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Interview: Gibt es schöne Lesben und wie findet man sie?

Eine Szene wie in einem Film. Die Redaktionsverantwortliche für Lifestyle & Beauty trifft in der Forum Bar (Zürich) auf die Szenekennerin Luisa Fernandez. Luisa ist zwar jung und hübsch, doch man könnte sie als Urgestein der Szene betiteln, da sie seit 10 Jahren praktisch an allen Frauenpartys zu finden ist. Sie raucht eine von diesen dünnen, chicken Zigaretten namens „Alpenluft“ und trägt eine elegantes, und doch enorm leidenschaftliches rotes, kurzes Kleid. Wir haben Mittwoch, den 1. Oktober 2009. Es ist 10 Uhr.

Redaktion: Gute Tag Frau Fernandez, frieren Sie nicht in Ihrem Dress?

Luisa Fernandez: Bitte, du kannst Luisa zu mir sagen und ja ich friere, doch gut aussehen ist mir den Preis wert.

Redaktion: Danke Luisa. Was uns in erster Linie interessiert, wie kann eine Frau wie du an Frauenpartys gehen?

Luisa: Weil ich wohl lesbisch bin? *lach* Ja, du hast recht, manchmal frage ich mich auch, wieso ich mir dies als Femme antue; früher waren auch viele meiner Kolleginnen mir etwas feindlich eingestellt, bis ich ihnen bewies, dass auch eine Femme lesbische Werte tragen und dennoch supersexy sein kann. Aber wieso ich mir das antue? Die schlechte Musik, die unglamurösen Girls, die intrigäre Stimmung. Hm… manchmal hoffe ich eben doch, eine Gleichgesinnte zu treffen.

Redaktion: Und passiert dies manchmal?

Luisa: So alle Schaltjahre wohl; ausserdem muss man aufpassen. Wenn dann eine schicke Dame kommt, wird sie von allen Seiten besabbert, Kampflesben stürzen auf sie, Frischfleischalarm, da komme ich als eher zurückhaltende Frau eher zu kurz und muss warten, ob von ihr nach der Orgie noch etwas übrig bleibt.

Redaktion: Du kennst die Szene wie keine andere. Unserer Frage ist, gibt es überhaupt hübsche Lesben?

Luisa: Ich bin doch der lebende Beweis dafür, dass es uns gibt! Rein theoretisch sollte es auch hübsche Lesben geben, wenn dann die Verteilung von schön und hässlich gleich sein sollte wie in der heterosexuellen Welt. Ich weiss nur eines, es gibt einen Haufen hübsche Bisexueller, doch die findet man nicht so leicht. Und was die Lesben betrifft, entweder scheinen sich die Lesben hässlich zu machen, sobald sie ihr Coming-Out haben, oder sie gehen nicht in die Szene. Laut Studien verkehren nur 20 Prozent der Lesben regelmässig in der Subkultur. Wo sind die anderen? Ich weiss es nicht. Früher waren wohl auch die lesbischen Codes etwas strenger, wonach Lesbe sich die Harre kurz schneiden musste und Männerhemden tragen musste, um als richtig lesbisch zu gelten. Heute erlebe ich die Szene wesentlich freier und mich dünkt es, als ob Scharen von Tennies an Frauenparties auftauchen, die etwas von Lesbian Chic verstehen.

Redaktion: Also machen sich Lesben bewusst hässlich?

Luisa: Letztens wollte ich mir die Haare auf einer Seite abrasieren, weil ich diesen Uncut-Trend mochte. Mein bester Freund sagte da nur: Hey, nur weil du lesbisch bist, musst du dich nicht extra hässlich machen!!! *lacht*

Redaktion: Und wieso verkehren nur 20 Prozent der Lesben in der Szene?

Luisa: Das ist ganz einfach, nicht jeder ist ein Szene Typ, viele Lesben wohnen auch nicht in einer Grosstadt wie Zürich oder Basel, zudem gibt es einfach nicht ein grosses Angebot für uns. Schauen wir uns mal die Schwulenszene in Zürich an, es gibt mehrere Bars, ein paar Clubs, jeden Tag Parties. Als Lesbe kann man froh sein, wenn wieder mal Kanzlei ist. Lesben gehen einfach weniger aus und ich kann gut verstehen, dass wohl schöne Lesben von der Szene leicht abgeschreckt werden. Ich sage mir auch wieder, o mein Gott, wieso tue ich mir das an, ich gehe nie wieder und dann sehe ich mich doch wieder an der nächsten Party. Wohl in der Hoffnung, doch die Traumfrau meines Lebens zu finden.

Redaktion: Und die hübschen Bisexuellen?

Luisa: Die gibt es sicherlich und das bringt mich auch zu der Annahme, dass Bisexuelle sich weniger mit den Geschlechtsrollenbilder der Gesellschaft auseinandersetzen müssen. Die meisten gehen wohl einfach ab und an mit einer Frau ins Bett, können sich aber eine lesbische Lebensweise nicht vorstellen. Es ist ein grosser Unterschied, mal eine Frau zu küssen und mit einer Frau wirklich zusammen zu sein. Die meisten sind wohl nicht so weit.

