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1. Wir lieben anders!
2. Du kannst mit deiner Freundin alle Kleider austauschen (doppelter Kleiderschrank).
3. Dank geübter Zunge weißt du dich super zu artikulieren.
4. Du hast immer etwas, mit dem du spiessbürgerliche Langweiler schocken kannst.
5. Deine Nägel brechen nicht ab.
6. Laut Studien sind Lesben selbstbewusster und zielstrebiger als Heteras.
7. Du darfst Frauen angraben, und die Frauen mögen das auch noch (Männer fühlen sich oft überfordert von aktiven Frauen).
8. Deine Frisur ist schneller trocken.
9. Du brauchst keine Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft zu haben.
10. Ihr kommt als Frau gratis in Swingerclubs rein und seid gerngesehene Gäste.
11. Ihr wisst beide, wo der G-Punkt liegt.
12. Du hast keine Haare im Mund.
13. Du verstehst, wenn deine Freundin während ihrer Menstruation mal, launisch und zickig ist . (du bist es ja auch).
14. Du kannst ein Cornichonglas alleine aufmachen.
15. Du verstehst Wörter wie Tribadie, 69, Homophobie, Cross-Dressing, Gender, Heterosexismus, Stigma, androgyn, Drag-Kings, Lipstick-Lesbe, Butch, Matriachat, Queer, Heteronormativität, Strap-On, Dandy, Sappho, Cunnilingus, Birkenstocklesbe, Schranklesbe, Dyke, Sandkastenlesbe, Szenelesbe, Vanillalesbe…
16. Du musst keinen Orgasmus vortäuschen.
17. Die Frage, ob Du in den Himmel kommst, stellt sich Dir nicht. (Gute Frauen kommen in den Himmel, böse kommen überall hin…)
18. Andere labbern von Recycling, du führst es auch aus.
19. Du kennst mehr und bessere Anmachsprüche als jeder Mann.
20. Je länger du lesbisch bist, desto mehr Freunde hast du (da alle deine Exen deine Freundinnen werden).
21. Findest du an einer Party eine Frau süss, findest du sicher jemand, der sie schon kennt und dich ihr vorstellen kann. Außerdem bekommst du Zusatzinformationen, wer schon alles mit deiner Angebeteten was hatte.
22. Frauen sind schöner, anziehender, dass wissen alle, und du darfst es sogar ausleben!
23. Zürich, Basel, Bern, Luzern, ob jung oder alt, hässlich oder schön, alle kommen sie zusammen, wie ne Familie (ob das jetzt ein Vorteil ist, musst du wissen).
24. Dein Gynäkologe will dich nur noch alle drei Jahre sehen zur Kontrolle. Heteras müssen jährlich hin.
25. Du sparst dir das viele Geld für Empfängnisverhütung.
26. Das Risiko, sich mit HIV zu infizieren ist verschwindend klein.
27. Wenn du dann mal unter allen Frauen ne Lesbe findest, die deinen Ansprüchen genügt, dann ist es wie ein 6er im Lotto und macht Dich unendlich glücklich!
28. Du musst dich als Frau nie in Frage stellen (wenn dein Freund sagen würde, mach dies mach das, dann würdest du gleich ausflippen, bei einer Frau tust du es einfach, ihr zuliebe) Das ist mal gelebter Feminismus… ;-)
29. Andere Frauen denken über Emanzipation nach, du LEBST sie!
An unsere Leserinnen:
Habt ihr noch weitere Gründe, die dir spontan einfallen? Postet sie :D
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Sexuelle Revolution oder Emotionale Entgleisung? https://www.lesbianchic.de/sexuelle-revolution-oder-emotionale-entgleisung/ https://www.lesbianchic.de/sexuelle-revolution-oder-emotionale-entgleisung/#respond Fri, 19 Jul 2019 21:26:37 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=13662 Facettenreichtum Lesbischer Ausdrucksform spiegelt der Buchband „Mein lesbisches Auge 18“ wieder. In Form von Texten, Prosa, Gedichte, Stories, Fotografien, Zeichnungen und Bildern finden meist private Frauen und tatsächlich auch (lesbische?) Männer ihren Ausdruck. Alle zwei Jahre entsteht so ein dokumentarisches lesbisches Zeitzeugnis.

mein lesbisches Auge 18, Zeichnung Kerstin Drechsel

„Seit der ersten Ausgabe 1998 hat sich einiges geändert am lesbischen Leben“, so Claudia Gehrke, Verlegerin vom konkursbuch Verlag im Vorwort der aktuellen Ausgabe. „Es sind Geschlechter hinzu gekommen und sie sind nicht mehr so eindeutig. Die Schamhaarmode hat sich gewandelt. SM gibt es immer noch. Lesben lernen sich nunmehr in Internetportalen kennen. Das Schwere und das Süße der Liebe verändert sich jedoch nicht“.

