Früher oder später enthüllt(e) jede von uns ihren Eltern, dass sie sich in eine Frau verliebt hat. Und fast immer entstehen dabei Outing-Situationen, die einiges an Diskussionsstoff bieten. Manchmal sind sie amüsant und manchmal zeigen sie uns umso mehr, dass noch nicht die ganze Welt bereit für uns ist. Mutmasslich ist es nicht nur mit den Eltern so, sondern das Ganze lässt sich auch auf Freunde oder den Rest der Familie projizieren. In letzter Zeit habe ich mich also mal nach den Outingstorys in meinem Umfeld umgehört und komme mit einem Augenzwinkern zu folgenden 5+1 diskutierwürdigen Stereotypen:

 

Mama, Papa, ich liebe Frauen…“

1. Die Verdränger

Die Reaktion: „Das ist nur eine Phase…“

Was sie eigentlich damit sagen wollen: „Aber Kind, das war doch gestern noch nicht so! Ich begreife das jetzt noch nicht ganz. Ich bin in einer anderen Generation aufgewachsen, was bedeutet das für dich? Du wirst es dir damit viel, viel schwerer machen im Leben! Du bist vielleicht grade verzweifelt, weil du keinen Kerl findest, aber das wird schon wieder. Wir verstehen das einfach nicht.“

Weitere Aussagen: „Aber du bist doch so hübsch, du könntest doch jeden Kerl kriegen!“, „Bist du dir sicher…?“, „Das geht aber doch gar nicht…?“

Fazit: Irgendwann nerven die Kuppeleiversuche mit dem Nachbarssohn. Klärungsbedarf. Jahrelang.

2.  Die Entspannten

Die Reaktion: „Was du nicht sagst…“

Was sie eigentlich sagen wollen: „Glaubst Du wirklich, es wäre uns nicht aufgefallen, dass du nicht vergleichbar mit anderen bist? Du warst schon immer irgendwie ein bisschen „anders“, und daher überrascht uns das jetzt wenig. Die Kleidchenabneigung, die Regenbogenflaggen oder die zu nett lächelnden Mädels waren ja schon irgendwie ein Hinweis. Schliesslich sind wir deine Eltern und kennen dich, und das nicht erst seit gestern.“

Weitere Aussagen: „Das haben wir ja schon immer irgendwie gewusst…“, „War nicht zu übersehen…“, „Schön, dass du uns das endlich offiziell mitteilst…“

Fazit: Toleranz- und Zuneigungsschock und die Erkenntnis „Verdammt, ich bin doch nicht mysteriös!“. Wie einfach die Welt sein kann.

3.  Die Verzweifelten

Die Reaktion: „Was haben wir falsch gemacht?“

Was sie eigentlich sagen wollen: „Oh mein Gott, aber das ist doch nicht vererblich oder? Haben wir dir nicht genügend rosafarbene Kleidchen oder Puppen gekauft? Haben wir dich nicht genug geliebt? War Papa zu streng zu dir? Oder zu nett? Haben wir dich in der Pubertät nicht oft genug total heteronormative Dailysoaps schauen lassen? Sind wir keine guten Vorbilder gewesen?“

Weitere Aussagen: „Verachtest Du uns so sehr?“, „Hat das mit dieser einen Freundin da von früher zu tun?“

Fazit: Irgendwann haben sie alle Bücher, die das Thema „Homosexualität ist KEINE Krankheit“ behandeln, gelesen und dann wird’s vielleicht…?

4.  Die Stolzen

Die Reaktion: „YAY, endlich ein homosexuelles Kind!“

Was sie eigentlich sagen wollen: „Eeeeeendlich haben wir einen Grund von CSD zu CSD zu reisen, unser Wohnzimmer in Regenbogenfarben zu tapezieren, und den ganzen Tag die Village People und Lady Gaga zu hören! Unser super toleranter Genpool hat Früchte getragen, und wir haben die Welt noch viel bunter gemacht! Oooooh wir LIEBEN dich so sehr!“

Weitere Aussagen: „Die da ist doch auch lesbisch!“, „Diese Demo gegen Homophobie letzthin war ganz toll!“, „Komm Schatz, lass uns doch auch homosexuell werden“

Fazit: Zuerst Hurra, dann Befremden. Die Eltern wissen besser Bescheid, als man selbst. Scary!

5.  Die Verstosser

Die Reaktion: „Dann bist Du nicht unser Kind.“

Was sie eigentlich sagen wollen: „Du stellst alles in Frage, was uns etwas bedeutet: Unser Weltbild, unsere Ansichten und unsere Werte. Und uns als Eltern. Was sollen wir nur unseren Freunden sagen?“

Weitere Aussagen: „…“, „Das ist nicht normal“

Fazit: Es gibt sie, und es ist ätzend. Meistens, werden aus Verstossern Verdränger, aber leider nicht immer.

+1 Die Natürlichen

Die Reaktion: „Wir wollen, dass Du glücklich bist.“

Was sie eigentlich sagen wollen: „Oh. Da haben wir keine Ahnung von. Überrascht uns grade ziemlich, auch wenn wir es vielleicht geahnt haben. Du bist unsere Tochter, wir lieben dich, wie du bist. Es gibt nichts, was daran etwas ändern könnte. Sprich mit uns darüber, was das für dich bedeutet. Hab Geduld mit uns, wir kennen uns damit überhaupt nicht aus.“

Weitere Aussagen: „Wie ist das denn mit Enkelkindern?“, „Bist du glücklich mit ihr?“

Fazit: Eigentlich hofft wohl jede von uns auf diese Reaktion.