Lesbische Filme

Lesbian Chic @ Pink Apple – wie war’s?

Vor zwei Wochen hatte ich euch meine 10 Pink Apple – Highlights vorgestellt. Natürlich wollte ich mir auch einige davon ansehen und verbrachte dafür drei Tage in Zürich. Wie es mir gefallen hat und welchen Eindruck das Festival bei mir hinterlassen hat, könnt ihr hier nachlesen.

Zürich begrüsste mich mit nassem, windigen Wetter – es sollte das ganze Wochenende über nicht viel besser werden. Kurz den Koffer deponiert und dann ab zum Arthouse Movie, um mir die Tickets für die nächsten Tage zu sichern. Da ging alles glatt. Weiter zum Kino Stüssihof. Da hatte ich weniger Glück: mein N° 1 Highlight, die Kurzfilmreihe „Best of Porn“, war schon lange ausverkauft. Dafür erhielt ich für „La Parade“ den allerletzten Platz. Phu!

Round the world war die erste Filmdarbietung, die ich mir ansah. Ich war gespannt auf den Gentlemen’s Club für queere Frauen. Am Schluss hatte ich mein Herz jedoch an den Thokozani Football Club und die/den Transgender D’Lo verloren. Der Thokozani FC besteht aus schwarzen lesbischen Südafrikanerinnen. Sie erzählten von den Hassverbrechen gegen Lesben in ihrer Heimat und von den Schwierigkeiten, denen sie als Frauenfussballclub im patriarchischen Cape tagtäglich begegnen. Es tat weh, sich vor Augen führen zu lassen, wie grausam die Gesellschaft andernorts mit Frauen / Lesben / Menschen umgeht. Es tat weh und macht wütend. Nichts desdo trotz, strahlten die Protagonistinnen eine Power, Lebensfreude und der Kampfgeist aus, die mich tief berührte.

D’Lo nimmt die Zuschauer im Kurzfilm „Performing Girl“ mit auf ihren Weg vom tamilischen Mädchen zu einer queer, transgender Künstlerin im Showbusiness. Schonungslos, aber mit unglaublichem Witz, erzählt sie vom Outing bei ihrer streng hinduistischen Familie. Herzerwärmend sind die Kommentare ihrer Eltern, die deutlich machen, wie sehr sie ihr Kind lieben.

Performing girl

Die Kurzfilmreihe „Eintauchen“ sah ich mir als nächstes an. Darin gab es eine Weltpremiere: Die Zürcherin Bettina Freyland hatte „Happy“ von Pharell Wiliams auf Lesbos neu aufgenommen. Selbstverständlich mit lesbischen Akteurinnen. „Happy“ macht happy, mehr brauch ich dazu gar nicht zu sagen. Die Statements in „First Clue“ liessen meine Erinnerungen an die eigenen ersten Vermutungen, lesbisch zu sein, auferstehen. Ein zartes Happy End gab es im gefühlvollen Kurzfilm „Hide your eyes“ zu sehen.

Studio 54 Party im Heaven: Da ich für „Best of Porn“ keine Tickets mehr bekam, traf ich mich am Freitag Abend mit Chantal und wir haben die Pink Apple Party im Heaven besucht. Disco-Ära war angekündigt und der DJ hielt, was er versprach. Ein Evergreen nach dem Anderen tönten aus der Soundanlage und sorgte für gute Laune auf der Tanzfläche. Während das Publikum bis Mitternacht eher weiblich dominiert war, füllte sich der Club ab 1 Uhr mit gut gelaunten, tanzwütigen Männern. Die Evergreens hatten wir dann irgendwann alle gehört und so entschieden wir uns, die Party in Richtung Kreis 5 zu verlassen.