mein lesbisches Auge 18, Foto Anja Müller

Alle Texte und Bildwerke widmen sich größtenteils der lesbischen Beziehung, der lesbischen Sexualität oder der lesbischen Identität. Verspielt, dramatisch, dokumentarisch, Fantasiegeschichten, Erlebtes. Umgesetzt in Schrift und Bild spiegelt der Buchband ein weites Spektrum wieder. Dildo Spiele, SM Szenen von Stiefel küssenden Sex-Sklavinnen, Bondage, masturbierende Lesben, Blutbilder. In einem Gruppensex Fotos sind dann auch schon mal Männerhände oder männliche Glatzköpfe mit einbezogen. Das galt vor noch wenigen Jahren als absolutes Tabu in der Lesbenszene. Hier findet Frau alles, was das sexuelle Auge begehrt. Mitunter nichts für Weicheileiterinnen.

mein lesbisches Auge 18, Foto Clara Schleiffer

Die aktuelle Ausgabe widmet sich dem Thema „Mutter“. Mütterliche Verhältnisse, lesbische Mütter oder die Mütterlichkeit in lesbischen Beziehungen. Ein Extrabeitrag in der Jubiläumsausgabe ist die Ausstellung „Lesbisches Sehen“ im Schwulen Museum, Berlin. Martina Minette Dreier zeigt aneinander gereihte Frauenportraits, umgesetzt in zeichnerischer Form, auf der Suche nach weiblichen Vorbildern in der männlich dominierten Kunstgeschichte. Fotografische Portraits von Butches in ihrer Arbeitskleidung sind von Corinna Harl zu sehen. Die wie aus dem Kontext gerissenen Fotoaufnahmen von einem Boot in Miniatur im Schaukasten oder ein dunkles Zimmer mit Gardinen irritieren. Da sei der verborgene queere Moment zu erahnen, so die Künstlerin Lena Rosa Händle.

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Mein lesbisches Auge 18, Foto Corinna Harl, Butches at work

Langatmige Geschichten, in denen um den heißen Brei geschrieben wird, scheinen beliebt zu sein. Ausgedehnt auf ganze 24 Buchseiten schreibt Regina Nössler über eine tatsächlich bis zum Ende unerfüllte Liebe zu einer Hetera. Im Stalker Modus wird die Sehnsucht, das sich Hingezogen Fühlen zum gleichen Geschlecht und deren Abweisungen bis ins Detail ausgeführt. Wir Lesben scheinen geduldig und bescheiden zu sein. Da reicht es zuweilen aus, sich in unendlichen Fantasien zu flüchten, sich mit minimalen Zuwendungen zufrieden zu geben. Eine andere Geschichte spielt in Mallorca, in der eine Frau ein Eisentor schweißt. Seitenweise wird in Details geschwelgt, bis das langersehnte Highlight einer körperlichen Begegnung stattfindet, immerhin. Selbige Schreiberin vertieft sich in einer anderen Fantasiegeschichte in angehäuft brutaler Wortwahl gepaart mit Sexualität. Mutiges Zeitzeugnis oder unreflektiert befreiend?

mein-lesbisches-auge-18-meinung-rezension-lesbische-literatur-erotik-identitaet-schwule-maenner-zeichnung-homosexuell-kunst-bild
Mein lesbisches Auge 18, Kerstin Honeit, tom boy fuck

Je mehr Texte ich lese, umso trauriger werde ich. Gewalt, unerfüllte Sehnsucht, Alkohol, Drogen, Suizid, Mann-Sein-Wollen, gesellschaftlich ungelöste Konflikte. Was ist nur aus uns Lesben geworden? Schwelgten wir nicht einst in Freiheit und wählten selbstbestimmte Wege? Schmückten unser Leben mit Freigeist? Genau das suggeriert das Titelbild des ‚Mein lesbisches Auge 18‘. Zwei nackte Mädels, offen lächelnd, glücklich zur Betrachterin schauend, befreit, sich sanft in den Armen haltend. Die Langhaarige erscheint weiblich, die Kurzhaarigere eher androgyn. Im Hintergrund eine floristisch anmutende rosarote Tapete. Trügt der Schein?

Mein lesbisches Auge 18, Buch Cover

Lesbenfotos gepaart mit Knebelspiele, Faust Eindringen, Penisdildos. Ja natürlich, Penisfantasien können befreien und gehören dazu. Sind wir Lesben auf dem Umkehrweg zurück zur befreiten Penis-Sexualität? Eine Phase? Ist es der Spiegel der Gesellschaft, in der Gewalt und Isolation zum Alltag gehören? Wer sich selber ein Bild machen möchte, dem empfiehlt lesbianchic „Mein lesbisches Auge 18″, erschienen im konkursbuch Verlag Claudia Gehrke unter der Herausgeberin Laura Méritt.

