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Für lesbian chic plaudern beide über ihr Berufs- und Privatleben aus dem Nähkästchen. Wie lebt es sich als lesbisches Elternpaar mitten in der ostdeutschen Provinz? Was lehrt das Anderssein uns über das aktuell vorherrschende Frauenbild? Und was bedeutet eigentlich Gleichberechtigung?

Wie stehen Sie zu dem Begriff Lesbe?

Nicole: Das ist mir zu einseitig, eine Kategorisierung. Ich kann bis zum heutigen Tag damit nichts anfangen. Zwar empfinde ich das nicht als Schimpfwort, aber ich sehe mich selbst als Frau. Wenn es einen Begriff braucht für Frauen, die Frauen lieben, dann ist es eben „Lesbe“, aber ich selbst empfinde mich nicht so.

Tanja: Ich schon gar nicht. (lacht) Eher habe ich ein anderes Problem. Weil ich mit einem Mann verheiratet war, frage ich mich: Wenn wir in Kategorien denken, bin ich denn wirklich eine Lesbe?  Für mich ist das Wort oftmals negativ konnotiert. Wieso? Es wird oftmals negativ verwendet, Frauen werden als Kampflesben bezeichnet. Das assoziiert ein Bild, dem wir beide rein äußerlich überhaupt nicht entsprechen.

Seit Oktober 2017 gibt es in Deutschland endlich die Ehe für alle. Welche Bedeutung hat die Möglichkeit, zu heiraten, für Sie?

(ausgiebiges Lachen)

Tanja: Schön, dass du das ansprichst. Da ich schon einmal verheiratet war, bin ich mir dessen bewusst, dass so eine Unterschrift keine Garantie für irgendetwas ist. Bis 2017 hat Nicole sich zurecht darauf berufen, dass sie keine Pseudo-Gleichheit wolle, die uns zwar die staatlichen Pflichten einer eingetragenen Lebenspartnerschaft aufzwingt, uns aber nicht die Rechte einer richtigen Ehe zugesteht.

Nun hat sich diese Situation 2017 geändert, weshalb ich ab und zu schon vorsichtig nachfrage, ob wir an dem Status nicht etwas ändern sollten.

Bei aller Negativerfahrung bin ich trotzdem so konservativ eingestellt, dass ich auch an die Absicherung denke, die mit einer Ehe im Alter einhergeht. Was die Kinder betrifft, ist die Situation viel schwieriger.

Nicole: Die sind übrigens beide sehr dafür. Aber ich habe es eigentlich schon immer überflüssig gefunden, mir von Staatswegen eine Absolution meiner Beziehung zu holen. Natürlich sind all die rationalen Gründe, die dafürsprechen, nicht vom Tisch zu wischen. Trotzdem finde ich es schöner, wenn man zusammenbleibt, obwohl die Trennung kein Geld kosten würde.

Tanja, welche Reaktionen gab es vonseiten Ihrer Freunde und Familie auf Ihre Partnerschaft?

Tanja: Erstaunlich wenig. Bevor ich auf die Reaktionen meines Umfeldes eingehen konnte, musste ich mich zuerst einmal mit mir selbst auseinandersetzen und mit dem, was in mir vorging. Am Anfang hat es mich total überfordert, dass Privates und Schulisches plötzlich zusammenkam.

Eigentlich gab es nur eine Person in meinem Freundeskreis, die damit überhaupt nicht umgehen konnte – meine beste Freundin. Sie hat sich sehr eigenartig verhalten und das hat unsere Freundschaft sehr belastet. Vielleicht wären wir früher oder später sowieso verschiedene Wege gegangen. Aber letztendlich kam der Bruch durch Bemerkungen wie: „Du hast ja jetzt eine neue Freundin.“

Diese Idee, dass sie sich von Nicole ersetzt fühlt, hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Ich erinnere mich an unser erstes gemeinsames Treffen zu dritt. Wir wollte ein bisschen Zeit gemeinsam verbringen, auch gemeinsam mit den Kindern, aber die Begegnung war letztendlich sehr komisch und unangenehm. Damit hatte ich lange zu kämpfen.

Sie hat auch mal gesagt: „Jetzt, wo du mit einer Frau zusammenbist, können wir gar nicht mehr über unsere Ehemänner lästern.“

Nicole: Und das, obwohl sie eine sehr intelligente Frau ist.

Tanja: Vielleicht ist das nur das Resultat großer Unsicherheit. Sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte.

Meine Mutter wollte kein Problem daraus machen und hat zu schnell von sich erwartet, das zu akzeptieren. Es gab eine unschöne Episode, in der unbewusst alles mitschwang, was sie sich wahrscheinlich selbst verboten hatte, zu äußern. Sicher hatte sie auch Angst, weil meine Ehe gerade zu Ende war und sie nicht wusste, was mit den Kindern werden sollte. Und sie konnte sich nicht vorstellen, wie das gehen soll, eine Partnerschaft mit einer Frau zu haben. Vielleicht wäre es besser gewesen, sie hätte sich eingestanden, wie unsicher und überfordert sie tatsächlich damit war.

Was war die erste Reaktion Ihrer Kinder?

Tanja: Da muss ich zuerst an meine Tochter denken. Sie (damals 5) saß auf der Schaukel, Nicole und ich waren noch gar nicht zusammen – wahrscheinlich spüren Kinder das, ohne zu wissen, was es ist. Nicole und ich schoben sie auf der Schaukel an, als sie fragte: „Nicole, kannst du nicht unser neuer Papa sein?“ Das hat mich erstmal komplett überrumpelt.

Nicole: Mir fiel auch nichts dazu ein.

Tanja: Das war lange immer wieder Thema. Mein Sohn, der „Große“, war erstmal argwöhnisch. Ob die mit dem Metallbaukasten so umgehen kann wie Papa? Er hat uns genau beobachtet, sich auch einmal zwischen uns geschoben. Aber dadurch, dass wir es nie als etwas Außergewöhnliches thematisiert haben, war es eben so. Etwas Selbstverständliches.

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Nicole: Irgendwann haben die Kinder natürlich ein Alter, in dem sie mehr hinterfragen. Wir haben darüber gesprochen und gut. Tanjas Sohn hatte deswegen in der Schule nie schlechte Erfahrungen. Ihre Tochter kam in der sechsten Klasse einmal todunglücklich nach Hause, weil jemand gesagt hatte: „Deine Mutter ist eine Lesbe!“ Und sie war irritiert, weil es für sie keinen Unterschied machte, ob Mann oder Frau. Meine Beziehung zu den Kindern ist schließlich sehr harmonisch – im Rahmen dessen, was die Pubertät gerade zulässt.

Tanja: Was uns allen dagegen immer wieder Unbehagen bereitet, ist der rechtliche Status. Das, was Nicole emotional für die Kinder ist, kann juristisch nicht legitimiert werden. Sie kann die Kinder nicht adoptieren, weil ich mir das Sorgerecht mit meinem Ex-Mann teile und um das zu ändern, müsste der schon sehr viel Mist bauen. Selbst wenn wir heiraten würden, würde das die Kinder vor dem Gesetz nicht zu Nicoles Kindern machen.

Nicole: Ich habe Null Rechte was die Kinder betrifft, obwohl ich seit mittlerweile fast acht Jahren mit ihnen zusammenlebe und sie zu mir, denke ich, inzwischen eine engere Bindung haben als zu ihrem biologischen Vater. Aber wenn Tanja morgen etwas zustoßen würde, könnte ich höchstens noch ihre Sachen zusammenpacken.

Tanja: Wir haben uns vom Anwalt beraten lassen, aber auch der sagt, wir haben was das betrifft schlechte Karten. Ich könnte höchstens eine handschriftliche Verfügung aufsetzen, in der ich darauf hinweise, dass Nicole seit vielen Jahren ein feste Bezugsgröße im Leben der Kinder ist. Aber das wäre nur ein Wunsch, den weder der Kindsvater noch das Jugendamt respektieren müssten.

Nicole: Zum Glück ist das Problem nur juristischer Natur, da Tanjas Ex-Mann sich sehr fair verhält.

Nicole, nennen die Kinder Sie Mama?

Nicole: Nein. Das wäre albern. Begriffe, Namen, Etiketten, das ist unwichtig. Die Kinder haben eine Mama, sie haben auch einen Papa, und ich ersetze keine dieser Funktionen. Wir sind Freunde – wenn ich Glück habe, empfinden das die Kinder auch so – und haben eine besondere Beziehung. Mehr kann und muss ich nicht erwarten und das ist gut so.

Tanja: Aber meine Tochter betont immer wieder: „Nicole, du bist die zweite Mama.“

Wie liefen die Elternabende ab, die sie zusammen besuchten? Wurden Sie als homosexuelles Paar anders behandelt?

Nicole: Nein. Wenn wir dort zusammen aufgetaucht sind, haben wahrscheinlich alle sich gefragt: „Wer ist die Frau, mit der Tanja da kommt? Wessen Mutter ist das?“ Das ist ein gesellschaftliches Problem, dass wir nicht wirklich als Paar wahrgenommen werden.

Tanja: Selbst im letzten Urlaub, den wir mit den Kindern verbracht haben. Wir haben einen jungen Mann kennengelernt, wie sich im Nachhinein herausstellte eine Art italienischer VIP, der mich fragte: „Wie gehört ihr eigentlich zusammen? Ist der Junge dein oder ihr Sohn?“ Darauf sagte ich: „Er ist unser Sohn.“

Er war sehr überrascht, dass das bei uns in Deutschland geht: Lehrerin und lesbisch sein. Und er meinte, er wünsche sich sehr, dass die italienische Gesellschaft sich mehr dafür öffnen würde. Man merkt, dass in Italien anders darüber gedacht wird. Als wir abends in Sardinien Hand in Hand gingen, haben alle sich umgedreht und geguckt. Das passiert uns hier nicht.

Wie gehen Sie mit schiefen Blicken um?

Nicole: Ist mir zu 100% gleichgültig. Ich achte ohnehin nicht darauf und bin, was das betrifft, relativ ignorant.

Tanja: Ich habe mich anfangs schon gesorgt, wie es sich denn anfühlen würde mit einer Frau in der Öffentlichkeit. Aber wenn man es nicht selbst zum Problem macht oder als besonders empfindet, sammelt man auch weniger Aufmerksamkeit. Und letztendlich ist es mir egal, wie andere gucken. Es hat uns eher amüsiert, dass einige unserer Kollegen überhaupt nicht deuten konnte, was zwischen Nicole und mir lief.

Nicole: Es war schon niedlich, als die Kollegen es dann langsam und wirklich seeehr langsam verstanden hatten und nicht wussten, wie sie sich uns gegenüber verhalten sollten.

Gab es Ihnen gegenüber je offen homophobe Anfeindungen?

Nicole: Nein, noch nie. Da mag daran liegen, dass wir es nach außen nicht thematisieren. So, wie ich von keinem Menschen erwarte, dass er vordergründig zuerst über seine Sexualität spricht.

Das ist immerhin das einzige, worin ich mich von Meier, Müller, Schulze möglicherweise unterscheide. Ich will ja auch nicht wissen, ob irgendjemand einen Gummifetisch hat. Ich will es nicht wissen! Weil das nicht unser Berührungspunkt sein wird. Mir ist wichtig, wie jemand denkt, welche Ansichten er hat, und nicht seine sexuelle Orientierung. Genauso wenig will ich darauf reduziert oder darüber definiert werden.

Wenn Sie von anderen beschrieben werden, wird Ihre Sexualität dann als Eigenschaft verwendet, um Sie zu charakterisieren?

Nicole: Keine Ahnung, mir gegenüber beschreibt mich niemand.

Tanja: Wir haben eine Kollegin mit dem gleichen Nachnamen und um sie zu unterscheiden, hat man eher darauf zurückgegriffen, zu sagen: die junge oder die alte, die mit den kurzen und die mit den langen Haaren. Aber es ist nie jemand auf die Idee gekommen, zu sagen: die lesbische oder die heterosexuelle.

Nicole: Darüber werden wir nicht definiert, es juckt keinen und um das zu thematisieren ist das hier auch der falsche Raum.

Wurden Sie schon einmal von Schülerinnen oder Schülern aufgrund Ihrer sexuellen Orientierung als Vertrauensperson zu Rate gezogen?

Nicole: Nicht bewusst. Natürlich verstecken wir uns nicht und jeder weiß, dass wir ein Paar sind. Darum meine ich, inzwischen beobachtet zu haben, dass es mehr Mädchen gibt, die kein Geheimnis mehr daraus machen, was sie sind.

Tanja: Das merken wir meistens erst im Nachhinein. Es gab Schülerinnen, denen hat es Mut gemacht, dass wir zwei zu unserer Partnerschaft stehen und kein Problem daraus basteln, sondern vorleben, dass es ganz normal und gut sein kann. Sie wissen, dass wir sie auf einer anderen Ebene verstehen.