Redaktion: Wo findet man hübsche Lesben?

Luisa: Der einfachste Weg, oder auch der schmerzlichste ist wohl, an Parties zu gehen, wobei dann jeweils die Enttäuschung sehr gross sein kann. Weit schwieriger ist es wohl die Lesben zu erkennen, die nicht in der Szene verkehren, und meist nicht proaktiv zu ihrem Lesbischsein stehen. Eine gute Bekannte von mir, hat es sich zum Hobby gemacht, jeweils alle paar Monate im Purplemoon die neuen Profile zu druchstöbern und hat Interessantes herausgefunden. Von 100 Profilen sind wohl etwa 2 bis 5 Frauen wirklich hübsch, die meisten sind in der Tat bisexuell. Und je neuer das Profil ist, desto hübscher die Frau und je jünger die Frau ist, desto hübscher. Es bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als ein paar Jahre zu warten und zu hoffen, dass sich die jungen von dem Kampflesbentrend nicht unterkriegen lassen. Ein anderer Weg ist es wohl, an “normale“ Partys zu gehen und versuchen, Augenkontakt aufzubauen. Mich schauen aber die meisten Frauen nur böse an, weil ich in ihren Augen eine Konkurrentin bin. Doch ich kenne eine gute Freundin, die regelmässig wen mit nach hause nimmt.

Redaktion: Glaubst du an den Trend Lesbian Chic?

Luisa: Ja, durchaus. Lesben werden immer selbstbewusster und freier in ihrer Erscheinung. Das hat viel mit der momentanen hohen gesellschatlichen Akzeptanz zu tun, dass wir uns in die Gesellschaft integrieren können, ohne uns wie früher dagegen stellen zu müssen.

Redaktion: Danke dir vielmals für das Gespräch.



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10 Comments

  1. 1. März 2017 at 10:06

    Liebe Anais, du bist nicht alleine. So wie es dir ergeht, ergeht es auch vielen anderen. Auch ich und anderen Autorinnen von Lesbian Chic haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Weisst du, wie ich das Dilemma gelöst habe? Ich habe auf Onlineplattformen andere Frauen kennengelernt, die im selben Dilemma waren und hab angefangen, mit denen an Parties und andere queere Anlässe zu gehen. Zu zweit ist die einzelne weniger alleine. Dazu hab ich die Erfahrung gemacht, dass sich kulturelle Anlässe (Filmfestivals, Ausstellungen, Lesungen usw.) besser eignen, frauenliebende Frauen kennenzulernen als Parties. Aber das liegt vielleicht auch an mir als Person. Ich wünsche dir viel Glück und gib nicht auf! Es braucht Zeit und Mut, aber hat man unter frauenliebenden Frauen mal Freundinnen gefunden, hat man seine eigene „Szene“, in der man sich sehr wohl fühlt. Es grüsst dich herzlich: Barbara

  2. Shiva
    27. Februar 2017 at 15:46

    Da ich das was als ,,Szene“ dargestellt wird, nur vage verstehe (lebe mitten im Nichts, absolut ländlich) und das, was ich jetzt so darüber gelesen habe, in mir nachhallen lasse, frage ich mich wirklich, ob ich auch nur einen Schritt da hineinwagen sollte. Auf dem Wege des Onlinedatings ging alles in die Hose, was nur in die Hose gehen konnte. Auf diversen Seiten wimmelt es von Fakes und gestörten Persönlichkeiten. Und einfach so in einen Club marschieren und mich dazugesellen ist absolut nicht meine Art, weil ich erst gern wen kennenlerne und mich dann in rauschende Partynächte schmeiße, nicht andersrum. Und dann auch nur zum Spaß, und nicht um als Frischfleisch abgenagt zu werden. Mich hat noch nie jemand als frauenliebend (lesbisch <-hässliches Wort!) identifiziert und so sitze ich in einem Dilemma und zwar schon ewig. Auf der einen Seite Gleichgesinnte kennenlernen wollen, ja auch einfach mal zum Reden und Rumalbern. Und auf der anderen, dem Ganzen Scheiß entgehen, den eine Szene noch so beinhalten kann.

    Wo die ganzen anderen Junglesben sind? Sitzen in der Grauzone und wissen nicht so recht wie und wohin mit sich..so wie ich.

    Anais (22)

  3. L.
    15. September 2014 at 23:37

    Etwas schade, dass alle kurzhaarigen Lesben nun als hässlich abgesempelt werden…

  4. Tamiris
    28. April 2012 at 0:51

    Ich bin auch eine schöne Lesbe
    Und wurde mich über jeden Kontakt freuen.
    Ihr findet mich unter tamiris blanco in Facebook

    Lg

  5. Ilaila
    12. Januar 2012 at 0:17

    Ich bin eine schöne Lesbe…
    Und wo sind jetzt die schönen…
    Finde auch nie die passende, sehen mir alle zu männlich aus…

  6. 6. Dezember 2010 at 23:33

    Liebe X, liebe J.