Mein lesbisches Auge 18, Laura
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Schublade auf, Identität rein https://www.lesbianchic.de/identitaet/ https://www.lesbianchic.de/identitaet/#respond Sun, 23 Dec 2018 08:00:38 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=13350 Intro

Erkennst Du auf den ersten Blick, wer eine Lesbe ist? Wenn Du die Menschen an der Supermarktkasse, im Wartezimmer oder im Bus betrachtest, weißt Du sofort, wer von ihnen homo und wer hetero ist? Wer von ihnen arbeitslos ist? Wer eine schwere Vergangenheit hatte? Welche von ihnen Prostituierte und welche Freier sind? Oder ist das alles gar nicht so wichtig? Die Entscheidung, ob wir jemanden sympathisch finden oder nicht, fällt innerhalb von 150 Millisekunden, ist vollkommen irrational und schwer zu korrigieren. Wir glauben, einen Menschen einschätzen zu können, weil wir von den Merkmalen, die wir innerhalb dieser extrem kurzen Zeitspanne wahrnehmen, automatisch auf weitere schließen.

Die gefühlte Identität

Um zu verstehen, wieso Menschen dazu neigen, sich selbst und andere in Schubladen zu stecken, müssen wir anerkennen, dass jeder von uns sich nach einer eindeutigen Identität sehnt. Es sind Fragen, die das Handeln zahlloser Filmhelden und literarischer Protagonisten bestimmen. Fragen, deren Dringlichkeit wir nachempfinden und mitfühlen können: Wer bin ich? Wohin gehöre ich? Dahinter steht der Wunsch, sich selbst einer Identität zuzuordnen, die erst einmal nichts anderes ist als eine Schublade, auf der die ethnische Herkunft, der gesellschaftliche Status und/oder die Zugehörigkeit zu einer Interessengemeinschaft vermerkt sind.

Problematisch wird es erst, wenn wir anhand dessen pauschal bestimmte Klischees assoziieren. Eine Lesbe als solche anzuerkennen ist grundsätzlich richtig, sie aber anhand bestimmter Eigenschaften durch ein Raster (kurze Haare, unrasierte Achseln, hasst Männer – ihr kennt das) in die Schublade „Lesbe“ zu pressen, völlig unangemessen.

Selbstbild und Identität

Leider ist Identität etwas Gefühlsabhängiges und gleichzeitig sehr Starres. Wer einmal eine Überzeugung verinnerlicht hat, verteidigt sie mit Klauen und Zähnen, notfalls auch gegen Fakten. Das gilt nicht nur für die Bilder, die wir uns von anderen machen, sondern vor allem für unser Selbstbild. Wird unser Selbstbild angegriffen oder infrage gestellt, stürzt uns das in eine Identitätskrise. Um das zu vermeiden, kann unsere Psyche die abstrusesten Abwehrmechanismen in Gang setzen, über die wir, wenn wir uns selbst als neutraler Beobachter wahrnähmen, nur den Kopf schütteln könnten. Bevor wir unser Selbstbild über den Haufen werfen, sind wir lieber bereit, Lügen zu glauben. Bevor wir die Schublade antasten, in die wir uns selbst gesteckt haben, korrigieren wir lieber die Attribute der anderen. Und da wir uns selbst unbedingt positiv und stimmig wahrnehmen möchten, ist es wahrscheinlich, dass es eher zu einer Abwertung der anderen Parteien kommt. Diesem Mechanismus können wir ein Schnippchen schlagen, indem wir ihn anerkennen und ihm bewusst entgegenwirken.

Wenn Schubladen ausarten

Identität ist komplex, hat aber einen trivialen Verwandten: das Wir-Gefühl, das uns an eine Gruppe bindet und gleichzeitig Abstand zu „den anderen“ schafft. Um ein Wir-Gefühl zu erzeugen, braucht es übrigens keine ethnische oder soziale Übereinstimmung. Es reicht, eine Uniform zu tragen. Oder nur die gleichen Hemden. Das gleiche Smartphone zu besitzen. Wenn wir nicht Acht geben, verlieben wir uns in dieses Wir-Gefühl so sehr, binden uns emotional so stark daran, dass wir es mit Identität verwechseln. Dies ist Voraussetzung für die Bereitschaft, nicht Zugehörige auszugrenzen und zu erniedrigen.

Für körperliche Gewalt oder sogar Mord ist noch ein weiterer Schritt vonnöten. Nachdem die eigene Identität mit der der Gruppe gleichgesetzt oder zumindest verknüpft wurde, sind wir unter bestimmten Umständen bereit, an ein Feindbild zu glauben und es zu entmenschlichen. Unter dieser Voraussetzung sind Völkermorde begangen und Sklaverei gerechtfertigt worden, alles mit der (emotional begründeten) Einstellung, dass jene, denen Gewalt angetan wird, minderwertig und untermenschlich seien.