Nicole: Wir leben heute in einer anderen Zeit. Ein bisschen beneide ich die Mädchen darum, dass sie heute mit viel mehr Akzeptanz rechnen können. Während meines Studiums hatte ich einen schwulen Freund, daher haben wir das schon thematisiert, bevor ich mir meiner eigenen Vorlieben klar war. Allerdings wird die Homosexualität von Frauen nicht so beziehungsweise anders wahrgenommen als die Homosexualität von Männern. „Schwul“ ist ein Schimpfwort, „Lesbe“ nicht so direkt.

Das hat natürlich auch etwas mit Ernstnehmen zu tun. Weibliche Sexualität wird eben nicht so ernstgenommen wie männliche. Und manchen Mann turnt es wahrscheinlich noch an, wenn er sich vorstellt, was zwischen Frauen läuft. Einerseits ist es bequem, Windschattensegler zu sein, andererseits ist es eine Missachtung, die nicht in unsere aufgeklärte Gesellschaft passt.

Tanja: Erinnere dich an San Francisco.

Nicole: Ja, wir waren im, wie wir dachten, homosexuellen Mekka schlechthin. Im Castro Viertel in San Francisco. Das ist so schwul, dort ist selbst der Zebrastreifen regenbogenfarben. Aber es ist eben männlich homosexuell. Frauen fanden dort gar nicht richtig statt.

Tanja: Wo man auch hinsieht, in den Schaufenstern, auf den Straßen, die Clubs: Männer.

Wie beeinflusst das Lesbischsein Ihre gesellschaftspolitischen Ansichten?

Nicole: Gar nicht. Mein Gehirn funktioniert nicht anders, nur weil ich lieber mit einer Frau zusammenlebe.

Aber Sie sind sich dessen bewusster, wie Sie als Frau wahrgenommen und welche Erwartungen an Ihre Rolle als solche geknüpft werden?

Nicole: Ich finde, Frauen sind an manchen Stellen selbst schuld, dass sie im 21. Jahrhundert noch so schlecht dastehen. Warum stehen sie so schlecht da? Erstens, weil sie sich nicht einig sind. Und zweitens, weil immer noch zu viele Frauen in ein Heimchen- und Prinzessinnen Getue fallen, sobald ein Prinz auf der Matte steht. Dagegen bin ich einigermaßen immun, weshalb ich das aus einer anderen Perspektive betrachten kann.

Ich fürchte, Männer können kumpelhafter netzwerken als Frauen, weil Frauen ab einer gewissen Machtstruktur dazu neigen, sich in Furien zu verwandeln. Viel sinnvoller fände ich es, wenn wir uns zusammenschließen und uns unserer mentalen Stärken bewusstwürden. Dann hätten wir vermutlich viel bessere Unternehmerqualitäten und die Frauenquote wäre einfacher zu erreichen.

Das beste Beispiel, und dafür bewundere ich diese Frau, ist Angela Merkel, schließlich hat sie mehr erreicht als sonst jemand. Politisch sehe ich mich allerdings eher links von der Mitte und das wäre noch genauso, wenn ich mit einem Mann zusammenlebte. Wie ich mich positioniere, ist eine Frage des Intellekts und welcher Weltanschauung ich mich anschließe.

Dann glauben Sie nicht, dass, wenn eine Frau ein konservatives Selbstbild hat und sich eher als Komplettierung des Partners sieht, diese Einstellung Einfluss auf ihre politischen Ansichten hat?

Nicole: Doch, aber dann gehört sie erstmal therapiert. Wie traurig ist sowas im 21. Jahrhundert? Rein formell haben wir Frauen alle Rechte, die auch Männern zustehen. Wir bedienen uns derer nur nicht. Wenn sich eine Frau freiwillig in die Küche-Kinder-Kirche-Rolle schieben lässt, hat sie ein Problem.

Tanja: Ich habe sogar das Gefühl, dass wir uns in der Beziehung wieder etwas zurückentwickeln. Wir fragen uns nur, warum. Allein wegen der derzeitigen Rentensituation halte ich es für Frauen für sehr gefährlich, sich abhängig zu machen. Wenn wir allein Ost- und Westdeutschland betrachten. Wie viele Mütter müssten genau das ihren Töchtern beibringen: Geh nicht in die K-K-K Hausfrauenrolle, sondern sorge für dich selbst.

Früher haben sich viele darauf ausgeruht, dass Männer ihren Frauen einen Unterhalt zahlen mussten, was sicher ungerecht zulasten des Mannes war. Aber das Unterhaltsrecht ist verändert worden, übrigens nicht zugunsten der Frau, und was bleibt ist Null Wertschätzung.

Nicole: Wenn Frauen sich in so eine Rolle drängen lassen, sind sie selbst schuld, denn das ist aktuell besser geregelt als noch vor dreißig Jahren: Männer haben inzwischen die Möglichkeit, sich Elternzeit zu nehmen, sich um die Kinder zu kümmern und es gibt genügend Männer, die das mit Freude und Selbstverständlichkeit machen. Die Kinder in ihren frühen Jahren aufwachsen zu sehen, war lange den Müttern vorbehalten, was nicht fair ist. Zuallererst sind wir Menschen. Väter sind für ihre Kinder ebenso wichtig, wie die Mütter es sind, und wenn jeder danach handeln würde, gäbe es dieses Ungleichgewicht bei der Rente nicht.

Tanja: Leider sehe ich auch an Frauen in meinem Umfeld, die spät Kinder bekommen haben, dass sie nicht loslassen, das Kind nicht abgeben können. Schwangerschaft und Geburt, geht auf das Konto der Frau, beim Stillen haben wir schon die Wahl.

Ich frage dann: „Warum bist du dir das nicht wert? Warum musst du jeden Abend bei dem Kind sitzen, obwohl das auch mal der Vater übernehmen könnte?“ Das Problem ist oftmals die Frau, nicht der Mann. Sie kann oder will ihn nicht machen lassen. Warum? Ich habe es sehr genossen, zwischendurch ein bisschen Freiheit für mich zu haben. Ein herrliches Gefühl, allein im Kino zu sitzen. Ich muss es mir wert sein, mein Eigenleben anzuerkennen.

Nicole: Und sich selbst manchmal nicht so wichtig nehmen. „Keiner kann das so gut wie ich, weil ich die Mutti bin.“

Tanja: Viele unserer Schülerinnen haben Träume, die ich nicht nachvollziehen kann. Klar, sie sehnen sich nach einer gewissen Sicherheit. Aber dass sie sich schon jetzt in einer Doppelrolle sehen, sich darauf einstellen, auf Arbeit zu gehen und den Haushalt zu schmeißen und die Kinder zu erziehen – mit einer Selbstverständlichkeit, das erschreckt mich.

Dann erleben Sie es häufig, dass Schülerinnen von vornherein alles um den traditionellen Lebensentwurf Mann, Kind, Heim herum planen?

Nicole: Ja, und zwar in einer klaren Rollenverteilung. Ich denke manchmal, die 70er Jahre waren völlig umsonst. Die gesamte Emanzipationsbewegung löst sich in Luft auf. Ich glaube, viele Mädels fühlen sich eher peinlich berührt, wenn wir sie dazu auffordern, selbstbewusst aufzutreten und ihre Meinung klar zu kommunizieren. Wenn ich in Geschichte von den 70ern spreche, der sexuellen Befreiung, der Pille und dass Frauen sich weniger von Männern abhängig machten als Jahre zuvor, wissen sie entweder gar nicht, was ich meine oder die Denkweise kommt in ihrem Kosmos einfach nicht vor.

Tanja: Andererseits werden die Schulen in der Umgebung hauptsächlich von Frauen geleitet. Der Schülerrat besteht fast nur aus Mädchen. Und trotzdem begegnet mir dieser konservative Lebensentwurf immer wieder, obwohl es auch anders geht. Wieso?

Nicole: Weil sie dieses kleine bisschen Sicherheit festhalten wollen.

Wie oft kommt es vor, dass Schülerinnen sich in Sie verlieben und wie erfahren Sie davon?

Tanja: Hast du nicht mal vor Kurzem gesagt, dass eine in mich verliebt sei?

Nicole: Kann sein. Ich kriege davon nichts mit.

Tanja: Wahrscheinlich sind es eher die Jungs in der fünften Klasse, die sich mal in eine Lehrerin verlieben.

Gibt es einen gravierenden Unterschied zu heterosexuellen Paaren oder lohnt es sich im Grunde überhaupt nicht, sich darüber zu unterhalten?

Tanja: Nur die Erkenntnis, dass die Beziehung zwischen zwei Frauen nicht leichter oder mit weniger Reibungspunkte behaftet ist, bloß weil sie Frauen sind. Man verliebt sich tatsächlich in den Menschen. Ich musste mir selbst die Frage stellen, was wäre, wenn Nicole aus irgendeinem Grund nicht mehr da wäre. Wäre ich dann definitiv noch lesbisch? Weder würde ich danach explizit nach einer Frau noch nach einem Mann suchen. Wobei ich die Frage verstehen kann. „Bist du es? Oder doch nicht?“ Was bin ich eigentlich? Ich höre auf meinen Bauch und mein Herz, ohne dabei Gedankenkonstrukte zu entwickeln.

Die Namen wurden aus Respekt vor der Privatsphäre geändert.

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Wenn Lesben Familien gründen – von Recht bis Regenbogen https://www.lesbianchic.de/lesben-rechte/ https://www.lesbianchic.de/lesben-rechte/#respond Fri, 01 Feb 2019 09:28:11 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=13360 Seit Deutschland die Ehe für alle hat, fühlen wir uns fortschrittlich und weltoffen. Aber noch immer gibt es keine absolute Gleichbehandlung. Allein über Adoption und Kindeswohl wird hitzig debattiert. Ein Überblick über die aktuellen Rechte und Einschränkungen von Lesben auf dem Weg zur Regenbogenfamilie in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Ehe

Seit dem 1.Oktober 2017 können in Deutschland auch homosexuelle Paare den „traditionellen“ Bund der Ehe eingehen – endlich! Auch Österreich findet, es sei an der Zeit, mental und juristisch im 21. Jahrhundert anzukommen. Hier dürfen Lesben und Schwule ab 2019 heiraten. In der Schweiz ist die Homo-Ehe noch nicht angekommen, da besteht höchstens die Möglichkeit einer eingetragenen Lebensgemeinschaft, die der Ehe rechtlich fast gleichgestellt ist.

Adoptionsrecht

Durch die Legalisierung der Homo-Ehe können gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland gemeinsam Kinder adoptieren, dasselbe gilt für Österreich. Die Schweiz erlaubt nur die Stiefkindadoption. Das heißt, dass man das leibliche Kind seiner Partnerin, mit der man in einer eingetragenen Gemeinschaft lebt, annehmen darf. Umgekehrt ist es verboten, ein fremdes Kind zu adoptieren, solange eine solche zivilrechtlich eingetragene Partnerschaft besteht. In einer inoffiziellen Beziehung ist es theoretisch möglich, dass eine der beiden ein Kind adoptiert und sie es gemeinsam großziehen, unabhängig davon, was auf dem Papier steht – vorgesehen ist es aber nicht. Das gilt für homosexuelle Frauen ebenso wie für Männer.

Künstliche Befruchtung

Es gibt in Deutschland kein Gesetz, das lesbischen Paaren den Zugang zu künstlicher Befruchtung verbietet. Ausdrücklich erlaubt ist es allerdings auch nicht. Viele heterosexuelle Paare entschließen sich zu diesem Schritt, wenn es ihnen aus verschiedenen biologischen Gründen nicht möglich ist, ein Kind zu zeugen, sie sich aber sehnlichst eines wünschen. Dies ist bei lesbischen Paaren ganz ähnlich – und doch völlig anders, weil meistens beide Frauen zur Empfängnis auf „natürlichem“ Weg in der Lage wären und sich nur aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gegen den Kontakt mit einem Mann entscheiden.

Lesbische Paare, die sich ihren Kinderwunsch durch eine Samenspende, anonym oder nicht, erfüllen möchten, gelten darum als Sonderfall. Manche Ärzte lehnen es aus persönlichen Gründen ab, sie zu behandeln.

Hat man endlich die Klinik des Vertrauens gefunden, stellt sich die Frage nach der Finanzierung. Künstliche Befruchtung ist ein kostspieliger Eingriff. Bei Ehepaaren übernehmen Krankenkassen in der Regel einen Teil der Kosten, manche kommen sogar für die gesamte Behandlung auf. Es empfiehlt sich, vorher bei der eigenen Krankenkasse anzufragen, bevor man eine endgültige Entscheidung für oder gegen eine künstliche Befruchtung trifft. Sollten Eigenkosten anfallen, können Lesben diese inzwischen als „außergewöhnliche Belastung“ von der Steuer absetzen.

