien zu privat und aus meiner Sicht respektlos. Ich wechselte den Tisch. Er nutzte jedoch auch später jede Gelegenheit, mir auf die Pelle zu rücken. Äußerst unangenehm.
Offenheit als Chance
All meine Charakterzüge und beruflichen Fertigkeiten machen mich als Menschen und Arbeitnehmerin aus. Lesbisch zu sein ist ein Teil von mir. Ich will mich nicht als „die Lesbe“ definieren (lassen), aber ich will an meinem Arbeitsplatz offen zu meiner sexuellen Orientierung stehen können. Ich möchte weder Beifall noch Ächtung, wenn ich mich irgendwo oute, sondern einfach nur eine wohlwollende Kenntnisnahme. Ich bin mir bewusst, dass es nicht für jeden direkt einfach ist, sich im Job zu outen. Sich in einem kleinen Team zu outen ist das Eine, sich gegenüber Kunden oder Vorgesetzten zur Homosexualität zu bekennen, nochmal etwas Anderes. Dennoch bin ich der Auffassung, dass der unkomplizierte und offene Umgang mit der eigenen Homo- oder Bisexualität der Schlüssel zu einem entspannten Klima am Arbeitsplatz und im gesamten Umfeld ist. Es gibt Dinge, die sind privat oder unangebracht. Offen sein heißt nicht, Jeder und Jedem Einblick in das gesamte Privatleben zu gewähren. Offen zu sein heißt für mich, zu mir selbst zu stehen.
Ich bin davon überzeugt, dass ein offener Umgang mit Themen, die lange Zeit als „verwerflich“ galten, hilft, diese zu rehabilitieren. Homosexualität ist eines davon. In dem wir auch am Arbeitsplatz selbstbewusst lesbisch leben, tragen wir dazu bei, als lesbische Berufsfrauen ein Teil der Normalität zu werden, die wir anstreben.
Für weitere Infos zum Thema Outing am Arbeitsplatz und L-Netzwerken lege ich euch die Websites von LOS und Wybernet ans Herz.
* Quelle: http://www.pinkcross.ch/de/gesellschaft/arbeitsplatz
Dieser Artikel ist von Barbara geschrieben worden. Seid ihr geoutet am Arbeitsplatz und wenn ja, wie waren die Reaktionen? Und wenn nicht, wieso nicht? Kommt es auch auf die Branche an? Kommentare sind hoch willkommen!
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„Patricia, wovor fürchtest du dich eigentlich so richtig?“, frage ich mich, nachdem ich Julias Artikel über die Angst vor der Angst gelesen habe. Gar nicht leicht zu beantworten… Spinnen finde ich schrecklich. Bad Hair Days auch. Und mit Spritzen bleibt man mir besser vom Leib. Alles ziemlich banal, wenn ich so darüber nachdenke. Ich gehe weiter in mich. Und da ist es. Ein kleines unscheinbares Wörtchen, das für mich beinahe existenzielle Bedeutung hat: Vergessen. Wenn mir etwas so richtig Angst einjagt, dann ist es das Vergessen.
„Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, kurz PEGIDA. Eine Organisation, die Ende letzten Jahres auf der Bildfläche erschien und mir seit dem gehörig auf die Nerven geht. Weil ich mich frage: haben sie vergessen? Die Vergangenheit, vielleicht auch die Moral? Vergessen zu denken? Oder haben sie einfach nur Angst? Angst vorm Vergessen, so wie ich? Angst, vergessen zu werden? Ich weiß es nicht.
Wer oder was ist das?
Was am 20. Oktober 2014 mit wöchentlichen Montagsdemonstrationen in Dresden begann, wurde am 19. Dezember 2014 zum eingetragenen Verein. Kritikpunkte der PEGIDA-Bewegung sind vor allem die von ihr behauptete Islamisierung sowie die aus ihrer Sicht fehlerhafte Asyl- und Einwanderungspolitik. Im Jahr 2015 wurden in Deutschland 202.834 Asylanträge* gestellt, was bedeutet, dass auf einen Deutschen läppische 0,0025 Asylbewerber kommen. Spitzenreiter unter den Herkunftsländern sind Syrien, der Kosovo und Serbien . Mit mittlerweile 151.353 (Stand: 16. Februar 2015) Fans auf Facebook ist PEGIDA längst zum Massenphänomen geworden und zum Vorbild ähnlicher Organisationen in ganz Europa. Ob Oslo, Kopenhagen, Zürich oder Wien – PEGIDA ist angekommen im Bewusstsein der Menschen.