Nun sind wir bei einem dunklen Kapitel angelangt, das an dieser Stelle nicht weiter vertieft wird, das aber die Wirkungskette aufzeigt, die unreflektierte Kategorisierungen im schlimmsten Fall nach sich ziehen können. Wir Menschen sind dazu veranlagt, in Schubladen zu denken. Es fußt auf unserem Bedürfnis der Zugehörigkeit und Bestätigung. Doch wenn wir nicht bereit sind, unser angeborenes Ego ohne Rettungsring über Bord zu werfen, wird es auch in Zukunft immer Kriege, Völkermorde und Sklaverei geben, denn Schubladendenken, so harmlos es anfangs ist, bildet den Nährboden für jedes Verbrechen.

Auch für sexuelle Diskriminierung.

Sag mir mit wem Du schläfst

…und ich sage Dir, wer Du sein willst.

Die Sexualität macht einen entscheidenden Teil unserer Selbstwahrnehmung aus. Sex ist nicht nur ein Grundbedürfnis. Es ist eine existenzielle Erfahrung, sich selbst, den Körper und die eigene Lust zu erleben, denn unabhängig von unseren Neigungen, dem Geschlecht oder der Anzahl an Sexualpartnern, sind wir dabei letztendlich immer auf uns allein gestellt. Wieso? Weil bewusster Sex im Kopf beginnt und auch dort seine Grenzen findet, in unserer eigenen, unablässig kreisenden, kommentierenden und produzieren Gedankenzentrale.

Das ist gut so, denn auf diese Weise können wir durch den Verstand die Auslebung unseres Triebes kontrollieren und moralische Vorstellungen einfließen lassen. Andererseits verleitet die verstandesmäßige Analyse der Sexualität uns, auch hier Schubladen zu erschaffen und uns selbst und andere fein säuberlich darin unterzubringen.

Homo, hetero, pan, bi, poly, asexuell?

Viele empfinden es als befreiend, sich einer Orientierung zuzuordnen, endlich ihre sexuelle Identität zu finden, endlich einen Begriff, eine Ahnung von Normalität zu haben, zu wissen, dass andere ihre Neigung teilen. Die Vorstellung, mit etwas so Sensiblem allein zu stehen, ängstigt uns, sodass wir mit einem Hechtsprung die vermeintliche Sicherheit der weit geöffneten Schublade suchen – mit all ihren Klischees und Vorurteilen. Wieder gehören wir einer Gruppe an, die sich durch eine Gemeinsamkeit definiert, wieder erfahren wir Ablehnung von anders Orientierten, wieder sind da Wir und die anderen. Wieder Abgrenzung, wieder eine erstarrte Identität, die keinen Raum für Entwicklung lässt. Sollte die sexuelle Präferenz sich einmal verändern, schlittern wir folgerichtig in die nächste Krise.

Ein Kreislauf, der niemandem guttut und den wir nur unterbrechen können, indem wir aufhören, einander in Schemata einzuordnen, die zu klein für uns sind. Denn ganz ehrlich, wen geht es wirklich etwas an, was wir in unseren Schlafzimmern – oder anderswo – treiben? Was sagt dieses Wort, das mit -sexuell endet, wirklich über uns aus? Sich mit einem Label zu bekleben, wirkt so, als wollten wir uns rechtfertigen für das, was wir sind. In einer Gesellschaft, in der Heterosexualität als normal weil häufig gilt, muss kein Hetero je darüber nachdenken, wie er sich outen soll. Dass so viel über „abweichende“ Neigungen diskutiert wird, zeigt deutlich, wie schwer wir uns mit Gleichwertigkeit tun, die mit unserem Denken beginnt.

Mein Fazit

Auf die Frage, „was wir denn nun seien“, einfach mal mit „Mensch.“ antworten. Ein Mensch mit tausend Facetten, der jeder Schublade entwachsen ist. Ein Mensch, der das Recht auf ungehinderte Entfaltung in gegenseitigem Respekt nicht nur für sich selbst beansprucht, sondern auch jedem anderen Lebewesen gönnt. Der sich seiner Triebe ebenso bewusst ist, wie er seinen Verstand gebraucht. Ein Mensch, der vor sich selbst frei ist.

Dies ist der erste Artikel von Luisa. Was meinst Du dazu? Schreibe Deine Meinung als Kommentar und sei Teil der Community.

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Homophobie am Arbeitsplatz https://www.lesbianchic.de/homophobie-am-arbeitsplatz/ https://www.lesbianchic.de/homophobie-am-arbeitsplatz/#respond Fri, 18 Jul 2014 15:06:38 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=9003  

 

 

Kürzlich wurde an dieser Stelle über das Coming-Out am Arbeitsplatz berichtet. In diesem Blog soll nun beschrieben werden, inwiefern Homophobie am Arbeitsplatz tatsächlich noch an der Tagesordnung ist und was in den Betrieben dagegen unternommen wird.