Die Frau, die das Kind austrägt, gilt als dessen Mutter. Ihre Partnerin kann das Kind dann adoptieren.

In Österreich wird die Frage der Elternschaft noch vor dem Empfang der Samenspende notariell geregelt. Beide Partnerinnen müssen ihr Einverständnis geben und werden im Zuge dessen als Eltern anerkannt. Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt der IVF-Fond bis zu 70% der Behandlungskosten, auch hier ist es gut, sich im Vorfeld zu informieren.

Die Schweiz erlaubt künstliche Befruchtung nur heterosexuellen, verheirateten Paaren.

Die ROPA-Methode

Die bei Lesben beliebte ROPA (Reception of Oocytes from Partner) – Methode läuft folgendermaßen ab: Partnerin A wird eine Eizelle entnommen, mit dem Sperma eines Spenders befruchtet und Partnerin B eingesetzt, die das Kind schließlich austrägt. So können beide ihren Teil zum gemeinsamen Kind beitragen.

Genetisch gesehen ist Partnerin A die Mutter, obwohl Partnerin B diejenige ist, die das Kind zur Welt bringt. Damit sind die deutschen und österreichischen Juristen komplett überfordert und die Schweiz ist sowieso dagegen. Demzufolge ist die Rechtslage zur Frage der Elternschaft in diesem Fall uneindeutig.

Ohnehin ist die ROPA-Methode in keinem der drei Länder durchführbar. Österreich erlaubt die Eizellenspende nicht, es sei denn Partnerin B ist unfruchtbar und braucht die Eizelle von Partnerin A als Voraussetzung, um schwanger werden zu können. Auch in Deutschland ist der Transfer verboten und die Schweizer kommen wahrscheinlich mit Fackeln und Heugabeln, wenn sie ROPA hören.

Lesbischen Paaren ist diese Methode in Spanien zugänglich, wo Eizellenspende erlaubt ist und auch die doppelte Mutterschaft anerkannt wird.

Das Wohl der Kinder

Verfechter des traditionellen Familienbildes argumentieren, ein Kind brauche Mutter und Vater, einen weiblichen und einen männlichen Pol, um gesund zu geraten. Dem entgegen stehen Studien, die belegen, dass Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen, sich ebenso normal entwickeln können wie in Hetero-Familien. Viel entscheidender als die geschlechtliche Identität der Eltern ist das Verständnis von Erziehung und die Harmonie in der Familie. Außerdem: Kinder, die bei schwulen oder lesbischen Paaren aufwachsen, werden nicht automatisch auch homosexuell.

Ein weiteres Argument, das Gegner des Adoptionsrechts für Homosexuelle anführen, ist, dass Kinder für ihre beiden Mamas (oder Papas) diskriminiert werden könnten. Dies ist eine reale Gefahr, die nicht kleingeredet oder vernachlässigt werden darf. Allerdings liegt hier das Problem nicht bei den Eltern oder gar den Kindern, sondern beim homophoben Anteil der Bevölkerung. Das Problem löst sich nicht, indem Lesben und Schwulen das Adoptionsrecht verweigert wird. Ganz im Gegenteil: wenn wir uns an Intoleranz ausrichten, bestärken wir sie, anstatt sie zu vermeiden. Mehr dazu hier.

Wen kann ich fragen?

Deutschland:

lsvd.de

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland bietet Informationen und Beratung zu sämtlichen relevanten Themen rund um Homosexualität, auch Mustertexte und Material zur derzeitigen Rechtslage.

Projekt Regenbogenfamilienzentrum

Wichtige Anlaufstelle, die Beratung, Gruppenangebote (auch mit Kind) und Fortbildungen organisiert.

Österreich:

hosiwien.at

Die Homosexuelle Initiative Wien steht Suchenden und Fragenden mit Rat und Tat zur Seite und bietet vielfältige Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch.

regenboganfamilien.at

FAmOS Regenbogenfamilien ist Netzwerk und Beratungsstelle für Regenbogenfamilien und LGBTIQs mit Kinderwunsch.

Schweiz:

regenbogenfamilien.ch

Regenbogenfamilien stellt detaillierte Informationen zur rechtlichen Situation bereit, berät homosexuelle Paare mit Kinderwunsch und setzt sich für die Gleichstellung von Regenbogenfamilien in der Schweiz ein.

Wie Du außerdem Zugang zur Community findest und wo Du Dich am besten vernetzen kannst, erfährst Du hier.

Stand: Dezember 2018

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Die Geschichte der Homosexualität https://www.lesbianchic.de/die-geschichte-der-homosexualitaet/ https://www.lesbianchic.de/die-geschichte-der-homosexualitaet/#comments Thu, 05 Apr 2018 11:27:19 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=13170 Wer denkt, das Thema Homosexualität sei eine Modeerscheinung oder ein Trend der vorüber geht, liegt definitiv falsch.

Lesbische Liebe Gemälde

Mit Blick auf die Geschichte der Homosexualität wird deutlich, dass es bereits in der griechische Antike Erwähnung findet. Als Beispiel könnte man hier Sappho von Lesbos nehmen, die bereits zu jener Zeit in Texten ihrer Bewunderung gegenüber Frauen Ausdruck verlieh.
Das Thema entwickelte sich in der Zeit bis heute immer weiter. Für das Recht der freien Liebe mussten die Menschen von Anfang an einstehen. Heute sind wir in puncto Freiheit schon einen Schritt weiter. Im folgenden Post geht es nun um die Geschichte der Homosexualität anhand der Frage, wie diese „Freiheit“ bezüglich Liebe und Leben eigentlich erreicht wurde. Angefangen in der frühen Zeit, über Mittelalter und Meinungen in der Bibel geht es weiter über das dunkle Kapitel der NS-Zeit bis zur heutigen Zeit.
Wir folgen nun einer kleinen Reise zurück in die Vergangenheit mit Station an verschiedenen Eckpfeilern.

sappho Gemälde

Antike und die frühe Zeit – als den Frauen kaum Beachtung geschenkt wurde

In der griechischen Antike war die Päderastie gebräuchlich. Dies beschreibt das Verhältnis zwischen einem älteren Kind und einem Mann. Die Jungen wurden dabei von ihren Liebhabern unterstützt und erhielten eine gute Ausbildung. (Sugar Daddys?)

Der Ausbildung der Mädchen wurde oftmals keine Beachtung geschenkt, da die Jungen den Mädchen gegenüber als „überlegen“ angesehen wurden. Über damaliges homosexuelles Verhalten von Frauen gibt es nur wenige Informationen.

Es wird in diesem Thema von Beziehungen zwischen jüngeren und älteren Frauen berichtet, die, ähnlich der Päderastie, oftmals mit dem Erziehungssystem in Zusammenhang standen. Sappho von Lesbos, die als „wichtigste des klassischen Altertums“ gilt, verlieh ihrer Bewunderung gegenüber in der Lyrik tätigen Frauen in eigenen Werken Ausdruck. Allerdings wurde die lesbische Liebe eher in schlechtes Licht gestellt.

„Reiterscharen, Soldaten oder auch Schiffe halten die Menschen fürs Schönste auf dunkler Erde; ich meine aber, das Schönste sei, was die Liebe sehnend begehrt.“ Sappho von Lesbos.

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Homosexualität im Alten Testament oder von sprechende Schlangen

Im Alten Testament wurde das Thema tabuisiert und bestraft. In der Bibel gelten Mann und Frau als Schöpfung. Die Normalität wird von der Heterosexualität gebildet. Es sei die Absicht Gottes, dass die beiden Geschlechter zusammen gehörten. Gleichgeschlechtliche Verhältnisse sprechen gegen die Bibel und gegen das Bild Gottes. In der Bibel stößt man des Öfteren auf Stellen, die gegen die Homosexualität sprechen. Allerdings ist die wahre Deutung dieser Stellen umstritten.

Homosexualität im Neuen Testament und von schwangeren Jungfrauen

Im Neuen Testament wird die Meinung über die Homosexualität aufrechterhalten. Man betrachtete die Homosexualität als „Folge der Gottlosigkeit“. Hierzu wird es bald einen ausführlichen Post geben. Seid gespannt.

zwanziger Jahre Lesben selbstbewusst

Der Nationalsozialismus

Während der Übergangsphase vom Mittelalter vermehrte sich die Denkweise über die Homosexualität. In der philosophischen Betrachtung wich die Homosexualität von der natürlichen Sexualität ab, was den Hinweis auf eine Krankheit sei. Juristisch gesehen kann eine Handlung nur als strafbar gelten, wenn sie „die Rechte dritter verletzt.“ Der Nationalsozialismus, der zu dieser Zeit herrschte, vereinfachte die Situation der lesbischen Frauen nicht. Der schwarze Winkel, das Homosexuelle Frauen öffentlich tragen mussten, degradierte sie. Eine Abschiebung in ein KZ war oft die Folge. Der § 175 aus dem Jahre 1871, der sexuelle Handlungen zwischen Männern untersagt, wurde in das Strafgesetzbuch des Deutschen Reiches übernommen. Erst am 11.Juni 1994 wird dieser Paragraph in Deutschland aufgelöst.

Stonewall in New York

Homosexualität im Theater oder Wir kämpfen und lieben!

Im Jahre 1921 brachte eine Amateurtheatergruppe ein Stück über zwei Frauen, die sich ineinander verliebten, auf die Bühne. Ab 1922 erschienen die ersten homosexuellen Zeitungen. 1969 geschah der Stonewall-Aufstand in den USA. In einer Bar in New York, in der sich vor allem Homo- und Transsexuelle aufhielten, trugen sich die ersten gewalttätigen Taten zu. In der Bar wurden Razzien durchgeführt und die sich dort aufhaltenden Personen wurden wegen „anstößigem Verhalten“ angeklagt. Dies ließen sih jene nicht gefallen und vertrieben die Polizei mit Gewalt. Nach diesem Ereignis entstand eine breite Solidarisierung. Stonewall wird in der Szene als erstes Ereignis betrachtet, das einen Schritt in Richtung Freiheit ging.

erste Lesbische Hochzeit in Japan 2011.
erste Lesbische Hochzeit in Japan, 2011.

80er und 90er – auf dem Weg zur (eingeschränkten Freiheit)

Mitte der 80er wurden immer wieder Demonstrationen und Veranstaltungen durchgeführt, um an das Stonewall-Ereignis zu erinnern. Dies führte zur Entpolitisierung des Themas. Anfangs der 80er Jahre brach eine AidsEpidemie aus. Die Gesellschaft betrachtete homosexuelle Männer als Ursprung für den HIV – Virus.
Ein Schritt in die richtige Richtung war im weiteren Verlauf juristische Gleichstellung; im Jahr 2000 konnten homosexuelle Paare nun eine eingetragene Partnerschaft erstellen lassen. Allerdings gab es immer wieder Diskriminierungen gegenüber Homosexuellen.
1990 entstand der „Queer Nationalism“ – eine Schwulen- und Lesbenbewegung. In der Schweiz fühlten sich lesbische Frauen den Frauenbewegungen nahe und schlossen sich vermehrt zu Gruppen zusammen.

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2012, Lesben in New York

Heute

Viele getrauen sich heute immer noch nicht, ihre wahre Identität anzunehmen, da vieles noch mit der Angst verbunden ist, negative Reaktionen erleben zu müssen. Zudem besteht immer noch ein Unterschied zwischen den Geschlechtern. Lesben werden immer wieder mit Anfeindungen und Benachteiligungen konfrontiert. Schwule hingegen sind besser organisiert; es gibt Schwulenmagazine, Schwulenbars, etc.

Derzeit wird immer wieder über verbale und physische Angriffe gegenüber homosexuellen Menschen am Arbeitsplatz berichtet. Deshalb versuchen viele, ihre sexuelle Orientierung zu verbergen. In der katholischen Kirche wird Homosexualität immer noch abgewiesen. Im Vatikan wird nicht die homosexuelle Veranlagung als Sünde betrachtet, sondern das Verlangen danach. Das Kirchenvolksbegehren, welches 1995 entstand, forderte, dass sich viele Ansichten der Kirche ändern sollten. Auch die Verurteilung als Homosexueller sollte künftig wegfallen. In der evangelischen Kirche gibt es zwar immer noch Leute, die sich gegen Homosexualität aussprechen. Im Islam wird viel darüber berichtet, dass vor allem diese Religion Probleme mit gleichgeschlechtlicher Liebe hätte. Viele Gläubige beschreiben den islamistischen Glauben als tolerant. Heute weiß man, dass die Sexualität durch unsere Kultur geprägt wird und es keine „von der Natur abweichende“ Sexualität gibt. Zudem wurde im Jahre 1993 die Homosexualität aus der „Internationalen Liste für Krankheiten“ gestrichen. Die Meinung der Gesellschaft hat sich ebenfalls geändert und reagiert unterstützend, obwohl es immer noch zu Schikanen kommt. Außerdem gibt es viele homosexuelle Lebensgemeinschaften, in denen auch Kinder leben, sogenannte Regenbogenfamilie. Im Jahre 2001 entschieden sich die Niederlande als erstes Land, die Homo-Ehe einzuführen. Aktuell haben sich 14 europäische Länder dafür entschieden: Belgien, Spanien, Norwegen, Schweden, Portugal, Island, Dänemark, Frankreich, Großbritannien (mit Ausnahme Nordirland) und Irland, Luxemburg, Finnland und Deutschland. Außerhalb Europas sind es  Argentinien, Brasilien, Uruguay und Kolumbien. In der Niederlande, Dänemark, Schweden, Spanien, Belgien, Großbritannien und Frankreich besteht außerdem freies Adoptionsrecht. Zurzeit hat man in Italien, Österreich, Tschechien und in der Schweiz die Möglichkeit, eine eingetragene Partnerschaft eintragen zu lassen.

lesben heut, stolz und offen

Fazit – wie ist es wirklich?

