Ausgangszene Schweiz

Review Zürich Pride 2016

Intro

Sehen und gesehen werden

Ich war an der Zürich Pride Anfang Juni und berichte euch nun mal von diesem crazy Trip. Wieso geht frau heute überhaupt noch an die Pride? Richtig: Wegen Alk, Party und Drogen. Hauptsächlich. Und natürlich wegen der Hotties. Macht Spaß, schönen Frauen beim Tanzen zuzusehen. Besonders in diesem Jahr.

Das Sehen und Gesehenwerden ist ein wichtiger sozialer Aspekt der Pride. Erstens um das Ego zu streicheln, die Neugier zu befriedigen und weil es verdammt genial sein kann, mit den richtigen Leuten an seiner Seite. Langweilig ist es nie. Entweder gibt es Schlägereien wegen Exfreundinnen, Eifersuchtsdramen oder sonstige theatralische Zurschaustellungen von zu-viel-Alkohol-plus-Gefühlschaos. Nicht ganz so schlimm wie auf Lesbenparties. Aber genug. Gratis Unterhaltung sozusagen.

Warum an die Pride? Heisses Rumgemache, sexy Ladies und Drag Queens, alles nicht ganz jugendfrei. Und genau darum geht es. Unsere Freiheit, unser Recht, genauso offen und direkt mit unseren Bedürfnissen und Lebensweisen umzugehen wie die Otto-Normalbürger. Weil wir nicht nur Toleranz sondern Akzeptanz fordern. Fertig mit dem Versteckspiel, lebt euer Leben und genießt es.

pride review
All of us together, egal woher wir kommen und wer wir sind, wir halten zusammen.

Pride Demo: Nüchterne Erkenntnisse

Seit ein paar Jahren war das meine erste Pride und ich war, peinlicherweise, total nervös. Als ich in Zürich ankam regnete es in Strömen, was nicht gerade meine Motivation steigerte, zwei Stunden durch die Stadt zu marschieren. Meine Begleiterin Chantal (CEO des Blogs), war total verpennt und überfeiert, wollte nicht raus. Als dann doch die Sonne rauskam, war das unser Weckruf: Let`s go!

 

Chantal mit unserem Traumpaar des Tages, die beste Begleitung, die ich mir wünschen konnte
Chantal mit unserem Traumpaar des Tages, die beste Begleitung: Crazy, sexy, funny and lovely

Beim Helvetiaplatz angekommen mussten wir aufpassen, dass wir uns nicht aus den Augen verloren. Sie, die Züricherin mit den schnellen Schritten und ich, bemüht ihr zu folgen. Irgendwie schafften wir es doch, zusammenzubleiben und fanden sogar noch das lesbische Traumpärchen, mit dem wir verabredet waren. Zu viert gings dann weiter, queer durch die City, inmitten cooler Musik und einer bunt gemischten Menschenmenge.

Da ich nüchtern nicht gerne tanze, war ich Beobachterin: Neben meinen Freundinnen, die ausgelassen tanzten und sichtbar Spaß hatten, war es auch sonst eine Atmosphäre der Freude, Party, Freiheit und Unbekümmertheit. Alle schienen ungehemmt und aufgeregt, ein Meer an Emotionen. Und das passte einfach super zum Motto: Team for Love. Denn so verschieden wir LGBTQIA+ People sind, alle sind in diesem Team. Und so folgten wir dem Heldenbar-Wagen Richtung Festivalgelände.

Die heisse und talentierte DJane Kimbro (links)
Die heiße und talentierte DJane Kimbro (links)

Heiße DJanes, Alkohol und ein bisschen Politik

Bei unserer Ankunft auf dem Kasernenareal war schon alles voll. Auf der Bühne spielte gerade DJane Kimbro ihren Sound. Wir konnten nicht anders als diese wunderschöne Frau anzuhimmeln. Wenn auch nur für einen Moment natürlich, es war viel los. Nach einigen Wiedersehen und die-kenne-ich-doch Momenten (vorallem seitens meiner allseits bekannten Begleiterin CG) holten wir uns was zu trinken und hörten den Rednern zu. Es ging um Ehe für alle, Stiefkindadoption, politische Fort- und Rückschritte und die unabstreitbare Pflicht um unsere Rechte zu kämpfen. Cool, dass es nicht nur LGBT Redner waren, sondern auch hetero Allies.