Homophobie
Homophobie ist gekennzeichnet durch eine extreme Ablehnung gegenüber der Homosexualität und all jenen, die sie praktizieren. Die Ablehnung kann sich in diversen Formen manifestieren: Als häufigste Diskriminierungsart gilt die homophobe Sprache. Wer kennt sie nicht, die unterschwellig homophoben Äusserungen auf dem Pausenplatz, im Tram, unter Kollegen oder im Sportverein? „Das ist voll schwul!“ „Du Schwuchtel.“ „Büeblifigger, Lesbenpack, scheiss Homos.“ Die Liste könnte beliebig erweitert werden… Homo- und Transphobie können sich jedoch auch durch Mobbing, Haltungen sowie psychische oder physische Gewalt äussern. Verschleiertere Formen der Diskriminierung sind die Ablehnung oder ganz einfach die Nichtbeachtung.

Flyer Homophobie

Homophobie am Arbeitsplatz: die Situation in der Schweiz
Doch wie verhält es sich mit der Homophobie am Arbeitsplatz? Studien aus der Schweiz und Deutschland halten dazu spannende Zahlen bereit. Die Schwierigkeit für LesBische* Angestellte beginnt in der Regel damit, dass ihnen eine heterosexuelle Orientierung unterstellt wird. Handlungen und Äusserungen müssen daher stets abgewogen werden. Dies mag in den meisten Fällen gar nicht mehr auffallen, da man sich bereits daran gewöhnt hat, für heterosexuell gehalten zu werden. Ebenso wenig kann die Heteronormativität (also grundsätzlich mal für heterosexuell zu gelten) als homophob bezeichnet werden. Nichtsdestotrotz sind homosexuelle Beschäftigte damit bereits in einer speziellen Situation. Für heterosexuell gehalten zu werden bringt den Mehraufwand mit sich, Informationen bewusst abändern oder zurückhalten zu müssen. Die Frage, wem was erzählt werden kann, stellt sich doppelt und dreifach. Allerdings hat eine Untersuchung von Pink Cross ergeben, dass zwischen 60 – 75% der befragten lesbischen Frauen (N=372) am Arbeitsplatz geoutet sind. Diese Zahl alleine ist noch nicht sehr aussagekräftig. Wichtig wäre zu wissen, ob sie ihren Arbeitgeber als LGBTI-freundlich wahrnehmen oder ob sie diskriminiert werden aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. Ein Blick auf eine Studie aus Deutschland legt offen, dass rund 50% der lesbischen Frauen (N=822) aufgrund ihrer Homosexualität nie so offen über ihr Privatleben kommunizieren, wie ihnen lieb wäre. Es ist anzunehmen, dass die Zahlen in Deutschland und der Schweiz vergleichbar sind. Trotz der hohen Prozentzahl geouteter Frauen am Arbeitsplatz traut sich rund die Hälfte der Lesben also nicht auf den Informationsfilter zu verzichten, wenn es um private Angelegenheiten geht.

Die eingetragene Partnerschaft als Zwangsouting
Problematisch kann es für all jene werden, welche sich für eine eingetragene Partnerschaft entscheiden – oder bereits entschieden haben. Der Zivilstand muss der Arbeitgeberin wegen der AHV und der Pensionskasse offengelegt werden. Was aber, wenn der Betrieb Lesben gegenüber nicht sehr freundlich gesinnt ist? In der Schweiz existiert noch nicht einmal ein Antidiskriminierungsgesetz, welches Homosexuelle vor Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Identität schützen würde… Wer in einem homophoben Umfeld arbeitet, hat entweder eine wahnsinnig dicke Haut oder wird früher oder später einen neuen, aufgeschlosseneren Arbeitgeber suchen müssen.

Diversity Mangement
Aufgeschlossene Unternehmen und solche, die daran arbeiten, existieren zum Glück bereits. Viele Betriebe lassen ihre MitarbeiterInnen im Diversity Management schulen. Das Diversity Management zielt darauf ab, ein benachteiligungs- und diskriminierungsfreies Arbeitsklima zu schaffen. Unterschiede zwischen den Angestellten sollen bewusst anerkannt und die Individualität umfassend wertgeschätzt werden. Ob die Unterschiede das Alter, den kulturellen Hintergrund, die Religion, das Geschlecht, die sexuelle Orientierung, die körperliche Verfassung, die soziale Herkunft, das Arbeitspensum oder die hierarchische Stellung im Betrieb betreffen, ist dabei irrelevant.