„I haven’t been everywhere, but it’s on my list“ ist ein Zitat von Susan Sontag. Es ist eines meiner Lieblingszitate, denn ich führe tatsächlich eine imaginäre Wunschliste mit Orten, die ich besuchen und Dingen, die ich tun möchte. In der zweistündigen Dokumentation Regarding Susan Sontag erfuhr ich endlich, wer die Frau hinter meinem Herzensspruch ist. Im Film kamen sowohl Susan Sontag selbst, als auch einige ihrer Exfreundinnen, ihr Sohn, ihre Schwiegertochter und enge Freunde zu Wort. Sie zeichneten das Bild einer genialen, hochintelligenten, kämpferischen Frau, die unbeirrbar ihren Weg ging. Sie scherte sich nicht um Normen, Konventionen oder die Meinung anderer. Sie tat, was sie für richtig hielt. Diese Eigenschaften machten sie zu einer eher schwierigen Zeitgenossin. Ihre Partnerinnen und Partner wechselten oft. Sie führte ein ruheloses Leben, aber sie bewegte vieles und viele. Ich verliess das Kino tief beeindruckt von dieser Frau, ihrer schier unendlichen Energie und den daraus resultierenden Leistungen.

Susan Sontag

Lilting brachte mich zum Weinen. Die tiefe Liebe von Richard für seinen verstorbenen Partner Kai, die Trauer der Mutter Junn und das gefühlvolle Ende des Films kamen mitten in meinem Herzen an. Ein grossartiger Film, der mit seiner Vielschichtigkeit viel mehr erzählt, als die Geschichte der schwierigen Annäherung zwischen Richard und Junn. Der Film handelt von Liebe, Familie, Verlust, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl. Und er zeigt, dass es manchmal keine gemeinsame Sprache braucht, um sich zu verstehen. Es genügt, wenn man sein Herz öffnet.

Dieses Jahr wurde erstmals der Pink Apple Award verliehen. Der pinke Apfel aus Kunstoff und die 3’000 Franken Preisgeld gingen an Lionel Baier, den Regisseur und Produzenten von La Parade (notre histoire). Lionel Baier begleitete Marianne Bruchez, die Organisatorin der ersten Gay Pride in Sion, im Jahr 2001. In der Dokumentation wird deutlich, wie schwierig es sein kann, sich in einem konservativen, religiösen Ort, für die Akzeptank von LGBTs einzusetzen. Marianne Bruchez hatte zwar ein siebenköpfiges Organisationskomitee im Rücken, aber öffentlich zeigen, wollte sich niemand von ihnen. Kein Wunder, behaupteten die Gegner der Pride, dass es im Wallis keine Homosexuellen gibt. Man sah sie tatsächlich lange Zeit nicht. Schlussendlich wurde die Parade doch ein grosser Erfolg. In diesem Jahr, am 13. Juni 2015, findet die zweite Gay Pride in Sion statt. Zwei Vertreter des heutigen Organisationskomités waren an der Filmvorführung dabei und erzählten, was sich in den letzten 14 Jahren im Wallis verändert hat… und was noch immer nicht. Unterstützung könnten sie immer gebrauchen, meinten sie. Interessiert? Dann schaut mal auf ihrer Website vorbei. http://www.pride2015.ch/index.php/de/nous-soutenir

Fazit:

Mein Eindruck vom Pink Apple Filmfestival war durchwegs positiv. Wenn ich ein Haar in der Suppe finden müsste, dann wäre es die Tatsache, dass keine Tickets für den Verkauf, direkt vor der Vorstellung, zurückbehalten wurden. Waren die Tickets schon im Vorverkauf alle ausverkauft, dann hatte man eben Pech gehabt. Andererseits, spricht die Tatsache, dass die Filmdarbietungen teilweise schon vor dem Festival ausverkauft waren, nicht für das goldene Händchen der Organisatoren bei der Zusammenstellung des Programms? Ich finde schon. Es lohnt sich auf jeden Fall, den Newsletter zu abonnieren, das Programm zu studieren, sich frühzeitig um Tickets zu kümmern und dem vielseitigen Filmfestival einen Besuch abzustatten.



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