Kurzgeschichten

Alles neu macht der (Mai) August

Alles neu macht der (Mai) August

Lesben erzählen aus ihrem Leben. Einblicke. Eindrücke. Erfahrungen.
Das Leben schreibt seine eigenen Geschichten. Doch das Gute ist doch, dass jeder seine eigene Geschichte mitschreiben kann. Ich, Josii, erzähle aus meinem Leben und wie sich alles verändert hat. Oder sich gerade auch noch verändert? Jung, naiv und unglaublich unerfahren.

Stadt-Land-Fluss
Stadt-Land-Fluss

Von Grund auf Kämpfer. Doch scheinbar als Nebenberuf gerade als Zweifler angestellt.

Neue Stadt, neue Wohnung. Die erste eigene Wohnung. Ein großer Schritt, den ich über 80km entfernt von allem gehe. Von der Lieblingsfrau, der Familie, den Freunden – von allem was mir so wichtig scheint.
Da kommt er. Der Moment in dem ich am liebsten alles, wirklich alles, über den Haufen werfen möchte. Nichts scheint mehr zu sein, wie es einmal war. Nichts läuft mehr so rund, wie es bis vor wenigen Wochen noch gelaufen ist. Plötzlich kommen Zweifel auf und Momente, die zuvor noch nie da gewesen sind. Momente und Gedanken des Zweifelns.
Jeder, der mir nahe steht, sagt „Du schaffst das“, „Wir sind immer für dich da“, „Wenn etwas ist, melde dich einfach, egal zu welcher Zeit“. Ernst gemeint, klingt jedoch nach Floskeln. Ich habe versucht, mich auf meine Stärken zu konzentrieren und Kraft und Mut aus Gesagtem zu ziehen. Doch es wollte irgendwie nicht funktionieren. Ich bin von meinem Ross abgestiegen und habe versucht, mir Kraft, Mut und Hoffnung zu holen. Heißt es nicht „unverhofft kommt oft“? So habe ich schnell gemerkt, dass mehr dahinter steckt, hinter den Worten, und dass ich auf diese Worte immer bauen kann. Das ist doch irgendwie ein gutes Gefühl, findet ihr nicht auch?
Aufgeben ist keine Option und den Kopf in den Sand zu stecken schon dreimal nicht.

Zum ersten Mal die Stadt erkundet – wow, ich bin wohl doch nicht alleine.

Kurz vorab: meine Heimat war bis jetzt das Land. Viel Dorf, viele Meinungen und wenig Platz zur freien Entfaltung. Meine Einschätzung war, auch hier auf dem noch ungewohnten Terrain, eher auf ein steiferes Völkchen zu treffen. Doch papperlapapp. Neue Lebensformen, Offenheit und Akzeptanz an jeder Ecke. Von heute auf morgen habe ich gemerkt, dass auch hier nicht nur die gewohnten Lebensformen Einzug gefunden haben. Doch wie gehe ich damit um? Für mich gab es nur einen Weg: neue Stadt, neues Umfeld, ICH BIN ICH WIE ICH BIN. Und deswegen wollte ich mir von Anfang an eine neue Existenz aufbauen, mich verwirklichen und zu allem stehen können, dazu, wie ich bin und wen ich liebe. Mir selbst beweisen, wie stark ich bin. Meinem Kämpfer-Ich und mir die unbändige Kraft des Tigers beweisen und aus dem Käfig ausbrechen. Ausbrechen aus Maßregelungen, aus vorgefertigten Bildern. Selbstverwirklichung. Ob ich das wirklich geschafft habe, wird sich erst noch zeigen. Aber eines habe ich geschafft. Und zwar immer zu mir selbst und zu meinen Ansichten zu stehen.

 Ein ganz gutes Motto für einen restart oder?
Rise & shine – Ein ganz gutes Motto für einen restart oder?

Doch warum eigentlich ist mir das so wichtig? Und warum ausgerechnet jetzt in dieser Phase?

Schwer zu beantworten. Kommt hier vielleicht alles zusammen. Aber zu philosophieren warum, wäre ein bisschen wie Fischen im Trüben. Allerdings gab es ein Zitat, gespeichert vor fünf Monaten in meinen Notizen. Ab und an mal gelesen, aber nie weiter damit beschäftigt. Doch irgendwie beschäftigte es mich. Sonst hätte ich es wohl nicht immer wieder gelesen. Und darüber nachgedacht.

Und: Sollte man nicht irgendwann einmal die eigenen festgefahren Positionen überdenken, die Welt mit neuen Augen sehen, und damit beginnen, die Dinge wirklich und wahrhaftig wahrzunehmen und offen anzusprechen?

Habe ich es mir zu Herzen genommen? Ja. Sie fragten, “Wie definierst du dich?“. Ich frage: “Was ist Definition? Muss ich so etwas machen?“

Ich frage mich nicht erst seitdem ich diese Zeilen über die letzten Wochen schreibe, sondern schon seit Tag X: Wer gibt vor, dass man sich definieren muss? Was ist das überhaupt? Muss ich eine Gruppe Gleichgesinnter finden? Sollte ich nicht eher ich selbst bleiben? Durch die Stadt laufen, mit offenen Augen, offen sein für neues, aber doch immer man selbst bleiben wollen. Ich kann sagen, dass es mir ganz gut gelungen ist, mich nicht zu verbiegen. Mir neue Inspiration zu suchen und einfach ich zu bleiben.

Nicht etwa nur auf diesem Bild.
Alles blüht – Nicht etwa nur auf diesem Bild.

Kurz gestrauchelt und doch gerettet Wer kennt es nicht: neue Umstände, neues Umfeld, neuer Lebensabschnitt. Und plötzlich bringt einen der kleinste Windstoß aus dem Konzept. Dem hätte wohl auch der allergrößte Kämpfer nicht ohne weiteres trotzen können. Doch nach ein paar Tagen Eingewöhnungszeit kann ich sagen, ich habe mich gefangen. Unbeeinflusst von der kurzen Unruhe bin ich zurück bei alter Stärke und Selbstsicherheit.

Diese Zeilen, nehmt sie euch zu Herzen. Glaubt immer an euch selbst und steht zu euch. Gebt die Hoffnung niemals auf. Auch wenn das Licht am Ende des Tunnels noch in so weiter Ferne erscheint,haltet fest an euren Zielen und Werten. Lasst euch niemals unterkriegen!



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