PrOut@Work

Seinen Ursprung fand das Diversity Management in humanitären Bewegungen der 1980er in den Vereinigten Staaten. Heute erkennen gerade globale Grossunternehmen auch die positiven ökonomischen Effekte, welche die Investition ins Diversity Management mit sich bringt: Zum einen wirken sich gute Beziehungen am Arbeitsplatz positiv auf die Gesundheit der ArbeiterInnen aus. Und gesunde, sorgenfreie Angestellte können ihre Ressourcen am Arbeitsplatz besser nutzen. Zum anderen können neue Kundengruppen akquiriert werden. Wer sich als Unternehmen weltoffen zeigt und vielseitiges Personal einstellt, kann neue Märkte erschliessen. Eine Muslima mit Schleier kann durchaus anziehend wirken auf die muslimische Kundschaft. Einige Betriebe suchen sogar bereits gezielt nach schwulen Mitarbeitern, da diese als besonders trendy und kontaktfreudig gelten. Zudem erhofft man sich einen Kundenzuwachs unter den Homosexuellen. Ob auch gezielt nach lesbischen MitarbeiterInnen gesucht wird, konnte bisweilen nicht in Erfahrung gebracht werden – vorstellbar ist es jedoch durchaus. Man denke nur an den TRANSA, den Lesbentreffpunkt in Zürich schlechthin für das lesbische Ü40-Publikum oder Outdoorsport-Begeisterte U40-Lesben. Die Kaufkraft der Kundinnen kann sicherlich gesteigert werden, wenn sie von einer zuvorkommenden, kompetenten – und vielleicht auch noch attraktiven – lesbischen Frau beraten werden.

Diversity Management 2Jedenfalls zielt das Diversity Management längst nicht mehr nur auf die Reflexion der eigenen Haltung und des kollektiven Bewusstseins ab, sondern wird gezielt zu kapitalistischen Zwecken eingesetzt. Willkommen in der Welt der Marktwirtschaft und der Gewinnmaximierung! Dennoch sehe ich Positives am Diversity Management. Die Förderung von Vielfalt und Offenheit unter den Angestellten trägt auch zu einem verbesserten Umgang mit Nicht-Heterosexuellen bei. Und wenn sich Unternehmen entscheiden, Homosexuelle einzustellen und sich für deren Gleichstellung einsetzen, ist das doch durchaus eine gute Sache. In Deutschland wurde im Januar dieses Jahres dazu eigens die PrOut@Work-Foundation ins Leben gerufen. Acht deutsche Grossunternehmen(BASF, Commerzbank, Deutsche Post DHL, Deutsche Telekom, IBM, SAP und White & Case) gründeten die Stiftung mit dem Ziel, Vorbehalte gegenüber Homosexuellen und Transmenschen abzubauen sowie eine offene Unternehmenskultur zu fördern.

 

*Weil es sich hier um einen LesBischen Blog handelt, beschränke ich mich der Einfachheit halber auf diesen Begriff.

 

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https://www.lesbianchic.de/homophobie-am-arbeitsplatz/feed/ 0 9003
Mein Coming Out am Arbeitsplatz https://www.lesbianchic.de/mein-coming-out-am-arbeitsplatz/ https://www.lesbianchic.de/mein-coming-out-am-arbeitsplatz/#comments Fri, 04 Jul 2014 12:26:29 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=8952 Unabhängig davon, wo ich gearbeitet habe, ich war geoutet. Nicht weil ich besonders „lesbisch“ aussehen würde. Und auch nicht, weil ich bisher nur eine einzige Stelle besass, bei der ich ohnehin nichts zu befürchten gehabt hatte. Nein, bisher habe ich einfach selbstverständlich von meiner Freundin erzählt. Von ihrer Familie, unseren Aktivitäten, unseren Auseinandersetzungen. Vielleicht war es blauäugig, aber ich ging irgendwie selbstverständlich davon aus, dass meine Mitarbeiter_Innen schon damit umgehen können. Und falls nicht – so what?! Die erzählen ja auch von ihren Frauen_Männern, Kindern, Familienfeiern. Nur an einem Ort tat ich mich lange schwer: in meinem Schwimmverein, in welchem ich früher Teenies, jetzt Kinder unterrichte. Die Schwimmer_innen kommen nicht nur zum Schwimmen ins Hallenbad… Die fragen dich auch jede Menge! „Hast du einen Freund?“ – „Nein.“ „Bist du verliebt?“ – „Wer weiss…“ „Wohnst du ganz alleine?“ – „Nein.“ „Mit wem wohnst du denn?“ – „Mit einer Freundin.“ Falsch, falsch, falsch. Mit meiner Freundin wohne ich zusammen. Und ja, ich bin verliebt. In meine Partnerin. Und sie zu verleugnen, mag ich nicht.