Mittendrin auf der Suche nach der Menschlichkeit
12. Januar 2015, Schwerin, Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, nahe der deutschen Ostseeküste. Durch die sonst so ruhigen Straßen der Innenstadt ziehen rund 500 Anhänger des PEGIDA-Ablegers MVgida und richten ihren montäglichen Abendspaziergang aus. „Mut zur Wahrheit!“ steht auf ihren Schildern oder „Unser Land, unsere Werte!“. Die Stimmung: aggressiv gegenüber den rund 800 Gegendemonstranten und Journalisten. „Lügenpresse, auf die Fresse!“ wird skandiert, Gegendemonstranten werden angepöbelt. Der Abendspaziergang der selbst ernannten Patrioten artet aus. Ähnliche Szenen spielen sich in anderen deutschen Städten ab, in denen Ableger der PEGIDA Fremdenhass, Intoleranz und teilweise auch Rassismus propagieren. Nicht ohne Grund weisen Verfassungsschutzbehörden auf rechtsextreme Tendenzen hin. Mittendrin stehe ich. Angespannt und besorgt. Warum dieser Hass? Ich suche den Dialog mit MVgida-Demonstranten, spreche eine junge Frau an, einen älteren Herren und einige andere. Ergebnis: Zero. Niemand ist bereit, mir ein kurzes Statement zu geben. Abneigung schlägt mir entgegen wie glühende Hitze. Ein ums andere Mal bekomme ich „Lügenpresse!“ um die Ohren gehauen, was ich zunehmend persönlich nehme. Der Begriff ist kein Unbekannter: das Wort, das 2014 zum Unwort des Jahres gewählt wurde, wurde in den 1930er und 1940er Jahren gegen Kommunisten und Juden eingesetzt. Durch die NS-Propaganda. Zieht eure eigenen Schlüsse, ich habe es bereits getan…
Ich möchte weder eine politische Diskussion vom Zaun brechen, noch die Moralkeule schwingen. Worum es mir geht, ist der fehlende Dialog und mangelndes Verständnis für das Unbekannte. Flüchtlinge und Asylbewerber – in meinen Augen Menschen, wie du und ich. Was nicht ganz stimmt. Menschen, die mehr Grausamkeiten erlebt haben als ein Mensch erleben sollte und alles aufgeben mussten. Es bricht mir das Herz, wie ihnen, die sie Sicherheit und Schutz suchen, Wut und Hass entgegengebracht werden. Wo bleibt da die Menschlichkeit?

Was wäre wenn…?
„Was zur Gurke hat das jetzt auf einem lesbischen Blog zu suchen? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?“, werden sich einige von euch nun wahrscheinlich fragen. Lasst euch von mir einmal mitnehmen auf eine Gedankenreise, es dauert nur einen kurzen Augenblick…
12. Januar 2015, Schwerin, Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, nahe der deutschen Ostseeküste. Durch die sonst so ruhigen Straßen der Innenstadt ziehen rund 500 Anhänger des PEGHA-Ablegers MVgha und richten ihren dienstäglichen Abendspaziergang aus. „Homos raus!“ steht auf ihren Schildern und „Ehe nur zwischen Mann und Frau!“.
Stellt euch eine Organisation namens „Patriotische Europäer gegen die Homosexualisierung des Abendlandes“**, kurz PEGHA, vor. Jeden Dienstag gehen deren Anhänger auf die Straße, um gegen Lesben, Schwule und Transsexuelle zu demonstrieren. In meinen Augen ein klares „Nein!“ zur Vielfalt. Dabei ist es doch gerade die Vielfalt, die uns stark und zu etwas besonderem macht. Schimpft mich eine hoffnungslose Träumerin, aber ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der niemand ausgeschlossen wird und jeder, der um Hilfe bittet, auch welche bekommt. Und deshalb geht Fremdenhass, Intoleranz und damit auch PEGIDA uns alle an. Nicht nur uns Lesben, weil wir zufällig ebenfalls zu einer gesellschaftlichen Minderheit gehören. Uns alle. Das dürfen wir nicht vergessen.
Celebrate Diversity! Dafür stehe ich mit meinem Namen – ihr auch?
* Quelle: www.bamf.de
** frei erfunden