Die Redner hatten es nicht ganz einfach bei der Partylaune, aber hatten dann doch zu wichtigen Punkten das Publikum erfasst
Die Redner hatten es nicht ganz einfach bei der Partylaune, aber konnten dann doch zu wichtigen Punkten das Publikum mitreißen

Sie bekamen viel Applaus, aber die Aufmerksamkeit war dank steigendem Alkoholkonsum nur teilweise auf sie gerichtet. Nach einigen recht guten Aussagen von Politikern und Co. machten wir uns auf die Suche nach etwas essbarem. Also drei von uns. Eine (ratet mal wer) war mal wieder weg. Die Auswahl an möglichen Menüs schlug mir ironischerweise auf den Magen und so hielt ich Ausschau nach unserer verlorenen Gefährtin. Die auch prompt auftauchte. In Ermangelung eines Ladegerätes für ihr lebensnotwendiges Handy gingen wir nach Hause. Ausruhen, Akku laden (auch unsere) und bereit machen für die Party am Abend.

Massig Party People, feiern bis zum Umfallen
Massig Party People, feiern bis zum Umfallen

Official Pride Party @ Kaufleuten

Nach dem Entspannen konnte es losgehen. Sturz ins Nachtleben, genauer: ins Kaufleuten. Die offizielle Pride Party war sehr gut besucht, oberkommerziell, sehr laut, lustig, abgefuckt, frech und mit der Zeit bisschen doof (too crowded).

Dank Alkohol konnte ich endlich locker werden. Verlassen von meinen Freunden für Drinks, tanzte ich zu den bassgeladenen Klängen der elektronischen Musik. Wow, dieses Gefühl der Freiheit hatte ich fast vergessen. Hielt aber nicht lange an, da immer mehr Leute nach vorne drängten. Flucht zu den Sofas, wo ich meine Mädels wieder fand. Wir tanzten alle zusammen, wobei die beiden Turteltauben sich fast auffrassen. Wie einige der anderen Gäste um uns. Heiße Show, meine Augen aber waren woanders. Gefesselt von Schönheit, Sinnlichkeit und dem Gegenspiel von sanft und wild zugleich. Ach, solche Frauen sind nie frei. Also Abstand halten.

Sagte sich so leicht: Es wurde immer enger, die Leute flippten total aus, waren betrunken oder drauf. DJane Alaska Thunderfuck brachte heissen Sound, gute Mixes, Hauptsache tanzbar. Wir flüchteten in die Raucher Lounge vor der Masse Tanzwütiger, was verdammt gut tat. Ruhiger, intimer, chillig. Irgendwann war die Party für uns zu Ende und wir wanderten heimwärts (im Taxi).

Fazit: Aufregend, heiß und amüsant war es, meine Begleiterinnen die Besten und ich froh dabei gewesen zu sein. Hat sich gelohnt.

Eine Welle der Trauer, Bestürzung, Anteilnahme und Wut nach dem Massaker in Orlando, FL
Eine Welle der Trauer, Bestürzung, Anteilnahme und Wut nach dem Massaker in Orlando, FL

Orlando Shooting: Sollen wir aufgeben?

Ein Tag nach der Zürich Pride wurden in Orlandos Gay Club Pulse rund 50 Menschen regelrecht hingerichtet. Ob es nun ein religiöser Hintergrund oder Selbsthass projiziert auf Schwule war, who knows. Fakt ist, es war ein Hassverbrechen von so vielen, mit dem unsere Community konfrontiert wird. Meist wird es nicht einmal publik. Nur in diesem Fall waren die Wellen gross.

Und genau das ist der Grund, warum es die Pride braucht! Wir sind ein Teil der Gesellschaft und verdienen denselben Respekt und Achtung wie Heteros. Wenn wir nur unsichtbar dahinvegetieren und uns verstecken, was ist das für ein Leben? Wenn wir nicht einmal öffentlich trauern dürfen wie in Russland, keine Anerkennung unserer Verluste, keinen Wert haben für die Allgemeinheit?

Die Zürich Pride hatte 12`000 Teilnehmer und 32`000 Besucher auf dem Kasernenareal und dem Zeughaushof. Nicht nur Gays, sondern auch Angehörige, Freunde, Sympathisanten. Ganz schön viel für uns rechtlich „minderwertigere“ Gesellschaft. Es scheint sich also was zu tun. Nun muss sich nur endlich das Gesetz ändern.

Ich gebe nichts darauf, was andere von meiner sexuellen Orientierung oder meiner Partnerwahl halten. Jeder muss das Leben in seinem Sinne leben können. Und dazu brauchen wir gleiche Rechte für alle. Love is love. Warum spielt das Geschlecht eine Rolle, wenn es um Rechte geht? Wir sind alle Menschen. Es wird Zeit, dass dies anerkannt wird. Unsere Community braucht Sichtbarkeit, Toleranz, Akzeptanz, Gleichstellung und Gleichwertigkeit. Also seid stark und kämpft!



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