Competitive Swimming

 

Als Schwimmtrainerin baue ich eine emotionale Beziehung zu den Athlet_Innen auf und bin ein Stück weit Bezugs- oder Ansprechperson für sie. Im Schnitt wird jedes zehnte Kind, welches zu mir ins Schwimmtraining kommt mal eine Beziehung mit einer gleichgeschlechtlichen Person eingehen. Wäre es nicht wichtig, dass sie bereits jetzt jemanden in ihrem Umfeld wissen, die lesbisch – und deshalb nicht irgendwie gestört, komisch, asozial, kurzhaarig und übergewichtig – ist? Die keine Springerstiefel und Flanellhemden trägt, sich Lesbenbuttons ansteckt und Männer aus Prinzip ablehnt? Die in den Augen der Kinder so richtig uncool ist? Man beginnt sich die absurdesten Fragen zu stellen: Falls ich mich outen würde, was sagen deren Eltern dazu? Wollen die, dass ihr Kind nicht mehr bei mir schwimmt? Wollen die mir irgendetwas anhängen? In diesen Momenten sind diese Gedanken zu real, um sie als absurd abtun zu können. Seit ich auch bei dieser Tätigkeit kein Geheimnis mehr mache aus meiner Homosexualität – sofern ich explizit danach gefragt werde – bin ich restlos überall geoutet. Bisher schwimmen noch immer alle Kinder bei mir. Und ein Geschwätz unter ihnen habe ich auch noch nie wahrgenommen. Die scheinen sich doch noch nicht so viel aus der Liebe zu machen. Was die Eltern denken? Das ist mir mittlerweile ziemlich Conchita – also Wurst. Schliesslich trainiere ich ja nicht die Eltern, sondern deren Kinder.

 

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Es wäre mir sehr unangenehm, wenn eines dieser jetzt rund 10-jährigen Kids später per Zufall herauskriegen sollte, dass ich mit einer Frau zusammen lebe. Und dass ich es bewusst verschwiegen habe. Ich will nicht, dass der Eindruck entsteht, man müsste sich für eine gleichgeschlechtliche Liebe schämen! Oder sie verheimlichen, weil es anormal ist. Den Einwand, man muss den Kindern nicht alles auf die Nase binden, will ich so nicht stehen lassen. Ja, muss man nicht. Ich begrüsse die Kinder anfangs Saison auch nicht mit einer Offenbarung meiner sexuellen Orientierung. Werde ich aber danach gefragt, mache ich keinen Hehl mehr daraus. Da in Vereinen bekanntermassen sehr viel getratscht wird, wissen zumindest die etwas älteren Schwimmer_Innen – jene, die sich schon eher für Beziehungen interessieren – ohnehin Bescheid. Und die Argumentation „Mein Privatleben geht niemanden etwas an“ ist in meinen Augen auch nur bedingt zulässig. Ich verbringe doch einiges an Zeit mit den Kindern und Trainerkolleg_Innen. Da möchte ich auch mal frei von der Leber weg erzählen können, ohne ständig alles umzuformulieren. Und solange das Privatleben von Homosexuellen in der Öffentlichkeit debattiert wird (Adoptionsrecht, Erbrecht, Partnerschaftsgesetz, Eheschliessung…), habe ich nicht das Bedürfnis, mich unsichtbar zu machen.

Jenes zehnte Kind, welches sich irgendwann in den nächsten Jahren in jemanden ihres_seines Geschlechts verlieben wird, wird sich hoffentlich daran zurück erinnern, dass es einmal eine Schwimmtrainerin hatte, die eigentlich ganz ok war – obwohl sie mit einer Frau zusammen lebte. Vielleicht schwimmt es dann ja noch. Und vielleicht hat es dann das Bedürfnis, sich jemandem anzuvertrauen. Jemandem, von dem es weiss, dass sie_er ähnliche Erfahrungen gemacht hat.

 

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Schreibt sie uns!
Ein Blogeintrag zum Thema „Homophobie in der Arbeitswelt“ wird in Kürze aufgeschaltet werden.

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Coming Out Teil 3: Gesellschaftliche Reaktionen und bisheriger Weg https://www.lesbianchic.de/coming-out-teil-3-gesellschaftliche-reaktionen-und-bisheriger-weg/ https://www.lesbianchic.de/coming-out-teil-3-gesellschaftliche-reaktionen-und-bisheriger-weg/#comments Sun, 16 Jun 2013 04:15:27 +0000 http://www.lesbianchic.ch/?p=6644 Hoerzu_Lesben

Nun komme ich zum letzten Teil meines Coming Outs. Im ersten Teil und im zweiten Teil bin ich auf mein inneres und äusseres Outing eingegangen. Nun versuche ich mich als Mensch und als Lesbe zu reflektieren in einer vermeintlich heteronormativen Welt. Denn die anfängliche Erleichterung nach meinem Outing wich bald dem Gefühl der totalen Orientierungslosigkeit. Mir wurde klar, dass ich überhaupt keine Ahnung habe, wo ich stehe und wo mein Platz in dieser Gesellschaft ist.