Um diesen Artikel schreiben zu können, musste viel recherchiert werden. Berührenden Momente, beängstigende Zeilen und vor allem zum Nachdenken anregende Zeilen wurden gelesen. Großen Respekt gilt es den Menschen zu zollen, die während den schwierigen Zeiten zu ihrer Liebe gestanden haben. Es gilt weiterhin zu hoffen und daran zu arbeiten, um in möglichst naher Zukunft von einer wahrhaftigen Freiheit für die Liebe sprechen zu können.

Für die Redaktion lesbianchic: Jana S.

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Ehe für Alle https://www.lesbianchic.de/ehe-fuer-alle/ https://www.lesbianchic.de/ehe-fuer-alle/#respond Tue, 04 Jul 2017 20:22:01 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=12692 Ehe für alle

Ein Beitrag von einer Gastschreiberin – L* –  die von Bern nach Berlin reist, um der Öffnung der Ehe für alle entgegen zu feiern. Wieso wir gleiche Rechte verdienen und wie die Stimmung in Berlin nach dem Entscheid war. Ein persönlicher Bericht von einer ambitionierten Schreiberin – bewegt durch Hoffnung und Mut. Ein Bericht von einer jungen deutschen Frau, die Frauen liebt, derzeit wohnhaft in Bern, geschrieben für unsere lesbianchic Leserinnen.

 

 

 

 

Und so schnell kann es gehen, mein liebes Deutschland… Über den Tag, an dem die Liebe von Millionen endlich den Status als «Liebe zweiter Klasse» verlor

Ja, ich will, wenn ich könnte! Eine Frage der Diskriminierung.

«Ja, ich will.» – Ja, ich will eines Tages diese Worte zu meiner zukünftigen Frau sagen. Umgeben von Freunden und Familie, irgendwo an einem wunderschönen Ort am Wasser. So wie viele meiner Freunde träume ich schon seit vielen Jahren vom «klassischen Konzept»: eines Tages heiraten und Kinder bekommen. Viele mögen das Konzept der «Ehe» als altmodisch und überflüssig sehen, aber ich bleibe gerne eine kleine Romantikerin. Doch anders als meine Hetero-Freunde wusste ich so wie Millionen andere seit meiner ersten Verliebtheit, dass dieser Traum in naher Zukunft nicht in Erfüllung gehen konnte. Sowohl in meinem Heimatland Deutschland als auch an meinem jetzigen Wohnort, der wunderschönen Schweiz, war die Ehe zwischen Frau und Frau sowie Mann und Mann nicht erlaubt – und somit auch keine Adoption oder andere Wege des gleichgeschlechtlichen Kinderkriegens.[1] «Aber ihr könnt doch eine ‚eingetragene Lebenspartnerschaft‘ machen?!», wurde mir oft gesagt. Allein bei dem Gedanken, meine Zukünftige meine «eingetragene Lebenspartnerin» statt «Frau» zu nennen, läuft es mir schon kalt den Rücken herunter, abgesehen von den fehlenden Rechten und dem Status als Bürger zweiter Klasse. Man unterschätzt, was dies für einen Menschen bedeutet. Schon als Teenager verwirrte es mich: Warum war ich so geboren? In einer Position, die mir Heiraten und Kinder bekommen nie erlauben würde? Warum sieht der Staat meine Liebe als minderwertig an und was schadet es ihm, wenn ich eine Frau heiraten würde?

 

Hoffnung in Europa. Wie sieht es in Deutschland aus?

Trotz der fehlenden Rechtslage bestand jedoch schon seit vielen Jahren Hoffnung: Die meisten westeuropäischen Staaten sowie viele andere Länder der Welt haben – wie 2001 als erstes die Niederlanden – inzwischen die Ehe für alle eingeführt. In Deutschland schien es seit Jahren schon längst überflüssig: Über 80 Prozent der Bevölkerung waren in Umfragen dafür. Tatsächlich war es so akzeptiert, dass Menschen mich verwundert fragten «Was? Frauenpaare  können nicht heiraten?» Doch die regierende Partei unter Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte sich stets dagegen, oft basierend auf dem Argument der Sorge «ums Kindeswohl» bei Adoption sowie der Angst, es könnte dem «heiligen Konzept der Ehe» schaden. Dabei wurde schnell vergessen, dass es eher hohe Scheidungsarten sind, welche die Heiligkeit des Konzeptes in Frage stellen. Studien haben sogar bewiesen, dass Homo-Scheidungsraten deutlich geringer sind und Kinder von homosexuellen Paaren – die stets Wunschkinder sind – in ihrer Entwicklung besser abschneiden als die von Heteropaaren. Pflegekinder werden schon lange an gleichgeschlechtliche Paare vermittelt. Von dieser Tatsache sprach auch Angela Merkel letzten Montag in einem Interview mit Redakteurinnen einer Frauenzeitung. Sie hatte den Brief einer Frau erhalten, die mit ihrer Partnerin acht Pflegekinder grosszieht, und sie zu sich einlud, sich persönlich von deren Wohl zu überzeugen. Für Merkel war dies ein prägender Moment, wie sie im Interview erwähnte. Nach dem Interview hob sie am Dienstag plötzlich die Fraktionssperre auf, sodass jeder Politiker ihrer Partei nicht mehr an die Parteiposition gebunden war, sondern nach eigenem Gewissen selbst entscheiden konnte. Die Opposition ergriff die Chance und liess die Abstimmung auf die Tagesordnung der letzten Bundestagssitzung am Freitag, 30. Juni 2017, setzen.

 

 

 

Wie die Hoffnung auf eine Gleichbehandlung mich stärkte, aber auch verunsicherte, und wieso mein Chef der Beste ist.

Für mich kamen diese Entwicklungen unheimlich plötzlich und überfordernd. Meine Euphorie kann ich kaum in Worte fassen, jedoch hatte ich gleichzeitig eine wahnsinnige Angst, dass es doch nicht klappte. Jeden Tag wurde ich nervöser. Donnerstag sass ich am Mittag hibbelig in unserem Berner Büro. Es konnte doch nicht sein, dass ich nicht mal in meiner Heimatstadt Berlin sein würde, wenn diese wichtige Entscheidung endlich gefällt würde. Da sah ich den Aufruf zur Demonstration am Freitagmorgen in Berlin vor den Regierungsgebäuden. Ich wusste, ich musste hin! So einen historischen Moment, auf den ich solange hin gefiebert hatte, musste ich miterleben unter «Meinesgleichen». Dank meines netten Chefs führte ich meine Büroarbeit an diesem Tag schon 30 Minuten später im Zug auf dem Weg nach Berlin weiter. Die Nacht verbrachte ich mit Freunden damit, die momentane Situation und die anstehende Entscheidung zu analysieren.

 

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Berlin wir kommen! Oder schwimmen wir?

Am Morgen fuhren wir zum Regierungsviertel, wo laut Facebook 18’000 Menschen angekündigt waren. Aufgrund sintflutartiger Bedingungen am Vortag – Online-Videos zeigten Menschen, die durch Berlins Strasse schwammen und Boot fuhren – erwarteten wir nun jedoch nur eine kleine Gruppe zur Entscheidung um 10 Uhr. Viele Jahre hatte ich mir schon vorgestellt, wie es wäre eines Tages die Worte zu hören: «Du darfst in Deutschland heiraten». Gegen 9 Uhr näherten wir uns der Demonstrantengruppe als ich plötzlich die Whatsapp-Nachricht einer Freundin bekam: «Bundestag beschliesst Ehe für alle.» Wir hatten es geschafft! Geschafft…

Von einer Minute auf die andere! Tränen fliessen mir über die Wange.

Von einer Minute auf die andere war plötzlich beschlossen worden, dass ich und Millionen andere in Zukunft heiraten können! Wir stiessen zu der Menschenmasse vor dem Bundeskanzleramt, die im Freudentaumel feierte! Fremde Menschen fielen sich in die Arme, Küsse überall und die internationalen Presse-Kameras dokumentierten alles. 393 Abgeordnete hatten dafür gestimmt, 226 dagegen, ein klarer Sieg für die Liebe also! Eine riesige Torte in Regebogenfarben wurde angeschnitten.

Zur Feier waren viele anwesend, die sich bereits seit Jahrzehnten (!) für die Rechte von Homosexuellen eingesetzt hatten und ewig auf diesen Tag hin gefiebert hatten. Doch einige von ihnen hatten nicht mehr das Glück diesen Tag mitzuerleben: Ich lernte Eva kennen, die mir ihre Geschichte erzählte:

«Ich stehe hier für meinen besten Freund, der vor Kurzem [mit 72] verstorben ist und für den das wirklich der absolute Hammer gewesen wäre: dass ,Kaltschland’ [Deutschland] so‘ne Entscheidung trifft, so schnell. Wahnsinn! Ich bin mega mega mega froh heute hier sein zu können

Eine sympathische Dame namens Barbara bot mir ein Stück ihres quietschfarbenen Regenbogenkuchens an und wir kamen ins Gespräch:

«„Erstmal will ich das feiern, den heutigen Tag, weil ich das ganz wichtig finde. Weil ich auch seit 35 Jahren dabei bin im Kampf.»-  «Kannst du mir mal erzählen, wie das vor 35 Jahren war?» – «Oahhhh, heimliche Demonstrationen! Versteckte Schilder… Wir waren eine kleine grosse Gruppe, die immer mutig war. Wir waren immer überall.»

Unglaublich, wie viel freier wir heutzutage im Gegensatz zu damals schon leben und wie viel freier wir ab dem heutigen Tage noch leben können! Wie sich in weiteren Gesprächen herausstellte, waren viele der Anwesenden ironischerweise prinzipiell Gegner der Institution der Ehe. Die gleichen Rechte zu haben war jedoch allen wichtig. Wie es ein Mann ausdrückte,

Jeder hat das Recht, spiessig zu sein!

Ein gutaussehender Typ namens Sebastian fasste es zusammen:

«Ich bin zwar persönlich nicht für die Ehe, aber trotzdem hier, weil ich das total geil finde, dass man hier zusammenkommt und zeigt, dass wir alle die gleichen Rechte haben. […] Es kann nicht sein, dass man klassifiziert, egal ob nach sexueller Ausrichtung, seiner Ethnie […] Wir sind alle gleich und das ist quasi die Quintessenz, warum ich hier bin.»

 


Mama, ich darf heiraten!

Als ich endlich einen ruhigen Moment fand, rief ich inmitten der Menschenmasse meine Eltern an und schrie ins Telefon: «Mama, ich darf heiraten!» Die Worte trieben meiner Kollegin neben mir die Tränen in die Augen – wir haben es wirklich geschafft!

Nachdem das Event am Morgen vorbei war, liefen die Feierlichkeiten den ganzen Tag und die ganze Nacht weiter, sei es in den Schwulen- und Lesben-Locations als auch an anderen Orten. Ich selbst war im Laufe des Tages damit beschäftigt, mit Freunden aus den verschiedensten Kulturkreisen als auch meiner Oma diesen legendären Tag bis in die Morgenstunden zu feiern. Dabei klebte ich wohl hunderte von LGBT-Sticker auf fröhliche und neugierige Passanten und wildfremde Menschen gratulierten mir. In all der Euphorie musste ich etwas traurig an meinen Wohnort, die Schweiz, denken, in welcher der letzte Schritt in Richtung Ehe für alle erst vor wenigen Wochen abgewehrt wurde. Auch unsere Frauen- und Männerpaare verdienen es, dieselben Rechte zu haben, heiraten und adoptieren zu können! Liebe Schweiz, was ist unsere Entschuldigung? Warum ist meine Liebe nun in Deutschland und in über 20 anderen Ländern gleichwertig, aber hier immer noch eine Liebe zweiter Klasse? Ich wünsche uns, dass wir auch hier schon sehr bald mit derselben Euphorie feiern können, wie wir es am Freitag in Berlin durften. Also liebe Schweizer und Zugezogene, engagieren wir uns: Setzt euch in den bekannten Vereinen ein, redet mit anderen über das Thema, seid sichtbar, überzeugen wir die an der Macht: Hopp Schwiiz, wir schaffen das!