    Vielen Dank für die Rückmeldung.

    Wir verstehen eure Meinung absolut. In diesem Beitrag ist Luisa zu bestimmten Fragen interviewt worden – und sie hat ihre Sicht der Dinge kund getan. Dies muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass wir diese Meinung teilen.

    Wie ihr aus weiteren Beiträgen unseres Blogs entnehmen könnt, stehen wir für Toleranz ein. Natürlich auch gegenüber Bisexuellen. Falls dies nur ungenügend rübergekommen ist, möchten wir uns an dieser Stelle bei euch und allen Anderen dafür entschuldigen – und hoffen, dass ihr auch weiterhin unsere Seite besuchen werdet.

    Liebe Grüsse von der Redaktion

  7. X.
    6. Dezember 2010 at 10:26

    Erstmal Kompliment für den Blog, schaut gut aus…!

    Da gehe ich mit J. total einig: Fand das Interview bis zu dem Abschnitt über Bisexuelle ganz toll, bei dem Abschnitt hab ich mir gedacht: Echt? Muss das sein? Wieder mal? Muss ich das noch dazu in einem Blog lesen, der sich mehr Toleranz und Diversität innerhalb der Szene auf die Fahnen geschrieben hat?

    Ich als bisexulle Frau empfinde solche Äusserungen als echte Beleidigung und finde es schade, dass sowas hier Platz findet. Oder mag die Interviewte Vorurteile hören wie „Aber die ist doch ganz hübsch und weiblich, die würd doch sicher nen Mann kriegen, warum ist die lesbisch?“

    Scheinbar haben auch manche Nicht-Heteras kein Interesse daran, Bisexualität so ernst zu nehmen wie sie für ihr Lesbischsein einfordern. Wenn ich mit einer Frau zusammen bin, lebe ich zwar als „lesbisches“ Paar, fühle mich aber genauso bisexuell, wie wenn ich eine „heterosexuelle“ Beziehung mit einem Mann führe.

    Was die Interviewte übrigens verwechselt wie viele andere (meist Hetero/a-) Leute: „mal ab und zu mit einer Frau ins Bett oder rumknutschen“ fällt in die Kategorie bi-curious – im übrigen nerven mich in Clubs rumknutschende Pseudolesben, die sich als Bi deklarieren, um sich für Typen heisser zu machen, mehr als alles andere. Mein aktueller Freund fände die Vorstellung von mir mit einer Frau gleich schlimm wie mit einem anderen Mann – weil es eben eine echte Konkurrenz ist (in allen Bereichen: Sex – Liebe – Beziehung), und nicht nur „eben mal so bisschen Spass haben“.

    Schade; ich wünschte mir – gerade auf diesem doch recht unterhaltsamen Blog – einen integrativeren Approach an weibliche Nicht-Heterosexualität bzw. Queerness…

  8. J.
    22. Februar 2010 at 15:20

    Tolles interview nur eines ist wieder zu lesen… Bisexuelle werden mal wieder dem Vorurteil zugeteilt, blos flüchtige (Bett-)Geschichten zu suchen! Es gibt sicher genug Bisexuelle die in einer Frauenbez. leben oder solche suchen!
    Die Liebe ist halt nicht steuerbar so lebe ich seit Jahren auch mit einem Mann zusammen.
    Das heisst nicht dass ich der Versuchung einer Frau nicht schon wiederstehen musste oder das ich die Frauen vor ihm nicht genauso aufrichtig und ehrlich geliebt hätte!
    Ich empfinde sogar so, dass ich die Fraunen viel intensiever geliebt hatte! Ich bin aber auch nicht mit einem Mann zusammen weil es einfacher sei wegen der Geselschaft oder Familie. Als Lesbe war ich genauso zufrieden wie als Bisexuelle. Die Liebe hatte mich zu ihm geführt und ich liebe ihn noch Heute… Es ist schade das man sich als Bisexuelle nicht nur den Heteros erklären muss sondern auch den Lesben…vorallem denen und ich darf das sagen, denn auch ich hatte diese Vorurteile vor einigen jahren…

  9. S.
    4. Oktober 2009 at 21:50

    hmm liegt Schönheit nicht im Auge des Betrachters? Naja zu einem gewissen Teil wenigstens :)

  10. D.
    2. Oktober 2009 at 18:59

    Vielen Dank für diese neue Art von Input auf der Lesbian Chic -Blog-Seite. Ich habe das Interview soeben verschlungen und konnte mich mit der armen Hübschen im roten Dress schnell identifizieren. Ich gehe zwar erst seit bald 4 Jahren an die Szeneparties (Basel)… aber auch bei mir ist es ein „hoffen“ auf eine nette feminine Bekanntschaft… das erste Schaltjahr müsste ja demnächst kommen ;)

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