Politik

Pegida – Von Fremdenhass und Menschlichkeit

Informationen für die Leserin: Als „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) bezeichnet sich eine Organisation, die seit dem 20. Oktober 2014 wöchentliche Demonstrationen in Dresden gegen eine von ihr behauptete Islamisierung und eine aus ihrer Sicht verfehlte Einwanderungs- und AsylpolitikDeutschlands und Europas veranstaltet. Seit dem 19. Dezember 2014 ist sie unter dem Kürzel PEGIDA als Verein eingetragen. (Quelle: Wikipedia, Stand 18.02.15)

 

Gegner der Anit Islam Bewegung Pegida demonstrieren am 5 1 2014 in Köln Deutz gegen die Demonstratio

 

„Patricia, wovor fürchtest du dich eigentlich so richtig?“, frage ich mich, nachdem ich Julias Artikel über die Angst vor der Angst gelesen habe. Gar nicht leicht zu beantworten… Spinnen finde ich schrecklich. Bad Hair Days auch. Und mit Spritzen bleibt man mir besser vom Leib. Alles ziemlich banal, wenn ich so darüber nachdenke. Ich gehe weiter in mich. Und da ist es. Ein kleines unscheinbares Wörtchen, das für mich beinahe existenzielle Bedeutung hat: Vergessen. Wenn mir etwas so richtig Angst einjagt, dann ist es das Vergessen.

„Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, kurz PEGIDA. Eine Organisation, die Ende letzten Jahres auf der Bildfläche erschien und mir seit dem gehörig auf die Nerven geht. Weil ich mich frage: haben sie vergessen? Die Vergangenheit, vielleicht auch die Moral? Vergessen zu denken? Oder haben sie einfach nur Angst? Angst vorm Vergessen, so wie ich? Angst, vergessen zu werden? Ich weiß es nicht.

Wer oder was ist das?

Was am 20. Oktober 2014 mit wöchentlichen Montagsdemonstrationen in Dresden begann, wurde am 19. Dezember 2014 zum eingetragenen Verein. Kritikpunkte der PEGIDA-Bewegung sind vor allem die von ihr behauptete Islamisierung sowie die aus ihrer Sicht fehlerhafte Asyl- und Einwanderungspolitik. Im Jahr 2015 wurden in Deutschland 202.834 Asylanträge* gestellt, was bedeutet, dass auf einen Deutschen läppische 0,0025 Asylbewerber kommen. Spitzenreiter unter den Herkunftsländern sind Syrien, der Kosovo und Serbien . Mit mittlerweile 151.353 (Stand: 16. Februar 2015) Fans auf Facebook ist PEGIDA längst zum Massenphänomen geworden und zum Vorbild ähnlicher Organisationen in ganz Europa. Ob Oslo, Kopenhagen, Zürich oder Wien – PEGIDA ist angekommen im Bewusstsein der Menschen.

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Mittendrin auf der Suche nach der Menschlichkeit

12. Januar 2015, Schwerin, Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, nahe der deutschen Ostseeküste. Durch die sonst so ruhigen Straßen der Innenstadt ziehen rund 500 Anhänger des PEGIDA-Ablegers MVgida und richten ihren montäglichen Abendspaziergang aus. „Mut zur Wahrheit!“ steht auf ihren Schildern oder „Unser Land, unsere Werte!“. Die Stimmung: aggressiv gegenüber den rund 800 Gegendemonstranten und Journalisten. „Lügenpresse, auf die Fresse!“ wird skandiert, Gegendemonstranten werden angepöbelt. Der Abendspaziergang der selbst ernannten Patrioten artet aus. Ähnliche Szenen spielen sich in anderen deutschen Städten ab, in denen Ableger der PEGIDA Fremdenhass, Intoleranz und teilweise auch Rassismus propagieren. Nicht ohne Grund weisen Verfassungsschutzbehörden auf rechtsextreme Tendenzen hin. Mittendrin stehe ich. Angespannt und besorgt. Warum dieser Hass? Ich suche den Dialog mit MVgida-Demonstranten, spreche eine junge Frau an, einen älteren Herren und einige andere. Ergebnis: Zero. Niemand ist bereit, mir ein kurzes Statement zu geben. Abneigung schlägt mir entgegen wie glühende Hitze. Ein ums andere Mal bekomme ich „Lügenpresse!“ um die Ohren gehauen, was ich zunehmend persönlich nehme. Der Begriff ist kein Unbekannter: das Wort, das 2014 zum Unwort des Jahres gewählt wurde, wurde in den 1930er und 1940er Jahren gegen Kommunisten und Juden eingesetzt. Durch die NS-Propaganda. Zieht eure eigenen Schlüsse, ich habe es bereits getan…

Ich möchte weder eine politische Diskussion vom Zaun brechen, noch die Moralkeule schwingen. Worum es mir geht, ist der fehlende Dialog und mangelndes Verständnis für das Unbekannte. Flüchtlinge und Asylbewerber – in meinen Augen Menschen, wie du und ich. Was nicht ganz stimmt. Menschen, die mehr Grausamkeiten erlebt haben als ein Mensch erleben sollte und alles aufgeben mussten. Es bricht mir das Herz, wie ihnen, die sie Sicherheit und Schutz suchen, Wut und Hass entgegengebracht werden. Wo bleibt da die Menschlichkeit?

 

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Was wäre wenn…?

„Was zur Gurke hat das jetzt auf einem lesbischen Blog zu suchen? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?“, werden sich einige von euch nun wahrscheinlich fragen. Lasst euch von mir einmal mitnehmen auf eine Gedankenreise, es dauert nur einen kurzen Augenblick…

12. Januar 2015, Schwerin, Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, nahe der deutschen Ostseeküste. Durch die sonst so ruhigen Straßen der Innenstadt ziehen rund 500 Anhänger des PEGHA-Ablegers MVgha und richten ihren dienstäglichen Abendspaziergang aus. „Homos raus!“ steht auf ihren Schildern und „Ehe nur zwischen Mann und Frau!“.

Stellt euch eine Organisation namens „Patriotische Europäer gegen die Homosexualisierung des Abendlandes“**, kurz PEGHA, vor. Jeden Dienstag gehen deren Anhänger auf die Straße, um gegen Lesben, Schwule und Transsexuelle zu demonstrieren. In meinen Augen ein klares „Nein!“ zur Vielfalt. Dabei ist es doch gerade die Vielfalt, die uns stark und zu etwas besonderem macht. Schimpft mich eine hoffnungslose Träumerin, aber ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der niemand ausgeschlossen wird und jeder, der um Hilfe bittet, auch welche bekommt. Und deshalb geht Fremdenhass, Intoleranz und damit auch PEGIDA uns alle an. Nicht nur uns Lesben, weil wir zufällig ebenfalls zu einer gesellschaftlichen Minderheit gehören. Uns alle. Das dürfen wir nicht vergessen.

Celebrate Diversity! Dafür stehe ich mit meinem Namen – ihr auch?

* Quelle: www.bamf.de
** frei erfunden

 



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