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Fazit: Traut euch!

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Left over quote:

«Heute ist ein historischer Tag… So viele Menschen befürworten die Öffnung der Ehe. Deswegen mussten wir heute an diesem unfassbar regnerischen Tag einfach mit dabei sein und eine Nachricht an alle Unterstützer senden: Hey, es bewegt sich was. Die Politik, die Gesellschaft bewegt sich heute. Und das ist einfach nur toll. Deswegen: Traut euch!» (Jessica und Anni von OpenPetition)

—-

  • Für die Redaktion lesbianchic.de L (Name der Redaktion bekannt).

[1] Reproduktionsrechte wie Insemination und Invitro sowie das Adoptionsrecht galten bisher in Deutschland nur für verheiratete Heteropaare.

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European Lesbian* Conference – was, wann und weshalb https://www.lesbianchic.de/european-lesbian-conference/ https://www.lesbianchic.de/european-lesbian-conference/#respond Wed, 07 Jun 2017 11:24:03 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=12301 Am 2. Februar 2017 wurde der Verein European Lesbian* Conference offiziell gegründet. Der Verein hat den Zweck, die jährliche Organisation einer europäischen Lesbenkonferenz sicherzustellen. Die Grossveranstaltung wird jedes Jahr in einer anderen Stadt durchgeführt um den Austausch unter queeren Frauen, die Sichtbarkeit sowie die Gleichberechtigung von Lesben* zu fördern. Die erste Konferenz findet vom 6. bis 8. Oktober 2017 in Wien statt. Weshalb euch das interessieren sollte, erfahrt ihr gleich hier.

Die Idee entstand im Oktober 2016 während der ILGA-Europakonferenz in Zypern (ILGA = International Lesbian and Gay Association). Eine Gruppe von Lesben- und Frauenrechtsvertreterinnen setzte sich zum Ziel, die Unsichtbarkeit von Lesben in der Politik und in den Medien zu bekämpfen. Mit der Gründung des Vereins Europen Lesbian* Conference wurde dieses Ziel präzisiert. Dies ELC bekämpft sämtliche Ungleichheiten, die auf dem Geschlecht oder der Identität von Lesben* basieren und vertritt die Lesben Europas gegen Aussen. Die Kerngruppe der europäischen Lesbenkonferenz besteht aus Lesben* aus ganz Europa.

Gründung European Lesbian Conference
Gründungsmitglieder mit Gründungsurkunde

Weshalb glaubt Lesbian Chic, dass es eine Lesbenkonferenz braucht?

Lesbian Chic wurde bereits im Dezember 2016 angefragt, eine Medienpartnerschaft zu übernehmen. Obwohl es damals noch keinerlei Konzepte oder Fixpunkte gab, sagten wir zu. Wir standen dem Projekt von Beginn an positiv gegenüber. Das sind die Gründe:

  • Nur wenige Monate zuvor hatten wir mit unserem Aufschrei zum Aufschrei den Vorwurf der Lesbenorganisation Schweiz kommentiert, in dem – unter anderem – die fehlende Sichtbarkeit der Lesben unter allen Queers und überhaupt beklagt wurde. Unsere Antwort: Würden sich mehr Lesben in den LGBT*-Organisationen engagieren, wären wir auch besser vertreten und sichtbar. Und nun tun sich Frauen  aus ganz Europa zusammen, um einen lesbischen Grossanlass auf die Beine zu stellen. Da kann es von unserer Seite her nur ein HURRAA geben! Natürlich unterstützen wir das!
  • Weil wir Lesben wirklich zuwenig sichtbar sind. Weil wir wirklich mit einem Haufen von Vorurteilen, Stigmata und Benachteiligungen konfrontiert sind. Und weil wir (in der Schweiz und Deutschland) noch zu den eher privilegierteren gehören…glauben wir. Das ist nicht OK. Da gibt es echt noch viel Arbeit und wir wollen uns nicht davor drücken.
  • Wo lernen wir in der Regel andere queere Frauen kennen? Seien wir ehrlich: An Parties, CSDs und dergleichen. Da trifft man zwar auch Lesben aus allen Himmelsrichtungen, aber der gegenseitige Austausch sieht dort wohl etwas anderes aus. Es ist DIE Gelegenheit, queerfeministisch engagierte und interessierte Frauen kennenzulernen. Zu netzwerken, Wissen auszutauschen und Spass hat man dort – sicher auch. Wir hoffen auf interessante Bekanntschaften, neue Ideen, Inputs für unseren Blog und internationale Freundschaften.

European lesbian conference

Neue Informationen sind laufend auf der Website der Europäischen Lesbenkonferenz zu finden. An der Konferenz werden Übersetzerinnen in mehreren Sprachen (auch Deutsch) eingesetzt. Du musst demnach kein Englischprofi sein, um daran teilzunehmen. Die Website ist jedoch nur auf Englisch verfügbar. Deshalb werden wir von Lesbian Chic die wichtigsten Infos jeweils übersetzen und auf Facebook und/oder unserem Blog re-posten. Zuden werden wir an der Konferenz selbst live dabei sein und darüber berichten.

Möchtest du die European Lesbian* Conference unterstützen? Das kannst du in dem du:

  • Infos und die Seite auf Facebook und Twitter likest und teilst
  • An der Konferenz teilnimmst
  • Einer Arbeitsgruppe beitrittst

 

Programm (Details unter diesem Link)

Donnerstag, 5. Oktober 2017:
18.00 Uhr: Begrüssung im Parlamentsgebäude

Freitag, 6. Oktober 2017:

09.00 Uhr: Anmeldung im Donauhof
09.30 – 17.00 Uhr: Konferenz mit verschiedenen Workshops und Referaten
20.00 Uhr: Offizielle Begrüssung

Samstag, 7. Oktober 2017:

09.00 – 15.00 Uhr: Konferenz mit verschiedenen Workshops und Referaten
16.00 – 17.00 Uhr: European Lesbian* Demonstrationsumzug. Start an der Wiener Oper
22.00 Uhr: EL*C Party

Sonntag, 8 Oktober 2017:
10.00 – 13.00 Uhr: Brunch und Besprechung, wie es mit der EL*C weitergehen soll

 

Anmeldung

Ab sofort kann man sich hier eins von vierhundert Tickets für die EL*C sichern. Die Preise bewegen sich zwischen 10 EUR (für Studentinnen* und Wenigverdienende*) bis 200 EUR (Supporterinnen*). Sie gelten jeweils für alle Angebote der EL*C, beinhalten aber keine Hotelbuchung und Mahlzeiten.

 

Übernachten:

  • In einem der Hotels oder Hostels, die das Komitee der EL*C vorschlägt (Link)
  • In einem günstigen Zimmer, gefunden bei AirBnB
  • In einem passenden Hotel, am günstigsten gebucht bei Trivago
  • Bei Freunden / Bekannten / Szenies / Couchsurfern

 

 

 

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Women’s March Zürich – Nachdenken über Normen und Realität https://www.lesbianchic.de/womens-march-zuerich-nachdenken-ueber-normen-und-realitaet/ https://www.lesbianchic.de/womens-march-zuerich-nachdenken-ueber-normen-und-realitaet/#respond Sat, 18 Mar 2017 18:13:16 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=12501 Eine wundervolle Frühlingswoche erlebte die Schweiz vom 11. bis 17. März 2017. Und genau am Tag des Women’s March Zürich regnete es von Morgens bis Abends in Strömen. Unsere Befürchtung, viele potentielle Demonstrantinnen würden dem Women’s March Zürich fernbleiben, bewahrheiteten sich zum Glück nicht.

Die Menschenmasse sah kleiner aus, als sie war. Ich hatte das Gefühl, der Women’s March in Zürich sei klein. Auch beim Mitlaufen merkte ich die Grösse nicht. Erst wenn ich am Rande stand und der Marsch an mir vorüberzog und nicht enden wollte, realisierte ich, dass sich doch viele nicht vom Regen abhalten liessen. Auf einem Schild stand passend zum (politischen?) Wetter: «We resist, obwohl es uns anpisst».

We resist auch wenn es pisst
We resist auch wenn es pisst

Eine ältere Dame gab Auskunft auf die Frage von Chantal, unserer Chefredaktorin, wie die Zeit vor der Einführung des Frauenstimmrechts war. «Die Frau musste für alles beim Mann um Erlaubnis fragen, wenn sie verheiratet war», erzählte sie. Sie blieb deswegen lieber ledig. Als Mitarbeiterin einer Werbefirma arbeitete sie sowohl mit Männern als auch mit Frauen zusammen. Die Frauen hätten sie jedoch mehr zugesetzt als die Männer.

Auch Männer wissen, was wir Frauen wollen
Auch Männer wissen, was wir Frauen wollen

Auf dem ersten Blick sah ich ein Problem und fragte nach: «Wie kann man an einen Solidaritätsmarsch für Frauen gehen, wenn die Konkurrenz zwischen Frauen so furchtbar ist?» Auf diese Frage erhielt ich keine Antwort. Also musste ich selber nachdenken. Die strikte Trennung zwischen Natur und Gesellschaft scheint mir unmöglich. Und schon Franz von Assisi betete zu Gott, er möge erkennen, was in seiner Macht stand, zu ändern, und was er akzeptieren sollte. Deshalb würde ich gar nicht einmal erst diese Box der Pandora öffnen. Vielmehr führten mich meine Gedanken zur Lösung des Problems: Okay, nehmen wir an, die Konkurrenz zwischen Frauen ist ein Gefühl (auch ob Gefühle angeboren oder antrainiert sind, spielt hier keine Rolle, nehmen wir es als Fakt, dass sie vorherrscht).

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Keine zu klein, ne Kämpferin zu sein

Menschen haben Normen. Fairness bedeutet, sich den Normen entsprechend zu verhalten. Gute Normen sollen für ein friedliches Zusammenleben sorgen. Zum Frieden gehört, dass alle ein bisschen einstecken müssen, aber auch vom Frieden profitieren.

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auch die Gay-Community war gut sichtbar vertreten

Die Lösung des Rätsels bedeutet – Normen sollen das Bestmögliche regulieren und die Menschen sollten sich Mühe geben, dem zu entsprechen. Das Handtuch zu werfen, ohne sich um mehr Gerechtigkeit bemüht zu haben, wäre schade.

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Wir fordern, was schon unsere Grossmütter foderten: Gleiche Rechte weil wir gleich viel Wert sind!

Why we marched:

Wir wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit: Dafür braucht es mehr Transparenz bei Löhnen und die Umsetzung des Gleichstellungsgesetzes.

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Wir wollen die Vereinbarkeit von Beruf, Ausbildung und Familie. Das sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben und geht Frauen und Männer an.

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Wir wollen mehr Frauen in Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen. Stellenbesetzungen und Beförderungen sollen nicht nach Geschlecht und Stereotypen, sondern nach Fähigkeiten erfolgen.

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Wir wollen Schutz vor (häuslicher) Gewalt.

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Wir wollen Gleichstellung von Bünzli-Schweizer-Lebensentwürfen und queeren, alternativen Lebensentwürfen

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Wir wollen gleiche Rechte für Homos, Heteros, Trans, Menschen mit allen Hautfarben und Herkünften. Und zwar nicht nur auf dem Papier

Chantal (l) und Barbara (r) von Lesbian Chic
Chantal (l) und Barbara (r) von Lesbian Chic

Wir wollen Umgesetzt haben, wofür schon unsere Grosseltern kämpften: Menschenrechte für alle Menschen!

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Denn sie wissen, was sie tun. Wir auch. https://www.lesbianchic.de/denn-sie-wissen-was-sie-tun-wir-auch/ https://www.lesbianchic.de/denn-sie-wissen-was-sie-tun-wir-auch/#respond Wed, 08 Feb 2017 14:33:37 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=12317 Heute vor drei Monaten wurde in Amerika ein neuer Präsident gewählt. Für mich ein riesiger Schock. Seit dem erreichen mich via Facebook fast täglich weitere „Schocknachrichten“ aus den USA. Die letzte lautete ungefähr so: Amerika hat die nächste rechte, konservative Multimilliardärin in die Regierung gewählt. Und zwar eine, die sich offen und mit viel Geld gegen LGBTI*s einsetzt. Diese Frau ist um die fünfzig, aus reichem Haus, genoß Privatunterrich, hat vieles studiert aber nie irgendwo richtig gearbeitet. Sie wurde gestern zur Bildungsministerin ernannt und wird sich für die Privatisierung der Schulen und „Gottes Rechte“ einsetzen. Es kann einem richtig Angst machen, wenn man über den Teich schielt. Da haben die Amerikaner einen rechts-konservativen Irren an ihre Spitze gewählt und der bestückt seine Regierung – oh, welch‘ eine Überraschung – nun mit Seinesgleichen.

