Lesbische Filme

Neuer Film „The Duke of Burgundy“ – Surreale Dominanz und skurrile Phantasien

Intro

Lesbenfilme werden oft von Männern erdacht und umgesetzt. Das kennen wir bereits. Selten widmen sich diese Filme thematisch so fokussiert der lesbische Liebe wie in `The Duke of Burgundy‘ von Peter Strickland. Konsequent liegt der Blick des 2014 entstandenen englischsprachigen Films auf einer Frauenbeziehung. Keine Klischees, keine eifersüchtigen Männer, keine gesellschaftlichen Konflikte. Spannend! Endlich!

Cynthia in The Duke of Burgundy

Ausgeklügelte Rollenspiele

Fernab der Zivilisation, inmitten von Waldlandschaft im zeitlosen Niemandsland, leben zwei Insektenforscherinnen in einem verwunschenen Herrenhaus. In jener Abgeschiedenheit führen sie eine Beziehung, in der das Begehren seine Tribute fordert. Evelyn, gespielt von Chiara D’Anna, ist mit Mitte dreißig die Jüngere des Frauenpaares. Sie liebt es, sich zu unterwerfen und die strengen Anweisungen ihrer Partnerin Cynthia zu befolgen. Besonders deren Wortspiele und Bestrafungen entfachen tiefe Befriedigung in Evelyn. Rasch wird klar, dass die sich Beugende den Ton angibt. Detaillierte Anweisungen, wie das dominante Spiel zu vollziehen sei, das sich täglich wiederholen wird. Die scheinbar Dominante vollzieht die gewünschten Spiele der scheinbar Unterwürfigen.

 Überraschendes Rollenspiel

Die Wege der Lust

Wir erlangen Einblick in subtile Devotionsspiele und skurrile Phantasiewelten, gelegentlich mit Weichzeichner untermalt oder in Doppelbildern verwischt. Filmdetails wie Schaumblasen werden minuziös in gefühlter Echtzeit gezeigt, um den Fetisch der Rollenspiele zu vermitteln. Filmemacher Peter Strickland wählt ein Ambiente mit aufgespießten Schmetterlingen, Faltern und dicken Raupen. Im Schneckentempo führt ein Kameraschwenk unter den Rock von Cynthia, wo sich ein tiefes schwarzes Nichts auftut, gefolgt von einem Menschenskelett. Sinnlichkeit will in mir beim besten Willen nicht aufkommen, auch nicht gruselige Stimmung im Falle einer Thriller-Ambition. Dennoch weist der Film eine gewisse subtile Stimmung auf.

Evelyn, ihrem Fetisch verfallen

Psychothriller oder Kunstfilm?

Die Story schweift mit geringem Spannungsbogen in eine Zustandsbeschreibung ab. Bei dramatisch einsetzender Musik hoffe ich auf neues Input. Die Szene hält ihr Versprechen nicht wirklich. Schade. Viele spannende, künstlerische Ansätze bietet der Streifen. Ein bisschen Horror, ein bisschen Dominanz, ein bisschen Eleganz, ein bisschen Ekel, ein bisschen Witz, ein bisschen Psycho. Ein bisschen von allem. Der surreale Hauch in ‚The Duke of Burgundy‘ scheint ansatzweise zu gelingen.

Charismatisch weibliche Besetzung

Bemerkenswert, dass der Film ausschließlich von weiblichen Darstellerinnen mit charismatischen Gesichtszügen besetzt ist. Ganz hervorragend die Darbietung der verzweifelten Cynthia (Sidse Babett Knudsen), die an der von Evelyn geforderten Dominanz zerbricht. Sehr verliebt ist Cynthia. Sie zwingt sich, den fatalen Wünschen ihrer Geliebten zu folgen und gibt sich dabei gänzlich auf. Ihre Mimik und ihre feinen Gesten verraten den doppelten Boden ihrer scheinbar resoluten Rolle. Versteckter Schmerz, Trauer, Verzweiflung, Verwirrung, Abhängigkeit. Ich entwickle Mitgefühl für Cynthia und wünsche ihr, dass sie sich aus ihrer Rolle befreit. Ob sie es tatsächlich schafft, wird herausfinden, wer den Streifen bis zum Ende schaut. Viel Spaß!

Fazit: Gelungener Film. Ab den 3. Dezember 2015 in Deutschland und ab 10. Dezember 2015 in der Schweiz in den Kinos.

 

 



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