Beth Ditto ist nicht nur wortwörtlich BIG. Sie ist auch BIG im Geschäft. Sei es als Frontfrau ihrer Band „Gossip“, als Vorreiterin im Kampf um Respekt für Mitglieder der LBGT-Community, oder als Frau, die ganz einfach zu sich, ihren Gefühlen oder zu ihrem Äusseren steht. Ein Portrait.

Gossip

Bis zum April 2009 waren Gossip, die Band bestehend aus Nathan Howdeshell (Gitarre), Hannah Blilie (Schlagzeug) und Beth Ditto (Gesang), hierzulande nur den Wenigsten bekannt. Doch dann wurde die Single „Heavy Cross“ veröffentlicht, und hielt sich während 78 Wochen, das sind beinahe eineinhalb Jahre (!), in den Top 100 der hiesigen Charts. Gossip traten an unzähligen Festivals und Shows auf, wurden von den Musik-Kritikern in den Himmel gelobt, und heimsten Auszeichnung über Auszeichnung für ihr mittlerweile viertes Album „Music for Men“ ein. Der kommerzielle Durchbruch war nun auch im deutschsprachigen Europa geschafft.

Zu diesem Zeitpunkt war die Band, die ihre Wurzeln in der „Riot Grrrl“-Szene (eine feministische US-Hardcore-Punk-Bewegung) haben, in Amerika schon längst bekannt. Dies nicht nur wegen ihrer Musik, sondern auch wegen ihres Engagements gegen George W. Bush und für die Rechte von Homosexuellen.

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BIG Beth Ditto

Wann immer Gossip irgendwo auftraten, oder über einen roten Teppich schritten, waren die Kameras stets vor allem auf deren Sängerin gerichtet. Die ist aufgrund ihrer doch sehr korpulenten Figur ehrlicherweise auch schlecht zu übersehen. Erstaunlicherweise hielten sich die Medien aber vornehm zurück mit Kritik an Beth’s Rundungen – auch wenn sie sich an ihren Gigs teils bis auf die Unterwäsche auszieht. Das ist in Zeiten von Promi-Magazinen, die voll damit sind, welche Celebrities in den letzten zwei Wochen wie viele Gramm zugenommen haben, doch einigermassen verwunderlich. Beth Ditto steht aber mit solch einer Selbstverständlichkeit und Überzeugung zu ihren Kilos, dass wohl sowieso jeder Angriff auf sie effektlos an ihr abprallen würde. Sie ist sich bewusst, dass sie anders ist, dass sie auffällt, dass sie eigentlich so gar nicht in die Welt der Stars und Sternchen passt. Dies auch wegen ihrer sexuellen Orientierung: Beth steht nämlich offen dazu, lesbisch zu sein. Nächsten Frühling, so hat sie kürzlich offenherzig erzählt, will sie ihre Freundin auf Hawaii ehelichen. Doch gerade weil sie auch mit diesem Thema so offensiv und selbstverständlich umgeht, scheint sich niemand daran zu stören. Im Gegenteil. Das Gesamtpaket Beth Ditto ist unglaublich angesagt: Karl Lagerfeld – seitdem er erschlankt ist ein Verfechter von Size Zero – vergöttert sie, MAC lanciert mit ihr zusammen eine Kosmetiklinie, etliche Musikerinnen und Musiker streiten sich darum, mit ihr arbeiten zu dürfen.

GROSSES Vorbild

Beth Ditto ist vielleicht nicht mehr Indie, wie zu Beginn ihrer musikalischen Karriere, aber sie ist BIG im Geschäft. Ohne Frage. Sie ist aber, und das ist ihr wahrer Verdienst, vor allem ein GROSSES Vorbild für uns alle. Was sie uns nämlich wie kaum eine andere vorlebt, ist ihr Credo, stets zu sich zu stehen, stets sich selbst, und auch mal laut und schrill zu sein. Unabhängig vom Aussehen oder der sexuellen Orientierung. Oder eben gerade weil wir anders sind. Wie hat es Beth doch einmal in einem ihrer Songtexte formuliert?

Standing in the way of control
We live our lives
Because of standing in the way of control
We will live our lives
Because of standing in the way of control
We live our lives
Because of standing in the way of control
We will live our lives, lives, lives, lives on

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Das neue Album, „Joyful Noise”, gibt’s übrigens seit dem 11. Mai zu kaufen.