Als Trump die Wahl gewann, war das wie ein Hammerschlag. Ein Schlag aus dem Hinterhalt, mit einem großen, schweren Vorschlaghammer voll auf meinen Schädel. Sämtliche mir bekannten Medien und Statistiken sagten die Wahl von Hillary Clinton voraus. Dass einem offen rassistischen, frauenverachtenden, arroganten, eingebildeten, alten Milliardär ohne politische Erfahrung das Amt als „mächtigster Mann der Welt“ zugesprochen werden könnte, damit rechnete niemand. Jedenfalls niemand in meinem realen und virtuellen Umfeld. Ich konnte es nicht glauben, dass wir alle uns so geirrt hatten. Ich stellte mir die Frage „Irre ich bei anderen Themen auch so? Bin ich so tief in meiner Wohlfühl-Welt versunken und mit meinem Wohlfühl-Umfeld verschmolzen, dass ich die Frauen- und Homofeindlichkeit einfach rausfiltere und gar nicht mehr wahrnehme?“ Ich machte mir gewaltige Sorgen über mein Urteilsvermögen.

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War ich eine politische Traumtänzerin?

Raus aus dem Wattebausch

Wie ein Tsunami donnerten die Erinnerungen über letzten Rechtsrutsche in den Parlamenten der Schweiz und der Länder rund herum in mein Bewusstsein zurück. Rechts bedeutet, Abschottung gegen außen und gegen „Andersartiges“. Rechts geht mit „konservativ“ einher. Konservative wollen Bestehendes erhalten und Neuem keine Chance geben. Dem gegenüber stand mein eigenes Leben, das diesen politischen und gesellschaftlichen Wandel überhaupt nicht wiederspiegelte. Durch meinen beruflichen Erfolg schien mir bewiesen, dass jungen Frauen heutzutage alle Möglichkeiten offenstehen und sie problemlos, auch in einer Männerdomäne, einen Platz im Führungsgremium einnehmen können. Durch all die positiven Reaktionen auf meine lesbische Beziehung, sowohl zu Hause als auch auf Reisen, schien mir bewiesen, dass die Mehrheit der Menschen homosexuelle Liebe genauso anerkennt, wie heterosexuelle. Ich wusste zwar, dass die rechten Parteien auch in meinem Land an Gewicht zugelegt hatten, aber für mich war der Wandel nicht spürbar. Nicht in der Bevölkerungsschicht, in der ich mich aufhielt.

Dann wurde Trump gewählt und man las das erste Mal von der Facebook-Filter-Bubble und davon, dass wir heute nur noch das lesen und sehen, was wir wollen. Dass wir uns in unseren Wohlfühl-Welten aufhalten und uns gar nicht mehr mit Andersdenkenden austauschen. Das traf bei mir völlig zu. Wer auf Facebook Inhalte postet, die mich nerven, wird aus der Timeline weg-abonniert. (Boulevard-)Zeitungen, die rechtsbürgerliche Themen breitschlagen, würdige ich keines Blickes. Ich umgebe mich mit Menschen, die in mein Leben und meine Sichtweise passen. Aber ist das nicht normal? Sind wir nicht alle so? Herdentiere, die sich ihre Gruppe suchen und sich dann dort wohl und geborgen fühlen?

Gleich und Gleich
Gleich und Gleich gesellt sich gerne. Sagt man doch so, oder?

Auge in Auge mit der Hydra

Heute vor drei Monaten wurde Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. In diesen vergangenen drei Monaten habe ich mich noch intensiver mit politischen Themen befasst, als ich es ohnehin tue. Insbesondere internationale Politik, die mich ansonsten kaum interessierte, rückte in meinen Fokus. Ich gierte aber nicht nach ständig neuen Aufdeckungen aus den USA. Ich wollte ganz generell wissen, ob ich mich in unserer Welt tatsächlich so sehr täusche, wie ich befürchtete. Ich wollte auch wissen, ob meine Angst, meine Rechte als Frau und Lesbe zu verlieren, begründet ist. Denn die hatte ich plötzlich. Sie spiegelten sich in meinen Albträumen wieder. Ich fürchtete mich davor, in Zukunft nicht mehr Hand in Hand mit meiner Partnerin durch die Stadt schlendern zu können. Ich fürchtete mich auch davor, dass mein beruflicher Aufstieg plötzlich jäh gebremst wird – weil ich nur eine Frau bin.

Der Blick in die Welt da draußen

Ich verfolgte die Nachrichten und Newsportale, recherchierte bei „Schocknachrichten“ deren Wahrheitsgehalt und analysierte die Dramaturgie in Medienmitteilungen. Was ich so Stück für Stück aus den Meldungen klaubte, ließ mich aufatmen. Nur weil Amerika einen Rechtspopulisten an die Spitze gewählt hat, heißt das nicht, dass die ganze Welt ins Mittelalter zurück kehrt (Randbemerkung: Es ist dokumentiert, dass im Mittelalter der Homosexualität rege gefrönt wurde. Nur so als Brocken unnützes Geschichts-Wissens).  In Österreich verlor der rechtspopulistische Präsidentschaftskandidat die Wahl deutlich. In Deutschland wurden in den vergangenen zwölf Monaten eine Vielzahl an politischen Entscheiden für die Vielfalt und gegen Diskriminierung gefällt. Hamburg verabschiedete beispielsweise einen breit abgestützten Aktionsplan für Akptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.  Hessen erhöhte seinen Beitrag an LGBT* Projekte um mehr als 100%. Ein Gesetz, das Opfer vom Paragrafen 175 entschädigen soll, ist auf dem besten Weg. In der Schweiz wurden zwei Gesetzesentwürfe von christlich-konservativen Parteien, die eine Ehe unter gleichgeschlechtlichen Personen verunmöglichen wollten, an der Urne mit aller Deutlichkeit abgelehnt. In der Schweiz und in Deutschland wurden repräsentative Umfragen zur Ehe für alle und Akzeptanz von LGBT*s durchgeführt. Es sprachen sich bei beiden Umfragen weit über 50% der Bevölkerung für gleiche Rechte in den Themen Ehe und Familie aus. In Amerika gehen seit der Vereidigung von Trump fast wöchentlich tausende von Menschen auf die Straße, um gegen seine Politik zu demonstrieren.

Nur noch kurz die Welt retten…

Seit Trumps Wahl nahm die Mitgliederzahl bei linken Parteien in der Schweiz spürbar und außergewöhnlich deutlich zu. Die Wahl von Trump und seine politischen Pläne lassen die Menschen auf der ganzen Welt handeln. Es hat sie wachgerüttelt. Wie mich. Sie setzen sich gegen Ungleichbehandlungen aller Art ein. Menschen helfen, sie vermitteln, erklären, gehen auf die Straße, klären ihr Umfeld auf, streuen Toleranz und Verständnis.

Diese Erkenntnis beruhigte mich. Sie ließ die Albträume verschwinden. Und dennoch fühle ich mich, als würde über mir das Damoklesschwert hängen. Denn ich habe nicht nur die guten Neuigkeiten gefunden. Ich fand auch zahlreiche Nachrichten von rechtskonservativen Parteien, die sich gegen LGBT*s und andere Minderheiten formieren und damit Mehrheiten fanden. Genau wie Trump in Amerika. Ich wurde erneut daran erinnert, wie lange einzelne Gruppen, mit denen ich mich solidarisiere, bereits für ihre Rechte kämpfen. Frauen, die in der Schweiz für die Lohngleichheit kämpfen. Homosexuelle Männer, die Gerechtigkeit für die Gräuel der Vergangenheit und Prozesse gegen die Verantwortliche fordern. Sie haben zwar Siege errungen, aber es gelten nach wie vor noch lange nicht gleiche Rechte für alle. Weshalb? Weil unsere Parlamente und Regierungen in den vergangenen Jahren nach rechts rutschten. Und rechte Politik bedeutet „mehr für die, die sind wie ich und weniger für die, die anders sind“. Und wie sieht die Mehrheit in den politischen Gremien und anderen strategisch wichtigen Posten aus?  Sie ist um die 50 Jahre alt, männlich, gut ausgebildet, in der Wirtschaft tätig, Inländer, heterosexuell verheiratet, eventuell geschieden und hat ungefähr zwei Kinder.

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Da sind sie: Richtig gute Buddies. Zusammen sind sie stark und machen Politik. Politik für sich und die, die gleich sind, wie sie. Sind unsere Politiker da besser? Ich bezweifle es.

 Heute sind wir Teil der Geschichte, die wir für beendet hielten

Solange wir uns wehren, solange wir uns für die Gleichbehandlung einsetzen, solange wir für unsere Rechte und Werte einstehen, solange haben wir eine Chance, unsere Länder vor einer Regierung wie der von Trump zu bewahren. Aber es wäre naiv zu glauben, dass die Gegenseite ruhig dasitzt und die Füße still hält. Die AfD in Deutschland beweist es eindrücklich. Sie kämpft mit allen Mitteln und an allen Fronten für ihre Wählerstimmen und sie findet Unterstützung. Bei den letzten Wahlen überzeugten sie mancherorts einen Viertel aller Wähler (24.8% in Sachsen-Anhalt). Die Partei, erst 2013 gegründet, weiss wie sie in den Medien Platz findet und wurde dadurch rasant populär – genau wie Trump.

Ich glaubte, die Frauenbewegung und Stonewall seien Geschichte. Ich glaubte, meine Großmütter hätten für Akzeptanz kämpfen müssen und sie hätten für uns, die nachfolgenden Generationen, gesiegt. Wir, die heutige Generation, erleben gerade, dass dieser Sieg nicht für die Ewigkeit war – oder vielleicht gar nie richtig errungen wurde. Wir haben uns zurückgelehnt. Wir glaubten, uns würden sich alle Türen öffnen – schließlich seien wir alle gleich. Frauen, Männer, Weiße, Farbige, Homos, Heteros, Inländer, Ausländer und alle dazwischen – niemand ist mehr wert, als der andere. Mit diesen Werten wuchs ich auf  und ich glaubte, in der heutigen Zeit würde die Mehrheit nach diesen streben. Ich erlebe, dass sich die Werte zu wandeln beginnen. Grenzen werden geschlossen, Klassen werden geschaffen, Gruppen werden auf- oder abgewertet. Der Kampf hat wieder begonnen. Es ist wieder nötig, sich zu wehren. Sich für seine Ideale einzusetzen, Toleranz und Verständnis zu sähen, zu vermitteln, zu verhandeln. Die Ruhe ist vorbei. Wir haben uns wohl etwas zu lange ausgeruht. Wir, die junge Generation von heute. Wir glaubten unsere VorkämpferInnen* hätten die ganze Arbeit getan. Das war naiv.

Kampfansage

Wenn wir brennen, dann brennen Sie mit uns

Die Arbeit ist noch da und es ist an uns, diese weiterzuführen. Wir können das Feld, die Politik und unser Leben nicht denen überlassen. Denen die abwerten, denen die Grenzen schließen, denen die Anderssexuelle diskriminieren, denen die Frauen am Herd sehen wollen, denen die gleichgeschlechtliche Elternschaft verbieten wollen und die glauben eine „eingetragene Partnerschaft“ sei für uns gut genug. Wir sollen uns nicht so anstellen? Oh doch, wir stellen uns an. Und wie wir uns anstellen. Dies ist keine Drohung, dies ist eine Kampfansage.

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Unser Aufschrei zum Aufschrei: Stellungnahme zur Pressemitteilung der LOS https://www.lesbianchic.de/unser-aufschrei-zum-aufschrei-stellungnahme-zur-pressemitteilung-der-los/ https://www.lesbianchic.de/unser-aufschrei-zum-aufschrei-stellungnahme-zur-pressemitteilung-der-los/#comments Tue, 01 Nov 2016 05:54:54 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=12129 Auf Anregung unserer Leserinnern und nach Aufforderung der Lesbenorganisation Schweiz (LOS) haben wir uns im Anschluss an unseren Facebook-Post von Freitag, den 28. Oktober 2016, eingehender mit der Pressemitteilung der LOS, die uns zum Hashtag #gahtsna bewegt hat, auseinandergesetzt. Anbei unsere ausführliche Stellungnahme:

[ff/cg] Aus Sicht von Lesbian Chic beinhaltet der genannte Text, der kürzlich im 20 Minuten (siehe Titelbild) und in der Aargauer Zeitung (AZ) aufgegriffen und behandelt wurde, einige durchaus unterstützenswerte Forderungen. So zum Beispiel die vermehrte Platzierung von Anliegen lesbischer Frauen in den Medien oder die Sichtbarmachung respektive Betonung der Vielfalt innerhalb der LGBT+ Community. Auch der Redaktion von Lesbian Chic ist aufgefallen, dass der Begriff „homosexuell“ in der Schweizer Medienlandschaft häufig mit queeren Männern assoziiert wird. Das sollte in der heutigen aufgeklärten Welt nicht sein und bedarf deshalb zusätzlicher Aufklärungsarbeit.