 

Welt vs. Ich

 

 

In dieser Welt ist alles darauf ausgelegt, dass Frauen Männer lieben und umgekehrt. Jede Werbung, jeder Film, jedes Lebenskonzept, das irgendwo vermarktet wird, dreht sich um dieses vermeintlich perfekte Glück zwischen Mann und Frau. So viel Anklang das auch bei den meisten Menschen finden mag, mir sagt es nicht zu. Aber auch wenn ich ganz genau weiss, dass ich das nicht will, lockt es mich, wie der süsse Duft eines Kuchens, von dem ich nie kosten werde. Es ist nicht so, dass ich so leben möchte oder könnte, mit Mann und Kind und weiss der Teufel was. Es ist nur so, dass es einfacher wäre. Denn obwohl ich meine Liebe zu Frauen, als das normalste der Welt empfinde, führt mir die Gesellschaft tagtäglich vor Augen, dass es eben nicht so ist. Und so gibt es unendlich viele Szenen in meinem Leben in denen ich spürte, dass ich nicht in diese auf Heterosexuelle massgeschneiderte Welt passe. An guten Tagen denke ich, es ist gar nicht erstrebenswert da rein zu passen, aber an schlechten Tagen fühlt es sich an, als würde ich mich 100 Sachen gegen eine Wand rasen.

 

Lesbe – who cares?

 

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Seit meinem Coming Out nehme ich mich selbst als Lesbe wahr. Auch meine Freunde und Familie tun das, aber abgesehen von ihnen wohl niemand. Alle anderen gehen automatisch von meiner Heterosexualität aus. Und das nervt gehörig. So zwingt es mich immer wieder mich entweder zu rechtfertigen oder dazu mich selbst zu verleugnen. Die Krönung war als mich in Berlin ein Türsteher vor einer Gay-Party ernsthaft fragte, ob ich wisse, was da für eine Party im Gange ist und ob ich wirklich da rein möchte. Es scheint, als habe die Gesellschaft immer noch klare Vorstellungen von Lesben und als sei dieses kommune Bild der Kampflesbe ziemlich festgefahren. Mit meinem Outing konnte ich zumindest bei einigen Menschen das Bild von Lesben verändern und sie wiederum verändern das Bild ihrer Freunde. Aber es fehlt die Präsenz von Lesben im alltäglichen Leben, die zeigt, dass wir keine frustrierten Mannsweiber sind, die keinen Mann abbekommen.

 

Dazu stehen

 

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Ich habe mich entschlossen öffentlich zu meiner Homosexualität zu stehen. Zum Teil traf ich diese Entscheidung ganz bewusst, weil ich denke, dass es sehr wichtig ist, um Vorurteile abzubauen und um aus dem Schattendasein zu treten. Der Entschluss war aber auch ein logischer Schritt auf meinem Weg. Niemand kann mir weiss machen, dass frau wirklich glücklich werden kann, wenn sie ständig einen Teil von sich verstecken muss. Frauen, die nicht zu ihrer Homosexualität und folglich auch nicht zu mir stehen , kann ich einerseits verstehen, weil es für mich auch lange unvorstellbar war. Aber andererseits ist es auch frustrierend und verletzend zu gleich. Zermürbend daran finde ich vor allem das Gefühl, um etwas betrogen worden zu sein. Ich möchte die volle Dröhnung Liebe und nicht einen an Bedingungen geknüpften Hauch von Liebe. Klar frau muss ihre Liebe auf keinen Fall zur Schau stellen, aber sie zu verstecken hat so einen bitteren Beigeschmack des Unmoralischen. Und wo soll das hinführen? Ein Leben im Verborgenen kann von niemanden das Ziel sein. Gerade in der Schweiz haben wir zum Glück die Wahl, um uns gegen ein solches Leben zu entscheiden im Gegensatz zu vielen Homosexuellen in anderen Ländern.

Manchmal frage ich mich, was ich machen würde, wenn ich jetzt die Wahl hätte zwischen meinem Leben als Lesbe oder nochmals neu zu beginnen als Hetero. Klar habe ich Schwierigkeiten und Sorgen, die ich als Heterosexuelle nicht hätte, aber das gilt auch umgekehrt. Ausserdem führen so was-wäre-wenn Gedanken zu nichts und bringen niemanden weiter. Ich lebe jetzt, ich lebe lesbisch und ich lebe gut. Heute weiss ich es ist in Ordnung, so zu empfinden und Millionen von Menschen tun es mir gleich. Es ist Liebe und nur wenn wir lieben können sind wir wirklich frei.

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