Auf welcher Grundlage wurden die Forderungen erhoben?

Problematisch und befremdend erscheint hingegen das pauschale Bashing von schwulen Männern, denen die LOS Frauen- und Lesbenfeindlichkeit vorwirft. Insbesondere die Aussagen, dass sich Schwule „in Anwesenheit von Frauen vulgär ausdrücken und abfällige Kommentare zu weiblichen Genitalien und der Menstruation machen“, respektive „Frauen anfassen und den Mangel an Respekt vor der körperlichen Integrität relativieren und legitimieren mit der Tatsache, dass sie schwul seien und deshalb kein sexuelles Interesse dahinterstecke“ irritieren sehr. Wer solche Anschuldigungen erhebt, muss dies ausreichend begründen und mit Fakten untermauern. Deshalb: Auf welcher Grundlage erhebt die Lesbenorganisation Schweiz diese heftigen Vorwürfe? Wie viele Fälle von sexueller Belästigung von Lesben durch Schwule sind konkret bei der LOS eingegangen? Und was haben diese Anschuldigungen mit dem formulierten Anspruch nach mehr Sichtbarkeit inner- und ausserhalb der LGBT+ Community zu tun?

Lösungsvorschläge statt Schuldzuweisungen

Bei den weiteren in der Mitteilung behandelten Themen handelt es sich mehrheitlich um Klagen darüber, dass Frauen- und Lesbenthemen im Rahmen von Community-übergreifenden Veranstaltungen zu kurz kommen oder lesbische Projekte im Vergleich zu schwulen Pendants über weniger Geld verfügen. Als Beispiele werden das Gaywest Festival 2016, wo kaum weibliche Künstlerinnen engagiert wurden, oder auch die Zurich Pride, in deren Rahmen das „Frauenthema“ Politik zugunsten von Entertainment in den Hintergrund rücken müsse, genannt. Grundsätzlich stellt sich aus Sicht von lesbian chic die Frage, warum lesbische Themen innerhalb der LGBT+ Szene anscheinend zu wenig Gehör finden. Sind wir in den entsprechenden Gremien allenfalls unterrepräsentiert? Wenn ja, so wäre es wohl sinnvoller, Überlegungen darüber anzustellen, warum dem so ist und was dagegen unternommen werden kann, anstatt die Schuld dafür bei den anderen, namentlich den Schwulen, zu suchen. Gleiches gilt für die finanziellen Probleme. In Bezug auf die Zurich Pride sei zu erwähnen, dass im aktuellen Jahr 2016 insgesamt sechs politische Reden gehalten wurden (Kathrin Bertschy, Suzy LeVine, Anita Fetz, Gülsha, Flavia Kleiner, Martin Landolt und Denis Kläfiger) – womit die LOS aus Sicht von Lesbian Chic ihr Anliegen durchaus umsetzen konnte.

Das Image und wie man es zementieren oder aufbrechen kann

Die Lesbenorganisation Schweiz erwähnt ferner, dass sie sich immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, „sauer oder beleidigt zu sein“. Aus ihrer Sicht sei dies „nichts Neues“, da „Frauen, die selbstbewusst auftreten, die unangepasst und unbequem sind, […] als zickig, böse, hysterisch, oder gar als hässliche „Femi-Nazis“ oder „Birkenstockfaschos“ abgestempelt werden“. Man wolle sich aber nicht einschüchtern oder sich sprachlos machen lassen. Indem aber lediglich ausgeteilt und mit dem Finger auf die Schwulen gezeigt wird, wird leider genau dieses Image zementiert. Der Verdacht liegt nahe, dass der Hashtag #SchweizerAufschrei dazu missbraucht wurde, endlich jene mediale Aufmerksamkeit zu erlangen, die man bisher vermisst hat (wobei der Artikel im „bürgerlich-konservativen“ 20 Minuten von der LOS dann doch wieder nicht goutiert wird). Oder sollte die Mitteilung vielmehr als dringend nötige Initialzündung für Debatten zwischen den verschiedenen LGBT+ Vereinen zu verstehen sein? Auch in diesem Fall wäre die Organisation deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Unter einem „fairen und respektvollen Umgang nach innen und aussen“, wie im Leitbild formuliert, verstehen wir etwas anderes. Den geforderten Prozess der Selbstreflektion innerhalb der Community sollte sich die LOS deshalb zunächst einmal selber zu Herzen nehmen.

Schulter an Schulter kämpfen bringt uns weiter

Lesbian Chic ist der festen Überzeugung, dass die Anliegen von LGBT+ Menschen nur dann Gehör finden und erfolgreich umgesetzt werden können, wenn wir uns als Gemeinschaft dafür stark machen und gemeinsam dafür einstehen. Gerade weil wir in der Vergangenheit Schulter an Schulter gekämpft haben, sind wir heute da, wo wir jetzt sind. Die Lesbenorganisation Schweiz teilt unsere Haltung anscheinend nicht, wie folgender Auszug aus einem Facebook-Chat mit der LOS vom vergangenen Freitag, 28. Oktober, zeigt: „Wir [Anmerkung der Redaktion: gemeint ist die LGBT+ Szene] ziehen nicht an einem Strang und sitzen auch nicht im selben Boot. Wir hocken in unterschiedlichen Booten im selben Teich“. Dabei wäre der Zusammenhalt innerhalb unserer Community gerade jetzt, wo die Abstimmung zur EDU-Initiative „Schutz der Ehe“ im Kanton Zürich ansteht, besonders wichtig.

#gahtsna hat für uns weiterhin Gültigkeit

Wir möchten abschliessend festhalten, dass sich Lesbian Chic auch nach (oder gerade wegen) der eingehenderen Auseinandersetzung mit der Pressemitteilung der LOS davon distanziert – insbesondere, was die Anschuldigungen gegenüber unseren schwulen Community-Membern betrifft. Wir fühlen uns von der Lesbenorganisation Schweiz in dieser Sache nicht repräsentiert, weshalb der gestrige Hashtag #gahtsna? weiterhin Gültigkeit behält.

Die Redaktion von Lesbian Chic

PS: Wer die #iamhuman Sendung vom 09. Oktober gesehen hat, wird festgestellt haben, dass die Vertreterin der LOS in Bezug auf die Pressemitteilung und deren Inhalte von einem „Missverständnis“ spricht und man durchaus gerne mit den anderen Dachverbänden, unter anderem Pink Cross, zusammenarbeitet und auch weiterhin zusammenarbeiten möchte. Der Vertreter von Pink Cross hat versichert, die Anliegen der LOS ernst zu nehmen. Nach all den Vorwürfen gegen unsere schwulen Community-Member eine sehr noble Haltung, wie wir finden.

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Vereint und auf Latein in den Abstimmungskampf! https://www.lesbianchic.de/vereint-und-auf-latein-in-den-abstimmungskampf/ https://www.lesbianchic.de/vereint-und-auf-latein-in-den-abstimmungskampf/#respond Sun, 29 Nov 2015 11:07:30 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=11151 Jetzt gehts los!

Bist du offen, neugierig, eventuell auch kreativ, ein bisschen Mut brauchts auch, und wolltest dein Gesicht immer schon mal auf einer Plakatwand sehen oder in einem Videospot vorkommen? Dann bist du die perfekte Kampagnen-Helferin für die Abstimmung über die CVP-Initiative „Für Ehe und Familie – Gegen die Heiratsstrafe“. Willst du nicht auf Plakate und in Videos, kannst du dich auch anders nützlich machen.

Hintergrund

Um einen starken Abstimmungskampf gegen die CVP-Initiative lancieren zu können, schlossen sich LGBT-Vereine aus dem ganzen Land zu Pro Aequalitate zusammen. Pro Aequalitate ist latenisch und bedeutet „für Gleichheit“. Gegründet wurde der Verein bereits im August 2015. Mitglied werden können sämtliche LGBT-Vereinigungen aus der Schweiz. Über 20 bedeutende Organisationen aus dem ganzen Land sind Pro Aequalitate bereits beigetreten. Pro Aqualitate wurde nicht nur für den Abstimmungskampf gegen die CVP-Initiative gegründet. Ihr erinnert euch, diese Initiative würde die Ehe als „Vereinigung von Mann und Frau“ in der Verfassung festschreiben und damit eine Eheöffnung quasi verunmöglichen. Pro Aqualitate wird sich auch in Zukunft für queer-freundliche oder gegen queer-feindliche Abstimmungen einsetzen. Pro Aqualitate ist also keine Eintagsfliege sondern wird zu einem wichtigen Pfeiler der LGBT-Community in der Schweizer Politiklandschaft.

Beispiel einer Kampagne aus Basel für Toleranz gegenüber Queers
Beispiel einer Antidiskriminierungskampagne aus Basel

Zeige dein Gesicht!

Vor einigen Tagen hat sich der Verein erstmals direkt an die LGBT-Community gewandt und zur Mitarbeit angeregt. Im Ressort Politik unserer Redaktion ging eine Mail mit folgendem Aufruf ein:

Zeige dein Gesicht für eine offene und tolerante Gesellschaft. Gemeinsam mit Pro Aequalitate und Operation Libero (Anmerkung der Redaktion: im August haben wir euch Operation Libero in einem Blog vorgestellt) suchen wir Personen und Pärchen aller sexuellen Orientierungen- und Geschlechtsidentitäten, die für Foto- und Videoaufnahmen bereit sind.

Unser top-motiviertes Team ist bereit und freut sich zusammen mit dir diese Herausforderung zu stemmen. Falls du eine überzeugende Idee, ein spezielles Talent oder sonst ein Anliegen hast, schreib uns: info@proaequalitate.ch

Du willst lieber im Hintergrund bleiben?

Falls du weniger der Typ bist, der sich in der Öffentlichkeit präsentieren will, dann kannst du die Kampagnen auch aus dem Hintergrund unterstützen. Schreib ne Mail und biete deine Fähigkeiten als freiwillige Helferin an!

Wie bei allen Nonprofit-Organisationen ist auch Pro Aequalitate für Spenden dankbar, um die Kampagnen zu finanzieren. Abstimmungskampf ist nämlich richtig teuer.

Beispiel einer Antidiskriminierungskampagne der Stadt Mainz
Beispiel einer Antidiskriminierungskampagne der Stadt Mainz

Unsere Meinung dazu

Pro Aequalitate will die Community sichtbar machen. Sie will, dass die Bevölkerung uns so sieht, wie wir sind. Wir sind nämlich wie alle andern: Manchmal normal und Manchmal crazy. Manchmal verliebt als Paar und manchmal allein als Single. Manchmal mit dem Traum von Familie und Haus und manchmal mit Traum von Karriere und never ending Party. Wir sind ein Teil des Ganzen und wir wollen die selben Rechte für alle Teile dieses Ganzen. Pro Aqualitate will dies auch.

Darum legen wir dir den Aufruf von Pro Aequalitate ans Herz. Melde dich und werde Teil der Kampagne, werde sichtbar!

Also los!

Wir freuen uns schon heute auf eine Schweiz voller LGBT-Plakate und das Internet voller LGBT-Videoclips. Alles mit „echten“ LGBTs. Mit Menschen, denen wir auf der Strasse, im Club oder im Training begegnen. Am meisten freuen wir uns aber darüber, auf die Ablehnung der Initiative anstossen zu können und damit der Eheöffnung in der Schweiz wieder einen kleinen Schritt näher gekommen zu sein. Wir zählen auf euch!

 

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Ab an die Urne, ihr Schweizerinnen! https://www.lesbianchic.de/ab-an-die-urne-ihr-schweizerinnen/ https://www.lesbianchic.de/ab-an-die-urne-ihr-schweizerinnen/#respond Fri, 09 Oct 2015 14:12:18 +0000 https://www.lesbianchic.de/?p=11013 Am Sonntag, den 18. Oktober 2015, wird das Nationale Parlament der Schweiz neu gewählt. Das heißt, wir wählen, wer bis ins Jahr 2019 unseren Kanton (Ständerat) und unser Volk (Nationalrat) vertritt und wer unserer Landesregierung (Bundesrat) den Großteil der Aufträge erteilt.

Wir helfen euch in diesem Blog, im Dschungel der Kandidaten und Parteien mit ihren Versprechen und Visionen den Durchblick zu gewinnen, damit ihr eure Wahlstimmen den Kandidierenden geben könnt, die sich in den kommenden Jahren für eure Anliegen einsetzen.


Wie funktioniert so eine nationale Wahl? Wen kann man wählen? Und warum?

Bei den Nationalratswahlen dürfen alle mündigen Schweizerinnen und Schweizer ab 18 Jahren wählen und sich selbst zur Wahl stellen. Die Ständeratswahlen sind nicht auf Bundesebene geregelt. Für sie gelten kantonale Vorschriften. Details zur Ständeratswahl pro Kanton gibt’s auf der offiziellen Website der Wahlen 2015.

Das Prozedere für beide Wahlen ist eigentlich ganz einfach. Wer einen Sitz im Nationalrat oder Ständerat ergattern will, muss von seiner Partei auf die Wahlvorschlagsliste gesetzt werden. Wenn die Partei und deren Liste alle Anforderungen des Staatssekretariats erfüllen, wird die Wahlvorschlagsliste genehmigt. Ab diesem Zeitpunkt stehen die Kandidaten offiziell zur Wahl. Im anschließenden Wahlkampf werben sowohl die Parteien als auch die Kandidierenden auf allen erdenklichen Kanälen um Wählerstimmen.

Warum werben nicht nur die Kandidaten, sondern auch die Parteien für sich? Weil die Sitze im Parlament beschränkt sind. Jede Partei erhält ihre Anzahl Sitze im Verhältnis zu den Partei- und Kandidatenstimmen, die sie gewonnen haben. Natürlich möchte jede Partei möglichst viele Sitze für sich gewinnen. Um das zu erreichen, versuchen die Parteien die Wähler davon zu überzeugen, nur Kandidaten aus ihrer Partei zu wählen.

Heute wählen, wie du morgen lieben darfst

Welche Partei steht für was?

Nebst den ungefähr 15 politisch gewichtigen Parteien, gibt es zahlreiche Klein- und Kleinstparteien, die nicht im nationalen Parlament vertreten sind. Die Schweizer Gay- und Transgenderorganisationen haben die Parteien auf ihre Gay-Freundlichkeit getestet und eine Auswertung erstellt, die ihr euch anschauen solltet. Auswertung Gay-Friendlyness der Schweizer Parteien

 

Bürgerlich Demokratische Partei BDP

Die BDP ist eine Mitte-Rechts-Partei und schreibt über sich selbst, sie sei eine innovative und moderne bürgerlich-demokratische Partei, die den gesellschaftlichen Entwicklungen und den ökologischen Herausforderungen Rechnung trage, ohne dabei ihre konservativen Grundwerte über Bord zu werfen. Gemäß den Schweizer Gay- und Transorganisationen ist die BDP, trotz ihrer konservativen Grundwerte, gayfriendly.

 

Christlichdemokratische Volkspartei CVP

Die CVP ist eine Mitte-Partei. In machen Themen etwas mehr links und in anderen etwas mehr rechts. Im Zentrum stehen jedoch immer die christlichen Werte. Die CVP schreibt über sich selbst, sie stelle den Menschen und die Gesellschaft ins Zentrum. Sie strebe eine größtmögliche Eigenverantwortung und eine solidarische Gesellschaft in Wohlstand und Freiheit an. Die CVP ist größtenteils nicht gayfriendly. Aus der Feder der CVP stammt beispielsweise die Familieninitiative, die, in einem Nebenpunkt, die Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau in der Verfassung verankern will.

 

Die Grünen GPS

Die Grüne Partei ist eine Links-Partei. Die Grundidee der grünen Politik lautet „ökologisch konsequent, wirtschaftlich nachhaltig, sozial engagiert, global solidarisch. Dabei setzen Sie sich bei ihren politischen Vorstößen meist für Nachhaltigkeit ein, sei dies bei Themen rund um die Natur, Energieverbrauch oder die Wirtschaft. Die Grüne Partei ist gayfriendly.

 

Eidgenössisch-Demokratische Union EDU

Die EDU ist eine konservativ-christliche Rechts-Partei. Das Zentrum ihres Schaffens ist der Glaube an Gott und die Bibel als das wahre Wort Gottes. Die EDU ist in Familienfragen ausserordentlich konservativ. Gayfriendly? Mit Nichten! Wir alle erinnern uns noch an das Interview eines EDU-Exponenten auf 20min.ch, in dem er verlauten ließ, dass Gott das Zusammenleben von homosexuellen Paaren missbillige und die Partnerschaften deshalb zum Scheitern verurteilt seien.

 

Evangelische Volkspartei der Schweiz EVP

Die EVP ist eine Mitte-Partei, die sich, wie die CVP und EDU, auf christliche Werte beruft. Die EVP bezeichnet sich als Partei von Menschen für Menschen. Sie setzt sich für Schwache und Benachteiligte ein, bejaht die Eigenverantwortung und soziale Marktwirtschaft und stellt sich schützend vor die Familie und das menschliche Leben. Die EVP setzt sich für das klassische Familienmodell ein und ist deshalb in vielen Punkten ebenfalls nicht gayfriendly.

 

FDP.Die Liberalen

Die FDP ist eine Mitte-Partei. Im Zentrum ihrer Politik steht die Freiheit des Menschen und damit auch die Freiheit der Wirtschaft. Die FDP beschreibt ihre Werte folgendermaßen (Auszug): Unsere Verantwortung gegenüber der Umwelt und den künftigen Generationen verpflichtet uns, keine Entscheide zu fällen, welche die Freiheiten der künftigen Generationen einschränken. Unser Respekt vor der kulturellen Vielfalt zeigt, dass wir für einen Gesellschaft einstehen, die offen ist, damit jede und jeder seinen eigenen Beitrag einbringen kann. Die Demokratie, ermöglicht den Bürgerinnen und Bürgern eine direkte Kontrolle der öffentlichen Angelegenheiten. Die soziale Marktwirtschaft schliesslich garantiert den Wohlstand und die soziale Gerechtigkeit, welche die Würde der Schwachen schützt. Die FDP ist in LGBT-Themen eher konservativ und deshalb in vielen Punkten nicht gayfriendly.

 

Sozialdemokratische Partei SP

Die SP ist eine linke und soziale Partei. Ursprünglich war die SP die „Partei der Arbeiter“. Mit dem aktuellen Programm können sich die Arbeiter jedoch kaum mehr identifizieren (die sind jetzt interessanterweise mehrheitlich bei der SVP). Das aktuell gültige Parteiprogramm trägt den Titel „für eine sozial-ökologische Wirtschaftsdemokratie“ und spricht sich für eine freiere, solidarischere und gerechtere Gesellschaft aus. Die SP fordert gleiche Chancen für alle, Beschäftigungssicherheut und den ökologischen Umbau der Wirtschaft. Die SP ist gayfriendly.

 

Grünliberale GLP

Die Grünliberale Partei ist eine Mitte-Links-Partei und kann als Mix zwischen Grüner Partei und FDP, mit einem Spritzer SP, bezeichnet werden. Die GLP setzt sich für den verantwortungsvollen Umgang mit Mensch und Umwelt ein, für Energieeffizienz und erneuerbare Energien, für eine marktwirtschaftliche, innovative und nachhaltige Wirtschaft, für einen effizienten Staat, für Investitionen in die Bildung und Forschung, für Eigeninitiative und Selbstverantwortung sowie Chancengleichheit zwischen allen Menschen. Die GLP ist gayfriendly.

 

DamenwahlPiratenpartei

Die Piratenpartei ist im linken Flügel der Parteilandschaft einzuordnen. Ihre Kernthemen finden sich in der digitalen Welt und im Staatswesen. Sie setzen sich für den Datenschutz, die Privatsphäre und Nachhaltigkeit im digitalen Bereich ein. Sie sprechen sich klar gegen die Zensur im Internet aus. Sie fordern Transparenz im Staatswesen, Abbau von Infrastrukturmonopolen und Patenten sowie die Herabsetzung des Urheberrechts. Über die LGBT-Verträglichkeit der Piratenpartei ist nichts bekannt. Als linke Partei, die sich für humanistische Werte einsetzt, sollte die Piratenpartei allerdings LGBT-freundlich politisieren.

 

Schweizer Demokraten SD

Die SD ist eine rechte Partei. Sie setzt sich für eine starke, ursprüngliche und unabhängige Schweiz ein. Sie will Zuwanderung reduzieren und Parallelgesellschaften verhindern. Immer wieder werden Parteimitglieder an Kundgebungen von Nazi-Sympathisanten gesichtet. Gayfriendly? Nein, ganz im Gegenteil.

 

Schweizerische Volkspartei SVP

Die SVP ist eine rechte Volkspartei. Zur Zeit wohl die stärkste Partei der Schweiz und massgeblich am drohenden Rechtsrutsch beteiligt. Ihre Kernthemen sind Asyl- und Ausländerpolitik. Die SVP will die traditionelle Schweiz von fremden Einflüssen schützen und die inländische Wirtschaft stärken. Ihre Politik darf man als auslandfeindlich und konservativ bezeichnen, ist jedoch bei weitem nicht so radikal wie die SD! Die SVP setzt sich ebenfalls für das traditionelle Familienbild ein und ist daher (trotz Gay-SVP und schwuler Nationalräte) nicht gayfriedly.

 

Und wie weiß ich nun, welche Kandidaten und Parteien ich unterstützen soll?

Die Lesbenorganisation Schweiz (LOS), Pink Cross (Schweizerische Schwulenorganisation) und Transgender Network Switzerland (TGNS) haben sich der Mammut-Aufgabe gestellt und über 500 Nationalratskandidaten 20 Fragen zu LGBT-Themen gestellt. Auf der eigens für die Wahlen erstellten Plattform www.myvoice.lgbt kannst du die Antworten der Kandidaten aus deinem Kanton einsehen. Einfach nach Kanton Sortieren et voilà! Auf der selben Website kannst du auch das Wahlverhalten der bisherigen Nationalräte und Fraktionen analysieren. Ein Besuch auf der Page lohnt sich allemal!

Ebenfalls empfehlenswert ist Smartvote. Auf der Website kannst du einen Fragebogen mit 30 oder 75 Fragen zu verschiedenen Themen beantworten und erhältst anschliessend eine Liste an Kandidaten, welche ähnliche Antworten gegeben haben, wie du. Ich persönlich mache bei allen Wahlen den „Smartvote-Test“ und wähle auch die Kandidaten und Parteien, die auf meiner Auswertung in den ersten Positionen erschienen sind. Selbstverständlich kannst du auch das bunte Flyer-Sammelsurium aus deinem Wahlcouvert und die Websites der Parteien und Kandidaten studieren. Dort findest du die Ziele und politischen Schwerpunkte in ausführlicher version.

 

Wie wähle ich nun?

Zwischen 1. Oktober und heute hast du ein dickes, bräunliches Couvert mit dem Wahlmaterial erhalten. Darin sind alle vorgedruckte Partei-Listen und eine leere Liste für den Nationalrat sowie eine leere Liste für den Ständerat enthalten. Du hast ebenfalls einen Stimmausweis, das Stimmcouvert und die Wahlanleitung erhalten. Sämtliche Unterlagen, die im Wahlcouvert stecken, kannst du auch Online einsehen.

Wenn du dich entscheidest, eine vorgedruckte Parteiliste zu verwenden (gibt es nur für die Nationalratswahl), kannst du Kandidierende, die du nicht unterstützen willst, streichen und dafür Kandidierende von anderen Listen aufführen oder einzelne Kandidaten zwei Mal auf die Liste setzen. Jeder Kandidat, der auf deiner Liste steht, erhält eine Wählerstimme (oder zwei, wenn du ihn doppelt aufführst). Die Partei, der der Kandidat angehört, erhält ebenfalls eine (oder zwei) Stimme(n).

Wenn du dich entscheidest, selbst eine Liste zusammenzustellen, solltest du zuerst die Partei oben in die Liste schreiben, die du unterstützen willst. Nimm die Partei, die deine Interessen gemäss ihrem Portrait am besten vertritt. Anschliessend führst du alle Kandidierenden auf, denen du eine Stimme geben willst. Wenn du Zeilen leer lässt, erhält die Partei, die du oben eingesetzt hast, diese Stimmen (und kann sich mehr Sitze im Nationalrat sichern). Willst du keine Partei unterstützen, kannst du die Listennummer oben auch weglassen. Dann sind die leeren Zeilen sogenannte „verlorene Stimmen“. Niemand erhält sie.

Am Schluss steckst du die Listen (1x für Nationalrat und 1x für Ständerat) in das Stimmcouvert. Dieses steckst zu, zusammen mit dem unterzeichneten Stimmausweis, kopfüber zurück ins Couvert, mit dem die Unterlagen an dich gesandt wurden. Das Couvert frankierst du am besten mit A-Post und schickst es bis am Mittwoch, 14. Oktober 2015 an deine Gemeinde. Du kannst das Stimmcouvert aber auch am Sonntag, 18. Oktober 2015 im Stimmlokal deiner Gemeinde persönlich abgeben. Nun hast du gewählt. Du trägst dazu bei, dass Frauen und Männer in unserem Parlament sitzen, die deine Anliegen vertreten in der Politik vertreten. Du hast dazu beigetragen, unsere Schweiz ein Stück nach deinen Vorstellungen mitzugestalten. Bravo!

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